Christenverfolgungen sind staatlich durchgeführte, geförderte oder geduldete Maßnahmen, die auf eine systematische Benachteiligung und existenzielle Bedrohung von Christen aufgrund ihres Glaubens abzielen. Diese können Verhaftungen, Versammlungs- und Gottesdienstverbote, gezielt gegen christliche Gemeinden gerichtete Enteignungen, Vertreibung, Folter, Massaker und Massenhinrichtungen umfassen.
Systematische staatliche oder gesellschaftliche Verfolgung von Christen ist zu unterscheiden von bloßer Feindschaft verschiedener Weltanschauungen, Ablehnung christlicher Lehren, Diskriminierung oder Einengung kirchlicher Tätigkeiten durch eine restriktive Gesetzgebung. Auch werden Christen nicht unbedingt primär wegen ihres Glaubens verfolgt, sondern auch aus ethnischen, nationalistischen, rassistischen oder politischen Gründen. Diese Verfolgungen betreffen dann oft andere Minderheiten ebenso.
Daher bestreiten kirchenkritische Historiker, dass manche antikirchlichen Maßnahmen in der Neuzeit „Christenverfolgung" genannt werden können. Sie sehen darin eine ahistorische Konstruktion, mit der Christen sich in falscher Analogie zur Judenverfolgung zu dauernden Opfern stilisierten. Schon mittelalterliche Darstellungen der Christenverfolgungen im antiken Rom trugen Züge einer solchen Stilisierung.
Verfolgungen sogenannter Ketzer durch andere Christen im europäischen Mittelalter oder die Glaubenskriege aus der Zeit der Reformation und Gegenreformation fallen nicht unter den Begriff Christenverfolgung.
Dazu trug offenbar die berühmte Fürsprache des Pharisäers Gamaliel im Sanhedrin entscheidend bei (Apg 5,34-39):
Nachdem Pilatus abgesetzt worden und sein Nachfolger Festus wohl noch nicht in Judäa eingetroffen war, konnten die Sadduzäer jedoch ihr Religionsgesetz (vor allem das Deuteronomium) anwenden. Der erste Christ, der wegen seines Glaubens den Tod fand, war der Diakon Stephanus. Er wurde um 36, wohl wegen seiner tempelkritischen Mission in der jüdischen Diaspora, als Gotteslästerer und Gesetzesbrecher angeklagt, aber - ähnlich wie Jesus selbst - erst wegen seines öffentlichen Bekenntnisses zum Menschensohn vom Sanhedrin verurteilt (Apg 6,8 - 7,60). Im Auftrag der Sadduzäer soll Paulus seine Steinigung beaufsichtigt und danach eine große Verfolgung der Jerusalemer Urchristen eingeleitet haben (vgl. Gal 1,13f/1. Kor 15,9). Ein Teil von ihnen floh daraufhin nach Syrien und Samaria; ein Kern mit den Aposteln als Gründern blieb jedoch in Jerusalem. Ihre Anhänger konnten Stephanus bestatten und öffentlich betrauern (Apg 8,1-2).
Vertrieben wurden nur Christengemeinden in Judäa, eventuell auch Galiläa; im Diasporajudentum dagegen wurden sie nicht verfolgt, sondern konnten weiterhin häufig Synagogen für ihre Missionspredigten nutzen. Dies wie auch die gesetzesfreie Heidenmission führte letztlich zur Ausbreitung ihrer Religion im damaligen römischen Reich, zunächst in Kleinasien (Apg 11,19ff).
44 bedrängte der von Rom eingesetzte judäische König Herodes Agrippa I. die übrigen Jerusalemer Christen, ließ den Apostel Jakobus den Älteren enthaupten und nahm Simon Petrus, einen der Gemeindeleiter, gefangen, um auch ihn am Passahfest hinzurichten. Er wollte sich damit wohl beim Hohen Rat beliebt machen (Apg 12,1-4). Kurz darauf ließ er sich auf dem Höhepunkt seiner Macht bei einem Festakt als Gott verehren; wenige Tage später starb er nach nur drei gesamtjüdischen Regierungsjahren. Sowohl Lukas als auch Flavius Josephus (Antiquitates 19, 343-350) sahen darin ein Gottesurteil: Juden wie Christen lehnten die Vergötterung von Menschen ab. Hier bahnte sich der Konflikt mit dem Kaiserkult an.
Eine im Neuen Testament unbestätigte Notiz bei Josephus berichtet, Jakobus der Gerechte, der Bruder Jesu und damalige Leiter der Urgemeinde, sei im Jahr 62 auf Geheiß des Hohepriesters gesteinigt worden. Nach Eusebius von Caesarea, der sich dazu auf Hegesippus berief, musste die Urgemeinde daraufhin vorübergehend nach Pella fliehen. Vier Jahre später kam es unter Führung der Zeloten zum nationalen jüdischen Aufstand, der 70 mit der Tempelzerstörung endete. Damit verloren auch die Christen ihr Zentrum. Dennoch kehrte ein Teil von ihnen zurück und blieb in der Stadt bis zum Ende des Bar-Kochba-Aufstands (135). Dann verbot Kaiser Vespasian allen Juden die Ansiedlung in Jerusalem. Judäa wurde in Syria Palaestina umbenannt.
Die bis dahin entstandenen Evangelien setzen vielfach eine Verfolgungssituation der Christen in und um Israel voraus. Mk 13,9-13 z.B. kündet in einer Jesusrede an:
Eine systematische Verfolgung war damit nicht verbunden. Auch die Übergabe an „Fürsten und Könige“ wurde kaum von Juden veranlasst. Vielmehr wurden Juden und Christen von den Römern auch in außerpalästinischen Provinzen kaum unterschieden und gemeinsam verfolgt, wenn Konflikte mit ihnen zu eskalieren drohten. Die Christen sahen darin eine zu erwartende, notwendige Konsequenz ihres Glaubens an den Juden, der Gottes Reich gebracht hatte und wiederkommen würde (Mt 5,11).
