Carlo Maderno, (* um 1556 in Capolago am Luganer See, † 30. Januar 1629 in Rom) war ein italienischer Baumeister des Römischen Frühbarock. Basilica di San Pietro front (MM).jpg in Rom]]
Maderno hielt sich ab 1576 in Rom auf, wo er zunächst als Stuckateur ausgebildet wurde und in der Werkstatt seines Onkel Domenico Fontana tätig war. 1588 erhielt er das römische Bürgerrecht. Als Fontana Rom im Jahre 1594 wegen angeblicher Unterschlagungen verlassen musste, übernahm Maderno die Werkstatt. 1603, nach dem Tod Giacomo della Portas, erhielt er dessen Stelle als leitender Architekt an St. Peter. Zu seinen Aufgaben als päpstlicher Architekt gehörten auch wasserbauliche Maßnahmen, wie die Bauleitung bei der Flußregulierung des Tiber, Brunnenbauten in Rom und die Konstruktion von Aquädukten.
Seine ersten wichtigen Aufträge waren verschiedene Projekte, die beim Tod des Römer Architekten Francesco Capriani da Volterra, unvollendet geblieben waren und die von Maderno beendet wurden. Seit seiner Ernennung zum Architekten von St. Peter war Maderno hauptsächlich mit den Arbeiten am Petersdom befasst. Daneben führte er vor allem Umbauten und Ergänzungen an Palästen und Kirchen in Rom und näherer Umgebung durch. In seinen letzten Jahren entwarf er die Pläne für den Palazzo Barberini, deren Ausführung er aber nicht mehr erlebte.
Maderno starb am 30. Januar 1629. Er wurde in der Kirche San Giovanni dei Fiorentini begraben.
Zu den von da Volterra übernommen Baustellen gehörte der Palazzo Lancelotti, Madernos erste Auseinandersetzung mit dem Palastbau. Der einzige von ihm entworfene und vollständig ausgeführte Palast ist der Palazzo Mattei di Giobbe an der Via dei Funari in Rom, der zwischen 1598 und 1611 für Asdrubale Mattei errichtet wurde. Dieser Palast hat wegen des cortile eine besondere Bedeutung in der Architekturgeschichte. Auf der Eingangsseite sind zwei der drei Geschosse als Loggien ausgebildet, die Rückseite ist ein geschlossener Terrassentrakt, während die beiden Seiten fast fensterlos sind, um den eingelassenen antiken Reliefs und Büsten Platz zu lassen. Der Hof diente also der Zurschaustellung der Antikensammlung des Besitzers.
Ab 1625 war Maderno mit der Planung des Palazzo Barberini befasst. Der Palast sollte auf einem ehemaligen Weinberg, der sich jetzt wegen der schnellen Ausdehnung der Stadt in zentraler Lage befand, erbaut werden. Maderno plante ihn trotzdem wie eine villa suburbana, das heißt nach dem Muster einer ländlichen Villa. Als er 1629 starb, übernahmen Bernini und Borromini das Projekt und vollendeten es, allerdings mit wesentlichen Veränderungen am ursprünglichen Entwurf.
Kritik an dem Entwurf, in dem die Wirkung von Michelangelos Kuppel beeinträchtigt ist, gibt es nach wie vor. Spätere Maßnahmen, wie der vom Papst angeordnete Bau von Glockentürmen, die Bernini errichten sollte, Berninis Kolonnaden oder die erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die alte städtische Bebauung geschlagene Schneise der Via della Conciliazone sind auch unter dem Gesichtspunkt einer „Korrektur“ an Madernos Entwurf zu betrachten.
Der Bau der Fassade erwies sich also als schwierige Aufgabe: Die Hauptkirche der Christenheit sollte eine würdige und eindrucksvolle Fassade bekommen, die von Michelangelo vorgegebene Gliederung des Baukörpers war zu berücksichtigen, der Blick auf die Kuppel sollte möglichst wenig beeinträchtigt werden und schließlich musste die Benediktionsloggia wegen ihrer wichtigen Funktion bei der Ausübung des Amtes durch den Papst integriert werden.
Insgesamt kann die Fassade als Ergebnis von Kompromissen zwischen technischen, liturgischen, örtlich gegebenen sowie künstlerischen Faktoren gesehen werden. Heterogene Elemente – die Kombination von Kirchen- und Palazzo-Fassade und Portikus, Michelangelos monumentale Visionen und Madernos Vorliebe für Dekoratives sind zu einem Gesamtbild verschmolzen, dessen Unstimmigkeiten von der Architekturkritik zwar nach wie vor bemängelt werden, das aber mittlerweile zu einem festen, allgemein bekannten und unverwechselbaren Bestandteil in der medialen Darstellung der katholischen Kirche geworden ist.
Mann | Italiener | Baumeister | Geboren 1556 | Gestorben 1629
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