Als Carlismus (auch Karlismus) bezeichnet man eine monarchistische Bewegung in Spanien, die seit 1833 Angehörige einer des bourbonischen Königshauses und seit 1952 des Hauses Bourbon-Parma als Thronprätendenten favorisiert.
Von diesem vordergründigen Ziel abgesehen waren die Carlisten lange Jahre die Hauptpartei in einem innerspanischen Kulturkampf, welcher sich von der napoleonischen Besatzung bis zum Spanischen Bürgerkrieg hinzog. In diesem Kulturkampf kämpften die Carlisten mit ihrer absolutistisch-katholischen Gesinnung gegen die liberalen, später die republikanischen Kräfte in Spanien.
Fernando VII.jpg Ferdinand VII erstieg den spanischen Thron und versuchte trotz aller zwischenzeitlich eingetretenen Ereignisse, an den Cortes vorbei absolutistisch weiterzuregieren. Eine liberale Verfassung wurde 1820 infolge eines pronunciamiento von der Armee erzwungen, wobei die Inquisition abgeschafft und erneut die Cortes einberufen wurden. Die liberale Mehrheit in den Cortes setzte zunächst neben einem Presse- und Vereingesetz auch die Aufhebung der Klöster (bis auf vierzehn) und die Unterwerfung der Geistlichkeit unter die staatliche Besteuerung durch. Als die radikalen Liberalen, die „Exaltados“ (denen nach Salvador de Madariaga "die weise Kunst des Wartens abging"), 1822 die Mehrheit in den Cortes erlangten, gaben sie ihre Zurückhaltung jedoch auf und erließen eine Reihe weiterer Reformgesetze, die jedoch praktisch nicht umgesetzt werden konnten, da der König ihre Umsetzung nach Möglichkeit behinderte und die Stimmung im Volk dieses radikale Vorgehen nicht guthieß.
Doch schon drei Jahre nach der Wiederannahme der Verfassung (dem „Liberalen Triennium“ oder, wie die Absolutisten sie nannten, den „drei sogenannten Jahren“) wurde diese Verfassung durch eine von Ferdinand selbst herbeigerufene französische Invasion der „Hunderttausend Söhne des heiligen Ludwig“ wieder kassiert. Louis XVIII. von Frankreich wollte mit seiner Intervention allerdings den Absolutismus nicht wieder herstellen, sondern hatte Ferdinand VII. das Versprechen abgenommen, seinem Volk eine charter, also ein gemäßigtes Grundgesetz, einzuräumen. Als Ferdinand sich nicht daran hielt, bestand Louis, um sein Gesicht wahren zu können, darauf, dass wenigstens die Inquisition nicht wieder eingerichtet werden dürfe, und veranlasste Ferdinand, seinen Kirchenminister Víctor Saez zu entlassen.
Im weiteren Kampf um eine Verfassung standen sich als Kontrahenten im wesentlichen die liberale, sehr stark freimaurerisch geprägte und die Ideen der Französischen Revolution favorisierende Armee und die dem Absolutismus zugeneigte konservative Kirche gegenüber. Die Positionen beider Parteien waren unvereinbar.
