article

Christologie (vom griechischen χριστός -Christos, Gesalbter- und λογος -Logos, Wort, Lehre-) ist der Fachbegriff für die christlichen Deutungen der Person Jesus von Nazaret sowie für die theologische Reflexion dieser Deutungen. Die Christologie gibt, vereinfacht gesagt, Antworten auf die Frage nach der "Natur" und "Bedeutung" der Person Jesu Christi sowohl für die Kirche als auch für den Gläubigen.

Der Name "Jesus Christus"


Der Verbindung des hebräischen Vornamens "Jehoschua" (lateinisch: "Jesus") mit dem griechischen Titel "Christos" (hebräisch: Maschiach, deutsch: der Gesalbte) ist als griechischer Nominalsatz ohne Verb bereits die wesentliche urchristliche Glaubensaussage: "Jesus ist der Messias".

Simon Petrus ist im Neuen Testament der erste der Jünger Jesu, der bekennt: Du bist der Christus! (Mk 8,29) Diese erstmalige Aussage kann als Geburtsstunde des Christentums gelten.

Indem der im Judentum vorgeprägte Messiastitel in der griechischen Sprache auf Jesus allein bezogen und von den Christen nur noch in Verbindung mit dieser Person benutzt wurde, wurde "Jesus Christus" faktisch zum Eigennamen. Das darin enthaltene Glaubensbekenntnis lässt sich dann nur noch als Geschichte dieser Person nacherzählen (narrativ) und so verkünden (kerygmatisch). Zu diesem Namen werden sich nach urchristlichem Verständnis eines Tages "alle Zungen im Himmel und auf Erden bekennen" (Phil 2,1-11).

Im traditionellen kirchlichen liturgischen Gebrauch wird der Name Jesus Christus lateinisch dekliniert:

Nominativ: Jesus Christus
Genitiv: Jesu Christi
Dativ: Jesu Christo
Akkusativ: Jesum Christum
Ablativ: Jesu Christo
Vokativ: Jesu Christe

Die Endsilbenvokale sind zum Teil verschieden, weil "Jesus" auf Latein der griechischen Deklination folgt, "Christus" der lateinischen o-Deklination angehört. Der Genitiv "Jesu" ist in das Deutsche eingegangen: auch dort, wo der Vorname ohne den Christustitel erscheint. Der Vokativ (Anredeform) findet sich noch an einigen Stellen des evangelischen Gottesdienstes: im Kyrie (Christe eleison), beim Ruf nach dem Evangelium (Lob sei dir, o Christe!) und im Agnus Dei (Christe, du Lamm Gottes). Den Namen Jesu Christi dativisch oder akkusativisch zu deklinieren ist hingegen in den letzten 50 Jahren fast vollständig außer Gebrauch gekommen.

Urchristliche Bekenntnisaussagen im Neuen Testament


Das Neue Testament (NT) enthält eine Fülle von Titeln und Hoheitsaussagen über Jesus, die nicht ohne Weiteres harmonisierbar sind. Der Artikel Jesus Christus im Neuen Testament beschreibt deren theologische Aussageabsichten, der Artikel Jesus von Nazaret dagegen jene Worte und Taten Jesu, die heute überwiegend für historisch gehalten werden.

Als typische Beispiele unter vielen mitsamt den markanten Belegstellen seien hier nur genannt:

Die Frage, wie der historisch gekreuzigte Jesus von Nazaret so viele Titel auf sich ziehen und als Erlöser der ganzen Welt verkündet werden konnte, so dass daraus eine neue Weltreligion wurde, beschäftigt die historische Forschung spätestens seit der Aufklärung. Zentral ist dabei die Frage, welches Selbstverständnis der historische Jesus hatte. Hielt er sich selbst für den, den andere in ihm sahen?

