Chögyam Trungpa, vollständiger Name Druk Sakyong Trungpa Rinpoche (* 1940 in der osttibetischen Provinz Kham; † 4. April 1987 in Halifax, Neuschottland, Kanada) war ein buddhistischer Linienhalter der tibetischen Karma-Kagyü- und Nyingma-Traditionen, buddhistischer Meditationsmeister, Meditationslehrer und Künstler. Er gründete weltweit viele Meditationszentren vor allem in USA, Kanada und Europa, sowie die erste buddhistische Universität in Nordamerika.
Chögyam Trungpa war der elfte in einer Linie von Trungpa Tulkus. Er war ein Linienhalter in der Kagyü- und der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus. Nach seiner Entdeckung als Tulku wurde er der oberste Abt der Surmang-Klöster und bekam eine umfassende Ausbildung in Theorie und Praxis der buddhistischen Lehren. Im Jahre 1948 wurde er zum Mönchsnovizen ordiniert und im Alter von 18 Jahren bekam er die volle Mönchsordination. Ein Jahr vor seiner Flucht aus Tibet erhielt er neben der Ordination zum Abschluss seiner Ausbildung auch die Titel Kyörpön (Abschluss des Studiums) und Khenpo (Meister der Gelehrsamkeit). 1959, nachdem er bereits diese gründliche Ausbildung in seiner Heimat abgeschlossen hatte, floh er vor der chinesischen Besatzung und überquerte den Himalaya zu Fuß nach Indien. Im Exil angekommen übertrug ihm der 14. Dalai Lama sehr bald das Amt des geistigen Beraters der Young Lamas Home Scool in Dalhousie in Südindien. Er bekleidete dieses Amt von 1959 bis 1963 bis er ein Spoulding-Stipendium für ein Studium in Großbritannien bekam.
Mit diesem Stipendium und nachdem er sich in Indien bereits mit der englischen Sprache vertraut gemacht hatte, studierte er in Oxford u.a. vergleichende Religionswissenschaften und Philosophie. Bereits in England begann er als Lehrer tätig zu werden. Zusammen mit Akong Tulku gründete er das Samye-Ling-Meditationszentrum in Schottland. 1969 gab Chögyam Trungpa seine Mönchsrobe zurück und heiratete die Engländerin Diana J. Mukpo. Mit ihr folgte er der Einladung vieler seiner Schüler und siedelte in die Vereinigten Staaten von Amerika über.
1974 gründete Trungpa Rinpoche das Naropa Institut, welches später zur Naropa Universität in Boulder (Colorado) wurde. Die Naropa Universität war die erste anerkannte buddhistische Universität in Nordamerika. Chögyam Trungpa Rinpoche gründete im Lauf seines Lebens mehr als 100 Meditationszentren in der ganzen Welt.
Ab 1976 begann Trungpa Rinpoche Belehrungen zu geben, die als Shambhala Training zusammen getragen und präsentiert wurden. Diese waren inspiriert von seiner Vision (auch "Terma" genannt) von dem legendären Königreich von Shambhala. Shambhala-Praxis soll Menschen mit ihrer eigenen grundlegenden Klarheit in Verbindung bringen. Die dadurch gewonnene Einsicht soll anregen, die eigene Verbindung zur Welt wahrzunehmen.
1986, etablierte Trungpa Rinpoche, bereits gesundheitlich angeschlagen, sein Hauptquartier in der kanadischen Provinz Neuschottland, wo er kurze Zeit später an einem Herzinfarkt starb.
Zu seinem Stellvertreter machte Trungpa Rinpoche Ende im Jahre 1976 den Italo-Amerikaner Thomas Rich, der von ihm den Namen Ösel Tenzin erhielt. Mit Ösel Tendzin wurde der erste "Westler" zu einem Linienhalter der Kagyü-Tradition und vermutlich der Vajrayanatradition überhaupt. Ösel Tenzin erkrankte an AIDS und verstarb 1990 an dieser Krankheit. Die von Trungpa Rinpoche gegründete Shambhala-Organisation wird heute von seinem Sohn Sakyong Mipham Rimpoche geleitet, der seinen Lehrauftrag weiterführt.
Die bekanntesten Schüler von Chögyam Trungpa Rinpoche sind unter anderen Allen Ginsberg, Pema Chödrön, Francisco Varela und Samuel Bercholz. Allen Ginsberg, einer der bekanntesten Schriftsteller und Poeten der USA, war bis zu seinem Tod 1997 Lehrer an der Naropa Universität. Pema Chödron ist Autorin und Herausgeberin von mehreren Büchern über Meditation und Lebensführung, die weit über buddhistische Kreise hinaus bekannt und geschätzt sind. Samuel Berchholz ist Begründer und Miteigentümer des Shambhala-Verlages. Er beteiligte sich in der Naropa Universität an vielen bedeutenden Übersetzungen und Publikationen. In Europa ist einer seiner bekanntesten Schüler Han de Wit, Autor von Büchern über Buddhismus und Psychologie, u.a. "Kontemplative Psychologie" und "Die verborgene Blüte".
Mann | Tibet | geboren 1940 | gestorben 1987 | Tibetischer Buddhist | Buddhismus in den USA | Buddhismus in Europa
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