Die Anhänger des Absolutismus waren vom hergebrachten Bild des Königs überzeugt, welcher sein Amt direkt von Gottes Gnaden erhielt und durch diese Belehnung über die Sterblichen hervorgehoben wurde. Sein Amt war es, als Gottes Schild und Schwert auf Erden zu wirken. Indem der Monarch Souverän war, war Gott der Souverän: Monarchismus und Religion waren für die Absolutisten - und zumal für die spanischen - untrennbar ineinander verschränkt. Daher war eine vertragliche Vereinbarung, welche das Verhältnis des Monarchen zu seinem Volk zu regeln unternahm, nach ihrem Empfinden zugleich eine Majestätsbeleidigung und eine Gotteslästerung. Der König schwor einen Eid bei seiner Krönung, und ebenso schwor er oder vielmehr sein Vertreter, im Falle etwa des Baskenlands unter der Eiche von Guernica, die alten Vorrechte der nichtkastilischen Regionen zu achten. Die Absolutisten sahen demgemäß keinen Vorteil darin, eine Verfassung, welche Menschenwerk war und mit einem Federstrich geändert werden konnte, dem unabänderlichen und vor Gott geschworenen Eid vorzuziehen. Das spanische monarchische Ideal stand hierbei weniger nach dem bourbonischen Absolutismus französischen Vorbilds nach Art einer Regierung des nostre bon plaisir, sondern - Salvador de Madariaga zufolge - weit eher nach der Regierungsweise der Habsburger, welche darin bestand, politische Ideen und Institutionen wie vor allem den spanischen König in einer Weise in Personen verkörpert zu sehen, dass alle Verehrung, alle etwaigen religiösen Attribute nicht der Person, sondern dem Amt zukamen. Dem Amt des Königs war Ehrfurcht geschuldet, soweit und solange er es pflichtgemäß ausfüllte und somit als christlicher König anzusehen war.
Selbst von dieser religiösen Komponente abgesehen bedeutete eine Verfassung der von den liberalen Kräften vorgesehenen Art die Errichtung eines Zentralstaats nach französischem Vorbild, was die Absolutisten ablehnten. Spanien war seit jeher eher einem Staatenbund als einem Staat ähnlicher gewesen. Gemeinsame Institutionen aller Landesteile waren im wesentlichen nur der König in Kastilien und die katholische Kirche gewesen, während die Regionen ihre eigenen Institutionen und ihr althergebrachtes Sonderrecht gepflegt hatten.
Die Liberalen dagegen empfanden das geistige Klima in Spanien, welches dem freien Gedanken und freien Wort entgegenstand, als drückend und arm. Sie sahen mit Bedauern, dass ihr Land bereits seit langem von Europa isoliert war und nach ihrem Empfinden in seiner geistigen Entwicklung anderen Nationen nachstand. Aus diesem Grund standen sie für die Ideale der Französischen Revolution ein und wünschten, dass diesen auch in ihrem Lande zum Durchbruch verholfen werden sollte. Bereits seit dem 18. Jahrhundert in Freimaurerlogen organisiert, hatten sie 1810 beim Zusammentreten der konstituierenden Cortes die Liberale Partei gegründet. Das Liberale Triennium war vor allem das Werk der spanischen Freimaurerei gewesen. In diesen drei Jahren verbreiteten sich die Logen in einem Maße, dass sie zur führenden Kraft des Mittelstands wurden. Von da an stellten die Logen der Liberalen (nach Brenan) „die Internationale des revolutionären Mittelstandes in ihrem Kampf gegen feudale und religiöse Institutionen“ dar. Im Militär übten die Liberalen einen besonders starken Einfluss aus, und viele pronuniciamientos der folgenden Jahrzehnte waren auf die Tätigkeit von Angehörigen der Militärlogen zurückzuführen. Nach den Vorstellungen der Liberalen sollte Spanien, wie andere europäische Länder es bereits getan hatten, sein Verhältnis zum König nach Art eines Gesellschaftsvertrags regeln und zum Vorteil aller die Befugnisse des Monarchen, der Cortes und anderer Verfassungsorgane klar festlegen. Zu einer nach liberaler Auffassung überfälligen Reform des spanischen Staatswesens gehörte die Ordnung und Straffung der unübersichtlichen staatsrechtlichen Konstruktion des Landes.
Auch die Liberalen radikalisierten sich immer mehr und wurden antiklerikal mit einer besonderen Abneigung gegen Ordensgeistliche. Für religiöse Belange hatten sie wenig Verständnis und wollten auch keines aufbringen. Vielmehr fassten sie die Religion und den Klerus als ernstes und - in dem Maße, in dem sie radikaler wurden - als zu beseitigendes Hindernis für die Errichtung eines modernen und freien Spaniens auf.