Die Antwort ist in der NT-Forschung umstritten. Um die Diskussion zu strukturieren, differenziert sie

  • explizite Christologie: Titel und Hoheitsaussagen, die in Selbstaussagen Jesu auftreten
  • evozierte Christologie: Titel und Hoheitsaussagen, die er bei seinen Zuhörern hervorruft und für sich gelten lässt
  • implizite Christologie: Worte und Handlungen Jesu, die eine besondere göttliche Vollmacht ausdrücken und damit spätere Hoheitsaussagen begründen konnten.
Bei allen drei Varianten wird diskutiert, ob und welche Titel Jesus selbst schon zu Lebzeiten benutzte oder hervorrief - oder ob auch sie Glaubensaussagen der Christen sind, die erst nach Ostern (also der Auferstehung Jesu) formuliert wurden.

Die implizite Christologie war nach Darstellung des NT wohl die Hauptursache für seine Kreuzigung: Da er sich in seinen Worten und Taten als souverän gegenüber den Satzungen Israels und auch den römischen Besatzern zeigte, wurde er als gefährlich für den Fortbestand des Kultes und die öffentliche Ordnung eingestuft.

Explizit spricht Jesus von sich nur als „Menschensohn". Auch seine eigene, wahrscheinlich historische Gottesanrede „Vater, Papa" (aramäisch familiär: Abbah) betonte eventuell ein besonders intimes Verhältnis zu Gott, könnte aber auch allgemein üblich gewesen sein unter aramäisch sprechenden Juden.

Die jüdischen Titel „Sohn Davids" (z.B. Mk 10,47) und „Sohn Gottes" (Mk 1,11 usw.), den griechischen „Christus"-Titel (Mk 8,29) oder die römische Bezeichnung „König der Juden" (Mk 15,2) benutzt er dagegen nicht. Er widerspricht diesen Prädikationen meist aber auch nicht, wenn andere ihn so nennen.

Seiner öffentlich Benennung als „Sohn Gottes" widerspricht Jesus im ältesten Evangelium, um der Welt nicht vorzeitig seine wahre Identität zu verraten: Dies repräsentiert die Theologie des Markusevangeliums, mit der er Jesu Heilwirken (Mk 3,11) und seinen Kreuzestod (Mk 15,39) nachträglich deutete. Der „Kyrios"-Titel taucht nur im Kontext von nachösterlichen Visionsberichten und späterer Gemeindetheologie auf.

Eben diese beiden Titel treten jedoch in den ältesten urchristlichen Credoformeln auf. Als Grundbekenntnisse gelten:

„Herr" (griechisch Kyrios) ist die bewusste Übertragung des hebräischen Gottesnamens JHWH auf Jesus. Sie bezieht dessen Herrschaft auf das ganze Universum.
  • „Jesus war/ist der Sohn Gottes" (Mk 15,39; Röm 1,3): Dieses Glaubensbekenntnis basiert auf dem Gedanken der „Erwählung" eines bestimmten Menschen zum „Offenbarer" und „Abbild" Gottes (Mk 1,11).
Wieweit damit jedoch schon eine zweite „göttliche Person" neben dem Schöpfer der Welt, dem „Vater" Jesu, gemeint war, ist in der NT-Forschung umstritten. Die Evangelien haben diese christologische Diskussion selber eröffnet, indem sie die Hoheit und Vollmacht Jesu Christi einerseits, seine Ohnmacht und sein stellvertretendes Leiden für die Menschheit andererseits dicht beieinander verkünden.

Jesus stellt dort selbst die Frage nach seiner Identität: Was sagen die Leute, wer ich sei? (Mk 8,27). Die Antwort des Petrus - Du bist der Christus! (v. 29) - bekennt Jesus als den endgültigen unüberbietbaren Heilsmittler im Unterschied zu allen vorläufigen Propheten. Aber auch das meinte nicht unbedingt eine „göttliche Natur" Jesu. Diese ist im Judentum, in dessen Glaubenstraditionen Jesus von Nazaret und seine ersten Nachfolger sich bewegten, kaum vorstellbar: Dort war das 1. Gebot maßgebend, das die Anbetung eines Menschen als Gott neben Gott streng ausschließt. Um so akuter wurde darum später die Frage nach der Menschlichkeit oder Göttlichkeit Jesu bzw. nach dem Verhältnis zwischen beiden gestellt.