Die Paulusmission brachte Unruhe und Spaltung in manche hellenistische Städte des Mittelmeerraums. In Ikonion z.B. soll Paulus für seine Kritik am Jupiterkult fast gesteinigt worden sein (Apg 14,5.19). In Philippi, einer Römerkolonie, wurden er und seine Begleiter wegen „Aufruhr" und „unrömischer“ Botschaft angeklagt, gefoltert und inhaftiert. Mit Berufung auf ihr römisches Bürgerrecht seien sie jedoch freigekommen (Apg 16,11-40). In Thessaloniki sollen Juden sie aus Neid auf ihre Missionserfolge angeklagt haben (Apg 17,5-7):
Ein weiteres Motiv für Verfolgungen deutet sich in Apg 19,23-40 an: Durch die „neue Lehre" der Christen verloren Kunsthandwerker, die Götterstatuen aus Edelmetallen herstellten, und ihre Zulieferer und Händler im Raum Ephesus ihren Absatzmarkt. Der Goldschmied Demetrius berief daraufhin eine Protestversammlung ein, die die Paulusmissionare festsetzte und zu lynchen drohte. In dieser Lage nahm der örtliche „Kanzler" Alexander, ein Jude, die Christen in Schutz und erklärte:
Die Römer verehrten ursprünglich abstrakte Numina, das heißt göttliche Kräfte, die sie in der Natur wie auch im menschlichen und staatlichen Leben am Werk sahen. Später gaben sie diesen Wirkkräften Namen wie Mars - für die Kraft des Krieges - oder Venus - für die Kraft der Liebe. Aufgrund dieser Vorstellung fiel es den Römern leicht, die eigenen Götter mit denen anderer Völker zu identifizieren. So betrachteten sie etwa den griechischen Zeus nur als anderen Namen für den von ihnen verehrten Göttervater Jupiter (siehe dazu Interpretatio Romana).
Der altrömische Götterglaube war von einer einfachen Vertragstheorie geprägt: Die Menschen schuldeten den Göttern Verehrung und diese den Menschen dafür Schutz und Hilfe. Daraus ergaben sich zwei Dinge: Erstens war der peinlich genaue Vollzug der Staatskulte - etwa für Jupiter - nach römischem Verständnis zwingend notwendig für die Wohlfahrt des Staates. Zweitens entwickelte sich mit der Zeit eine weitgehende Toleranz gegenüber fremden Kulten, deren Schutz sich die Römer ebenfalls versichern wollten. So war schon in republikanischer Zeit das Ritual der Invocatio bekannt, mit dem fremde Götter eingeladen wurden, ihren Sitz in Rom zu nehmen. In der Kaiserzeit gab es daher in Rom eine Vielzahl von Tempeln für ursprünglich nichtrömische Kulte wie den der Isis oder des Mithras.
Mit der Ausdehnung des Römischen Reichs wuchs zugleich die Notwendigkeit eines einheitlichen Staatskults, der die religiösen Sitten und Bräuche einer Vielzahl unterworfener Völker, die aber prinzipiell geachtet wurden, überwölben konnte. Diese Funktion fiel seit der Zeit des Augustus dem auf die Person des Princeps konzentrierten Kaiserkult zu. Bereits Augustus hatte zusätzlich zu den höchsten staatlichen Ämtern auch das des Pontifex Maximus, des obersten Priesters, übernommen. Seit seinem Tod wurden die verstorbenen Kaiser rituell als Numina der staatlichen Macht und Schutzgötter des Reiches verehrt. Wie schon der Staatskult zur Zeit der Republik wurde nun auch der korrekte Vollzug des Kaiseropfers als notwendig für das weitere Gedeihen des Reiches betrachtet. Es wurde damit zum Ausdruck eines loyalen, staatstragenden Verhaltens. Jeder, der sich ihm entzog, musste den Römern höchst suspekt erscheinen, da er in ihren Augen das öffentliche Wohl gefährdete.
Caligula (37-41) wandelte das politisch-religiöse Pontifikat dann in ein hellenistisch-orientalisches „Gottkönigtum" um: Er ließ sich als Alexander, Cäsar und Gott verehren. Nicht alle seiner Nachfolger übernahmen sein Hofzeremoniell, überhöhten sich aber wie er meist zum dominus et deus.
Die Christen sahen sich anfangs als jüdische Erneuerungsbewegung und wurden auch von den Römern gut 100 Jahre lang als jüdische Sekte aufgefasst. Jüdische Gemeinden waren bereits im ganzen Imperium Romanum verbreitet: Das Erste Gebot erlaubte ihnen nur die Verehrung ihres eigenen Gottes. Sie griffen aber die Bilder- und Götzenkulte ihrer Umgebung nicht an, sondern lehnten sie nur für sich ab. Das galt Römern zwar als „barbarisch", wurde aber vom Staat toleriert und rechtlich abgesichert. So genossen Juden im Prinzip Religionsfreiheit. Bis 70 und darüberhinaus gewannen sie ebenso wie die Christen Zulauf unter den sogenannten „Gottesfürchtigen": römischen Staatsbürgern aller Nationen, die die als hedonistisch und dekadent empfundene Lebensweise ihrer Oberschicht abstieß.
Die Christen betonten zwar ihre Staatstreue und beteten für den Kaiser. Aber sie lehnten den Synkretismus und Polytheismus ihrer Umgebung ab und verweigerten den römischen Staatssymbolen ihre Anerkennung. Offensiver als das Judentum verlangten sie von den Adressaten ihrer Mission die Aufgabe ihrer Tempel, Riten und Götterbilder. Damit zogen sie sich im Römischen Reich leicht den Unwillen der übrigen Bevölkerung zu.
Der Staat ließ sie zunächst gewähren und nötigte sie als jüdische Sekte nicht zur Verehrung der Kaiser. Er schützte sie aber auch nicht gegen örtliche Willkür und Massenempörung. Bald galt ihr Glaube - auch wegen des unaufhaltsamen Wachstums seiner Anhängerschaft - als staatszersetzend und gefährlich.
49 wurden Juden als Anhänger des „Chrestus" durch ein Edikt des Kaisers Claudius aus Rom ausgewiesen (Sueton-Notiz). Träfe dies zu, so hätte dort schon damals eine Christengemeinde existiert. Paulus traf einige ihrer vertriebenen Mitglieder um 50 in Korinth (Apg 18,1f). Dabei wird deutlich, dass die Regierung zwischen Juden und Christen anfangs keinen Unterschied sah und beide gleichermaßen verfolgte, wenn sie die öffentliche Ordnung störten. Aus Anlass eines Tumults in Alexandria drohte Claudius den dortigen Juden und so indirekt auch den Christen:
Ihm zufolge kam danach das Gerücht auf, der Kaiser selbst habe die Brandstiftung befohlen. Nero habe versucht, diesen Verdacht auf die verhasste religiöse Minderheit der „Chrestianer" zu lenken. In diesem Zusammenhang erwähnt Tacitus „Christus" und seine Kreuzigung durch Pilatus und fährt fort:
Nero genoss zuvor einen untadeligen Ruf als Schützer der Bürgerrechte: Es war üblich, ihn als obersten Schiedsrichter anzurufen. Lukas bestätigt, dass auch Paulus sich in seinem Prozess in Jerusalem auf den Kaiser berief (Apg 25,11). Dieser konnte allerdings auch neues Recht und Straftatbestände setzen.
