Als Visitenkartenporträt (auch Visitenkartenfoto, Visit oder Carte-de-visite) bezeichnet man einfache Porträtfotografien, die Mitte des 19. Jahrhunderts im international quasi-standardisierten Format von 6 × 9 cm oder 2 1/2 × 4 Zoll – also etwa in der Größe einer Visitenkarte der damaligen Zeit – verbreitet und in Alben gesammelt wurden. Das Verfahren wurde vorwiegend zwischen 1857 und 1866 genutzt und hielt sich danach noch etwa bis 1900.
0311002r.jpg Bedeutung erlangten die Visitenkartenporträts als erster fotografischer Massenartikel, der sowohl in Massenproduktion gefertigt wie auch in Massen verbreitet wurde. Vergleichsweise gering ist dagegen der künstlerische Wert:
Heute dagegen sind Visitenkartenporträts wichtige Zeitzeugnisse für Historiker und Soziologen.
Bei den Visitenkartenporträts handelte es sich um auf Karton aufgezogene Papierkopien von Kollodium-Nassplatten-Negativen, die mit Spezialkameras belichtet wurden. Dabei wurden nicht kleine Negative vergrößert, die Problematik bestand vielmehr darin, überhaupt ein entsprechend kleines Aufnahmeformat zu erreichen; um 1850 lagen die Plattengrößen zwischen 16,5 × 21,6 cm (6 1/2 × 8 1/2 Zoll, Ganzplatte) und 5,1 × 6,4 cm (2 × 2 1/2 Zoll, Neuntelplatte).
André Adolphe-Eugène Disdéris Spezialkamera verfügte daher über vier Objektive und eine verschiebbare Plattenkassette. Mit Hilfe der Mehrfachoptik konnten auf jeder Hälfte der Glasplatte jeweils vier Belichtungen aufgenommen werden; dann wurde die Platte mit Hilfe der Kassette verschoben, und die nächsten vier Belichtungen konnten auf der zweiten Hälfte festgehalten werden.
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Anschließend wurden auf Albuminpapier Abzüge im Negativformat von etwa 8 × 10 Zoll angefertigt, die in das Vistenkartenformat zerschnitten wurden. Die einzelnen Mini-Porträts waren dann etwa 5,5 × 8 cm bis 6 × 9 cm groß und wurden auf Karton mit Abmessungen von etwa 6,3 × 10 cm montiert.
Die Visitenkartenporträts entwickelten sich zu einem enormen Erfolg; allein in England wurden im Zeitraum von 1861 bis 1867 zwischen 300 und 400 Millionen Cartes-de-visite jährlich hergestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es üblich, Visitenkartenporträts zu verschenken und in Fotoalben zu sammeln. Auch von Prominenten wurden Visitenkartenporträts angefertigt und verkauft; so sollen nach dem Tod des britischen Prinzgemahls 70.000 Porträts verkauft worden sein.
Die erste Notiz über die Einführung des Visitportraits (Carte de Visite) findet man in der französischen Zeitschrift " La Lumiere " vom 28. Oktober 1854 wo es heißt: " Eine originelle Idee hatten E. Dellesert und Graf Aguado bezüglich der Verwendung kleiner Portraits. Bis jetzt trugen die Visitkarten Namen, Adresse und zuweilen den Titel der Personen welche sie vorstellten. Weshalb sollte man nicht den Namen durch das Bildnis ersetzen können?".
Nach einer anderen Version soll der Herzog von Parma als Erfinder der Carte de Visite gelten.
Er hatte 1857 den Einfall sich auf seine Visitenkarte ein Photo zu kleben.
Den wirklichen Aufschwung bekam die Visitkartenphotographie durch den Pariser Photographen und "Erfinder" des Visitenkartenporträts André Adolphe-Eugène Disdéri, der 1854 auf diese Anwendung des Kollodiumverfahrens in Frankreich ein Patent angemeldet hatte.
Um 1866 wurde das Visitenkartenformat durch das Kabinettformat (auch Cabinet) aus England abgelöst.
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