Vom Neuen Testament zur kirchlichen Theologie


Der Messias ist schon gekommen: Trennung vom Judentum

Während das Judentum bis heute auf das Kommen des Messias' (wörtl.: der Gesalbte) wartet, behaupten die Christen: In Jesus ist der Christus (wörtl.: der Gesalbte) erschienen. Die erste Christologie bewegte sich also im Rahmen jüdischer Messianologie, die aber schon zu jener Zeit vielfältige Ausgestaltungen kannte: Es gab eine prophetische Messianologie, die mit der Wiederkunft des Elia rechnete, eine königliche Messianologie, die einen Davidsohn erwartete, aus Qumran kennen wir auch die Erwartung eines priesterlichen Messias von Aaron oder aus dem Stamme Levi. Das Wirken oder Schicksal des Gesandten oder Erwählten konnte dementsprechend auch mehr politisch, mehr kultisch oder prophetisch verstanden werden - bis zum leidenden Messias, der im verstoßenen Joseph oder dem leidenden Gottesknecht in den Visionen Jesajas sein Vorbild hatte. Christliche Aussagen über Jesus knüpfen an verschiedenste Modelle an, ohne dass dahinter schon ein theologisches Gesamtkonzept stand. Im Vordergrund stehen königliche Motive (Psalm 110 ist die meistzitierte AT-Stelle des Neuen Testaments), aber auch prophetische, priesterliche und freilich die leidenden Aussagen finden Anwendung auf Person und Geschick Jesu. Allen Christlichen Motiven ist gemeinsam: In Jesus Christus ist der verheißene Messias gekommen, nach ihm kommt keiner mehr. Er ist also nicht nur ein Erwählter oder Gesandter, sondern gewissermaßen der Messias aller Messiasse, das Siegel der Propheten. So finden sich in der christlichen "Messianologie" auch Motive, die über die üblichen jüdischen Messiasprädikationen hinausgehen: So ist "Sohn Gottes" zwar im königlichen Kontext noch möglich, aber nicht üblich. Die schon vom Johannesevangelium vorgetragene Einheit aus Vater und Sohn, die Verbindung mit der griechischen Logos-Philosophie, die Gleichsetzung im Hebräerbrief von Jesus Christus mit Melchisedek dem Priesterkönig vor aller jüdischen Priesterschaften und Königtümern, überall finden sich schon in frühester Zeit Zeugnisse, dass sich eine Christologie entwickelte, die sich auch schon bewusst von jüdischer Messianologie abhob, um die besondere Würde der Person Jesu Christi zu beschreiben. Im Ganzen blieb dies aber unsystematisch und bildete ein Sammelsurium aus Hoheitstiteln und Prädikationen (siehe oben) die noch nicht auf einen einheitlichen Begriff zu bringen waren. Im Mittelpunkt stand anfangs auch nicht die systematisch-theologische Darstellung nach außen, sondern die Gewissheit für den Gläubigen: Jesus Christus, Gottes Sohn, (mein) Retter. (Das sog. ICHTHYS-Bekenntnis). In der Auseinandersetzung mit Irrlehrern und der notwendigen Darstellung nach außen wurde aber bald eine systematischere Ausarbeitung notwendig, die bei der Verschiedenheit der Traditionen freilich reichlich Konfliktstoff barg.

Ewiger Sohn Gottes - wirklicher Mensch?

Im jüdischen Einflussbereich bezeichnete der Titel "Sohn Gottes" die Willens- und Tateinheit des Menschen Jesus mit Gott. Er ist der (gute oder gehorsame) "Sohn", weil er Gottes in der Tora geoffenbarten Willen ganz erfüllt hat. Auch seine Werke, wie Sündenvergebung etc., wären ohne Gottesherkunft blasphemisch gewesen.

