Chaldäer (assyrisch kal-di; hebräisch kasdîm, babylonisch Kar-Dunjasch) ist der Name eines Volkes im Altertum, das von der Küste des Persischen Golfes her gegen Babylonien vordrang. Die Chaldäer waren Semiten. Ihr Siedlungsgebiet soll im weitesten Sinne dem des heutigen Kuwait entsprochen haben.
Die bei Xenophon erwähnten Chaldäer in den Bergen Armeniens haben mit den Chaldäern Babyloniens nichts zu tun.
Die wichtigsten Staaten sind: Bit-Yâkin (das eigentliche Stammland am Meer), Bit-Dakuri, Bit-Adini, Bit-Amukkani, Bit-Schilani, und andere.
Wie es damals üblich war, gingen die Reiche Mesopotamiens wechselhafte "Bündnisse" gegeneinander ein. König Ukinzir (griechisch Chinzeros, 731-729 v. Chr.) eroberte das Land Babylonien, wurde aber von Tiglatpileser III. entthront und gefangen gesetzt.
Ein anderer mächtiger Chaldäerfürst, Merodach-Baladan von Bit-Yâkin wurde mit Hilfe der Elamiter (aus dem Reich Elam) und Aramäer König von Babylon und behauptete sich zwischen 721 und 710 v. Chr. gegen Sargon II. und im Jahr 702 v. Chr. nochmals mehr als 9 Monate gegen Sanherib, ehe er von diesem unweit von Kisch in der Nähe von Babylon besiegt wurde.
Erst unter ihrem aramäischen König Nabopolassar gelangten die Chaldäer zur vollen Herrschaft über Babylonien, dessen Thron Nabopolassar 626 v. Chr. bestieg. Dies markiert den Beginn des so genannten Neubabylonischen Reiches. Seit Nebukadnezar II. beginnen Babylonien und Chaldäa zu verschmelzen.
In späterer Zeit wird das Wort „Chaldäer“ gleichbedeutend mit Sterndeuter oder Wahrsager benutzt, vermutlich wegen der Gelehrtenschulen in Orchoe, Borsippa und Sippara.
Die heutigen Chaldäer mit aramäischem Ursprung (Aramäer) sind Angehörige der mit Rom unierten chaldäischen Kirche. Sie leben zu größten Teil im Irak, wo die meisten chaldäisch-aramäischen Christen der chaldäischen Kirche angehören. Nach den Arabern und Kurden bildeten sie die drittgrößte Volksgruppe im Land.
Abraham, der Stammvater des Judentums, war Chaldäer und wanderte vom Euphrat in die Gegend des heutigen Israels. Insofern sind die sephardischen Juden aus dem Volk der Chaldäer entstanden. Daher sind auch die Ähnlichkeiten im Gottesbild nicht verwunderlich.
Die sogenannten Chaldäischen Orakel stellen eine Heilslehre dar, in der orientalische Elemente mit platonischen Vorstellungen vermischt erscheinen. Dieses gegen Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus in Hexametern abgefasste theosophische Offenbarungsbuch ist selbst nicht erhalten. Aus den erhaltenen Resten lässt sich schließen : Die Hierarchie der chaldäischen Göttern gipfelt in einem Gott, dem „Vater“, der als das eine, erste und jenseitige Feuer gekennzeichnet wird. Der Vater ist zugleich Intellekt, er hat sich (der Sinnenwelt) entzogen und wirkt allein durch den zweiten Intellekt und durch seinen Willen. Zahlreichen Zwischenwesen, vor allem den Engeln und den sogenannten Iynges, ist die Aufgabe übertragen, zwischen Gott (intelligible Welt) und Mensch (Sinnenwelt) zu vermitteln. Die menschliche Seele hat ihren Ursprung im göttlichen Vater. Wenn sie sich dieser Herkunft erinnert, vermag sie ihre irdische, körperliche Bindung zu lösen und dem göttlichen Licht zuzustreben. Eine solche dem Licht zustrebende Seele unterliegt nicht mehr dem Schicksal, sie entgeht der Verführung durch die bösen Dämonen und kann ihren Aufstieg zu Gott vollenden. In Gott findet sie Erlösung und Ruhe. Die Chaldäischen Orakel haben den Neuplatoniker Jamblich stark beeinflusst in seinem Werk de mysteriis.
Der momentane Patriarch von Babylon und Oberhaupt der chaldäischen Kirche ist Mar Emmanuel Karim Delly.
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