Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) ist eine gemeinnützige GmbH, die sich als „Reformwerkstatt“ für das deutsche Hochschulwesen versteht. In Form fallspezifischer Projekte innerhalb von Hochschulen, übergreifende Studien und Workshops zu aktuellen hochschulpolitischen Themen sowie Publikationen und Rankings zielt es darauf ab, das deutsche Hochschulwesen zu liberalisieren und modernisieren.
Als Leitbild des CHE dient die Idee der „entfesselten Hochschule“, die autonom, wissenschaftlich, profiliert und wettbewerbsfähig, wirtschaftlich, international und neuen Medien gegenüber aufgeschlossen sein soll. Diese Grundlagen finden sich exemplarisch im Buch Die entfesselte Hochschule von Detlef Müller-Böling, der auch der Leiter des CHE ist.
Nach eigenen Angaben beträgt der Jahresetat gut 3,2 Mio Euro, von denen etwa 75 % von der Bertelsmann-Stiftung gestellt werden.
Das CHE tritt unter anderem dafür ein, dass die Hochschulen „mehr Freiheiten“ bekommen, um im Rahmen staatlicher Rahmenvorgaben selbstverantwortlich zu agieren, um eigene Strategien entwickeln und verfolgen zu können. Sie sollen zum Beispiel das Recht haben, ihre Studierenden selbst auszusuchen, ihre interne Organisationsform selbst zu bestimmen und über ihre vom Staat zur Verfügung gestellten Budgets weitgehend frei zu verfügen. Das CHE befürwortet eigener Aussage nach auch „sozialverträglich gestaltete“ Studiengebühren, sofern diese direkt der Verbesserung der Lehre zu Gute kommen.
Kritiker sehen in der Arbeit des CHE eine neoliberale Umgestaltung von Hochschulen. Das CHE betreibe Lobbyarbeit in Medien, Politik und Gesellschaft, um die Akzeptanz von Studiengebühren und Eliteuniversitäten zu erhöhen. Dabei wird unter anderem ein Zusammenhang zwischen der Arbeit des CHE und dem steigenden Einfluss der Wirtschaft auf staatliche Bildungseinrichtungen hergestellt, der nicht notwendigerweise im Interesse der Allgemeinheit liege.
Zudem wird die Nähe des CHE zum Medienkonzern Bertelsmann AG kritisch gesehen. Da das Centrum finanziell wesentlich durch die Bertelsmann-Stiftung finanziert wird, die eine Aktienmehrheit an der Bertelsmann AG hält, unterstellen u. a. Studentengruppen, dass die Politik des CHE von Vorstellungen des Medienkonzerns geprägt sei.
Im Kontext der Debatte um Studiengebühren geriet außerdem eine Umfrage des CHE in die Kritik, die das Forsa-Institut im Auftrag der Stiftung durchführte. Die Befragten wurden nacheinander nach drei Studiengebührenmodellen gefragt, die sie jeweils befürworten oder ablehnen konnten. Aus der Bevorzugung eines Gebührenmodells durch die befragten Studierenden wurde in einer Presseerklärung des CHE darauf geschlossen, dass eine generelle Zustimmung von Studenten für die Einführung von Studiengebühren bestände. Die prinzipielle Zustimmung zu Studiengebühren war hingegen nicht abgefragt worden. Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften forderte daraufhin, die Zusammenarbeit der Hochschulen mit dem CHE einzustellen.
Nicht zuletzt ist das Hochschulranking umstritten. Vergleichskriterien wie Veröffentlichungsleistung oder Urteile der Professoren über die Fachbereiche werden als wenig objektiv kritisiert, die Wahrnehmung der Studenten bekomme zu wenig Gewicht, die an Studenten versandten Fragebögen seien stellenweise suggestiv.
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