Im Zuge der Ausbreitung des Christentums im römischen Reich verschob sich die Bedeutung des "Sohnes"-Titels. Im hellenistisch beeinflussten Mittelmeerraum stellte sich immer stärker die Frage nach der "Natur" oder dem "Wesen" (lateinisch "substantia") der Person Jesu Christi.

Denn wenn Jesu Menschlichkeit und sein Leiden Ausdruck einer freiwilligen Erniedrigung (Kenosis) des Sohnes Gottes aus der Sphäre Gottes (Phil. 2, 1-11) war, dann ergab sich daraus die Vorstellung seiner Präexistenz, d.h. seines ewigen Seins beim Vater schon vor der Menschwerdung (Joh.1, 1-18).

Die darin enthaltenen Paradoxien und logischen Denkschwierigkeiten wurden Hauptthema der Theologie der ersten christlichen Jahrhunderte. Sie führten zu einer Abfolge dogmatischer Streitfragen, die mit kirchlichen Lehrentscheidungen autoritativ beantwortet wurden. Dabei wurde die Diskussion um Jesu Menschlichkeit zum großen Teil parallel zur Diskussion um seine Göttlichkeit geführt. Denn beide Aspekte überschnitten sich angesichts des Todes Jesu:

  • Wie kann der ewige Sohn Gottes sterblicher Mensch werden, ohne aufzuhören, Gott zu sein?
  • Wie kann der Sohn Gottes als wirklicher Mensch alle Menschen erlösen?

Der Hebräerbrief brachte das Problem so auf den Punkt (Hbr. 3, 18): "Denn worin er selber gelitten hat und versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden." Das berührt schon die enge Verbindung der christologischen Debatte zur Soteriologie: Wenn Jesu Tod die Menschen erlöst haben soll, müsste Jesus ganz Mensch gewesen sein, mit einem eigenen - menschlichen - Willen. Diese Auffassung stand oft hinter der Ablehnung von Theologien, die die Göttlichkeit Jesu auf Kosten seiner Menschlichkeit betonten.

Lehrentwicklung in der Alten Kirche


Kanon- und Credo-Bildung

Die allmähliche Festlegung des neutestamentlichen Kanons bis etwa 400 n. Chr. hatte Einfluss auf die Christologie. Denn damit wurden z.B. gnostisch beeinflusste Schriften ausgeschlossen, die Jesu Unsterblichkeit betonten und damit sein Menschsein in Frage stellten (z.B. mit der Behauptung seines "Scheintods" der Doketisten (Doketismus)).

Seit Beginn des 2. Jahrhunderts standen die vier Evangelien, die Apostelgeschichte des Lukas und die Paulusbriefe als Teil des Kanons fest. Umstritten waren vor allem die Offenbarung des Johannes und der Hebräerbief.

Ihren vorläufigen Abschluss fand die Christologie im Jahre 325 auf dem ersten Konzil von Nicäa im nicäisch-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis. Diese Entwicklung verlief parallel mit dem Kampf der Alten Kirche um Anerkennung im römischen Reich.

Entwicklung der Trinitätslehre

Vorausgegangen waren jedoch intensive Auseinandersetzungen um die Interpretation der Person Jesu Christi, insbesondere um ihr Verhältnis zum Gottsein Gottes.

Im 2. Jahrhundert war noch die hellenistisch orientierte Alexandrinische Schule führend: Sie verband jüdischen und griechischen Geist, übernahm die Logos-Lehren des Platonismus und vertrat den vierfachen Schriftsinn (Origenes).

Ab 250 gewann jedoch die orthodoxe, anti-spekulative Antiochenische Schule an Einfluss. Sie vertrat die Trinitätslehre, die besagt, dass der eine Gott als "Sein-in-Beziehung" von drei "Personen" zu denken ist: als Schöpfer, Erlöser und Heiliger Geist. Dieses Denkmodell ist das logische Pendant zum Inkarnationsdogma: Es soll erklären, wie der ewige Sohn Gottes als sterblicher Mensch wieder zu Gott zurückkehrt und dabei seinen Geist über seine Kirche ausgießt, um Glauben und Erkennen des wahren Gottes zu schaffen.

