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Das Christianeum in Hamburg-Othmarschen ist ein über 250 Jahre altes altsprachliches Gymnasium. Es ist seit 1744 nach dem dänischen König Christian VI. benannt, der in Personalunion auch Herzog von Holstein und damit der Stadt Altona war.

Geschichte


1688 (nach einer Quelle bereits 1683) wird im dänischen Altona (heute ein Bezirk von Hamburg) die erste Lateinschule gegründet, "zu äußerst von der Stadt an einem so abgelegenen kothigen Ort", wie ihr erster Rektor, Daniel Harnack, laut Überlieferung befunden hat; sie wird 1690 wieder geschlossen. Ideen zu einer neuen Lateinschule (1708) werden zunächst nicht weiter verfolgt; nach der Einäscherung durch die Schweden 1713 und einer Pestepidemie hat Altona zunächst andere Sorgen als die Bildung. Durch Spenden – vor allem aus Dänemark – ermutigt, beginnt man 1721 unter dem Oberpräsidenten der Stadt, Christian Detlev von Reventlow, mit dem Neubau für eine Lateinschule an der Schul-(heute: Hoheschul-)straße oberhalb des Altonaer Fischmarktes, die als Friedrichschule 1725 ihren Betrieb aufnimmt.

1738 wird durch Reskript des Königs Christian VI. von Dänemark die Friedrichschule zu einem Gymnasium Academicum aufgewertet, das mit Fundationsbrief vom 11. Mai 1744 den Namen Christianeum erhält und am 26. Mai desselben Jahres offiziell eingeweiht wird.

Christianeum Hamburg Alter Eingang.jpg Durch Stiftungen ist das Christianeum ab 1725 mit einer heute noch bedeutenden Bibliothek ausgestattet (Handschrift von Dantes “Commedia”), die besonders gepflegt wurde, als das Christianeum 1738 (Erweiterung zum Gymnasium) bis 1771 zu einer Universität ausgebaut werden sollte (wo man damals – nach heutigen Begriffen – bereits ein ”Grundstudium” in Theologie, Jurisprudenz, Philosophie und Medizin absolvieren konnte). Bereits ab 1778 besuchten im toleranten Altona auch Schüler aus jüdischen Familien diese Lehranstalt: bis 1815 über 100. 1864 kommt es mit Altona zu Preußen. 1903 wird das Gymnasium um ein Realgymnasium erweitert. 1938 wird Altona Stadtteil von Hamburg. In steter geistiger Konkurrenz zum dortigen bedeutenden Johanneum erringt das Christianeum als humanistische Bildungsstätte seinen bis ins 21. Jahrhundert anhaltenden Ruf. Zu seinen bedeutenden Absolventen zählen die Dichter Heinrich Wilhelm von Gerstenberg und Matthäus Friedrich Chemnitz (Schleswig-Holstein-Lied), Theodor Mommsen und Friedrich Paulsen. Den auf dem Tor des alten Christianeumsgebäudes eingemeißelten Spruch In Fine Laus (lateinisch: "am Ende das Lob", siehe: Abb. links), nahm Paulsen 1909 zum Anlass, in Aus meinem Leben seine durchaus gemischt empfundene Christianeerzeit zusammen zu fassen.

Gegenwart


Dass das Bildungsbürgertum der Hamburger Elbvororte seine Kinder aufs Christianeum schickte und schickt, war dem Niveau und der Ausstattung der Schule nicht zum Schaden. 1965 bescherte die Koedukation auch dem Christianeum die ersten Schülerinnen.

1969 führte das Christianeum gegen Widerstände zwei norddeutsche Neuerungen ein, die Mut verlangten: die Schülermitberatung auf Zeugniskonferenzen und das Wahlfach Russisch, das ab der 9. Klasse alternativ zu Altgriechisch belegt werden kann. Auch heute kann man dort mit Latein und Altgriechisch oder Russisch bzw. Chinesisch sein Abitur ablegen. Der Schüleraustausch mit der 506. Schule in Sankt Petersburg ist wohl etabliert. Ferner gehört das Christianeum zu den ersten komplett rauchfreien Schulen Hamburgs. Von 2003 an hat der Beschluss der Hamburger Schulbehörde den Abschluss der Oberschule auf 8 Jahre reduziert; das Christianeum hatte sich mit der Einführung von Springerklassen schon seit 1999 darauf vorbereitet.

Seit 2004 ist im Christianeum das Arbeitszimmer des Schriftstellers Otto Ernst untergebracht, das der Schule von seiner Tochter Senta-Regina Möller-Ernst vererbt worden ist.

Lage


Seit 1936 hat das Christianeum seinen Standort in Othmarschen – zunächst (bis es dem Bau des neuen Autobahn-Elbtunnels weichen musste) an der Behringstraße (früher: Roonstraße), seit 1971 an der Otto-Ernst-Straße in einem funktionalistischen Neubau, der nach Plänen von Arne Jacobsen errichtet wurde und aufgrund der Verträge mit den Erben des Architekten baulich nicht über die vom Urheber des Entwurfs vorgesehene Gebäudeflexibilität hinaus verändert werden darf. Über die Ästhetik des äußerlich eher einer Fabrik ähnelnden Zweckbaus wurden - und werden bis heute - kontroverse Diskussionen geführt. Jedenfalls stellt das große Gebäude einen auffälligen Kontrast zum Umfeld dar, das von großzügiger offener Bebauung mit Einzelhäusern und Villen geprägt ist.

Quellen


Weblinks


Schule (Hamburg) | Gymnasium | Bezirk Hamburg-Altona

Christianeum

 

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