Die Bruchstelle des künftigen Konflikts der zwei Teile der spanischen Gesellschaft zeichnete sich schon 1830 ab. Don Carlos, der Bruder Ferdinands, dessen Gesundheit sich unter seiner ausschweifenden Lebensführung immer weiter verschlechterte und der heftig unter der Gicht litt, beanspruchte die Nachfolge des Königs, dem in seinen vier Ehen kein Sohn geschenkt worden war. Gleichzeitig gaben sich die Apostólicos in anmaßender Weise allzu siegesgewiss und sahen in Carlos allzu offen den künftigen König. Bereits im Zuge eines Aufstands, der 1827 Katalonien erfasste und der von einer weiteren radikalabsolutistischen Gruppe initiiert worden war, die sich Agreugats ("Gekränkte") nannte, wurde Carlos zum König ausgerufen. Ferdinand ging jedoch mir Entschlossenheit gegen diese Bewegung vor, und Carlos musste abwinken, um nicht den Vorwurf des Hochverrats zu riskieren.
Ferdinand hatte jedoch seine einzige Tochter Isabella II. 1830 im Rahmen einer Pragmatischen Sanktion (Pragmatica Sanción) unter Abschaffung der Salischen Erbfolge und Rückkehr zur alten spanischen Erbfolge als Thronerbin bestimmt. Dies geschah, indem Ferdinand einen 1789 von den Cortes eingebrachten Antrag auf Herstellung der alten Thronfolgeregelung, den der damalige König Carlos IV. nicht als Gesetz hatte verkünden lassen und der seitdem ruhte, über 40 Jahre später nachträglich genehmigte.
Die in Spanien von König Philipp V. im Jahr 1713 eingeführte Salische Erbfolge sah die Thronfolge von Frauen nur dann vor, wenn männliche Thronerben auch in keiner Seitenlinie mehr vorhanden waren. Philipp V., erster spanischer Bourbone, hatte diese Thronfolgeregelung am 13. Mai 1713 auf Druck der übrigen europäischen Mächte nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs anstelle der auf das Königreich Kastilien zurückgehenden Regelung eingeführt. Damit sollte verhindert werden, dass die beiden bourbonischen Kronen Spaniens und Frankreichs in einer Hand vereinigt werden konnten.
Um diese Pragmatische Sanktion, die unter Abkehr vom Salischen Gesetz die Thronfolge Isabellas vorbereitete, im eigenen Lande umsetzen zu können, machte Ferdinand den Liberalen Zugeständnisse, etwa indem er die Regierung auswechselte und ein gemäßigt-absolutistisches Kabinett berief. Die Liberalen, die einer Thronfolge Carlos' mit Schrecken entgegensahen, waren unter diesen Umständen gerne bereit, Isabella als Prinzessin von Asturien anzuerkennen. Carlos sah die Gefahr, und nachdem ein Anschlag seiner Anhänger auf das Leben des Königs erfolglos geblieben war, presste man dem 1832 schwer erkrankten Ferdinand den Widerruf der Pragmatischen Sanktion ab, welche er nach seiner Genesung allerdings umgehend zurücknahm.
Ferdinand sollte Recht behalten, als er im Jahre 1832 den folgenden merkwürdigen Vergleich zog: "Spanien ist eine Bierflasche, und ich bin der Pfropfen. Wenn ich herausspringe, wird sich der gesamte Inhalt in Gott weiß welche Richtung ergießen". Bereits unmittelbar nach Ferdinands Tod im Jahr 1833 entzündete sich der unablässige Konflikt zwischen Liberalen und Absolutisten, der bereits seit vielen Jahren an einen Bürgerkrieg grenzte, an der Frage der Nachfolge Ferdinands. Don Carlos sah Isabellas Thronfolge als Raub seiner Thronansprüche an, wofür er durch Ferdinand nach Portugal ausgewiesen wurde. Er wurde von der Kirche und regionalen Autonomisten des Nordens und Nordostens unterstützt. Nachdem die Cortes der dreijährigen Isabella huldigten und die Königinmutter María Cristina die Regentschaft übernahm, führte der Aufruf des Bischofs von León und der Jesuiten, zu den Waffen zu greifen, zur Sammlung der Absolutisten unter dem Banner Don Carlos', der sich selbst zum rechtmäßigen König erklärte, und damit zur Entstehung der Carlistenbewegung und sofort zu offenem Kriegszustand in Spanien.