Eine entfaltete Trinitätslehre taucht im NT noch nicht auf. Sie ergibt sich aber aus einigen seiner Glaubensaussagen, z.B. der Präexistenz des Logos (Jh. 1, 1ff). Eine frühe trinitarische Formel enthält der Missionsbefehl nach Matthäus (Mt. 28, 19).

Gott wird in der Kirche als dieser dreieinige Gott angebetet. Das markiert auch den unüberbrückbaren Gegensatz zum Judentum und später zum Islam, die Gott nur als eine unteilbare Person im Gegensatz zu allem Geschaffenen denken und anbeten.

Die konstantinische Wende

Die christologischen Debatten hingen eng mit dem Kampf der Kirche um Anerkennung im römischen Reich zusammen. Mit dem Mailänder Toleranzedikt Konstantins I. von 313 kam ein Durchbruch: Nach jahrhundertelanger Verfolgung wurde das Christentum nun offiziell erlaubt.

Diese "konstantinische Wende" hatte jedoch auch zur Folge, dass der römische Kaiser persönlich Einfluss auf die innerkirchliche Lehrentwicklung nahm. Er berief Konzilien ein und setzte die Kompromissformel des "homoi-ousios" durch: Jesus Christus ist als Gottes Sohn "gleichwesentlich" mit Gott selbst.

Die Zwei-Naturen-Lehre

380 erklärte Kaiser Theodosius I. das Christentum mit dem Dreikaiseredikt zur neuen einzigen Staatsreligion des römischen Reiches. Daraufhin wurde die Einigung auf einen gemeinsamen Glauben aller Christen umso nötiger.

Schon 325 formulierte das erste Konzil von Nicäa das nicäisch-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis, in dem die Trinitätslehre fixiert, das "homoousios" auf Vorschlag des Kaisers angenommen und der Arianismus abgewiesen wurde. Nach dieser Formulierung sei Jesus Christus "homoousios", d.h. eines Wesens mit Gott. Theologisch bedeutet dies, dass Jesus Christus als die wahre Selbstoffenbarung Gottes gesehen werden kann.

In Nicäa war dieser Streit noch ein Randthema. Als Hauptproblem wurde auf dem Konzil die Frage des christlichen Festkalenders (Ostertermin) behandelt. Nach dem Konzil stürzte die Formulierung des Bekenntnisses die Kirche in eine erbitterte Debatte über Jahrhunderte, an der Einheit der Ostkirche zerbrach. Ein vorläufiger Abschluss der altkirchlichen Theologie wurde 451 auf dem 4. Konzil von Chalcedon erreicht. Dort wurden abgelehnt:

  • Arianismus, der in Jesus einen von Gott beauftragten und über alle anderen erhobenen Menschen sah, sowie gegen
  • Monophysitismus, wonach das Göttliche und das Menschliche eine vermischte gott-menschliche Natur bildeten (polemisch überzeichnet: Jesus als Gott, dessen Menschlichkeit als Schein und Verkleidung sei)
  • Duophysitismus, wonach das Göttliche und das Mensche in Jesus eher geschieden sind.
Jesus Christus ist "wahrer Gott" (die zweite Person der Trinität) und "wahrer Mensch" zugleich. Beide "Naturen" seien ungeschieden und unvermischt. Man bezeichnet dieses Ergebnis daher auch als "Zwei-Naturen-Lehre".

Demnach ist Christus wahrer Gott, weil er nur so als die wahre Selbstoffenbarung Gottes verstanden werden kann. Dass Gott in ihm zugleich wahrer Mensch ist, soll festhalten, dass die Menschen in ihm wirklich erlöst sind.

