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Chinoiserie war die an chinesischen Vorbildern orientierte Richtung der europäischen Kunst, die besonders im 18. Jahrhundert populär wurde und auf die vermeintlich heile Welt der Chinesen verweisen sollten. Die China-Begeisterung speiste sich sowohl aus Interesse an ferner Exotik, als auch aus der Vorstellung eines friedlichen Riesenreiches, dessen zahlreiche Bevölkerung bis in einfache Schichten literarisch und philosophisch gebildet war.
Jesuiten
Kenntnis von China gelangte nach
Marco Polos Reisen über Kaufleute und Gesandte, seit Mitte des 17. Jahrhunderts vor allem über
jesuitische Missionare nach Europa. Sie konkretisierten das Chinabild und machten China für
Leibniz zu einem Reich, „
das gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Erde ziert". Die Vermittlung durch die Jesuiten erfolgte nicht uneigennützig.
China sollte so dargestellt werden, dass eine
Mission erfolgversprechend und damit förderungswürdig schien. Das chinesische Reich wurde deshalb in seiner Idealform präsentiert: hochkultiviert und hochzivilisiert.
Frankreich
Den französischen Physiokraten
Quesnay beeindruckte 1767 die angebliche Harmonie zwischen agrarischer Produktion und staatlicher Herrschaft in China so sehr, dass er sich den
Despotisme de la Chine als Gesellschaftsmodell auch für Europa wünschte. Dass in China die Vergabe öffentlicher Ämter nach einem Prüfungssystem erfolgte, übte auch eine große Faszination auf das Bildungsbürgertum Europas aus, das sich gegen feudale Erbstrukturen durchsetzen wollte. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte auch eine Gegenbewegung ein, die die bedingungslose Chinaverehrung in Zweifel zog, ja verspottete. Aber noch bis ins 19. Jahrhundert hinein galt das konfuzianische Staatswesen als vorbildlich.
Voltaire schrieb 1756 über China. Für ihn war China ein von aufgeklärten Gelehrtenbeamten regiertes Utopia. Es war die vierbändige China-Enzyklopädie "Déscription de la Chine" des Paters Jean Baptiste du Halde aus dem Jahr 1735, die Voltaire zu begeisterten Kommentaren animierte und ein Jahrhundert lang Pflichtlektüre für jedes Gespräch über China war. In dieser Enzyklopädie beschrieb du Halde ein blühendes Reich, dessen innerer Handelsaustausch entwickelter sei als der innerhalb Europas.
England
William Chambers - der lange Zeit als Kaufmann in China verbrachte - hatte 1757, nach seiner Rückkehr nach England, ein Buch über ostasiatische Baukunst verfasst (
Designs of Chinese buildings). 1763 ein Werk über den von ihm in Kew angelegten Park mit Kupferstichen der dortigen orientalischen Bauten: Pagode, Moschee, Alhambra und 1772 ein Buch über chinesische Gärten, in dem er den Bau chinesischer Parkbauten anregte. Dadurch löste Chambers eine europaweite »Chinoiserie«-Mode innerhalb des
Rokoko aus. Diese war geprägt von einer Traumwelt aus
Porzellan, Lackarbeiten,
Seide und Papiertapeten. Nachempfindungen
chinesischer Gärten und
Pagoden gehörten zur exotischen Ausstattung von
Sanssouci,
Versailles,
Schönbrunn oder
Schloss Pillnitz bei
Dresden. Ein weiteres Beispiel ist das ab 1781 erbaute "chinesische Dorf"
Mou-lang im
Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel.
Bildergalerie
Bild:Pillnitz 2.jpg|Schloss Pillnitz
Bild:Pillnitz 10.jpg|Gemälde in Schloss Pillnitz
Bild:Potsdam Drachenhaus.jpg|Drachenhaus in Potsdam von Carl von Gontard
Image:Potsdam chinesisches haus 1.jpg|Chinesisches Teehaus in Sanssouci
Siehe auch
Literatur
- Gu, Zhengxiang: Zum China-Bild des Zedlerschen Lexikons: Bibliographie der in seinen China-Artikeln besprochenenen oder als Quellen genannten Werke. In: Suevica 9 (2001/2002). Stuttgart 2004 *, S. 477-506 ISBN 3-88099-428-5.
Weblinks
Chinesische Kunst
Chinoiserie | Chinoiserie