Chaplin001.jpg | Sir Charles Spencer Chaplin K.B.E. (* 16. April 1889 in London; † 25. Dezember 1977 in Vevey, Schweiz, bekannt als Charlie Chaplin) war ein englischer Regisseur, Schauspieler, Komiker und Komponist.
Chaplin begann seine Karriere mit neun Jahren am Theater in England, wo er erfolgreich den Gassenjungen spielte, bis er für diese Rolle zu alt war.
Er entwickelte in den folgenden Filmen den „Tramp“-Charakter, der ihn später weltberühmt machte. Er lieh sich ein altes Paar Schuhe von Ford Sterling und eine Hose von Arbuckle (die ihm viel zu groß war), eine Melone von Arbuckles Stiefvater, eine zu kleine Jacke von Charles Avery und den falschen Bart von Mack Swain. Die Sachen hatte er alle aus der Garderobe von Keystone.
Sennett passte dieser individuelle Stil zwar überhaupt nicht ins Konzept, aber der Erfolg gab Chaplin Recht, und daher gewährte ihm das Studio einen größeren Einfluss auf seine Filme. Chaplin übernahm Regie, Drehbuch und Schnitt.
Seine Beliebtheit uferte aus, er konnte sich vor Angeboten kaum noch retten. 1915 ging er für 1.250 Dollar pro Woche und eine Einmalzahlung von 10.000 Dollar zu Essanay, 1916 für 10.000 pro Woche plus einmalig 150.000 zur Mutual Corporation. Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, begann eine politische Kampagne gegen Chaplin (Brite), weil er sich nicht freiwillig als Soldat gemeldet hatte.
Er wechselte zur „First National“ und war damit nur kurz vor Mary Pickford der erste Star, der einen Vertrag über eine siebenstellige Summe abschloss. Seine Freiheiten gingen jetzt so weit, dass er seine Filme sogar selbst produzierte und auch die Rechte an ihnen hielt. Sein erstes so zustandegekommenes Werk war zugleich auch sein erster Langfilm: am 6. Februar 1921 wurde The Kid uraufgeführt, ein Stummfilm von 51 Minuten mit teils autobiografischen Zügen. Im September 1921 startete Chaplin eine Europareise und schrieb ein Buch mit dem Titel „My Trip Abroad“ dazu.
Nachdem das Engagement bei der „First National“ auslief, gründete Chaplin mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks sen. und D. W. Griffith die United Artists Filmstudios.
Siehe auch: US-amerikanische Filmgeschichte.
1918 heiratete der 28-jährige Chaplin Mildred Harris, die erst 16 war, aber schon 1920 reichte das Mädchen die Scheidung ein. 1924 verliebte er sich bei den Vorbereitungen zu The Gold Rush (Goldrausch) in die ebenfalls erst 16-jährige Lita Grey, die als seine Partnerin vorgesehen war. Er heiratete sie nicht ganz freiwillig, denn sie erwartete von ihm ein Kind. Die Ehe wurde 1927 geschieden. Zeitungsjungen riefen an den Straßenecken Extrablätter mit der Anklageschrift aus, die viele Details enthielt.
1936 heiratete Chaplin heimlich die Schauspielerin Paulette Goddard. Mit ihr verlebte er ein paar glückliche Jahre, aber auch diese Ehe wurde schließlich 1942 geschieden.
Kurze Zeit später lernte er Oona O'Neill, die Tochter des Dramatikers Eugene O'Neill kennen und lieben. Mit ihr fand Chaplin sein Eheglück. Die beiden heirateten am 16. Juni 1943. 1944 wurde als ältestes der acht gemeinsamen Kinder die Tochter Geraldine geboren.
Mit Mildred Harris:
Mit Lita Grey:
Mit Oona O'Neill:
Die Vaterschaft des Kindes von Joan Barry konnte widerlegt werden, das Gericht verurteilte ihn jedoch zu einer monatlichen Zahlung von $ 75 bis zum 21. Lebensjahr, da Bluttests nicht anerkannt wurden.