Dieses Dogma ist bis heute gemeinsame ökumenische Lehrgrundlage der christlichen Kirchen, außer für die damals widersprechenden Altorientalischen Kirchen. Auf dieser Basis baute der Hauptstrom der christologischen Diskussion fortan auf. Bei aller brillanten theologischen Logik ist ein sperriges Denkgebilde entstanden, das kaum Eingang in die christliche Frömmigkeit gefunden hat.

Ostkirche


Ostkirche ist ein Sammelbegriff für die verschiedenen orthodoxen Kirchen. Seine wesentlichen Wurzel hat die Ostkirche im griechisch sprachigen Mittelmeerraum der ersten 7 Jahrhunderte.

Das Christentum entstand als jüdische Sekte, die in Jesus von Nazareth den Mesias sah. Schon kurz nach seiner Entstehung gelang dieser "Sekte" der Wechsel in den hellenistischen Sprach- und Kulturraum des östlichen Mittelmeerraumes. Das vor allem durch die Missionsreisen des Paulus dem Christentum erschlossene Kleinasien wurde zum Kerngebiet der Ostkirche. Hier gab es im dritten Jahrhundert mehr Christen als in allen anderen Gebieten des römischen Reiches.

Als geistige Zentren der Ostkirche bildeten sich die Bischofssitze von Konstantinopel, Alexandria und Antiochia heraus.

Das frühe Christentum des lateinischen Westens des römischen Reiches las und schrieb ebenfalls Griechisch. So ist uns im sogenannten 1. Klemensbrief ein griechischer Brief aus Rom aus dem ersten Jahrhundert erhalten.

Die Trennung zwischen griechischer Ost und lateinischer Westkirche begann damit, dass in der Westkirche sich das Lateinische durchsetzte ("Graeca non leguntur"). In Augustinus (+431) fand die Westkirche ihre erste maßgebliche Autorität. Augustinus lateinische Schriften wurden in der Ostkirche kaum gelesen, so dass sich die beiden Kirchen weiter von einander entfernten. In der Folge entwickelte sich Rom zum wichtigsten Zentrum der Westkirche, die sich nach der politischen Trennung von Konstantinopel immer weiter von der Ostkirche entfernte, bis es 1054 zu dem für Jahrhunderte gültigen Schisma (Morgenländisches Schisma) zwischen beiden Kirchen kam.

Theologisch war die Ostkirche ab 321 zunächst vom trinitarischen, danach vom christologischen Streit geprägt, der endete, als die sogenannten monophysitischen Gebiete, vor allem Ägypten, von den Arabern erobert wurden. Während der Auseinandersetzung mit der arabischen Expansion spaltete der Bilderstreit die orthodoxe Kirche. Die Mission brachte die bulgarisch-orthodoxe, die russisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe Kirche hervor.

Römischer Katholizismus


Papsttum

Erbsünde

Dieses Dogma sagt, dass der Mensch von Geburt an Sünder, als solcher von Gott getrennt ist und sich nicht aus eigener Kraft erlösen kann. Das ist die Voraussetzung dafür, dass diese Trennung nur durch Jesus Christus überwunden werden kann. Das Heilsgeschehen, Gottes Inkarnation und Erlösungswerk, ist der logische Gegenpol zur Erbsündentheorie.

Diese gilt in der katholischen Lehre, aber auch in der lutherischen Orthodoxie und in evangelikalen Richtungen als Unterscheidungsmerkmal von anderen Glaubensweisen und Prüfstein für den eigenen rechten Glauben "(Orthodoxie)". Über die genaue Art dieser Erlösung und den Weg dazu sind die verschiedenen christlichen Konfessionen jedoch uneins. Sakramentenlehre

Scholastik des Mittelalters


Auch nach diesen ersten dogmatischen Lehrentscheidungen ging der Streit um die Christologie weiter. Er führte zu Kirchenspaltungen und zum Ausschluss verschiedener Richtungen, die später vom römischen Lehramt als Häresien verurteilt wurden.

