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Das System der chinesischen Beamtenprüfung bildete während des chinesischen Kaiserreichs einen Komplex von Wettbewerben, die dazu dienten, Kandidaten für öffentliche Funktionen auszuwählen.

Die Prüfungen gehen zurück auf die in der Han-Dynastie getroffenen Maßnahmen zur Rekrutierung ihrer Verwalter außerhalb des Erbadels. Sie waren der Versuch einer amtlichen konfuzianischen Erziehung, verbunden mit der Einrichtung literarischer Prüfungen, die für Titel und staatliche Ämter qualifizieren sollten. Erst unter der der Sui-Dynastie und Tang-Dynastie wurde die Einrichtung wieder aufgenommen und ausgebaut. Prüfungen verschiedener Schwierigkeitsgrade und Kategorien, die für zivile und militärische Ämter qualifizierten und die theoretisch für jedermann offen standen, fanden in regelmäßigen Abständen statt. Seit 736 wurden alle Prüfungen der Zuständigkeit des Ritenministeriums unterstellt, während das Personalministerium über die Ernennungen für die Ämter entschied. Seit der Song-Dynastie wurde die Mehrzahl der Beamten über die Prüfungen ausgewählt. Die Kandidaten konnten sich freiwillig zur Prüfung melden; die schriftlichen Arbeiten waren anonym; Prüfungen wurden in allen Präfekturen abgehalten, um Gewähr für Chancengleichheit zu geben. Im 19. Jahrhundert umfasste das Prüfungssystem drei Stufen. Sie entsprachen der Verleihung folgender Titel:

Regeln


Keju-song.png Für jeden dieser Titel war eine Reihe von Prüfungen erforderlich. Für jede Teilprüfung mussten Aufsätze in Prosa oder Versen verfasst werden, deren Themen den kanonischen Schriften entnommen waren. Am stärksten formalisiert war der achtgliedrige Aufsatz (bagu wen).

Die Prüfungen fanden in einem streng bewachten Gebäude statt; die Prüfungssäle der Provinzprüfungen bestanden aus Tausenden von Zellen von 2 Quadratmetern, in denen die Kandidaten mehrere Tage eingeschlossen waren.

Die Prüfungen waren nur Männern zugänglich.

Um Ungerechtigkeiten auszuschließen, gab es folgend Vorschriften:

  1. für das Mitteilen des Themas der bevorstehenden Prüfung wurde der Schuldige zum Tode verurteilt;
  2. der Inspektor, der verriet, unter welchem Zeichen ein Kandidat in den Listen eingetragen war, wurde zum Tode verurteilt;
  3. die Aufsätze wurden von einer Kommission geprüft, welche nicht wusste, wer einen Aufsatz verfasst hatte.

Hierarchie


  1. Xiùcaí (秀才 blühendes Talent): entspricht in etwa einen Bachelor; nach bestandener Prüfung auf Kreisebene
  2. Jǔrén (舉人 ): entspricht in etwa einen Magister oder Lizenziaten; alle drei Jahre nach bestandener Prüfung auf Provinzebene
  3. Jìnshì (進士 ): entspricht in etwa einen Doktortitel; alle drei Jahre nach bestandener Prüfung in der Hauptstadt
Unter den erfolgreichen Kandidaten der Palastprüfung in der Hauptstadt wurden die drei Erstplazierten besonders heraus gehoben.
  • Tànhua (探花): 3. Platz
  • Bangyan (榜眼): 2. Platz
  • Zhuangyuan (状元): 1. Platz

Zitat von Eugen Gregory


"Ein gelehrter Sohn kann seine Eltern berühmt machen. Die chinesischen Kaiser belohnten großzügig die Eltern, selbst die verstorbenen, wenn ihr Sohn als Gelehrter oder höherer Beamter dem Staat wertvolle Dienste erwiesen hatte."
Jedoch war es in früheren Zeiten nicht so leicht, ein wirklicher Gelehrter zu werden. Jeder Jüngling, der die „vier klassischen Bücher" - „Sishu" - gründlich studiert hatte, konnte in seiner Bezirksstadt ein Examen ablegen, welches ihm den ersten gelehrten Grad „Xiùcaì“ gab. Xiùcaì entspricht dem europäischen Abiturienten. Dazu bedarf es nur einer schriftlichen Prüfung. Jeder Kandidat wurde in eine kleine Zelle eingesperrt, dabei gab man ihm nur Papier, Pinsel und Tusche, und er musste im Laufe einiger Stunden über ein bestimmtes Thema einen Aufsatz schreiben, in dem wenigstens 800 verschiedene Zeichen vorkommen."
...
"Die vierte und letzte Prüfung, welche den Grad „Akademiker" verlieh, fand alle fünf Jahre in Peking an der Akademie der Wissenschaft - „Hanlinyuan" - statt. Derjenige, der dieses Examen als erster bestanden hat, erhielt den Titel „Zhuangyuan", welcher mit außerordentlichen Vorzügen verbunden war: er erhielt sein Leben lang ein hohes Gehalt, konnte jeden beliebigen Posten im Reich beanspruchen, der Kaiser zog ihn in wichtigen staatlichen Angelegenheiten zu Rate usw.
Nicht nur das Dorf, das Städtchen, der Bezirk, sondern die ganze Provinz, aus der er stammte, war auf den berühmten Landsmann stolz. Ihm zu Ehren wurden in allen Städten der Provinz. Triumphbögen errichtet; der Tag seiner Heimkehr galt als Feiertag, und jeder schätzte sich glücklich, wenn er von ihm angeredet wurde."

aus Eugen Gregory: Dreißig Jahre unter Chinesen. Zuerich: Schweizer Druck- und Verlagshaus AG, 1953 (Umschrift angepasst!)

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