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Die charismatische Bewegung oder charismatische Erneuerung ist eine in den 1960er-Jahren entstandene innerkirchliche Bewegung in der anglikanischen, lutherischen, und auch der römisch-katholischen Kirche, die mit der Pfingstbewegung viel gemeinsam hat.

Wesenszüge


Seit den 1970er Jahren hat die Charismatische Bewegung die Grenzen der innerkirchlichen Erneuerung übersprungen, und es entstanden weltweit zehntausende freier Gemeinden der so bezeichneten neocharismatischen Bewegung.

Wesentliche Züge der charismatischen Erneuerung/Bewegung sind das Streben nach einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus und das Streben nach dem Wirken und der Erfahrung des Heiligen Geistes, u.a. durch Geistesgaben wie Dienen, Lehre, Trösten, prophetische Rede, Krankenheilungen, Zungenrede, Evangelisation, Berufung zur Ehe oder zur Ehelosigkeit und durch die Fähigkeit, Geister zu erkennen und sicher zu unterscheiden.

Die charismatische Bewegung bezeichnet sich selbst als "Dritte Welle" des Geistes (nach Pfingsten und der Pfingst- oder Zungenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts). Schwerpunkte sind unter anderem, ein erfahrbares Glaubensleben, sowie eine Erwartung göttlichen Eingreifens durch Wunder und Zeichen, wenn darum vertrauend gebetet wird (Markusevangelium 9.23ff).

Gebet und Gottesdienst


Besonders geprägt ist die charismatische Erneuerung durch eine neue Hinwendung zum Gebet, wobei neben dem traditionellen Gebet auch besondere Formen wie lautes freies Beten, Handauflegen und Segnen durch Mitbetende oder Beten mit erhobenen Händen gepflegt werden. Oft wird spontanes Gebet mit Singen von Lobliedern kombiniert (Lobpreis und Anbetung).

Die Gottesdienste charismatischer Gruppen und Gemeinden sind oft modern gestaltet und sprechen besonders junge Leute an. Sie verzichten meistens auf liturgische Elemente zugunsten einer besseren kulturellen Adaption. Die musikalische Anbetung im Gottesdienst wird oft von Bands im Pop, Gospel oder Folk Stil geleistet. Die Predigten sind in der Regel weniger theologisch als alltagsbezogen.

Die charismatische Bewegung ist ebenso wie die Pfingstbewegung missionarisch orientiert, insbesondere Freundschaftsevangelisation und Glaubenskurse wie der Alpha-Kurs spielen eine Rolle.

Theologie und Ethik


Die charismatische Bewegung sieht sich in der evangelikal-charismatischen Tradition. Wie andere Evangelikale betrachten sie die Bibel als Wort Gottes und verbindlichen Maßstab des Glaubens und der Lebensführung, an dem sich alles andere messen muss. Von daher ist sie wertekonservativ. Sex außerhalb der Ehe, Abtreibung oder praktizierte Homosexualität werden als unbiblisch angesehen. Der Übergang zum christlichen Fundamentalismus ist, je nach Hintergrund der Gruppe oder Gemeinde fließend.

Struktur und Organisation


Die charismatische Erneuerungsbewegung hat keine einheitliche Struktur; es gibt Gebetsgruppen, lockere und verbindliche Hauskreise, Glaubenskurse, Tagungen und Freizeiten, und klosterähnliche Wohngemeinschaften. Soweit es sich um die innerkirchliche Bewegung handelt, ist es schwierig, Zahlen anzugeben.

Außerhalb der Großkirchen gibt es in Deutschland vermutlich über 1.000 freie Gemeinden die in Netzwerken oder zum Teil im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden organisiert sind. In der Schweiz ist die charismatische Bewegung sogar noch stärker. Man schätzt, dass sich weltweit ca. 600 Millionen Menschen (Stand 2005) dem pfingstlich/charismatischen Aufbrüchen zurechnen. Es ist die am stärksten wachsende christliche Bewegung in der Welt.

Die meisten Mitglieder der innerkirchlichen charismatischen Bewegung bleiben ihrer Kirche treu, sie sind jedoch für ökumenische Kontakte innerhalb der charismatischen Bewegung sehr offen. Jedoch entstehen auch viele neue Gründungsprojekte freier charismatischer Gemeinden außerhalb der großen Konfessionen überall auf der Welt. Das stärkste Wachstumspotential der Bewegung ist in Afrika, Lateinamerika und China zu verzeichnen.

Aus katholischer Sicht wird mitunter als problematisch angesehen, dass die individuelle Berufung auf das Charisma des Hl. Geistes die kirchliche Ordnung ("regula fidei") überspringen könnte, die dem Katholizismus die eigene, rechtlich gefasste Gestalt gibt. Der einflußreichste Theologe der Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche war Prof. Heribert Mühlen, Paderborn.

Weblinks


Informationen und Organisationen der Charismatischen Bewegung

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Charismatische Communitys und Blogs

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