Reformation


Während in der gesamten Antike und im Mittelalter stets feststand, dass Jesus "wahrer Gott" sei, bevor er Mensch wurde, hat der Augustinermönch Martin Luther eine völlig neue Situation in der Christologie geschaffen:

Er entdeckte 1517 im Römerbrief (Kap. 1, Vers 17) die Gerechtigkeit allein aus dem Glauben: Der Mensch kann Gottes Gerechtigkeit nicht durch eigene Leistung, sondern nur durch das Geschenk der Gnade erlangen. Luther vertrat dies dann gegen den Ablasshandel und gegen Konzilsentscheidungen. Damit löste er die Reformation aus und führte ungewollt eine Kirchenspaltung herbei.

Luther konnte vom Sohn Gottes nicht mehr unter Absehung von seinem wahren Menschsein reden: "Im Spiegel des Menschseins Jesu erkenne ich den wahren Gott". Christen können an den wahren Gott nur glauben, weil der Mensch Jesus diesen wahren Gott offenbart, indem er die Gnade dieses Gottes ohne ihr Zutun schenkt.

Luther übernahm zwar die altkirchlichen Dogmen, formte ihre Bedeutung aber um, indem er sich von der scholastischen Metaphysik und dem thomistischen Dogma der "duplex veritas" lossagte. Er fand die Wahrheit Gottes allein im Gekreuzigten, nicht in behaupteten Analogien der Schöpfung, die Gottes Offenbarung in Christus dann nur noch bestätigt. Er ließ nur noch den Eigensinn (sensus literalis) des biblischen Wortes als Glaubensgrundlage gelten.

Die Reformation hat die Zwei-Naturen-Lehre mit der Zwei-Stände-Lehre zu konkretisieren versucht: Der wahre Gott ist der sich ins sterbliche "Fleisch" erniedrigende Gott, der wahre Mensch ist der an Gottes Seite erhöhte Gekreuzigte. So kommt es in der einen Person Jesu Christi zu einem "Austausch" der Eigenschaften zwischen Gott und Mensch ("communicatio idiomatum").

Doch schon zu Lebzeiten Luthers kam es innerhalb des reformatorischen Christentums erneut zu Dogmenstreit, der sich diesmal vor allem an der Abendmahlslehre entzündete (Zwingli) und zur Aufspaltung in drei evangelische Richtungen - Lutheraner, Reformierte, Freikirchen - führte.

Im Luthertum wird Jesus Christus als die Erfüllung und Überwindung des richtenden "Gesetzes", das Gott im Alten Testament offenbart hat, verstanden. Der Genfer Reformator Johannes Calvin betonte, dass dieses Gesetz Teil des Israelbundes ist, den Jesus Christus erfüllt.

Seit 1980 betonen deutsche evangelische Kirchen immer klarer, dass das Bekenntnis zu Christus zugleich ein Bekenntnis zu Israels unkündbarer Erwählung ist. So erhält das Judesein Jesu christologischen Rang: Jesus ist "wahrer Mensch", weil er als Sohn einer jüdischen Mutter geboren wurde. Als Repräsentant des erwählten Volkes Israel hat er die Christen aus Gnade in Gottes Israelbund einbezogen. Diese Tatsache gilt als der entscheidende Grund für die universelle Erlösung.

Von der Aufklärung zum Neuprotestantismus


Im Gefolge des 30-jährigen Krieges mündeten die Renaissance des griechischen Geistes und der Humanismus in die Aufklärung. Die Philosophie emanzipierte sich immer mehr vom kirchlichen Alleinvertretungsanspruch auf die Wahrheit. Man begann nun, den "historischen Jesus" zu suchen, um seine wahre Menschlichkeit kritisch gegen die kirchlichen Dogmen aller Konfessionen ins Feld führen zu können. Anstoß dazu war die Schrift "Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes" von Hermann Samuel Reimarus, die in Teilen nach Reimarus' Tod von Gotthold Ephraim Lessing veröffentlicht wurde.