Die spanischen Liberalen, als "Cristinos" oder auch "Isabelinos" bezeichnet, arbeiteten auf eine Trennung von Kirche und Staat und eine entschiedene Forcierung eines zentralistischen Aufbau des Staats hin. Sie kämpften für den Anspruch Kastiliens auf die Herrschaft über die ganze iberische Halbinsel - und somit auch gegen die Sonderrechte der Randgebiete. Die Regentin María Cristina von Sizilien und ihre Tochter Isabella hatten keine andere Wahl, als sich vollends auf diese in sich heterogenen Gruppierungen, welche man unter der Bezeichnung der konstitutionellen Monarchisten zusammenfassen könnte, zu stützen, wenn sie politisch überleben wollten. Der Preis der Unterstützung durch die Liberalen, die Ausarbeitung und Verkündung einer Verfassung für Spanien, stand von vornherein fest, wenngleich dieser nicht María Cristinas Überzeugung entsprach. Die selbst absolutistisch gesinnte Königinmutter wurde lediglich durch Carlos' Angriff im Norden daran gehindert, die Liberalen umgehend wieder aus dem Zentrum der Macht zu vertreiben. Da sich die Absolutisten selbst im Wege standen, triumphierten die Liberalen. 1834 verfügte die Regentin Maria Cristina einen königlichen Freibrief: Spanien war damit praktisch zu einer konstitutionellen Monarchie geworden. 1836 zwang der Aufstand eines Armeeregiments, welches nach dem Königspalast zog, María Cristina endgültig zur Anerkennung der Verfassung von 1812.
Carlos Maria Isidro.jpgEine konstitutionelle Monarchie wollten vor allem diejenigen eigenständigen spanischen Randgebiete wie vor allem das Baskenland eben verhindern, welche ihre alten Rechte weitgehend ungeschmälert hatten bewahren können und nun nicht nur um ihre Autonomie, sondern auch um ihren Bestand als geschichtlich gewachsene territoriale Einheiten zu fürchten hatten. Nur durch Carlos glaubten diese Regionen mit ihrem traditionellen Sonderstatus innerhalb Spaniens, ihre Rechte (die fueros) bewahren zu können.
Diese fueros bestanden etwa im Baskenland, wo sie seit jeher am weitreichendsten gewesen waren, in einem eigenen Parlament (in Guernica), einem eigenen Münzwesen sowie in einer eigenen Verwaltungs-, Zoll- und Steuerhoheit und in der Befreiung vom spanischen Militärdienst. Ohne baskische Erlaubnis durften die Truppen des Königs ihr Land nicht passieren.
Die Gebiete, welche sich auf Carlos' Seite stellten, waren darum namentlich Navarra, Aragon, Katalonien, die ländlichen Gebiete des Baskenlandes - und selbst Teile Altkastiliens. Nach carlistischem Empfinden war selbst noch der durch die Bourbonen herbeigeführte staatsrechtliche Zustand schon zu zentralistisch und daher zu überwinden: so verlangte Katalonien, welches kaum noch eigene fueros hatte, seine alten Rechte zurück, welche ihm vom ersten Bourbonenkönig nach dem Spanischen Erbfolgekrieg genommen worden waren, da es sich unter den Schutz Frankreichs gestellt hatte.
