Cassiodor (* um 490 in Scylaceum, Bruttien; † um 583), mit vollständigem Namen Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus Senator, war ein spätantiker römischer Staatsmann, Schriftsteller und Gelehrter.
Cassiodor ist Autor mehrerer theologischer und enzyklopädischer Werke. Er war Minister und Berater des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen und setzte sich maßgeblich für die Aussöhnung von Römern und Ostgoten ein. Seine Geschichte der Goten, die er im Auftrag des Gotenkönigs verfasste, ist zwar verloren gegangen, wurde aber von Jordanes ("Getica") rezipiert, wobei die Urgeschichte der Goten idealisiert und mit teils fiktiven Elementen angereichert wurde. Erhalten ist jedoch eine Sammlung von Aktenstücken und Urkunden (Variae), welche eine wichtige Quelle bezüglich der Verwaltung des ostgotischen Königreichs darstellen.
Nach dem Beginn der oströmischen Wiedereroberung Italiens (siehe Justinian I.) und den Thronwirren nach König Athalarichs Tod zog er sich von den Staatsgeschäften zurück und gründete 540 das Kloster Vivarium in Kalabrien, stattete es mit einer Bibliothek aus und machte das Abschreiben von Handschriften zur Aufgabe von Mönchen. Die Bedeutung Cassiodors, der an der Wende zwischen Spätantike und Frühmittelalter stand, liegt vor allem darin begründet, dass er dem Mittelalter klassisches Bildungsgut vermittelte.
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