Chinin ist ein Alkaloid, das aus der Chinarinde gewonnen wird. Es ist ein weißes, wasserunlösliches, kristallines Pulver.
Vorkommen
Chinin kommt nur in der Familie der
Rubiaceae, Subfamilie
Cinchonoideae vor, hauptsächlich in deren Rinde, daher auch "Chinarindenbaum". Der Ursprungsort ist der Hochwald (1500-2700m ü. M.) der
Anden (
Venezuela bis
Bolivien).
Der Name der Pflanze stammt von den Ureinwohnern (quina-quina = Rinde der Rinden), die bereits um die fiebersenkenden Eigenschaften wussten. Den lateinischen Namen Cinchona (nach dem später auch das Chinin benannt wurde) erhielt die Pflanze vermutlich von der Gräfin von Chinchon, Frau des Vizekönigs der spanischen Kolonien, die durch Rindenpulver von der Malaria geheilt worden war.
Jesuiten sorgten für die Verbreitung des Mittels in Europa (daher auch die Namen Jesuitenrinde, Kardinalspulver etc.).
Chinin wird in ca. 300-500 t/a durch Rindenextraktion von kultivierten Pflanzen (Java) gewonnen, manche Arten enthalten bis 11-15% Chinin in der Rinde.
Geschichte
Es wurde
1820 von
Pierre Joseph Pelletier und
Joseph Bienaimé Caventou durch Extraktion aus der Rinde mittels Alkohol entdeckt; sie verdünnten das Extrakt mit Kalilauge und erhielten eine gelbliche, amorphe Masse, die sehr bitter schmeckte und nannten die Substanz Chinin. Es wurde
1823 erstmals vom
Apotheker Friedrich Koch in
Oppenheim im industriellen Maßstab aus der Rinde von
Cinchona-Arten gewonnen. Erst
1908 kann durch
Zdenko Hans von Skraup,
W. Königs und
Paul Rabe die Struktur des Chinins aufgeklärt werden.
1944 kann Chinin durch
Robert B. Woodward erstmals formal totalsynthetisiert werden, die tatsächliche Totalsynthese gelingt erst
M. R. Uskokovic 1970.
Die Aufklärung der physiologischen Wirkung von Chinin gelang dem Franzosen
François Magendie.
Eigenschaften
Chinin
fluoresziert in saurer Lösung bei Bestrahlung mit
Ultraviolettstrahlung (~ 350 nm) intensiv hellblau. Dies funktioniert allerdings nicht in
Salzsäure, da dort die Chlorid-Ionen die Fluoreszenz hemmen. Chinin schmeckt
bitter.
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Wirkung
Chinin wirkt schmerzstillend, in unmittelbarer Umgebung betäubend und fiebersenkend. In
China wird es aufgrund der fiebersenkenden und schmerzstillenden Wirkung in geringen Dosen Mitteln zur Behandlung von
grippalen Infekten beigemischt. Chinin wirkt anregend auf die
Gebärmuttermuskulatur und somit
wehenfördernd, das
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt jedoch in einer Publikation (siehe Weblinks) vor dem Verzehr durch Schwangere. Chinin wird auch zur Behandlung von
Malaria eingesetzt (besonders der komplizierten M. tropica), da es die ungeschlechtlichen Formen des Erregers abtötet.
Es ist in Abhängigkeit der Dosierung giftig und kann bei häufiger Einnahme Allergien auslösen. Eine mögliche Oxidation des Hämoglobins durch aufgenommenes Chinin kann ferner auch eine Methämoglobinämie verursachen. Die Giftigkeit beruht auf einer Hemmung von Enzymen der Gewebsatmung sowie einer Blockierung der Synthese der DNA. Eine Überdosis führt unter anderem zu Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Ohrensausen, Taubheit, vorübergehender Erblindung und Herzlähmung. Die tödliche Dosis liegt bei etwa 8-10 g Chinin. Der Tod tritt durch eine zentrale Atemlähmung ein.
Verwendung
Chinin wird in kleinen Mengen
Bitter-Lemon-Getränken sowie dem
Tonic Water zugesetzt und ruft dort den bitteren Geschmack hervor. Bitter-Lemon-Getränke haben ihren Ursprung in
Afrika, wo die Kolonisten den Getränken vorbeugend gegen die
Malaria Chinin zusetzten. Generell ist es ein beliebter Bittermacher der Lebensmittelindustrie und ist so beispielsweise auch in Magenbitter (
Underberg etc.) zu finden. Um allerdings eine medizinisch wirksame Dosis zu erhalten, müsste man ca. 15l Bitter Lemon (1l enthält ca. 70 mg Chinin) trinken.
Literatur
- Hobhouse, Henry: Sechs Pflanzen verändern die Welt. Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch. Klett-Cotta (2001), ISBN 3-608-91024-7
- T. S. Kaufman und E. A, Rúveda, "Die Jagd auf Chinin: Etappenerfolge und Gesamtsiege", Angewandte Chemie, 2005, 117, 876-907.
Weblinks
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