Eine Verfassung aber drohte infolge der zentralistischen und uniformistischen Bestrebungen der Liberalen, Spanien unwiderruflich zu einem Zentralstaat umzuwandeln. Und in der Tat beschlossen die Liberalen im Real Decreto de 30 de noviembre 1833 nach französischem Vorbild die Aufteilung Spaniens in Provinzen, womit die alten Gliedstaaten des spanischen Staats von der Landkarte verschwinden sollten.
Die Frage nach der künftigen Verfasstheit aber führte zwangsläufig zu einem Kulturkampf des Staates gegen die Kirche. Das alte System war von der Kirche nicht zu trennen und ohne sie nicht einmal zu denken, da abgesehen vom Amt des Königs die Kirche in der Vergangenheit die einzige gesamtspanische Institution gewesen war. Sie war der Kitt zwischen den halben Dutzend ansonsten unabhängiger Staaten, aus denen sich Spanien zusammensetzte und die unter der Herrschaft der Habsburger allesamt ihre eigenen Verwaltungen, ihre eigenen Cortes und eigene Gesetze gehabt hatten. Hieran hatte sich auch unter den Bourbonen nichts Grundlegendes geändert, auch obgleich diese mit Antritt ihrer Herrschaft den Gliedstaaten mit Ausnahme des Baskenlands die fueros weitgehend genommen hatten. Diese staatliche Verfasstheit stand und fiel mit der Stellung und der Macht der Kirche. Daher kann gesagt werden, dass die Carlisten die Waffen für die Selbstbehauptung der Kirche innerhaupt des spanischen Staats ergriffen.
Zumalacarregui.jpgDie Gräuel, welche die einander mit großer Unerbittlichkeit gegenüberstehenden Parteien sich gegenseitig wie auch unbeteiligten Zivilisten zufügten, waren von einer solchen Grausamkeit, dass andere europäische Mächte Cristinos und Carlisten im Rahmen des "Lord Elliot Agreement" zur Einhaltung gewisser Standards der Kriegführung bewegen mussten. Carlos hatte bereits zu Beginn der Feindseligkeiten verfügt, dass jeder Spanier, der sich nicht unter seinem, Carlos', Kommando erhebe, ungeachtet aller Gründe, welche er dafür auch anführen mochte, zu töten sei. Dem entsprach später das „Dekret von Durango“, wonach alle aufgegriffenen ausländischen Kombattanten der Gegenseite ohne weiteres zu erschießen waren. Da die Carlisten nicht auf die staatliche Infrastruktur zurückgreifen konnten, sondern sich aus dem Lande versorgen mussten, richteten sich mit der Zeit Gewalttätigkeiten von zu Banden herabgesunkenen carlistischen Freischärlern auch gegen die spanische Bevölkerung, und viele militärische Aktionen wurden hauptsächlich zu dem Zweck durchgeführt, Geld aus der Bevölkerung zu pressen.
Die Cristinos hingegen, die als Schlachtruf trágala, perro, tu que no quieres una constitución (friß das, du Hund, der du keine Verfassung möchtest) führten, nahmen den Ausbruch der Cholera während des Krieges zum Anlass, zu verbreiten, die "Mönche" hätten die Brunnen vergiftet. Als der Mob das Feindbild begeistert aufgriff und die Klöster stürmte, kamen über hundert katholische Ordensleute ums Leben. Zwei Jahre nach Kriegsausbruch, im Juli 1835, ließ die Regentin die Gesellschaft Jesu verbieten und schloss außerdem im Oktober desselben Jahres auf Betreiben des Bankiers Álvarez Mendizábal durch ihr ley desamortizado eine Anzahl von Konventen. Was ein Akt der Beschwichtigung der kirchenfeindlichen städtischen Massen sein sollte, wurde im Gegenteil zu einem bis dahin beispiellosen Klostersturm. Hunderte von Klöstern wurden niedergebrannt und zahlreiche Ordensangehörige und Kleriker verloren ihr Leben. Die Gewaltausbrüche gegen den Klerus haben viel zur Bitterkeit zwischen den spanischen Parteiungen beigetragen und wurden ein Leitmotiv des spanischen Kampfes der Liberalen gegen die Konservativen, das über die Semana Trágica bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg noch oft neu inszeniert werden sollte.