Ob die Christen in Rom sich beim Brand nicht an den Löscharbeiten beteiligten und dadurch zusätzlichen Hass auf sich zogen, ist unbekannt. Paulus hatte ihnen im Römerbrief eingeschärft, alle Verfolger, gerade auch Staatsvertreter, zu segnen und sie mit zuvorkommender Nächstenliebe zu beschämen, um Böses mit Gutem zu überwinden (Röm 12,9-21):
Der römische Historiker Cassius Dio berichtet, im Jahr 95 habe der Kaiser neben vielen anderen, die in die jüdischen Sitten verirrt waren, auch seinen Vetter wegen „Gottlosigkeit" hinrichten lassen und dessen Frau verbannt. Der Vorwurf lässt erahnen, dass es um die Ablehnung der Staatsgötter ging: Christen galten deswegen später als atheoi.
Eusebius von Cäsarea zitiert dazu Hegesippus und behauptet, die Frau des Vetters sei Christin gewesen. Domitian habe dann eine Judenverfolgung befohlen, die auch Christen getroffen habe, die als Juden denunziert worden seien. Darunter seien Enkel des Judas, eines Bruders Jesu, gewesen. Man habe sie dem Kaiser vorgeführt, er habe sie verhört und nach der Art ihres Glaubens gefragt. Als sie ihm erklärten, Christi Reich sei nicht weltlich, sondern himmlisch, habe er sie freigelassen und die Verfolgung der Christen eingestellt.
Die Darstellung lässt nicht erkennen, was genau die Verfolgung veranlasste. Sie war zeitlich begrenzt und traf eher Juden als Christen. Dabei können lokale Spannungen zwischen ihnen eine Rolle gespielt haben.
Anfang des Jahres 100 bat der Statthalter der Provinz Bithynien in Kleinasien, Plinius, in einem Brief den Kaiser um Rat, wie er sich zu den störrischen Christen verhalten solle: Sei schon ihr Name (= ihr Christusbekenntnis) an sich strafbar, auch wenn kein Verbrechen vorliege, oder seien es die Verbrechen, die mit dem Namen zusammenhingen? Er habe sie verhört, mit der Todesstrafe bedroht und die, die sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören, hinrichten lassen. Viele anonym Angeklagte habe er Götter anbeten, dem Kaiserbild opfern und Christus lästern lassen. Wer das erfüllt habe, sei freigelassen worden: Denn zu all dem sollen sich wahre Christen nicht zwingen lassen. Viele hätten daraufhin erklärt, sie seien früher Christen gewesen, hätten sich aber nur am regelmäßigen Lobsingen beteiligt und einen Eid geschworen: nicht etwa zu einem Verbrechen, sondern zur Unterlassung von Diebstahl, Raub, Ehebruch, Treulosigkeit, Unterschlagung von anvertrautem Gut. Die Zehn Gebote und christliche Lasterkataloge klingen hier an (vgl. 1. Kor 5,11; 1. Tim 1,9f u.a.): Demnach waren Christen an sich gute Staatsbürger. Doch Plinius klagte:
Dieser älteste christliche Märtyrerbericht stilisiert den Bischof zu einem vorbildlichen Märtyrer. Schon bei seiner Festnahme habe er auf Flucht verzichtet und freudig ausgerufen: Des Herrn Wille geschehe! Er sei den Soldaten entgegen geeilt, habe sie als Gäste bewirtet und beschämt, bis sie an ihrem Auftrag zweifelten. Er sei zum Statthalter gebracht worden, der ihn vergeblich bat: Bedenke dein Alter! Opfere dem Kaiser und lästere Christus! Auch Drohen mit Raubtieren habe nichts ausgerichtet. Darauf habe das Volk verlangt: Vor die Löwen! Vor die Löwen! Der Statthalter habe dies abgelehnt und stattdessen einen Scheiterhaufen in der Zirkusarena errichten lassen. Bis zuletzt habe der Brennende Gott gelobt und ihm gedankt, dass er dieses Todes gewürdigt worden sei.
Einen weiteren Bericht dieser Art von 177 in der Regierungszeit Mark Aurels aus Lugdunum (Lyon) in Gallien zitiert Eusebius von Caesarea in seiner Kirchengeschichte. Auch unter ihm wurden viele Christen in die Arena geschickt und fanden dort den Tod. Allerdings wurden manche der seltenen christlichen Märtyrerlegenden erst später angefertigt oder vorhandene tendenziös verändert. Offizielle römische Quellen zur Christenpolitik findet man dagegen kaum.
Noch war das Christentum bloß eine von vielen Sekten im römischen Reich. In Abgrenzung von gnostischen Einflüssen, Marcioniten und Montanisten vollzog es aber einen inneren Wandel und entwickelte eine hierarchische Organisationsform: das monarchische Bischofsamt. Ab etwa 180 wurde zudem der Kanon des Neuen Testaments festgelegt. Damit gewannen die Gemeinden innere und äußere Stabilität. Kirchliche Amtsträger hatten nun auch politisches Gewicht gegenüber den lokalen Behörden.
Sie wurden in der nichtchristlichen Bevölkerungsmehrheit zunehmend abgelehnt und von der gebildeten Oberschicht zugleich tief verachtet. So äußerte Caecilius Natalis, der Sprecher des Heidentums um 200 über die Christen:
Diese Situation spiegeln auch die christlichen Schriften, die in jener Zeit (etwa 100-150) entstanden: der 1. Petrusbrief, der 1. Clemensbrief und die Offenbarung des Johannes. Sie richteten sich u.a. an Gemeinden wie Smyrna und Philippi, die schon Verfolgungen erdulden mussten. Angelehnt an jüdische Märtyrertheologie und die Paulusschule, entwickeln sie Gedanken, die ihnen halfen, mit der ständigen Existenzgefährdung umzugehen. Sie deuten das Leid der Christen als unausweichliche Konsequenz ihres Glaubens: Der Weg in Gottes Reich führt notwendig durch die tödliche Ablehnung der Welt (Apg 14,22). Sie ist die gottferne Fremde (Phil 3,20). Hinter ihren „Mächtigen und Gewaltigen" stehen Satan und seine Dämonen, gegen die nur die „Waffenrüstung Gottes" bestehen kann: Wahrheit, Gerechtigkeit, die Frohbotschaft des Friedens (Eph 6,10-17) - im Vertrauen auf den, dessen Tod den Frieden zwischen Gott und Welt, Nahen und Fernen, Juden und Heiden gestiftet hat (Eph 2,13-16). So mahnt 1. Petr 4,12:
Aber das Edikt ermutigte römische Bürger, die verhassten „Menschenverächter" öfter bei den Behörden anzuzeigen. Die Folge waren vermehrte lokale Christenverfolgungen, besonders von Katechumenen, Neugetauften und deren Lehrern. Häufig wurde ihnen Gottlosigkeit (irreligiositas), Inzest oder Mord vorgeworfen: Dahinter stand der Hass auf die Abschottung der Christengemeinden und das Gewohnheitsrecht (institutum) aus dem 1. Jahrhundert, wonach erwiesene Staatsfeinde auch gewöhnlicher Vergehen überführt seien. Christsein wurde nun also per se als Staatsfeindschaft betrachtet. Dennoch gefährdeten örtliche Pogrome die Kirche insgesamt nicht: Sie verlangsamten nur ihre Ausdehnung und sorgten dafür, dass die Neubekehrten ihr Glaubensbekenntnis ernster nahmen, stärkten also eher ihre innere Oppositionshaltung zum Staat.
