Christian Otto Mohr (* 8. Oktober 1835 in Wesselburen (Norder-Dithmarschen); † 2. Oktober 1918 in Dresden) war ein deutscher Ingenieur und speziell Statiker.
Christian Otto Mohr begann seine berufliche Laufbahn 1850 als Pfarramtsschreiber in Wesselburen. Ein Jahr später begann er im Alter von 16 Jahren sein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Polytechnischen Schule in Hannover. 1855 wurde er - 20 Jahre jung - Ingenieurassistent und später Ingenieur und Baurat bei den Hannoverschen Staatseisenbahnen (HSEB) in Lüneburg. 1860 veröffentlichte er als Assistent im Dienste der HSEB eine Arbeit über den kontinuierlichen Biegebalken. Diese ermöglichte eine zuverlässige Bemessung von Durchlaufträgern und versetzte die Fachwelt ein erstes Mal in Staunen.
Im Anschluss an seine Tätigkeit bei den HSEB war Christian Otto Mohr am Bau der Oldenburgischen Staatsbahnen beteiligt. Während dieser Zeit entwarf er eine der ersten Stahlbrücken Deutschlands mit klar ausgebildetem Dreieckfachwerk und entwickelte ein einfache Berechnungsmethode, die 1863 von August Ritter vervollkommnet wurde und seither als Ritter'sches Schnittverfahren (oder Ritter Schnittverfahren) bekannt ist.
1867, im Alter von 32 Jahren, waren Mohrs wissenschaftliche Leistungen bereits so gefragt, dass er an das Polytechnikum in Stuttgart berufen wurde, wo er fortan die Professur für Technische Mechanik, Trassieren und Erdbau übernahm. Er vermochte den theoretischen Stoff der Mechanik in leicht verständlicher Form darzubringen, so dass seine Vorlesungen sehr gut besucht waren und später sogar in autographierter Form herausgegeben wurden. In der Wissenschaft erzielte er eine beachtliche Vereinfachung, indem er ein graphisches Verfahren (auch: Mohrsche Analogie) zur Ermittlung der Biegelinie als Seilkurve entwickelte, was bis dahin nur rechnerisch durch doppelte Integration möglich war.
Am bekanntesten bleibt Mohr der Nachwelt aber durch die von ihm entwickelte, einfache Methode, Hauptspannungen des ebenen Spannungszustandes mit Hilfe des nach ihm benannten Mohr'schen Spannungskreises graphisch aus den Schub- und Normalspannungen abzuleiten, bzw. die ebenen Spannungsgrößen zwischen lokalen, karthesichen Koordinatensystemen zu transformieren. Das Verfahren analog ist auch für Dehnungen anwendbar.
1873 erhielt Mohr einen Ruf an das Polytechnikum Dresden. Der Lehrstuhl für Straßen-, Wasser- und Eisenbahnbau war unbesetzt, da der bisherige Inhaber Claus Koepcke nach nur vierjähriger Tätigkeit einer Berufung zum obersten Leiter aller Eisenbahnbauten im sächsischen Finanzministerium folgte. Daraufhin betraute man Christian Otto Mohr mit der Professur für Eisenbahnbau, Wasserbau und Graphostatik. Nur drei Jahre später erweiterte sich sein Aufgabenbereich noch um das Fach Festigkeitslehre.
1894 erfolgte ein Wechsel von der Ingenieurabteilung zur Allgemeinen Abteilung, wo er als Nachfolger Gustav Zeuners den Lehrstuhl für Technische Mechanik und Festigkeitslehre übernahm. In diesem Amt weilte er noch sechs Jahre, bis er 1900 im Alter von 65 Jahren aus dem Berufsleben ausschied.
Christian Otto Mohr wirkte 33 Jahre als akademische Lehrer, davon allein 27 Jahre in Dresden. Seinen Ruhestand verbrachte er auf seinem Besitz in Wachwitz bei Dresden, weiterhin der wissenschaftlichen Arbeit verbunden. Am 2. Oktober 1918, sechs Tage vor seinem 83. Geburtstag, starb Christian Otto Mohr. Seine Ruhestätte befindet sich auf dem Johannisfriedhof in Dresden-Blasewitz.
Siehe auch: Universität Stuttgart
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