1835 schien die Sache der Cristinos verloren zu sein. Zumalacárregui kontrollierte fast ganz Spanien nördlich des Ebro, und seine Armee umfasste 30.000 Mann, deren Kampfkraft und Moral weit besser war als die der Regierungstruppen. In Andalusien drang der carlistische General Gomez vor. Zumalacárregui plante nun, seine Kräfte zusammenzuziehen und direkt auf Madrid zu marschieren - ein Plan, der, wenn er umgesetzt worden wäre, gute Aussichten gehabt hätte, dem Prätendenten die Kontrolle über die Hauptstadt zu verschaffen. Carlos (V.) wünschte allerdings zur Lösung der Nachschubfrage zunächst die Kontrolle über einen Seehafen zu erlangen, und so wurde Zumalacárregui angewiesen, Bilbao zu belagern. Zumalacárregui zog sich hierbei am 14. Juni 1835 eine an sich ungefährliche Wunde an seiner Wade zu, als er von einer verirrten Kugel getroffen wurde. Er verlangte nach seinem englischen Leibarzt, der diese Wunde wohl unschwer hätte kurieren können, doch sandte ihm Carlos seine eigenen Ärzte, unter deren Behandlung Zumalacárregui am 24. Juni 1835 starb. Unter den Carlisten wurden deshalb Gerüchte laut, dass Zumalacárregui vergiftet worden sei.
Der Erste Carlistenkrieg zeigt auch insoweit Parallelen zum Spanischen Bürgerkrieg von 1936, als sich auf beiden Seiten gewissermaßen Internationale Brigaden zeigten. Beide Parteien des gerade in den Jahren vor Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs in Portugal ebenfalls zwischen Liberalen und Absolutisten ausgetragenen Miguelistenkriegs griffen in den Krieg ein, um der jeweils eigenen Sache auf der spanischen Seite beizustehen. Auf carlistischer Seite bildeten portugiesische Einheiten sogar eine eigene Kompanie. Ferner galt die Sympathie der Heiligen Allianz der Carlistenbewegung. Auch einige englische Freiwillige schlossen sich den Carlisten an, und manche englische Tories lieferten Waffen und erschienen zu Besuchem in Carlos' Lager, wobei sie aber nach Verkündung des Dekrets von Durango ihre Hilfe wieder einstellten (Brenan weist darauf hin, dass es sich hierbei um dieselben englischen Konservativen handelte, welche zu Hause in England die Emanzipation der Katholiken bekämpften). Auf der Seite der spanischen Regierung hingegen griffen britische Hilfstruppen mit fast 10.000 Mann und die französische Fremdenlegion unter Colonel Bernelle in die Kämpfe ein. Die Fremdenlegion verzeichnete jedoch so viele Deserteure, dass die Carlisten aus ihnen eine eigene Truppe, die sogenannten Argelinos, aufstellen konnten. Für die Cristinos erfocht die französische Fremdenlegion die Siege von Terapegui 1836 und Huesca 1837. Nach Ende des Ersten Carlistenkriegs hatte die Fremdenlegion die Hälfte ihrer Mannschaft verloren.
1837 erschienen die Carlisten unter der Führung Carlos' (V.) schließlich noch vor Madrid. Allerdings blieb der erhoffte Aufstand in der Stadt aus, und die Hauptstadt konnte nicht genommen werden. In diesem Jahr gelang (am 14. Oktober) dem christinischen General Baldomero Espartero der Sieg in der Entscheidungsschlacht von Huerta del Rey, wonach er Schritt für Schritt die nördlichen Provinzen wieder unter Regierungskontrolle zu bringen begann. Zugleich begann sich Uneinigkeit im carlistischen Lager auszubreiten. Der carlistische General Maroto, der erst Jahre nach Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs zu den Carlisten gestoßen war, geriet wegen seiner gemäßigten Haltung mit den Apostólicos in Konflikt - was mit der von ihm angeordneten Erschießung der apostolischen Generäle endete.