In den folgenden 40 Jahren blieben die Christen relativ unbehelligt. Die Kaiser waren vollauf mit der Abwehr von äußeren Feinden beschäftigt. Eine auf Rom begrenzte Verfolgung fand vielleicht 235 unter dem Soldatenkaiser Maximinus Thrax (235-238) statt.
Kurz nachdem Decius den Thron bestiegen hatte, erließ er ein allgemeines Opfergebot:
Die Maßnahme reagierte nicht, wie immer noch oft zu lesen ist, auf die starke Ausbreitung des Christentums und sollte auch nicht vor allem den Klerus - Bischöfe und Priester - zum „Offenbarungseid" zwingen und dezimieren. Vielmehr wird in der Forschung heute nicht mehr bestritten, dass Decius nicht speziell die Christen im Auge hatte, sondern sogar heidnische Priester opfern ließ: Erst als die Christen durch ihre Opferverweigerung auffielen, gerieten sie ins Zentrum der staatlichen Aufmerksamkeit.
Von außen wurde das Reich zunehmend von den Parthern und Sassaniden im Osten, den Goten, Allemannen und Franken im Norden und Westen bedroht. Es schien dem Kaiser wohl angezeigt, die Götter in dieser Situation durch ein allgemeines Opfer gnädig zu stimmen; zudem trug die Maßnahme den Charakter einer reichsweiten Loyalitätskundgebung für Decius, der als Usurpator an die Macht gelangt war und seine Position festigen musste.
Christenverfolgung.JPG Wie viele Christen sich dem Opfer verweigerten und daraufhin gefoltert und hingerichtet wurden, ist unbekannt. Viele, vor allem Neugetaufte und Laien, gaben dem Druck nach (lapsi, Abgefallene). Eine Minderheit aber trotzte jeder Drohung. Meist wurden sie dann verbrannt; römische Bürger, die sich zum Christentum bekannten, wurden enthauptet, in einigen Fällen gekreuzigt oder in der Arena von wilden Tieren zerrissen. Bei Bedarf sah man von der Todesstrafe ab und lieferte die Männer als Arbeitssklaven an Bergwerke, die Frauen und Mädchen an Freudenhäuser aus.
Die Märtyrer und Bekenner, die ihren Glauben unter der Folter standhaft festhielten, wurden zu hoch geachteten Vorbildern für die breite Masse; auch unter denen, die dem Christentum bisher eher fernstanden. Mit der jährlichen Feier ihres Todestages und der Verehrung ihrer Reliquien begann die spätere christliche Heiligenverehrung.
Als der Kaiser 251 nach nur zwei Regierungsjahren überraschend starb, endete die Christenverfolgung.
260 tauchte für sie ein unvermuteter Silberstreif am Horizont auf: Valerians Sohn Gallienus, der mit einer Christin verheiratet war, hob die valerianischen Dekrete auf und ließ die Verfolgungen einstellen. Erneut gewannen die christlichen Gemeinden an Zulauf. So bewahrheitete sich ein Wort, das schon vom Anfang des 2. Jahrhunderts überliefert ist:
Sein erstes Edikt von 303 verbot die christlichen Gottesdienste und ordnete die Zerstörung von Kirchen, Verbrennung christlicher Schriften, ein Ämterverbot für Christen und die Inhaftierung von christlichen Staatsbeamten an. Damit verloren Christen alle Bürgerrechte. Das zweite Edikt verfügte die Einkerkerung, das dritte die Folterung aller Gemeindevorsteher, Bischöfe oder Presbyter, um sie auf jede Weise von ihrem Glauben abzubringen. Das vierte Edikt verhängte 304 die Todesstrafe gegen alle - auch die Laienchristen -, die das Kaiseropfer weiterhin verweigerten.
Die Edikte wurden in den Provinzen unterschiedlich streng umgesetzt; im Ostteil des Reiches, der Diokletians Sohn Galerius unterstand, waren die Verfolgungen sehr blutig und wurden noch intensiver, als Diokletian 305 abdankte und Galerius ihm folgte. Im Westen dagegen endeten danach die meisten Hinrichtungen; stattdessen wurden standhafte Christen bis 311 in die Bergwerke deportiert.
Eine Vermutung, Christen im Heer hätten eine Palastrevolte gegen den Kaiser geplant und damit seine Maßnahmen provoziert (so Jacob Burckhardt 1853 in Die Zeit Constantins des Großen), wird heute eher als Legende zur Legitimation der Verfolgung aus dem Umfeld des Galerius angesehen.
Diese heftigste der bisherigen Verfolgungswellen veränderte die Einstellung der Bevölkerung zu den Christen vollends zu deren Gunsten. Dies war neben seiner schweren Erkrankung der Hauptgrund, dass Galerius die Hinrichtungen 311 plötzlich einstellen ließ. Im Toleranzedikt von Nikomedia räumte er auf seinem Sterbebett das Scheitern seiner Ausrottungsversuche ein und versuchte, die Christen an Staat und Kaiser zu binden:
Konstantin setzte wohl von vornherein auf die Duldung der Kirche, damit diese seine Alleinherrschaft stützen würde. Anders als seine Vorgänger stützte er sich nicht auf die Bauern der Provinzen, sondern auf das Handelsbürgertum der Städte, in dem die Christen ihre meisten Anhänger hatten. 313 erlaubten er und Licinius im Mailänder Toleranzedikt jedem römischen Bürger die freie Wahl seiner Religion. Die berühmte Passage lautete:
Diese Konstantinische Wende erlebten die Christen als Durchbruch und große Befreiung. Von nun an war es vorteilhaft für den sozialen Aufstieg, Christ zu sein. In der Folgezeit wurden viele der höheren Staatsämter, von denen die Gestaltung des öffentlichen Lebens abhing, mit Christen besetzt.