Hatte die Kirche lange in Wort und Bild einseitig die Gottheit Christi betont, vertraten moderne Theologen nun eher Wege einer Christologie "von unten": Sie gingen von der Menschlichkeit Jesu aus, ohne immer "ganz oben" anzukommen. Die Betonung des wahren Menschseins Jesu eröffnete die Perspektive auf die Menschenfreundlichkeit Gottes und die Relevanz Jesu im Leben der Einzelnen. Christologie von unten setzt beim Menschen Jesus an konkretisiert z.B. seine Reich-Gottes-Predigt als politischen, diesseitigen Anstoß zu einer gerechteren Welt.

Protestantismus des 19. Jahrhunderts


Hier galt Jesus oft als Verkörperung des "absoluten Geistes" (Hegel, spekulativer Idealismus), des "Gefühls der schlechthinigen Abhängigkeit" (Schleiermacher, romantische Bewusstseinstheologie) oder der "sittlichen Entscheidung" (Wilhelm Herrmann, neokantischer Idealismus), so dass die christliche Religion sich als "Wesen" (Essenz) aller Religionen darstellte.

Die kirchliche Theologie bezog Jesus nun oft nicht mehr auf die Verheißungen an Israel, sondern auf andere, zur Offenbarung aufgewertete Größen wie "Volk", "Staat", "Rasse".

Die Abtrennung der AT-Verheißungen rächte sich im 20. Jahrhundert: Jesus konnte zum "Arier" umgedeutet werden (Emanuel Hirsch). Das fand Anhalt bei Luthers Übersetzung des Christustitels mit "Heiland". Dieser Ausdruck geht auf das gotische "heliandos" zurück und veränderte den Sinngehalt des jüdischen "Messias"-Titels.

Die nationalistische und rassistische Selbstaufgabe vieler Christen und die staatliche Gleichschaltung der Kirchen fand ihren Höhepunkt in der Hitlerzeit. Der jahrhundertelange christliche Antijudaismus machte die Kirchen weitgehend wehrlos gegen totalitäre Ideologie und Völkermord.

Liberales Christentum


Im liberalen Christentum wird das Bekenntnis zu Jesus Christus als einzigem Zugang zum Heil inklusiv, nicht exklusiv verstanden, und die Lehre von der Erbsünde wird abgelehnt. Das heißt, dass anderen Glaubenweisen ebenfalls ein möglicher Zugang zur Wahrheit zugestanden wird. Auch in der katholischen Lehre der "verstreuten Lichtfunken" (logoi spermatikoi) wird anerkannt, dass andere Religionen Wahrheiten enthalten und verkünden.

Jesus wird oft als menschlicher Mensch gesehen, der sich ohne eigene Machtansprüche den Schwachen und Ausgestoßenen zugewandt hat und eben darum von Gott "erhöht" wurde (Phil. 2, 11).

Christologie der Ahmadiyya Muslim Jamaat


Zur Christologie der Ahmadiyya Muslim Jamaat siehe unter Yuz Asaf.

Christologie nach 1918


Der 1. Weltkrieg markierte auch in der Theologie einen tiefen Einschnitt: Die liberalen, pietistischen und orthodoxen Formen des Christentums hatten allesamt kläglich versagt und sich dem nationalistischen Rausch anheim gegeben.

Mit seinem zweiten "Römerbrief"-Kommentar von 1919 betrat ein neuer Theologe die Bühne: Karl Barth. Er brach gründlich mit der überkommenen anthropozentrischen Religionstheologie und vertrat mit ungekannter Radikalität: Gott ist GOTT gegen alle menschlichen Versuche, seiner habhaft zu werden.

Christologie nach 1945


Konsens unter vielen Christen besteht darüber, dass christlicher Glaube die Hinwendung zu einem Gott ist, der allmächtiger Vater und als der Sohn Schicksalsgefährte menschlicher Ohnmacht ist - und in beidem Gott.

Weblinks


Dogmatik | Christliche Theologie | Jesus

كرستولوجيا | Христология | Christologie | Christology | Cristología | Christologie | Christologia | Cristologia | Christologie | Kristologi | Chrystologia | Cristologia | Kristologi

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Christologie".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld