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Çatal Hüyük, korrekt Çatal Höyük (türk.: çatal = Gabel, Gabelung; höyük = Hügel), ist eine in der heutigen Türkei ausgegrabene Siedlung aus der Jungsteinzeit. Sie liegt knapp 40 km südöstlich der Stadt Konya auf der Hochebene Anatoliens und hatte etwa 5.000 bis 6.000 Einwohner.
Forschungsgeschichte
Entdeckt wurde sie in den späten
1950er Jahren. Zwischen
1961 und
1965 wurden Teile von ihr vom britischen
Archäologen James Mellaart ausgegraben. Seit
1993 finden erneut Grabungen unter Leitung von
Ian Hodder statt. Wegen seiner Größe, den Wandmalereien und sonstiger
Kunst innerhalb der Häuser wurde Çatal Höyük schnell weltweit berühmt.
Bedeutung
Çatal Höyük war nach jetzigem Forschungsstand vor 8.000 Jahren die größte Siedlung der Welt.
Das Besondere an dieser Siedlung sind nicht die Bildnisse; Darstellungen einer weiblichen Göttin, manchmal als
Magna Mater (lat. „große Mutter“) bezeichnet, sind aus dieser Zeit auch an anderen Orten ausgegraben worden. Der Grundriss der Siedlung ist das Außergewöhnliche. Die Häuser standen alle wie Bienenwaben dicht an dicht (vergl.
Pueblos in
Nordamerika). Gassen, Durchgänge, Straßen und Plätze fehlten ganz. Aber damit nicht genug: Es gab auch keine Türen und Fenster an den Häusern. Man stieg über eine Leiter aufs
Dach und von dort durch eine Luke ins Haus. Bei dieser Bauweise erübrigte sich auch eine „Stadtmauer“. Allerdings waren die bewaffneten Männer der Stadt, die auf einigen Bildern als Jäger mit Speeren abgebildet sind, schon aufgrund ihrer Zahl für umherziehende Sammler- und Jägergruppen selbst im Stammesverband unangreifbar. Und konkurrierende Siedlungen, die eine vergleichbare Kriegerzahl hätten aufbieten können, gab es nicht. Diese gravierenden Unterschiede zum urbanen Bild des allerdings viel späteren
Uruk etc. machen deutlich, dass die Siedlung eine ganz andere Sozialstruktur als die späteren Städte hatte. Allem Anschein nach gab es in Çatal Höyük keine für Städte kennzeichnenden zentralen Einrichtungen wie
Palast und
Tempel in einem Regierungsviertel. Daher könnte man die Ortschaft
anarchisch nennen. Alles deutet bis jetzt auf die Abwesenheit von großen Eigentums- oder Machtunterschieden hin. Die Abwesenheit nicht nur von Palästen und Herrschaftshäusern, sondern auch von Villen, also besonders großen Häusern, läßt einige Autoren annehmen, dass hier eine Urform des
Kommunismus' geherrscht habe. Möglich ist aber auch, dass jede Familie Eigentum am Familienhaus (Familienpueblo) und einem Stück Land besaß und die Stadt genossenschaftlich organisiert war.
Funde
Hier wurde im Jahre
1963 auch die bisher älteste
kartographische Darstellung in der Menschheitsgeschichte gefunden. Die
Wandmalerei zeigt die Siedlung um
6200 v. Chr. mit ihren Häusern und dem Doppelgipfel des Vulkans
Hasan Dağı.
Matriarchat?
Der
Matriarchatsforschung ist Çatal Höyük ein gern benutztes Beispiel für eine
matriarchale Hochkultur. Teilweise wird aber auch die Ansicht vertreten, dass es sich auch um eine Kultur handele, in der weder Frauen (
Matriarchat) noch Männer (
Patriarchat) herrschten, sondern in der die Geschlechter gleichberechtigt waren.
andere neolithische Siedlungen
Das
frühneolithische Bergheiligtum
Göbekli Tepe ist nochmals rund 2000 Jahre älter.
Siehe auch Wiege der Zivilisation, Geschichte der Türkei
Literatur
- James Mellaart: Çatal Hüyük - Stadt aus der Steinzeit. Bergisch Gladbach 1967.
- Heinrich Klotz: Die Entdeckung von Çatal Höyük - Der archäologische Jahrhundertfund. München 1997. ISBN 3406432093
- Klaus-Dieter Linsmeier, Klaus Schmidt: Ein anatolisches Stonehenge. in: Spektrum der Wissenschaft - Spezial. Spektrumverlag, Heidelberg 2003,2, S.10-15. ISBN 3936278350
Weblinks
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