321 machte Konstantin den Sonntag, an dem Christen ihren Gottesdienst feierten, zum gesetzlichen Ruhetag. Damit privilegierte er sie gegenüber anderen Religionen. 323 empfahl er Ostrom, das Christentum einzuführen. 324 wurde er unbeschränkter Alleinherrscher und versuchte nun, die gescheiterten Staatsreformen seiner Vorgänger durchzuführen: nicht gegen die Kirche, sondern mit ihrer Hilfe.
Nur wenn diese organisatorisch und theologisch geeint war, konnte sie die Staatseinheit stützen: Dazu griff der Kaiser nun auch aktiv in ihre inneren Angelegenheiten ein. 325 berief er das erste ökumenische Konzil von Nicäa ein. Die Bischöfe reisten auf Staatskosten an; der Kaiser selbst leitete die Sitzungen und setzte dort rein theologische Kompromissformeln wie das homoousios durch, um den innerkirchlichen Streit um die Gottessohnschaft Jesu zu lösen. Er behandelte das Konzil also wie ein kaiserliches Schiedsgericht. Dahinter standen primär politische Motive, aber wohl auch persönliche Überzeugung: Denn 337 auf dem Sterbebett ließ Konstantin sich noch taufen.
Noch mehr als das Römische Reich sich an die Christen anpasste, begann die Kirche, sich seinen politischen Interessen anzupassen. Das christliche Kreuzsymbol wurde nun auf Heeresstandarten und Staatsmünzen sichtbar. Bischöfe zogen mit in die Schlacht und segneten die gleichen Waffen, mit denen Christen früher ermordet wurden. Immer mehr Kirchen wurden gebaut; die Gottesdienste darin wurden zu prunkvollen Zeremonien. Die römischen Staatstempel dagegen zerfielen; dies war nun staatlich gewollt.
Konstantin hatte bereits einzelne Maßnahmen gegen „heidnische" Kulte verfügt; schon unter seinem Sohn Constantius II. (337-361) kam es zu Stürmen auf heidnische Tempel. Aus den Verfolgten wurden Verfolger. Auch machte der Kaiser den Arianismus für die Kirche verbindlich, griff also weiter in ihren inneren Klärungsprozess ein.
Unter Kaiser Julian Apostata (361-363) kam es kurzzeitig zu einem Versuch der Wiederbelebung nichtchristlicher Kulte; vielleicht wäre Julian im Falle einer längeren Herrschaft zum Christenverfolger geworden. Doch die Märtyrergeschichten, die spätere Generationen mit Julian in Verbindung brachten, sind sicher nicht historisch. Theodosius I. machte dann 380 bzw. 391 der Religionsfreiheit ein Ende und verbot alle Kulte außer dem Christentum (Dreikaiseredikt "Cunctos populos"):...Die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist.
Ferner erließ er 383 nach einem gescheiterten Religionsgespräch ein Häretikergesetz, das Arianer, Donatisten und Manichäer mit Verbannung bedrohte. Damit war das Christentum in seiner orthodoxen Gestalt alleingültige Staatsreligion geworden und die spätantike Reichskirche nahm endgültig Gestalt an. Allerdings wurden viele scharfe Verlautbarungen des Theodosius, der selbst kein religiöser Eiferer war, in der Praxis eher milde umgesetzt. Das Heidentum konnte sich noch bis ins 6. Jahrhundert im oströmischen Reich halten. Es geriet freilich immer mehr in die Defensive, verlor Anhänger und büßte zunehmend an innerer Kraft ein.
Eine von den Lachmiden einberufene Konferenz in Ramla, über die unter anderem Prokopios von Caesarea berichtet, sollte die Kriege zwischen Byzanz und dem Sassanidenreich beenden (525). Dort forderte Du Nuwas den Sassanidenherrscher auf, die Christen seines Landes ebenfalls zu verfolgen. Daraufhin veranlasste Byzanz das befreundete christliche Reich von Aksum, den Jemen zu erobern. Da Du Nuwas wiederholt christliche Händler aus Aksum ausweisen und töten ließ, folgte Aksum der Aufforderung und beendete mit seiner Eroberung die jüdische Königsreihe im Jemen.
Im Sassanidenreich, in dem der Zoroastrismus eine prominente Rolle spielte, kam es, nachdem es bereits zuvor vereinzelt Übergriffe des Staates gegeben hatte (beispielsweise in der Zeit Bahrams II.), in der Regierungszeit Schapurs II. im 4. Jahrhundert zu einer systematischen Christenverfolgung, siehe auch Simon bar Sabbae. Diese Verfolgung war jedoch primär politisch motiviert, da fast zeitgleich im Römischen Reich das Christentum durch Konstantin privilegiert worden war und der persische Großkönig Kollaboration seiner christlichen Untertanen mit den Römern befürchtete. Auch in Armenien, das von den Sassaniden beansprucht und auch teilweise kontrolliert wurde, kam es immer wieder zu Verfolgungen von Christen, die ebenfalls politischen Zielen diente. Im 5. Jahrhundert formierte sich in Persien dann die „nestorianische“ Assyrische Kirche des Ostens als eine Art „innerpersische Kirche“; im Anschluss daran kam es zu einem weitgehenden Ausgleich der Perserkönige mit ihren christlichen Untertanen und nur noch vereinzelt zu Übergriffen. Als die Araber im 7. Jahrhundert das Sassanidenreich eroberten, fanden sie besonders im Westen zahlreiche blühende Christengemeinden vor.
Zwischen islamischen und christlichen Herrschern kam es jedoch in den umstrittenen Gebieten des Mittelmeeraums - besonders in Kleinasien, Afrika und Spanien - zu teilweise sehr blutigen Zusammenstößen. In deren Gefolge kam es auch zu wechselseitigen Verfolgungen in den jeweils von einer Religion beherrschten Ländern an den Minderheiten der anderen Religion. Unübertroffen waren die Massaker an Muslimen und Juden im Kontext der Kreuzzüge, auch wenn es später in den Kreuzfahrerstaaten zu einem relativ friedlichen Ausgleich kam. Unter den Almohaden, Mauren und Seldschuken wurden dann auch katholische und orthodoxe Christen teilweise systematisch vertrieben und ermordet.
In der Folge waren die noch übrigen Christengemeinden vielfach Plünderungen ausgesetzt; bis 1896 starben weitere geschätzte 20.000 türkische Armenier an Hunger, Seuchen und Raubmorden. Bis zu 100.000 ihrer Frauen sollen in muslimische Harems verschleppt worden sein.
1909 brachte eine erneute Verfolgung. Aber erst 1916 im Ersten Weltkrieg wurde daraus eine systematische Deportation, die auf die Ausrottung des armenischen Volkes zielte: Die Männer - auch die, die in der türkischen Armee waren - wurden in den Ortschaften direkt getötet, die Frauen und Kinder verschleppt, wobei die meisten den Tod fanden. Dies betraf um 1, 3 Millionen Menschen, von denen etwa zwei Drittel umkamen.
Mitgetroffen wurden schon 1895 die Aramäer, ein alte christliche Minderheit von etwa 150.000 Angehörigen im kurdischen Bergland. Die, die damals in den Irak fliehen konnten, wurden dort 1933 erneut verfolgt. Dabei spielten nationalistische Gründe mit: Die Christen unter den Kurden hatten mit Unterstützung der Briten und Franzosen einen unabhängigen Staat angestrebt und damit den Hass der türkisch-irakischen Panarabisten auf sich gezogen. Formaler Anlass war ein angebliches Vergehen gegen nichtreligiöse Staatsgesetze; ein religiöser Christenhass war jedoch gegeben. Nur etwa 30.000 aramäische Christen überlebten.
Siehe auch: Völkermord an den Armeniern, Völkermord an den Aramäern
Doch nun verweigerten die meisten Kirchenbeamten den Eid auf die Verfassung und wurden daraufhin zu Zehntausenden inhaftiert und deportiert, häufig auch hingerichtet. In den Folgejahren verarmten die von den ehemaligen Kirchengütern abhängigen Bauern. Gegen ausländische Truppen versuchte die Nationalversammlung 1793 massenhaft Rekruten auf dem Land zum Militärdienst zu verpflichten. Daraufhin kam es vor allem in der Region der Vendee zu Aufständen, die blutig niedergeschlagen wurden. Dabei sollen Hunderttausende Menschen getötet worden sein; manche Gegenden verloren ein Drittel ihrer Bevölkerung.
Im selben Jahr wurde die Religionsfreiheit widerrufen und das Christentum verboten. 1795 nach dem Ende der Terrorherrschaft der Jakobiner wurde es jedoch wieder zugelassen. 1798 besetzten die Franzosen Rom, setzten den Papst ab und riefen die Römische Republik aus. 1799 gelangte Napoleon durch einen Staatsstreich zur Macht und garantierte von nun an dauerhaft die christliche Religionsausübung, ohne aber die Macht des römischen Papstes in Frankreich erneut zuzulassen.
Ob dieser Verlauf als systematische Christenverfolgung oder eher als konfessionell überlagerter Bürgerkrieg zu gelten hat, ist historisch umstritten. Die Angriffe der Revolutionäre auf das Papsttum trugen dazu bei, dass die folgenden Päpste und Katholiken der Aufklärung und Demokratie skeptisch und feindlich gegenüberstanden. Dies hatte Folgen auch im späteren Kulturkampf im Deutschen Kaiserreich.
In den ersten Monaten der Zweiten Republik wurden in verschiedenen spanischen Städten Kirchen niedergebrannt, ohne dass die Regierung dagegen einschritt oder die Täter strafrechtlich verfolgte. Die Zerstörung von Kirchen wurde nach dem Wahlsieg der Volksfront 1936 verstärkt: In den ersten vier Monaten nach der Wahl wurden 170 Kirchen niedergebrannt, die vollständige Zerstörung 251 weiterer Kirchen konnte verhindert werden. Den Höhepunkt erreichte die Verfolgung nach dem Beginn des Militäraufstands im Juli 1936. Anfang 1937 beschrieb der republikanische Justizminister die Situation:
Soweit bekannt, fielen der Verfolgung der katholischen Kirche in der zweiten Republik 13 Bischöfe, 4.184 Diözesanpriester und Seminaristen, 2.365 Ordensmänner, 283 Ordensfrauen und mehrere Tausend Laien zum Opfer.
Das orthodoxe Christentum war davon primär betroffen. Die Bolschewiki trennten rigoros Staat und Kirche, schafften alle konfessionellen Vorrechte ab, verboten den Religionsunterricht an Schulen, lösten die Klöster und Parochien auf. Entgegen der Theorie warteten sie dann aber nicht, bis die Religion mit der Veränderung der sozialen Verhältnisse von selbst verschwand, sondern ergriffen schon im Verlauf des russischen Bürgerkriegs (1917-1920) Maßnahmen, denen zahlreiche Priester zum Opfer fielen: Diese erhielten als "Nichtarbeiter" keine Lebensmittelkarten oder wurden als "Konterrevolutionäre" ohne Verfahren getötet oder verbannt, was einem Todesurteil gleichkam.
Diese Verfolgung ergab sich oft spontan vor Ort ohne zentrale Direktive. Doch ab 1920 erklärte die Partei außerdem alle Bischofstätigkeiten für illegal: Nur die Pfarreien blieben bestehen. Zeitweise wurden sogar Sekten, Freikirchen und die sowjetfreundliche "lebendige Kirche" staatlich gefördert, um die orthodoxe Kirche zu zerstören. Diese Abspaltung konnte sich trotzdem nicht lange halten.
1922 wurden die Kirchenschätze landesweit beschlagnahmt. Ein Teil des orthodoxen Klerus wehrte sich dagegen. Exilrussen forderten 1921 in Karlowitz und 1922 in Genua die Wiederherstellung der Monarchie in Russland und drängten die Europäer zu einem Kreuzzug gegen die Bolschewisten. Darauf reagierten diese mit einem Beschluss, die Massen aktiv umzuerziehen, um ihr religiöses Bewusstsein zu ersetzen.
1927 erzwang Stalin die Zusammenlegung bis dahin selbstständiger Bauern in Kolchosen: Dies sollte besonders die traditionell christlichen Kulaken treffen. In den folgenden Jahren wurden tausende Kirchen geschlossen, der Sonntag als Feiertag abgeschafft und viele einfache Bauern und ihre Dorfgeistlichen ermordet.
Zehn Jahre darauf ergab eine verordnete Volkszählung, dass sich immer noch ein hoher Anteil der Russen zum Christentum bekannte. Bis 1939 intensivierte der Staat daraufhin seine Umerziehungs-, Enteignungs- und Vernichtungsschritte. Wieviele Berufs- und Laienchristen diesen politischen Säuberungen zum Opfer fielen, ist unbekannt, da die Behörden Geistliche nicht von Regimegegnern unterschieden. Die orthodoxe Kirche gibt an, dass zwischen 1917 und 1940 allein 120.000 Priester, Mönche, Nonnen und kirchliche Mitarbeiter verhaftet wurden; davon wurden 96.000 erschossen. Ende der dreißiger Jahre war weniger als ein Dutzend Kirchen noch offiziell geöffnet. Erst der Überfall des nationalsozialistischen Deutschland 1941 änderte diese Linie. Nun versuchte Stalin, den russischen Patriotismus für den Abwehrkrieg zu mobilisieren und ging daher zu einer Duldung der Orthodoxie über: 1943 wurde das gesamtrussische Patriarchat wiederhergestellt, sogar Klöster durften neu errichtet werden. Andere kleinere Kirchen wurden weiterhin verfolgt.
