Carlo Maria di Buonaparte, auch Charles Marie Bonaparte, (* 29. März 1746 in Ajaccio; † 24. Februar 1785 in Montpellier) war Vater von Kaiser Napoleon I.
Nicht lange nach seiner Hochzeit suchte Pascal Paoli, der Führer des bis auf wenige genuesisch kontrollierte Städte faktisch unabhängigen Korsikas, in ihm einen juristischen Berater und Carlo di Buonaparte arbeitete maßgeblich an der korsischen Verfassung mit. Mit 20 Jahren wurde er Paolis Sekretär und wurde als Sonderbotschafter nach Rom geschickt, um für die Unabhängigkeit Korsikas zu werben. Korsika war ein päpstliches Lehen an Genua, sah aber nun aufgrund der geschickten Intervention Buonapartes von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Korsen ab.
Nachdem die Genueser die Insel am 15. Mai 1768 an Frankreich verkauften, bekämpfte Paoli nun die Franzosen und Carlo di Buonaparte schloss sich an, wobei seine schwangere Frau samt Sohn Giuseppe ihn in die Berge begleiteten. Als Capitano einer Kompanie Partisanen konnte Carlo di Buonaparte bei einem Angriff auf Borgo über 500 Gefangene machen und von dem französischen Oberkommandanten Chauvelin einem Waffenstillstand bis in den Winter erzwingen.
Ein Jahr später landete ein viel größeres Heer - 45 Bataillone Infanterie, mehrere Geschützbaterien und drei Kavallerie-Regimenter - unter dem Kommando von Graf Vaux. Als Paoli am 9. Mai 1769 bei Ponte Novo geschlagen wurde, hielt Carlo di Buonaparte den Widerstand auf dem zweithöchsten Berg Korsikas, dem Monte Rotondo - sie hausten in einer Höhle -, noch zwei Wochen aufrecht, bis ihm am 23. Mai ein französischer Parlamentär eine Einladung zur Unterhandlung mit Graf Vaux überbrachte.
Carlo di Buonaparte erfuhr von der Einnahme Paolis Hauptstadt Corte und der Kapitulation Paolis. In Corte schlug ihm und allen Freiheitskämpfern Graf Vaux sowohl einen Frieden mit Amnestie vor, und versprach, dass Frankreich die korsische Identität schützen und die Lebensweisen und den Wohlstand Korsikas fördern werde. Da er eine Familie zu ernähren hatte, unterwarf er sich schließlich und ging nicht, wie Paoli, ins Exil nach England, sondern blieb in Ajaccio, wo er all seine Güter zurück erhielt.
Am 13. September 1771 erreichte er eine französische Adelsanerkennung mit den damit verbundenen Privilegien. In den Akten wird er dort als Charles-Marie de Buonaparte geführt. Da er sich standesgemäß mit Samt und Seide kleidet, bekommt er den eher bewundernden als ironischen Spitznamen "Buonaparte il Magnifico" (der Prächtige). 1772 erhielt er einen Sitz im 'Rat der 12 Edlen', dem exklusiven Standesparlament und einflussreichem Selbstverwaltungsorgans Korsikas. Am 1778 wurde ihm die Ehre zu teil, in einer Dreier-Standesdelegation - er für den Adel - König Ludwig XVI. im Schloss Versailles zu besuchen, wo er am 10. März 1779 sowohl mit dem König als auch mit Marie Antoinette sprach; die Treue Korsikas ausdrückte, aber auch von Sorgen und Problemen der Insel berichtete.
In seinen letzten Lebensjahren trat er im korsischen Parlament für die Zusammengehörigkeit Korsikas zu Frankreich ein und damit gegen eine Rückkehr Paolis bzw. sich an England zu wenden. Als er 1784 krank wird, wurde er in Paris von dem Leibarzt der Königin untersucht, aber alle Kuren halfen nicht. Auf einer erneuten Fahrt, die nach Paris zu den Ministern gehen soll, wurde er so krank, dass er sich auf Anraten von Ärzten zur medizinischen Fakultät nach Montpellier begibt.
Mit 39 Jahren starb Charles-Marie de Buonaparte am 24. Februar 1785, in Beisein seines Sohnes Joseph, an Magenkrebs in Montpellier, wo er auch zuerst begraben wurde. Der Sohn Louis hat ihn 1803, in Einverständnis mit Letizia und Joseph und gegen den Willen Napoléons, auf Louis Besitz bei Saint-Leu bestatten lassen. 1951 wurden die Gebeine feierlich nach Ajaccio gebracht.
Erstaunlicher Weise wurde er von seiner Familie später fast totgeschwiegen. Als die Stadt Montpellier zwanzig Jahre nach seinem Tode ihm ein Denkmal setzen wollte, verbot es Napoléon, der damalige Erste Konsul, mit der Begründung, er sei schon zu lange tot.
In der Regierung von Ludwig XVI. gab es Stipendien für die Söhne des verdienten ärmeren Adels. Durch Charles Buonapartes Bemühungen in der Landwirtschaft Korsikas galt er als verdient, durch die finanziell angespannte Lage der Sumpftrockenlegung als arm genug, sodass die Söhne Joseph und Napoléon, später auch Lucien, in den Genuss dieser Stipendien kamen.
Mann | Rechtsanwalt | Freimaurer (18. Jh.) | Geboren 1746 | Gestorben 1785 | Haus Bonaparte
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