1874 wurde das Institut Chautauqua von dem Pastor, später Bischof, John Heyl Vincent und dem Unternehmer Lewis Miller am Lake Chautauqua im Bundesstaat New York gegründet. Der See gab diesem Modell und der folgenden Bewegung der Erwachsenenbildung in Amerika den Namen. Zu dieser Zeit waren die Folgen des amerikanischen Bürgerkriegs noch spürbar, viele Menschen zogen wegen sagenhafter Goldvorkommen nach Westen und nur 3 % aller amerikanischen Kinder erreichten die High School. Chautauqua war anfangs als Sommerschule für methodistsche Sonntagsschullehrer konzipiert, schnell wurden die Themen und Lehrgebiete jedoch erweitert.Zusätzlich zur Bildung existierte in Chautauqua ein wohl durchdachtes Freizeitprogramm, das der Erholdung diente. 1878 entwickelte Vincent ein 4-Jahres-Programm – den Chautauqua Literary and Scientific Circle (CLSC). Bereits in der 1. Stunde trugen sich 200 Leute dafür ein, mehr als 8.400 Personen nahmen an den Lesezirkeln teil; innerhalb von 10 Jahren stiegen die Einschreibungen auf 100.000. 1883 öffnete die Chautauqua Universität mit dem Recht auf Vergabe von Abschlüssen ihre Pforten. Als erste Einrichtung in den USA stellten Chautauquas Fernstudiendiplome aus.
Ziel von Chautauqua war es, Bildung und Kultur zu verbreiteten, um ein mündiges „Weltbürgertum“ zu schaffen. Präsident Theodore Roosevelt bezeichnete die Veranstaltungen als „the most American thing in America“.
Ausgehend von Chautauqua in New York gründeten sich überall in ganz Amerika unabhängige Chautauquas, die tatsächlich nicht mit dem originalen zusammenhingen, aber die Idee weitertrugen. So konnten vor allem Amerikaner in den ländlichen, abgelegenen Gegenden Wissen erlangen und Kultur genießen. 1890 erreichte die Zahl der „Unabhängigen“, wie sie auch genannt wurden, bereits 200.
Ebenso gründeten sich die Zelt-Chautauquas (ab 1868). Sie profitierten vom Enthusiasmus des originalen Chautauquas, waren aber tatsächlich näher verbunden mit Post-Bürgerkriegs Lyzeum. Zweck der ursprünglichen Lyzeums-Bewegung war die Selbst- und Gemeinschaftsverbesserung durch Vorträge und Diskussionen auf literarischen, wissenschaftlichen und moralischen Gebieten. Die 3- bis 7-tägigen Veranstaltungen der wandernden Zelt-Chautauquas bestanden aus Vorträgen, Theater- und Opernaufführungen, Filmvorführungen und Diskussionen über politische, soziale und kulturelle Tagesthemen.
Bis 1898 entstanden mehr als 150 permanente Chautauquas als Sommercamps mit aus Holz errichteten Versammlungs- und Sozialgebäuden. Ihre goldene Zeit erlebte die Chautauqua-Bewegung zwischen 1905 und 1928. Am Höhepunkt ihrer Entwicklung waren ca. 1000 permanente und mehr als 10.000 wandernde Chautauquas entstanden. Nach Boulder, Colorado, wo 1899 das größte Chautauqua-Zentrum errichtet worden war, pilgerten jede Saison ca. 100.000 Menschen. Bis 1932 verschwanden fast alle Wander-Chautauquas wieder, Rundfunk, Film und Fernsehen sowie die zunehmende Mobilität trugen erheblich dazu bei.
1999 veranstaltete man in Boulder zum 100-jährigen Geburtstag des dort einst ansässigen Chautauqua den „1. Internationalen Dialog“, der die Tradition wieder aufleben lassen sollte. Verschiedene Dialogverfahren in der Organisationsentwicklung, in Bildungswesen und Konfliktlösung wurden vorgestellt und diskutiert.
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