Nach dem 2. Weltkrieg belief sich die Zahl der russisch-orthodoxen Priester und Diakone auf rund 52.000; 1914 hatte sie noch über 203.000 betragen. Ein Teil des traditionell der Obrigkeit verpflichteten russischen Patriarchats suchte sich nun stärker mit den Machthabern zu arrangieren.
Seit etwa 1970 arbeitete das Politbüro wieder mehr mit der orthodoxen Kirche zusammen, die sich unter russisch-nationalen Vorzeichen analog zur KPdSU bemühte, alle orthodoxen Christen der Welt unter ihrer Führung zu einen.
Der ideologische Gegensatz bestand freilich von Anfang an: Die NSDAP verstand sich als Weltanschauungspartei mit einem totalitären Machtanspruch. Alles sollte dem Dienst am „deutschen Volkstum" und an der „arischen Rasse" unterworfen werden. Dazu gehörte ein Bekenntnis zu einem „positiven Christentum": Gemeint war dessen Umdeutung zu einer "Nationalreligion", die den „Willen zur Macht" (Friedrich Nietzsche) betonte und sich vor allem gegen das „jüdische Untermenschentum" definierte. Adolf Hitler, der große Teile seines Antisemitismus vom österreichischen Katholizismus übernahm, schrieb 1923 in Mein Kampf:
Nach Hitlers Machtantritt mussten die NSDAP-Mitglieder ihren Kirchenaustritt belegen. Die „Deutschen Christen" aber wollten die NS-Ideologie in der Evangelischen Kirche durchsetzen und forderten ihre Vereinheitlichung: Ein Staat, ein Volk, eine Kirche! Sie gewannen im Juli 1933 die Kirchenwahlen und damit die Leitung der meisten Landeskirchen. Eine Mehrheit der Protestanten ließ sich bereitwillig unter der Führung eines von Hitler eingesetzten „Reichsbischofs" (Ludwig Müller) mit dem Nazisystem gleichschalten.
Auf der Sportpalastkundgebung im November 1933 griffen die Deutschen Christen zentrale Glaubenssätze auch der neuen Kirchenverfassung an: Auf der Basis der NS-Ideologie galt ihnen alles, was am Christentum jüdischen Ursprungs war, als „zersetzendes" Element, das abgestreift werden müsse. Das Alte Testament galt als Sammlung von „Bettler- und Viehzüchtergeschichten" (Emanuel Hirsch); ein „judenreines" Neues Testament wurde herausgegeben, in dem die Briefe des Paulus, das Matthäusevangelium und viele Einzeltexte fehlten. Man behauptete eine „gallische" Herkunft des Jesus von Nazaret und seine „heldische" Opposition gegen die „Geldwechsler" des Judentums (so z.B. Mathilde Ludendorff).
Darauf bildete eine Minderheit der evangelischen Christen eine innerkirchliche Opposition, die Bekennende Kirche (BK). Ihre Barmer Theologische Erklärung sprach im Juni 1934 den Gegensatz zwischen christlichem Glauben und NS-Ideologie offen aus. Sie beanspruchte die rechtmäßige Vertretung der ganzen Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) und gründete dazu im September eine eigene Kirchenleitung: Damit war die DEK gespalten und ihre vollständige Unterordnung unter die staatliche Führung gescheitert.
Aber dieser innerkirchliche Konflikt änderte nichts daran, dass fast alle Landeskirchen infolge des Arierparagraphen getaufte Juden aus kirchlichen Ämtern entließen. Nur die Leitung der BK und der Württembergischen Landeskirche protestierten offen dagegen; aber auch sie kritisierten nicht die Nürnberger Rassengesetze als solche. Die meisten Bekenner erkannten in lutherischer Tradition die nationalsozialistische "Obrigkeit" als Gottes Anordnung an und widersprachen lediglich ihren Übergriffen auf die kirchliche Lehre.
Die Pfarrerausbildung der BK, ihr Schriftverkehr, ihre Hilfsaktivitäten für Juden (Büro Grüber) wurden nach und nach verboten. Viele ihrer Pastoren verloren ihre Stellen; manche, die öffentlich gegen judenfeindliche Maßnahmen protestiert hatten, wurden verhaftet und in KZs eingeliefert. Die übrigen wurden 1939 zum Kriegsdienst eingezogen; ein Teil davon wurde in der Wehrmachtsseelsorge eingesetzt. Nur wenige als konsequente System- oder Holocaustgegner bekannte Christen wie Paul Schneider oder Dietrich Bonhoeffer wurden umgebracht.
Der Vatikan unter Pius XI. schloss 1933 mit dem Dritten Reich ein Reichskonkordat ab und konnte so die Organisationsstruktur der katholischen Bistümer wahren. Angesehene Bischöfe wie Clemens August Graf von Galen konnten zeitweise sogar Mordaktionen wie die Aktion T4 bremsen und blieben dennoch im Amt. Die Widerstandsgruppe Weiße Rose vertrat eine idealistisch und humanistisch geprägte Minderheit unter der katholischen Jugend Bayerns, deren Mitglieder stellvertretend für die schweigende Mehrheit zu Märtyrern wurden.
Im Kriegsverlauf verschärfte der Staat antikirchliche Maßnahmen gegen die ganze DEK: Feiertage wurden eingeschränkt, Taufen, Konfirmation, Trauungen, Beerdigungen durch Parteifeiern ersetzt, das Kirchenrecht im Warthegau auf ein Vereinsrecht umgestellt, kirchliche Finanzen zentral kontrolliert. Einige Historiker gehen daher von einer geplanten Auflösung kirchlicher Strukturen aus.
Die Zeugen Jehovas verweigerten den Wehrdienst, politische Aktivitäten und die Verehrung Hitlers (Hitlergruß). Daraufhin wurden sie interniert; etwa 1.200 verloren in den KZs ihr Leben (siehe auch Zeugen Jehovas im_Nationalsozialismus).
