Childerich I. († 482) ist der erste historisch greifbare Merowinger. Er regierte die Salfranken, den wohl größten fränkischen Teilstamm westlich des Rheins, und wird als deren König in den Jahren 463 und 469 erstmals erwähnt.
Childerich war ein Sohn Merowechs, Herrscher in der Gegend von Tournai, und Verwalter der römischen Provinz Belgica II, wo er die Stellung eines römischen Generals einnahm. Unter dem magister militum Aegidius kämpfte er 463 siegreich gegen die Westgoten bei Orléans. Ein Angriff der Westgoten unter König Eurich auf Orleans konnte unter Führung des comes Paulus und Childerichs zurückgeschlagen werden. Gemeinsam mit Paulus vertrieb er die Sachsen, die sich an der Loiremündung festgesetzt hatten.
Childerich stand in seiner Doppelrolle als fränkischer Kleinkönig und römischer Provinzgeneral voll und ganz in der Tradition der spätrömischen Militäraristokratie und stützte seine Macht auf die weiterhin arbeitenden Rüstungsbetriebe in seiner Residenz Tournai. In dieser Stadt ließ er sich auch mit den Insignien eines römischen Generals und mit weiteren reichen Beigaben in einem Hügelgrab, das vermutlich thüringischer Tradition folgt begraben. Das Grab wurde beim Bau eines Armenhauses im Jahre 1653 entdeckt und enthielt neben prunkvollen Beigaben an Waffen, wie Spatha, Sax, Lanze, Franziska und Schildbuckel sowie wertvollem Schmuck auch mehrere geopferte Pferde, was beweist, dass Childerich Heide war. Durch einen Siegelring mit der Umschrift CHILDERICI REGIS konnte das Grab eindeutig identifiziert werden. Der Artzt und Altertumsforscher Jean Jacques Chiflet (1588-1673) untersuchte, beschrieb und zeichnete die Grabbeigaben, von denen ein großer Teil im Jahre 1831 gestohlen und eingeschmolzen wurde. Der Rest befindet sich heute in der Bibliothèque nationale de France in Paris. Von den 300 goldenen Bienen, die das Grab Chiflet zufolge enthalten haben soll, sind heute nur noch wenige erhalten. Dank Chiflets Zeichnungen wissen wir über das Aussehen der verloren gegangenen der Grabbeigaben Bescheid.
Nach einer von Gregor von Tours überlieferten Geschichte soll König Childerich so zügellos gelebt haben, das sich Adel und Volk darüber empörten und ihn von der Herrschaft verstießen und verbannten. Die Franken begehrten danach einmütig den römischen Heermeister Aegidius zu ihrem König, dessen Königtum acht Jahre währte, bis Childerich aus seinem thüringischen Exil zurückgerufen und wieder eingesetzt wurde. Er brachte Basena als Gattin mit, mit der er die Kinder Chlodwig (* 466, † 511), Audofleda (* um 470, † nach 526) und Lantechild hatte.
Seinem Sohn Chlodwig I. gelang es, die verschiedenen Kriegsherren der fränkischen Kleinkönigreiche, zum Beispiel in Cambrai oder in Köln, auszuschalten und das Frankenreich nach der Trennung des Jahres 420 unter seiner Macht wieder zusammenzufassen.
Mann | König (Franken) | Merowinger | Gestorben 482
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