Charles Ghankay Taylor (* 28. Januar 1948 in Arthington, Liberia) war vom 2. August 1997 bis zum 11. August 2003 Präsident von Liberia. Er war ein bekannter Kriegsherr im liberianischen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren und wurde später zum Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit war jedoch durch Rebellion und regionale Konflikte geprägt und er wurde nach einem erneuten Bürgerkrieg gezwungen, ins Exil zu gehen.
Am 29. März 2006 wurde er im Grenzgebiet zwischen Kamerun und Nigeria festgenommen und in Sierra Leone inhaftiert. Nach dem Beschluss, den Prozess vor dem Sondergerichtshof für Sierra Leone aus Sicherheitsgründen nach Den Haag (Niederlande) zu verlegen, wurde Taylor am 20. Juni 2006 überstellt, wo er sich wegen Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen wird verantworten müssen.
Er kehrte nach Liberia zurück und wurde vom Präsidenten Samuel Doe zum Leiter der General Services Agency ernannt. 1984 wurde er in Massachusetts in den USA festgenommen, da Doe ihn beschuldigt hatte, fast eine Million US Dollar veruntreut zu haben. Während er im Gefängnis auf die Auslieferung wartete, konnte er im September 1985 von dort fliehen. Es wird davon ausgegangen, dass er danach nach Libyen ging.
Der Bürgerkrieg weitete sich zu einem ethnischen Konflikt aus, in dem sieben Gruppen versuchten, die Kontrolle über Liberias Rohstoffe (insbesondere Eisenerz, Holz und Gummi) zu gewinnen. Über 200.000 Menschen wurden getötet und mehr als 1 Million verloren ihr Zuhause.
Taylor unterstützte die Revolutionary United Front (RUF), eine Rebellengruppe aus Sierra Leone während der 1990er, die mit unglaublicher Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen war, und ist deswegen beschuldigt worden, den Krieg in Sierra Leone verlängert zu haben. Er hatte gute Kontakte zu Generälen der RUF, so auch zu General Sam Bockarie, auch benannt als General Mosquito, der für Taylor einige illegale Operationen in Liberia und Sierra Leone durchführte. So wurde Taylor 2003, nachdem Sam Bockarie vom Ankläger des Sondergerichtshof für Sierra Leone am 3. März 2003 angeklagt worden ist, dazu gedrängt, den Kriegsverbrecher auszuliefern. Da er allerdings wusste, dass Sam Bockarie ihn vor Gericht belasten würde, soll er die Auslieferung durch die Ermordung oder den Scheintod Bockaries verhindert haben. Es ist nicht geklärt, ob Bockarie auf Befehl Taylors getötet wurde oder ob dessen Tod nur vorgetäuscht wurde, da seine Leiche den Behörden nie übergeben wurde. Das Verfahren gegen Sam Bockarie wurde jedoch am 8. Dezember 2003 auf Entscheidung des Spezialgerichts für Sierra Leone eingestellt.
Taylor wurde während seiner Herrschaft von westlichen Regierungen und Medien kritisiert. Ein UN-Bericht warf ihm den Handel mit Blutdiamanten vor.
Anfang 2003, als LURD die Kontrolle Nordliberias festigen konnte, formte sich eine weitere Rebellenorganisation, die Movement for Democracy in Liberia, welche durch die Regierung der Elfenbeinküste unterstützt wurde, in Südliberia und konnte schnell Erfolge erzielen. Im Sommer 2003 kontrollierte Taylor weniger als ein Drittel des Landes.
Im Juni 2003 stellten die Vereinten Nationen einen Haftbefehl auf Grund von Kriegsverbrechen gegen Taylor aus. Die UN beschuldigte ihn, die RUF Rebellen in Sierra Leone, welche für eine große Bandbreite von Grausamkeiten - zum Beispiel der Benutzung von Kindersoldaten - verantwortlich waren, aufgebaut und unterstützt zu haben.
Die Anklage wurde während Taylors offiziellem Besuch von Ghana ausgestellt. Mit der Unterstützung des Südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki und gegen das Drängen des Präsidenten von Sierra Leone, Ahmad Tejan Kabbah, war es der ghanaischen Polizei nicht möglich Taylor zu verhaften, der anschließend nach Monrovia zurückkehrte.
Während seiner Abwesenheit während der Friedensgespräche in Ghana, drängten die USA den Vizepräsidenten Moses Blah die Macht zu ergreifen. Bei seiner Rückkehr entließ Taylor Blah aus seinem Amt, um ihn nur einige Tage später wieder zu berufen. Währenddessen begann LURD Monrovia zu belagern und es gab viele blutige Kämpfe während die Regierungstruppen die Versuche der Rebellen die Stadt einzunehmen, verhinderten. Durch die Aussage von US-Präsident George W. Bush, Taylor müsse Liberia bis Juli 2003 verlassen, wurde der Druck auf ihn noch weiter erhöht.
Am 10. August erklärte Taylor in einer nationalen Fernsehansprache, dass er am folgenden Tage zurücktreten werde und die Verantwortung an den Vizepräsidenten Moses Blah übergeben werde. Er kritisierte die Vereinten Nationen scharf und sagte, dass das Beharren der Bush-Regierung darauf, dass er Liberia verlassen müsse, eine dumme Politik sei und es Liberia schaden würde.
Am 11. August trat Taylor zurück und Moses Blah übernahm bis zur Bildung einer Übergangsregierung, die am 14. Oktober gebildet wurde, sein Amt. Bei der Amtsübergabe waren der ghanaische Präsident John Agyekum Kufuor, der Südafrikanische Präsident Thabo Mbeki und der mosambikische Präsident Joaquim Chissano anwesend. Taylor ging nach Nigeria ins Exil. Die dortige Regierung stellte ihm und seiner Gefolgschaft Unterkünfte in Calabar.
Im November 2003 setzte der US Senat ein Kopfgeld von 2 Millionen Dollar auf Taylor aus. Während die Friedensvereinbarung Taylor ein sicheres Exil in Nigeria garantierte, forderte sie von ihm, nicht zu versuchen liberianische Politiker zu beeinflussen. Kritiker warfen ihm vor, dass er sich an diesen Teil der Vereinbarung nicht gehalten habe. Am 4. Dezember stellte Interpol einen internationalen Haftbefehl aus. Taylor war ab diesem Zeitpunkt auf der Liste der von Interpol am meist gesuchten Menschen aufgeführt als möglicherweise gefährlich, und er wird gesucht wegen Verbrechen gegen die Menschheit und Brüchen der Genfer Konvention. Nigeria gab daraufhin bekannt, dass es Taylor nicht ausliefern werde, solange Liberia ihm nicht den Prozess machen wolle.
Am 6. März 2004 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf, der vorsah, sämtliches Vermögen Taylors und das seiner Freunde und Verbündeten einzufrieren.
Nach der Verlesung der Anklage, bei der Taylor auf unschuldig plädierte, wünschte der Sondergerichtshof aus Sicherheitsgründen eine Verlegung des Prozesses nach Den Haag. Nachdem die niederländische Regierung ihr Einverständnis gegeben hatte und eine entsprechende UN-Resolution verabschiedet worden war, wurde Taylor am 20. Juni von Sierra Leone nach Den Haag überstellt, wo der Sondergerichtshof Räumlichkeiten des Internationalen Strafgerichtshofs nutzen wird.
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