Montesquieu 1.png Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède et de Montesquieu (* 18. Januar 1689 auf Schloss La Brède bei Bordeaux; † 10. Februar 1755 in Paris) war ein französischer Schriftsteller und Staatstheoretiker.
Obwohl er durchaus auch ein erfolgreicher belletristischer Autor war, ist Montesquieu vor allem als geschichtsphilosophischer und staatstheoretischer Denker in die Geschichte eingegangen.
Nebenher jedoch interessierte er sich weiterhin für die Wissenschaften und für Literatur. 1721 wurde er über Nacht berühmt durch ein kleines Buch, das heute als ein Schlüsseltext der Aufklärung gilt: Les lettres persanes/Persische Briefe, deren aufklärerischen Kern die Briefe zweier fiktiver Perser bilden, die Frankreich und vor allem Paris bereisen und Freunden daheim die Verhältnisse hier schildern – in einer Mischung aus Staunen, Kopfschütteln, Spott und Missbilligung (was spätestens seit Pascals Lettres provinciales ein beliebtes Verfahren war, um die Verhältnisse im eigenen Land aus einer kritischen Außensicht darzustellen).
Sein wichtigstes Werk wurde jedoch die geschichtsphilosophische und staatstheoretische Schrift De l'esprit des lois/Vom Geist der Gesetze (Genf 1748), ein Produkt von zwanzig Jahren Arbeit. Hierin versucht er einerseits, die Determinanten zu finden, nach denen einzelne Staaten ihr jeweiliges Regierungs- und Rechtssystem entwickelt haben (z.B. Größe, Geographie, Klima, Wirtschafts- und Sozialstrukturen, Religion, Sitten und Gebräuche); andererseits versucht er – nicht zuletzt in Opposition gegen den im Milieu des Parlaments ungeliebten königlichen Absolutismus – die theoretischen Grundlagen eines universell möglichen Regimes zu entwickeln. Zentrales Prinzip ist hierbei für ihn die sog. Gewaltenteilung, d.h. die säuberliche Trennung von Gesetzgebung (Legislative), Rechtsprechung (Judikative) und Staatsgewalt (Exekutive). Anzumerken ist, dass das Wort "Gewaltenteilung" selbst in dem Werk, das Grundlegendes zur Gewaltenteilung erstmalig niederlegt, noch gar nicht vorkommt. Montesquieus Buch fand sofort große und weitgestreute Beachtung und löste heftige Attacken der Jesuiten, der Sorbonne und vor allem der Jansenisten aus. 1751 wurde es von der kath. Kirche auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.
Die Grundlage für seine Staatstheorie bildete seine Studie über Aufstieg und Fall des Römischen Reiches. In der Vorstudie lässt sich sein methodischer Ansatz schon deutlich erkennen. Bisher erklärte die christliche Geschichtsphilosophie den Niedergang des Römischen Reiches stets mit göttlicher Vorsehung. Montesquieu aber wollte eine auf den Naturgesetzen beruhende Erklärung für die geschichtlichen Abläufe finden. Er fragte nach den anthropologischen, ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedingungen der politischen Entwicklungen. Diese Einsichten wurden dann im Hauptwerk „Vom Geist der Gesetze” in einer Staats- und Gesellschaftstheorie verpackt: Montesquieu versucht, die bestimmenden Faktoren zu finden, gemäß denen einzelne Staaten ihr jeweiliges Regierungs- und Rechtssystem entwickelt haben (z.B. geographische Lage, Klima, wirtschaftliche Faktoren, religiöse Verhältnisse, Sitten und Gebräuche) (Kulturrelativistischer Ansatz). Der Geist der Gesetze entspricht dem „esprit général" (Volksgeist) einer bestimmten Nation. Eine Verfassung ist nach Montesquieu also nicht nur eine Reihe von beliebig zusammengestellten Gesetzen, sondern Ausdruck der natürlichen, historischen und charakterlichen Eigenschaften eines Volkes. (Kriterium für die Beschaffenheit der Gesetzgebung eines Landes ist sozusagen das Milieu des Landes). Montesquieu unterscheidet dabei drei Grundtypen der Verfassung, denen jeweils eine bestimmte menschliche Grundhaltung zugeordnet wird: In der Republik herrscht die Tugend, in der Monarchie die Ehre und in einer Gewaltherrschaft die Furcht. Weiterhin fordert Montesquieu Gewaltenteilung als Prinzip des inneren Staatsaufbaus, um jegliche Willkür durch Einzelne oder Gruppen zu vermeiden. Doch bei all seinen Überlegungen bleibt er nicht konsequent seiner eigenen Theorie treu, denn er favorisiert die parlamentarische Monarchie nach englischem Muster als Verfassungsform. Das dort verwirklichte Modell einer Gewaltenteilung zwischen Exekutive und Legislative sichere am besten die Freiheit des Einzelnen vor staatlicher Willkür. Er ergänzt diesen Ansatz von John Locke durch eine dritte Gewalt, die Judikative. Außerdem plädiert er für ein Zweikammerparlament mit einem aristokratischen Oberhaus, das verhindern soll, dass die Monarchie in Tyrannei und die Republik in „Pöbelherrschaft“ abgleitet. Montesquieus politische Philosophie enthält also konservative und liberale Elemente. Es lässt sich darüber streiten, ob hinter seiner Theorie demokratischer Wille oder eher die Wiederherstellung der durch Ludwig XIV. beseitigten politischen Mitspracherechte des Adels steckt. Von seinen Zeitgenossen und den nachfolgenden Generationen wurde Montesquieus Gedankengut unterschiedlich gewertet:
Das Prinzip der Gewaltenteilung wurde zu einer der wichtigsten Grundlagen der ersten Verfassungen in Nordamerika (1776–1787), und auch in allen späteren Verfassungen mit Gewaltenteilung hielt Montesquieus Ansatz vielfach Einzug. In der Französischen Revolution hingegen widersprach Montesquieus These dem jakobinischen, von Jean-Jacques Rousseau inspirierten Programm einer ungeteilten Volkssouveränität, weshalb man sogar sein Grab zerstörte. Die katholische Kirche setzte sein Hauptwerk 1751 auf den Index der verbotenen Schriften, während Soziologen Montesquieu für einen Vorreiter der modernen Sozialwissenschaften hielten (Stichwort: Milieutheorie).
Das System der Gewaltenteilung kam zum ersten Mal 1789 in der Verfassung der Vereinigten Staaten zum Tragen und 1791 in der Verfassung, die aus der Französischen Revolution hervorging. Heute ist es zumindest im Grundsatz in allen demokratischen Staaten verwirklicht.
Frühen Einfluss gewann Montesquieu auch auf die Aufklärung in Deutschland: So wandelt z.B. der damals bedeutende protosoziologische Autor Johann David Michaelis ganz auf seinen Spuren mit der Schrift Das Mosaische Recht, worin er bestimmte alttestamentliche Rechtsvorschriften, die von den Aufklärern als abstrus betrachtet wurden, als für Nomadenvölker vernünftig analysierte - sehr zum Ärger übrigens mancher Geistlicher und Theologen, die eine Verteidigung der Bibel von dieser Seite wenig goutierten.
Philosoph der Frühen Neuzeit | Politischer Philosoph | Autor | Literatur (Französisch) | Freimaurer (18. Jh.) | Aufklärer | Aufklärung (Literatur) | Enzyklopädist (Encyclopédie) | Académie française | Franzose | Mann | Geboren 1689 | Gestorben 1755
Шарл дьо Монтескьо | Montesquieu | Charles Louis Montesquieu | Charles-Louis de Secondat Montesquieu | Charles de Secondat, baron de Montesquieu | Charles Montesquieu | Montesquieu | شارل دو مونتسکیو | Montesquieu | Montesquieu | Charles de Montesquieu | מונטסקייה | Charles-Louis de Secondat Montesquieu | Montesquieu | Montesquieu | シャルル・ド・モンテスキュー | 샤를 루이 드 세콩다 몽테스키외 | Charles Montesquieu | Charles Montesquieu | Charles Montesquieu | Monteskiusz | Charles de Montesquieu | Charles de Secondat, baron de Montesquieu | Монтескьё, Шарль Луи | Montesquieu | Charles de Secondat, Baron de Montesquieu | Charles-Louis de Secondat Montesquieu | Montesquieu | Монтеск'є | מאָנטעסקיע | 孟德斯鳩
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Charles de Secondat, Baron de Montesquieu".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world