Beendet wurde der Erste Carlistenkrieg, als sich Ermüdungserscheinungen auf beiden Seiten zeigten. Die Kommandeure der sich gegenüberstehenden Seiten - nämlich auf Seite der Carlisten General Rafael Maroto, der die Rache der Apostólico fürchtete, und auf der Seite der Cristinos General Baldomero Espartero - waren von ihrer früheren Tätigkeit in Südamerika her miteinander bekannt und befreundet. Beide Generäle einigten sich am 31. August 1839 in einem freundschaftlichen Gespräch, dem so genannten abrazo de Vergara (Verbrüderung von Vergara), über die Köpfe der Regentin und des Prätendenten hinweg auf eine Einstellung der KampfhandlungenWikisource: Convenio de Vergara (span.), woraufhin eine Anzahl der carlistischen Regimenter die Kampfhandlungen einstellte. Obwohl der abrazo und seine geheimen Waffenstillstandsvereinbarungen von zahlreichen anderen Carlisten als Verrat angesehen wurde, ging Don Carlos auf Druck Marotos am 15. September 1839 ins Exil auf das Schloss Bourges in Frankreich, wo er noch jahrelang in halber Gefangenschaft lebte, bis er 1845 auf seinen Thronanspruch verzichtete. Die Kämpfe erstarben allmählich, und als der letzte Widerstand des Generals Cabrera durch dessen Verbtreibung nach Frankreich am 15. Juli 1840 erstickt werden konnte, hatten die Liberalen die Oberhand behalten.
Den Basken wurde nach dem Ersten Carlistenkrieg ein bedeutender Teil ihrer fueros genommen. Sie behielten jedoch die Steuer- und Zollhoheit, und man nahm sie weiterhin vom Militärdienst aus.
Der Sieg der liberalen Seite war allerdings - davon abgesehen, dass der Konflikt zwischen Absolutisten und Liberalen nicht endgültig entschieden und keineswegs ausgeräumt war - nicht ganz vollständig, da den aufständischen Provinzen weiterhin die alten Vorrechte zugesichert wurden und den meuternden carlistischen Offizieren der Übertritt in die Reihen der spanischen Armee unter Wahrung ihres Dienstgrads und ihrer vollen Bezüge erlaubt wurde. Diese Lösung legte allerdings für ein volles Jahrhundert den Grund für den krassen Offiziersüberhang in der spanischen Armee - und damit für ihren Prätorianismus und die zahlreichen pronuniciamientos, von welchem Spanien bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg geplagt wurde.
Aus dem Ersten Carlistenkrieg ging letzten Endes der General Espartero als lachender Dritter und als Sieger hervor. Er trieb 1841 die (nach überstandener Gefahr sich umgehend wieder den reaktionären Kräften zuneigende) Königinmutter vorübergehend ebenfalls ins Exil und wurde bis 1843 (und nochmals ab 1854) zum "starken Mann" Spaniens.
Die Zählung der Carlistenkriege ist uneinheitlich. Gelegentlich wird der Krieg der Matiners nicht als eigener Carlistenkrieg in der Reihe gezählt und der Krieg von 1872 als der Zweite Carlistenkrieg bezeichnet.
