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Chomutov (deutsch: Komotau) ist eine Kreisstadt (Okres Chomutov) mit ca. 50.176 Einwohnern (2005) im Ústecký kraj in Tschechien.
Geschichte
Bereits um
800 befand sich auf dem Gebiet eine kleine Kirche. Am
29. März 1252 wurde die Stadt (damals Comotau genannt) von Friedrich von Komotau dem
Deutschen Ritterorden geschenkt. Am
1. Februar 1261 verlieh
Přemysl Ottokar II. dem Orden die Gerichtsbarkeit. Damals wurde noch die Bezeichnung „Villa Forensis" benutzt. Daraus schließt man, dass Chomutov zu dem Zeitpunkt noch ein Dorf war. Durch eine Schenkung der Familie Kothobor von Retschitz erhielt der Orden
1281 Krimove. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch schon am Ordensschloss gebaut. Bis Ende des Jahrhunderts erhielten die Ritter durch Schenkungen und Kauf
Gut zu Beßwitz und
Otwitz.
1335 wurde der Komotauer Markt durch ein Privileg des König
Johann von Luxemburg von Zöllen und Abgaben befreit. Außerdem erhielt die Stadt das Recht, Bier zu brauen und Wochen- und Jahrmärkte abzuhalten. Am
28. Oktober 1396 verlieh der Deutsche Orden die Stadtrechte von Komotau an Albrecht von Duben und Nikolaus von Komotau. Die Stadt erhielt ein
Rathaus sowie das Recht zum
Salzhandel, eine Stadtwaage sowie
Siegel und Stadt
wappen.
Am
30. Oktober 1407 bestätigte König
Wenzel IV. den Komotauern das Recht der
Bannmeile und beendete damit den Streit zwischen
Adel und
Bürgertum wegen des
Gewerberechts zugunsten der Städte. Am
21. September 1411 musste der Landkomthur des Ordens, Ulrich von Ausk die Herrschaft Komotau an den königlichen Günstling Stephan von Kobersheim, der auch Harnischmeister genannt wurde, abtreten.
1415 ging Komotau endgültig bis
1420 an die böhmische Krone, danach wurde sie von Kaiser
Sigismund von Luxemburg an den
Markgrafen von Meißen verpfändet. Die
Hussiten nahmen am
16. März 1421 die Stadt ein. Bei den Kämpfen starben etwa 2500 - nach einer anderen Quelle genau 1363 - Menschen;
1424 wurde die Stadt an Nikolaus von
Lobkowicz verpfändet und später verschenkt. Nach dessen Tod wurde sie Besitz des
Jakob von Wrschowitz.
1456 wurde Johann Czalta von Steinberg auf Anweisung des Königs
Ladislaus Postumus der neue Herr von Komotau. Vier Jahre später starb er und sein Schwiegersohn
Benedikt von Weitmühl wurde neuer Besitzer. Außerdem erhielt die Stadt von
Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad) weitere Privilegien. Benedikt von Weitmühl starb
1560 und
Ladislaus von Weitmühl und seine Vettern wurden die neuen Herren der Stadt.
Die Komotauer erhielten
1517 von ihren Erbherren einen Freiheitsbrief, in dem den
Juden das Wohnen, Betreiben eines Handwerks oder des Handels in der Stadt, den Vorstädten und der ganzen Herrschaft verboten wurde. Dieses
Privileg gegen die Juden blieb bis
1848 in Kraft. Am
2. August 1525 brannte ein großer Teil der Stadt einschließlich des Schlosses ab. Daneben verbrannten 70 große Bücher aus der Bibliothek von
Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein, darunter Originalschriften des griechischen Weisen
Plato.
1547 wurde die Stadt während des
Schmalkaldischen Krieges von den Armeen des
Kurfürsentums Sachsen überfallen und gebrandschatzt. Acht Jahre später brach die
Pest aus und forderte 2300 Tote; dreizehn Jahre später kehrte sie zurück und weitere 2500 Personen starben. Das
Alaunbergwerk wurde
1556 entdeckt, und ab 1558 begann man mit dem Abbau.
1585 wurde die
Zunft der
Faßbinder errichtet.
1571 wurde die Stadt an die Herrn von Lobkowitz und Hassenstein verkauft. In folgenden Jahren kaufen die Herren Dörfer zurück und neue hinzu, wie
Rothenhaus, Stadt Katharinaberg sowie Grüntal, Brandau, Kleinhan, Rudelsdorf und
Burg Hasištejn. Im Jahr
1589 vertrieben
Jesuiten die
Lutheraner und bauten in den Folgejahren ein
Kollegium als Pflegestätte katholischer Bildung. Am
2. Juli 1591 kam es in der Stadt zu Tumulten zwischen
Protestanten und
Katholiken. Das
Kolleg wurde erstürmt und geplündert. Die Haupträdelsführer wurden in Rothenhaus zum Tod verurteilt und am
20. August hingerichtet. Der Stadt wurden von Popel von Lobkowitz alle Privilegien genommen, aber bereits zwei Jahre später, nachdem
Georg Popel von Lobkowitz beim Kaiser
Rudolf II. in Ungnade gefallen war und sein Vermögen konfisziert wurde, wieder verliehen.
Komotau erkaufte sich die Freiheit und wurde
1606 eine
Freie Königliche Stadt. Ab dem Jahr
1607 hatte die Stadt einen eigenen
Magistrat. Während des
Dreißigjährigen Krieges waren Plünderungen,
Kontributionen, Einquartierungen, Überfälle und Vergewaltigungen an der Tagesordnung.
1620 wurden die Jesuiten aus Komotau wieder vertrieben. Kollegium und Seminar wurden an die Stadt verkauft. Nach der
Schlacht am Weißen Berg wurde am
10. November 1620 die Stadt von den kaiserlichen Truppen eingenommen und gezwungen, dem Kaiser den Huldigungseid zu leisten und den Jesuiten das Kolleg und das Seminar zurückzugeben.
1621 verließen immer mehr Protestanten die Stadt Richtung
Sachsen und
Meißen. 2500 Menschen starben
1625 durch die Pest, die fünfzehn Jahre später wiederkehrte und weitere 1000 Opfer forderte. Sechs Jahre später am
12. November 1631 wurde die Stadt von Kaspar von Klitzing (1677-1719), Hauptmann des
Johanniterordens, eingenommen und gebrandschatzt.
3. März 1662 erfolgte die Grundsteinlegung der Ignatiuskirche der Jesuiten.
Die von Kardinal Salerno den Jesuiten
1725 geschenkten Gebeine des heiligen
Viktor wurden unter großen Feierlichkeiten in einem
Mausoleum in der Ignatiuskirche beigesetzt. Die Stadt kaufte in den folgenden Jahren weitere Güter auf, so
Hruschowan. Am
14. Oktober 1773 zogen während des
Siebenjährigen Krieges Soldaten in das Kloster ein. 1780 übernahmen die
Dominikaner das Komotauer
Gymnasium.
Während der
Napoleonischen Kriege brachten
bayerische und
französische Kriegsgefangene 1805 das
Faulfieber in die Stadt, das über 700 Todesopfer forderte. Vom 21. bis
24. August 1813, während der Napoleonischen Kriege fand in Komotau das
Drei-Kaiser-Treffen statt, an dem der Zar
Alexander I. von Russland, der preußische König
Friedrich Wilhelm III. und der österreichische Kaiser
Franz I. teilnahm. Ab Mitte des Jahrhunderts erfolgten Gründungen im Handel und Gewerbe, aber vor allem in der Industrie, so zum Beispiel die Komotauer Sparkasse und die älteste Firma des graphischen Gewerbes, die Buchdruckerei Gebrüder Butter. Die Eisenbahnstrecke Komotau-
Dux-
Ossegg wurde eröffnet, später auch die Strecke nach
Eger sowie die Strecken der
Buschtierader Eisenbahn nach
Prag,
Weipert-
Reitzenhain (
Sachsen) und
Brunnersdorf bei
Kadaň. Die „Maschinentechnische
Fachschule" wurde eingeweiht. Gegen Ende des Jahrhunderts begann man mit dem Bau der
Komotauer Talsperre.
1900 erfolgt die Einweihung der neuen im gotischen Stil erbauten Evangelischen Kirche am Eingang zum Stadtpark. Im Laufe der Jahrzehnte wird die Industrie weiter ausgebaut und Kommunikationsanlagen angelegt, so begann man zum Beispiel
1901 mit dem Bau der neuen Wasserleitungsanlage. Hinzu kamen ein Bezirkskrankenhaus, ein
Siechenhaus, ein Gymnasium, eine Turnhalle. Am
28. Oktober 1918 wird Chomutov in die neu gegründete
Tschechoslowakische Republik integriert. Zwanzig Jahre später, am
1. Oktober 1938 erfolgt der Anschluss des
Sudetenlandes an das
Deutsche Reich und die Besetzung durch deutsche Truppen.
