Chassidismus kommt vom hebräischen Wort חסידים chasidim, „Fromme“ und bezeichnet eine Bewegung im Judentum, welche einen hohen Standard der religiösen Observanz und Moral vertritt.
Drei unabhängige Entwicklungen des Chassidismus sind zu unterscheiden:
Dies ist die Vorgeschichte zu den Geschehnissen, Ereignissen und dem "Wunder", das die Juden bis heute als Chanukka feiern.
Begründer des osteuropäischen Chassidismus ist Israel ben Elieser (1698-1760), genannt Baal Schem Tow ("Meister des guten Namens"). Zu seinen wichtigsten Schülern gehören Rabbi Dow Bär, genannt "Maggid von Mesritsch", und Rabbi Jacob Josef von Polnoe. Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich der Chassidismus auf jüdische Gemeinden in der Ukraine, in Polen, Weißrussland, Russland und Österreich-Ungarn.
Der Baal Schem Tow und seine Nachfolger betonten den Wert des traditionellen Studiums der Thora und der mündlichen Überlieferung, des Talmud und seiner Kommentare. Daneben gewann die mystische Tradition der Kabbala erheblichen Einfluss. Über dieses Studium hinaus steht im Chassidismus das persönliche und gemeinschaftliche religiöse Erlebnis an vorderster Stelle.
Die Chassidim (Mehrzahl von Chassid) versammeln sich besonders am Sabbat und den jüdischen Festtagen um ihren Rabbi (jiddisch "Rebbe"), um in Gebet, Liedern und Tänzen und auch religiöser Ekstase Gott näher zu kommen. Der chassidische Rabbi, genannt "Zaddik" ("Gerechter, Bewährter", von hebräisch "zädäk" = "Gerechtigkeit"), ist ein charismatischer Führer und Mittelpunkt der Gemeinde und gibt die chassidischen Lehren - oftmals in Form von Erzählungen und Gleichnissen - an seine Schüler weiter.
Heute werden chassidische Juden meist zum orthodoxen Judentum gerechnet, ursprünglich jedoch wurden sie von den Orthodoxen eher abgelehnt. So war der große Vertreter der Orthodoxen in der Zeit Israel ben Eliesers, der Gaon von Wilna, ein entschiedener Gegner des Chassidismus. Man störte sich vor allem an der Spontaneität und der Lebenslust der Chassidim und ihrer Ablehnung von Kasteiung und asketischer Lebensweise.
Martin Buber (1878-1965) hat Anfang des 20. Jahrhunderts den Chassidismus über viele Jahre untersucht und mehrere Bücher darüber geschrieben. Ein zentrales Werk sind seine "Erzählungen der Chassidim", worin er überlieferte Weisheitsgeschichten sammelte und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.
Im deutschen Sprachraum hat daneben vor allem der chassidische Weise Friedrich Weinreb (1910-1988) die mystische Tradition des Ostjudentums authentisch weitergetragen und fortentwickelt.
Die bekannteste chassidische Gemeinschaft der Gegenwart ist die Chabad-Bewegung, auch bekannt als "Lubawitscher Gemeinde", mit Sitz in New York City. Daneben gibt es Satmar, Belz, Ger sowie Wischnitz und viele weitere kleine Gruppen.
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