Weitaus schwerer traf die Naziherrschaft Christen in von Deutschland besetzten Gebieten: Allein im KZ Dachau waren über 1.000 katholische Priester aus Polen inhaftiert. Insgesamt starben knapp 2.000 polnische Geistliche in den KZs. 548 davon wurden standrechtlich erschossen. Der Holocaust galt dem Judentum als Volk wie als Religion; erst seit 1945 realisierten Christen nach und nach, dass dieser Angriff indirekt auch ihrem Glauben galt, der auf die Existenz des jüdischen Volkes angewiesen bleibt. Damit stellt dieser Zivilisationsbruch das ganze abendländische Christentum in seiner seit der Konstantinischen Wende herrschenden Gestalt in Frage. So sagte der überlebende Auschwitzhäftling Elie Wiesel:
Die Kirchen waren mitgetroffen und mitgemeint: 1950 gab es in Estland nur noch 30 lutherische Pastoren und nur zwei katholische Priester. Das katholische Litauen hatte keinen Bischof mehr und konnte keine Priester mehr ausbilden. Erst seit den innenpolitischen Reformen unter Gorbatschow wurden diese Restriktionen allmählich gelockert.
Auch in Weißrussland, der Ukraine und im übrigen Ostblock ergriffen die nunmehr kommunistischen Staatsführungen nach 1945 antikirchliche Maßnahmen von unterschiedlicher Härte. Vergleichsweise moderat verlief diese Politik in Rumänien und der Tschechoslowakei. In Albanien dagegen wurden muslimische wie christliche Geistliche konsequent aus allen Ämtern entfernt und unterdrückt, so dass dieses Land sich als erster atheistischer Staat der Welt sah.
In Ungarn, Jugoslawien, Polen sowie der DDR versuchten die Staatsbehörden seit den 1950er Jahren das Christentum durch gesellschaftliche Benachteiligung der Kirchenmitglieder aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. So wurden zum Beispiel 1953 in der DDR viele junge Christen von den Oberschulen relegiert, die Junge Gemeinde und die Studentengemeinden öffentlich als staatsfeindliche Organisationen bezeichnet und geheimdienstlich beobachtet. Bei halblegalen Kirchenversammlungen wurden junge Christen und Pazifisten in Einzelfällen auch inhaftiert. Mit der staatlichen „Jugendweihe" versuchte die SED eine Alternative zur Konfirmation und Kommunion anzubieten, um die Kirchen allmählich auszutrocknen. Kirchengebäude überließ man dem Verfall; die Bindung an die EKD im Westen wurde organisatorisch erschwert.
Von einer systematischen Verfolgung kann hier dennoch keine Rede sein. Als „Kirche im Sozialismus" sah sich ein Teil der ostdeutschen Landeskirchenleitungen und Pfarrerschaft. Im Verlauf der Friedensbewegung der achtziger Jahre wurden die Kirchen jedoch ein Sammelbecken und Sprachrohr für oppositionelle Strömungen, die die Wende von 1989 mit vorbereiteten.
(siehe auch Christen und Kirche in der DDR)
Zwar verwies bereits Toyotomi Hideyoshi um 1587 die Missionare des Landes, da er in der Einflussnahme jesuitischer, vor allem aber franziskanischer Mönche eine Bedrohung seiner Machtposition sah. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dieser Erlass jedoch kaum durchgesetzt. Erst 1597, ein Jahr vor Hideyoshis Tod, wurden in Nagasaki 26 Christen durch Kreuzigung hingerichtet.
Hideyoshis Nachfolger Tokugawa Ieyasu zeigte sich zunächst tolerant, da er auf den Handel mit den Portugiesen angewiesen war, und wohl auch durch den Einfluss seines englischen Beraters William Adams. Doch nach Adams' Tod, und nachdem auch zu Holland und England Handelsbeziehungen entstanden (wodurch auch der Konflikt zwischen römisch-katholischem Christentum und dem Protestantismus in Japan bekannt wurde), änderte er seine Einstellung. Grund dafür war die Furcht vor christlichen Glaubenskriegen in Japan sowie die Erkenntnis, dass viele Christen untereinander und gegenüber der Kirche größere Loyalität zeigten als gegenüber ihm, dem Shōgun. Ab etwa 1612 wurde das Christentum schrittweise verboten.
Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung unter Ieyasus Nachfolgern Tokugawa Hidetada und Tokugawa Iemitsu, besonders nachdem sich 1637 auf Kyushu die überwiegend christliche Bevölkerung im Shimabara-Aufstand gegen das Shogunat erhob. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, über 40.000 Christen getötet. Verfolgungsbehörden wurden eingerichtet, die eine landesweite Verfolgung und Ausrottung der Christen zum Ziel hatten. Wer verdächtigt wurde, Christ zu sein, musste sich öffentlich vom Christentum abkehren und christliche Symbole schänden, die als 踏み絵 (fumie, „Tret-Bilder“) bezeichnet wurden, sowie sich in die Glaubensregister buddhistischer und shintoistischer Tempel eintragen und diese regelmäßig besuchen. Diejenigen, die sich weigerten, ihren christlichen Glauben abzulegen, wurden hingerichtet, oft durch öffentliche Kreuzigung oder Verbrennung.
Das japanische Christentum entwickelte sich während dieser Verfolgungsphase zu einer neuen synkretischen Religion, dem Kakure Kirishitan, mit Einflüssen des Buddhismus, des Daoismus und des Shinto. Nach der erneuten Zulassung des Christentums (1873 unter Tennō Meiji) gliederten die Anhänger dieses Glaubens sich in die neu entstehenden christlichen Gemeinden ein, manche lehnten dies aber auch ab, da ihre stark abgewandelte Religion von westlichen Kirchenorganisationen nicht akzeptiert wurde. Sie bilden heute eine schwindende Minderheit, deren Glaubensvorstellungen aber in einer Reihe der sogenannten „neuen Religionen“ weiterlebt.
Siehe auch: Christentum in Japan
Das Christentum galt als Religion der Europäer, deren Kultur sich die chinesische Jugend seit 1919 geöffnet hatte. Im Verlauf der nationalen Revolution (1925-1927) der Kuomintang unter Führung Chiang Kai-sheks wurden jedoch erneut zahlreiche in- wie ausländische Christen ermordet.
Unter Mao Zedong siegte in China 1949 eine Spielart des Kommunismus, der sich ähnlich wie der Stalinismus auf Bauern, Militärmacht und Zwangsindustrialisierung stützte. Der Atheismus wurde Staatsdoktrin: Alle Religionen, besonders die westlichen, wurden unterdrückt. Im Koreakrieg unterstützte Mao das Vorgehen Nordkoreas auch gegen die Christen. In der von seinen Roten Garden getragenen Kulturrevolution kam es seit 1966 zu Zerstörungsfeldzügen gegen Moscheen, Kirchen und Kulturgüter aus der Kaiserzeit. In deren Verlauf wurden auch Pogrome an vermeintlichen oder echten Systemgegnern verübt, zu denen die Christen gerechnet wurden.
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