Der inaktive Vulkan Chimborazo (Tschimborasso) ist mit 6.310 m Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg in Ecuador. Sein Durchmesser beträgt an der Basis etwa 20 km. Sein Gipfel ist der äußerste Punkt der Erde.
Der Chimborazo liegt in der Westkordillere der ecuadorianischen Anden in der nach ihm benannten Provinz. Die wichtigsten Städte in seiner Umgebung sind Riobamba (etwa 30 km südöstlich), Ambato (etwa 30 km nordöstlich) und Guaranda (etwa 40 km südwestlich des Berges).
Der obere Teil des Berges ab ca. 5.100 m ist vergletschert.
Der Vulkanismus am Chimborazo ist Folge der Subduktion der Nazca-Platte unter den südamerikanischen Kontinent und hat überwiegend andesitisch-dazitischen Charakter. Neueren Untersuchungen zufolge ist der Schichtvulkan im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende, vermutlich um 640, zum letzten Mal ausgebrochen.
Der Name stammt wahrscheinlich aus der Quechuasprache: chimbana – queren/passieren und rasu – Schnee, also „Weg im Schnee“.
1565 sah der Italiener Girolamo Benzoni als erster Europäer den Berg. Er beschrieb ihn mit einer Höhe von 40 Miglia (Meilen). Pierre Bouguer machte im Rahmen seiner geodätischen und gravimetrischen Messungen in Ecuador Ende 1738 Experimente, die erstmals zeigten, dass die Anwesenheit großer Bergmassive Abweichungen von der Lotrichtung verursacht; die Abweichung war jedoch kleiner als von ihm erwartet, da das Konzept der Isostasie ihm noch nicht bekannt war. Einen ersten Besteigungsversuch wagte bereits Alexander von Humboldt zusammen mit Aimé Bonpland und Carlos Montúfar am 23. Juni 1802, sie erreichten eine Höhe von ca. 5600 m (ihre eigene damalige Schätzung betrug 5900 m). Der Beschreibung des Aufstiegs durch Humboldt verdanken wir die erste genaue Schilderung der Symptome von Höhenkrankheit. Humboldt verbrachte mehrere Tage am Berg. Er skizzierte ihn und ließ sich mit ihm im Hintergrund abbilden. Im Dezember 1831 scheiterte auch der Naturforscher Jean Baptiste Boussingault aus Frankreich. Den Gipfel erreichte als erste eine britisch-italienische Seilschaft bestehend aus Edward Whymper, Jean Antoine Carrel und Louis Carrel am 4. Januar 1880. Die Schutzhütte auf der Südwestseite unterhalb des Gletschers auf 5000 m wurde zu Ehren des Erstbesteigers "Edward-Whymper-Hütte" benannt. Da viele Kritiker die gelungene Erstbesteigung anzweifelten, bestieg Whymper noch im selbigen Jahr den Berg ein zweites Mal über eine neue Route (von Pogyos im Westen her), mit den zwei Ecuadorianern David Beltrán und Francisco Campaña.
Der Chimborazo galt vor der Vermessung des Himalaya als der höchste Berg der Erde überhaupt. Die Messungen George Everests im Jahr 1856 zeigten jedoch, dass viele Himalaya-Gipfel, insbesondere der Mount Everest deutlich höher liegen als der Chimborazo. Selbst in den Anden kennt man nun viele höhere Berge und Vulkane, deren höchster der Aconcagua mit 6.959 m Höhe ist. Nach der üblichen Messmethode ab Normalnull (Meeresspiegel) beträgt die Höhe des Chimborazo nur 6.310 Meter.
Vom Erdmittelpunkt aus gemessen ist er hingegen tatsächlich der höchste Berg der Erde. Der Unterschied resultiert daraus, dass die Erde aufgrund der Rotation und der sich daraus ergebenden Fliehkraft keine perfekte Kugel ist, sondern ein Rotationsellipsoid, dessen Radius an den Polen kleiner und am Äquator größer ist.
Nimmt man den Erdmittelpunkt als Bezugspunkt, übertrifft der Chimborazo mit 6.384,557 Kilometern den Mount Everest (6.382,414 Kilometer) um mehr als zwei Kilometer. In dieser Rangfolge muss sich der Mount Everest sogar mit Platz sechs begnügen, da der Himalaya relativ weit nördlich liegt (29° nördl. Breite). So sind die Gipfel von noch weiteren Fünf- und Sechstausender in den zentralamerikanischen Anden und auch der Kilimandscharo im afrikanischen Tansania vom Erdmittelpunkt weiter entfernt als die insgesamt 14 Achttausender im asiatischen Gebirgsmassiv.
Nimmt man den Fuß des Berges als Bezugspunkt, dann ist der Mauna Kea auf Hawaii der höchste Berg der Erde.
Berg in Ecuador | Vulkan | Anden | Sechstausender
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