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Chassidismus kommt vom hebräischen Wort חסידים chasidim, „Fromme“ und bezeichnet eine Bewegung im Judentum, welche einen hohen Standard der religiösen Observanz und Moral vertritt.

Drei unabhängige Entwicklungen des Chassidismus sind zu unterscheiden:

Die Makkabäer


Die ersten Chassidim waren eine alte jüdische Gruppe um 300 bis 175 v. Chr., welche sich gegen die Seleukidische Besatzung auflehnten und deren hellenistischen Einfluss bekämpften. Sie hatten sich um die Familie der Makkabäer hervor, welche erfolgreich die Seleukiden unter Antiochos IV. bekämpften und aus dem Land vertrieben.

Dies ist die Vorgeschichte zu den Geschehnissen, Ereignissen und dem "Wunder", das die Juden bis heute als Chanukka feiern.

Der deutsche Chassidismus des Mittelalters


Aus den für das Judentum bedrohlichen Wirren der Kreuzzüge entwickelte sich der Chassidismus in Deutschland parallel zur Entstehung der christlichen Mystik von etwa 1150 bis 1250 vor allem im Rheinland (Speyer, Worms und Mainz). Prägend waren insbesondere die Angehörigen der aus Italien eingewanderten Familie der Kalonymiden: Der Chassidismus ist keine philosophische oder theologische Lehre, sondern die religiöse Praxis des Chassid (hebräisch "der Fromme", abgeleitet vom Begriff "Gnade", "Güte"), die sich insbesondere im Gebet als spiritueller Übung äußert. Bestimmende Momente sind dabei:
  • die Abwendung von der Welt,
  • vollkommener seelischer Gleichmut.

Der osteuropäische Chassidismus des 18. und 19. Jahrhunderts


Der Chassidismus im osteuropäischen Judentum, den Ostjuden, hat mit dem deutschen Chassidismus des Mittelalters nur wenig mehr als den Namen gemeinsam und übertrifft diesen erheblich an Bedeutung. Er entstand als Reaktion auf die Pogrome unter Führung des Kosaken Bogdan Chmelnizki im Jahre 1648, als in Osteuropa über 700 jüdische Gemeinden vernichtet wurden.

Begründer des osteuropäischen Chassidismus ist Israel ben Elieser (1698-1760), genannt Baal Schem Tow ("Meister des guten Namens"). Zu seinen wichtigsten Schülern gehören Rabbi Dow Bär, genannt "Maggid von Mesritsch", und Rabbi Jacob Josef von Polnoe. Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich der Chassidismus auf jüdische Gemeinden in der Ukraine, in Polen, Weißrussland, Russland und Österreich-Ungarn.

Der Baal Schem Tow und seine Nachfolger betonten den Wert des traditionellen Studiums der Thora und der mündlichen Überlieferung, des Talmud und seiner Kommentare. Daneben gewann die mystische Tradition der Kabbala erheblichen Einfluss. Über dieses Studium hinaus steht im Chassidismus das persönliche und gemeinschaftliche religiöse Erlebnis an vorderster Stelle.

Die Chassidim (Mehrzahl von Chassid) versammeln sich besonders am Sabbat und den jüdischen Festtagen um ihren Rabbi (jiddisch "Rebbe"), um in Gebet, Liedern und Tänzen und auch religiöser Ekstase Gott näher zu kommen. Der chassidische Rabbi, genannt "Zaddik" ("Gerechter, Bewährter", von hebräisch "zädäk" = "Gerechtigkeit"), ist ein charismatischer Führer und Mittelpunkt der Gemeinde und gibt die chassidischen Lehren - oftmals in Form von Erzählungen und Gleichnissen - an seine Schüler weiter.

Heute werden chassidische Juden meist zum orthodoxen Judentum gerechnet, ursprünglich jedoch wurden sie von den Orthodoxen eher abgelehnt. So war der große Vertreter der Orthodoxen in der Zeit Israel ben Eliesers, der Gaon von Wilna, ein entschiedener Gegner des Chassidismus. Man störte sich vor allem an der Spontaneität und der Lebenslust der Chassidim und ihrer Ablehnung von Kasteiung und asketischer Lebensweise.

Moderne chassidische Persönlichkeiten und Bewegungen


Chassidische Traditionen konnten in Europa nur in Ausnahmefällen die fast vollständige Vernichtung der osteuropäischen Juden durch den deutschen Nationalsozialismus überstehen. In Amerika finden sich dagegen bis heute Fortläufer dieser Richtung.

Martin Buber (1878-1965) hat Anfang des 20. Jahrhunderts den Chassidismus über viele Jahre untersucht und mehrere Bücher darüber geschrieben. Ein zentrales Werk sind seine "Erzählungen der Chassidim", worin er überlieferte Weisheitsgeschichten sammelte und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.

Im deutschen Sprachraum hat daneben vor allem der chassidische Weise Friedrich Weinreb (1910-1988) die mystische Tradition des Ostjudentums authentisch weitergetragen und fortentwickelt.

Die bekannteste chassidische Gemeinschaft der Gegenwart ist die Chabad-Bewegung, auch bekannt als "Lubawitscher Gemeinde", mit Sitz in New York City. Daneben gibt es Satmar, Belz, Ger sowie Wischnitz und viele weitere kleine Gruppen.

Die aufklärerische Gegenbewegung


Die Maskilim, die Aufklärer um den deutschen Moses Mendelssohn, empfanden den naiven Chassidismus der Ostjuden als rückständig. Der Berliner Historiker Josef Meisl beschrieb die jüdische Aufklärung mit den Worten: „Die Haskala war jene Bewegung im Judentum des 18. und 19. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa, die durch Sprengung der traditionellen Formen die Synthese zwischen jüdischem Wesen und den Schöpfungen der Umwelt herstellen und damit einen neuen Typus des in der jüdischen und allgemeinen Kultur wurzelnden Juden schaffen wollte.“ Zwischen westlich geprägter Aufklärung und östlich verwurzeltem Chassidismus entstand eine schwer überwindbare, tiefe Kluft. Die jüdische Aufklärung breitete sich ab 1750 als Gegenbewegung von West nach Ost aus. Zugleich kämpften Mendelssohn, Gotthold Ephraim Lessing und Christian Wilhelm Dohm im Westen um Emanzipation der jüdischen Gemeinde in Europa.

Siehe auch


Juden in Osteuropa

Literatur


  • Martin Buber: Die Erzählungen der Chassidim. Zürich 1949. ISBN 3717510622
  • Simon Dubnow: Geschichte des Chassidismus - in zwei Bänden. Jüdischer Verlag, Berlin 1931.
  • Georg Langer: Der Rabbi, über den der Himmel lachte. Die schönsten Geschichten der Chassidim. Frankfurt a.M. 1986. ISBN 3596254574

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