Oktober 1940 war die Premiere seines ersten Tonfilms „The Great Dictator (Der große Diktator)“. Diesen Anti-Hitler-Film wollte die US-amerikanische Zensurbehörde zuerst nicht genehmigen. Auch der 1936 erschienene Film „Moderne Zeiten“, bei dem Chaplin für beinahe alles verantwortlich zeichnete, sogar für die Filmmusik, geriet unter heftigen Beschuss, er wurde als systemfeindlich und antikapitalistisch verurteilt. Die Konservativen Amerikas unterschätzten anfangs Hitlers Machtwahn und hielten ihn für einen großartigen Politiker, da er das Kriegsgeschäft ankurbelte und quasi ein Verbündeter in Europa gegen den Bolschewismus bzw. den Kommunismus Stalins war. Chaplins Film passte ihnen also gar nicht ins Konzept.
Chaplin war in der Bevölkerung überaus beliebt und parodierte hintergründig auch die amerikanische Gesellschaft; deshalb war er für den Staatsapparat verdächtig. Ihm wurde mangelnde Verfassungstreue vorgeworfen. In den 1930er/1940ern konnte man in den USA schon durch die spöttische Hinterfragung der herrschenden Gesellschaftsordnung als marxistisch oder kommunistisch verdächtigt werden. Chaplins satirische slapstick comedy des Faschismus richtete sich symbolisch auch gegen die US-Staatsmacht und den Militarismus allgemein.
Im Oktober 1947 musste Chaplin wiederholt vor dem House Un-American Activities Committee HUAC aussagen, und J. Edgar Hoover, FBI, ein erbitterter Gegner Chaplins, versuchte diesem die Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen. Im Dezember 1947 veröffentlichte der Filmstar in einer englischen Wochenzeitung den Artikel „Ich erkläre Hollywood den Krieg!“
Am 18. September 1952, zu Beginn der „McCarthy-Ära“, verließ er die Vereinigten Staaten für einen Kurzbesuch in England. Anlass war die Weltpremiere seines dort angesiedelten Films Rampenlicht. Als Hoover davon erfuhr, verhinderte er durch ein Verfahren (wegen subversiver Tätigkeiten) Chaplins Rückkehr in die Vereinigten Staaten. Dieser beschloss, in Europa zu bleiben, und zog im Dezember 1952 in die Schweiz und ließ sich im Anwesen Manoir de Ban oberhalb Corsier-sur-Vevey am Genfer See nieder. 1957 verarbeitete er seine bitteren Erfahrungen mit den USA in der Satire A King in New York. In diesem Film prangert er auch den frühen Obskurantismus in den USA an. Chaplin: „America is so terribly grim in spite of all that material prosperity.“*
Danach drehte er nur noch einen Film, „Die Gräfin von Hongkong“ (A Countess from Hong Kong), in dem er selbst nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist.
1972 kehrte er noch einmal kurz zur Verleihung des Ehrenoscar in die USA zurück. *
Eine Skulptur Charlie Chaplins, geschaffen von dem englischen Bildhauer John Doubleday, steht an der Seepromenade in Vevey, Genfer See.
Ein Spazierstock des Weltstars wurde bei einer Auktion von Filmrequisiten in London 2004 für 47.800 Pfund versteigert. Zwei Schnurrbärte zum Film „Der große Diktator“ erzielten knapp 12.000 Pfund bzw. rund 18 000 Pfund.
Seit Jahren restauriert die Cineteca di Bologna in Italien die Filme Chaplins im Auftrag der Chaplin Association.
Mann | US-Amerikaner | Brite | Sir | Stummfilmschauspieler | Filmschauspieler | Filmregisseur | Drehbuchautor | Filmproduzent | Komiker | Englischer Komponist | Oscarpreisträger | Geboren 1889 | Gestorben 1977
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