Todesmarsch der Komotauer Männer
Am 9. Juni 1945 mussten sich alle 8.000 Komotauer Männer zwischen 13 und 65 Jahren auf dem Jahnsportplatz sammeln. Bereits dort starben zwischen 12 und 20 Menschen. Auf dem Marsch von Komotau nach Maltheuern wurden diejenigen, die entkräftet waren, erschossen. Die Überlebenden mussten das zerbombte Hydrierwerk in Záluzí wieder aufbauen. Strecke: Komotau - Görkau - Schloss Rothenhaus - Kunnersdorf+ - Bartelsdorf+ - Eisenberg+ - Gebirgsneudorf -
Deutschneudorf (Sachsen) - Nickelsdorf - Obergeorgenthal - Niedergeorgenthal - Maltheuern (= Záluzí)
( Orte mit + existieren auf Grund des Braunkohletagebaus nicht mehr.)
(Zu den äußeren politischen Umständen siehe
Brünner Todesmarsch.)
Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde die deutsche Bevölkerung 1945 enteignet und vertrieben.
In der Stadt befindet sich ein Tschechisch-deutsches Begegnungszentrum mit einer Aussenstelle in Weipert.
Gegenwart
Traditionelle Industrie ist der Kohlebergbau, die Holzverarbeitung, die Keramikindustrie, aber auch Textil- und Schwerindustrie (In den Mannesmannschen Röhrenwerken wurden
1890 die ersten nahtlosen Rohre der Welt hergestellt). Die berühmten Handwerksarbeiten verschwanden jedoch nach der Aussiedlung der deutschen Bürger nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde vor allem Schwerindustrie angesiedelt. Derzeit wird diese jedoch von der Leichtindustrie verdrängt.
Neben vielen Sehenswürdigkeiten bietet Chomutov den Erzgebirger Zoopark und das Kamencové jezero (Alaunsee). Aber auch als Ausgangspunkt für die Erkundung des
Erzgebirges bietet sich die Stadt an.
Politik
Bürgermeister
- 1800-1807 Franz Görner (Partei unbekannt)
- 1807-1839 Dr. Jakob Dobrauer (Partei unbekannt)
- 1839-1850 Rudolf Grünewald (Partei unbekannt)
- 1850- 1859 Johann Georg Löw (Partei unbekannt)
- 1860- 1872 Josef John (Partei unbekannt)
- 1872-1888 Dr. Heinrich Schmatz (Partei unbekannt)
- 1888-1898 Dr. Franz Schreitter (Partei unbekannt)
- 1898-1907 Anton Schiefer (Partei unbekannt)
- 1907- 1933 Dr. Ernst Storch (Partei unbekannt)
- 1933-1937 Verwaltungskomission
- 1937-1938 Viktor Herbrich (Partei unbekannt)
- 1938-1945: Eduard Fiedler, Sudetendeutsche Partei
Kulturdenkmäler
- Alaunsee liegt nördlich der Stadt am steilen Abhang des Erzgebirges und ist auf der ganzen Welt einmalig. Der See ist ca. 16 ha groß und bis zu 4 Meter tief. Das Besondere aber ist sein Gehalt von ca. 1% des Alaun-Heilsalzes.
- St. Katharinakirche ist das wertvollste historische Denkmal in Chomutov und eine der ältesten frühgotischen Bauten in Europa. Die Kirche wurde im Jahre 1281 als Ordenskirche fertiggestellt und war Bestandteil der Burg.
- Gymnasiumsturm
- Bezirksmuseum - Gebäude des Jesuitengymnasiums
- St. Ignatiuskirche Früher Barockbau des Basilikentyps mit zweitürmiger Nordfassade wurde vom Italiener Carlo Lurago in den Jahren 1663-1668 gebaut.
- Objekt Speichar war vor dem Bau der St. Ignatiuskirche eine ursprüngliche Jesuitenkirche (1611).
- Dreifaltigkeitssäule 1697 vom Bildhauer Ambroz Laurentis gebaut.
- Stadtturm (1525)
- Talsperre Komotau
Wirtschaft
Industrie
Industrien der Metallverarbeitung, Braunkohlebergwerke, Uhren- und Zichoriefabrik, Glockengießerei. Früher waren bis zu 52 Großbetriebe in der Stadt ansässig.
Verkehr
Der
ÖPNV wird durch die
DPCHJ betrieben.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- 1490, Matthäus Aurogallus, † 10. November 1543 in Wittenberg, Historiker, Sprachwissenschaftler und Hebraist
- 1899, 3. Juli, Ernst Fischer, † 31. Juli 1972 in Deutschfeistritz, österreichischer Schriftsteller und Politiker (KPÖ), Bildungsminister
- 1911, 27. März, Erich Heller, † 5. November 1990, britischer Philosoph
- 1925, 19. Dezember, Dr. Ernst Eichler, † 20. Mai 2005, Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes.
- 1931, 2. August, Ruth Maria Kubitschek, deutsche Schauspielerin
Weblinks
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