Der Krieg der Matiners (auf Katalanisch guerra dels matiners, etwa: Krieg der Frühaufsteher) bezieht seinen Namen von einer Gruppe von Carlisten, die in Katalonien in der Erwartung losschlugen, dass sich wie im Ersten Carlistenkrieg die carlistischen Hochburgen ihnen anschließen würden, als diese tatsächlich jedoch dazu noch nicht bereit waren. Der Konflikt spielte sich darum hauptsächlich in Katalonien ab. An der Spitze der Truppen stand General Ramón Cabrera y Griño, welcher unter den Carlisten Ansehen genoss, da er während des ersten Carlistenkriegs auch nach dem abrazo de Vergara die Waffen nicht niedergelegt hatte und darum 1840 von den Cristinos samt seinen Truppen nach Frankreich vertrieben worden war. In der Schlacht von Pastoral von 1849 wurde Cabrera verwundet vom Schlachtfeld getragen und floh im April dieses Jahres nach Frankreich, während die Regierungstruppen dem Aufstand noch im darauf folgenden Mai ein Ende setzten.
Ein begrenzter Aufstand der Carlisten fand ferner 1855 statt, als der Prätendent Carlos (VI.) zu den Waffen rief, aber nur örtlich begrenzte Unruhen auslösen konnte.
Dieser Umstand und die Folge seiner Abdankung - die Prätendentenrolle fiel seinem liberalen Bruder Juan (III.) Carlos zu, der den carlistischen Idealen kritisch gegenüberstand – führte zu einer bedrohlichen Krise des Carlismus, zumal Carlos (VI.) seinen Verzicht nach dem Verlassen Spaniens widerrief, da er unter Zwang erwirkt worden sei. Damit hatte die carlistische Bewegung bis zu Carlos' (VI.) Tod zwei Prätendenten. Diese Krise wurde nur dank des Einsatzes der Stiefmutter beider Prätendenten, der Prinzessin von Beria, überstanden; sie endete erst, als Juan 1868 zugunsten Carlos (VII.) zur Abdankung gezwungen wurde.
Die Carlisten, deren Selbstbewusstsein sich nach dem Fall Isabellas und infolge der Unterstützung durch Papst Pius IX. sehr gehoben hatte, stellten als reguläre politische Partei in den Cortes 1871 etwa 90 Abgeordnete, womit sie bei weitem die stärkste konservative Kraft waren. 1872 fanden Wahlen statt; sie endeten damit, dass die Carlisten erhebliche Stimmverluste hinnehmen mussten. Der Prätendent Carlos (VII.) gelangte zu der Überzeugung, den Thron nur durch Waffengewalt besteigen zu können, und richtete am 15. April ein Manifest an seine Anhänger. So entfesselte er den Dritten Carlistenkrieg, der sich bis in das Jahr 1876 hinzog.
Am 14. April 1872 rief Carlos zum allgemeinen Aufstand auf. In Navarra und im Baskenland erhoben sich die Carlisten, und aus Frankreich stieß der Prätendent hinzu. Am 4. Mai 1872 - gerade zwei Tage nach Eintreffen des Prätendenten in Spanien - kam es in Navarra zur ersten größeren Schlacht, als Regierungstruppen unter der Führung des Generals Domingo Moriones in Oroquieta eine ungleich größere Zahl von Carlisten schlugen, wobei Carlos aber über Roncesvalles die Flucht nach Frankreich gelang. Die baskischen Carlisten legten vorübergehend die Waffen nieder. Nun erhob sich jedoch Katalonien, von wo aus die Rebellion erneut auf Navarra und das Baskenland übergriff. Eine carlistische Armee, deren Mannschaftsstärke 50.000 Mann betrug, wurde bis 1873 auf die Beine gestellt.
Carlos VII - III. Carlistenkrieg.jpgAls König Amadeus am 11. Februar 1873 des Throns entsagte, wurde die Erste Republik ausgerufen, welche den Kampf gegen die Carlisten fortführte. Erst jetzt, am 15. Juni, wagte sich Carlos sich von Bayonne kommend wieder auf spanischen Boden, um am 2. August in Gernika auf die baskischen Fueros zu schwören und die Stadt Estella als Sitz seines Hauptquartiers zu wählen.
Die Carlisten kämpften an vielen Fronten, insbesondere in Navarra und Katalonien, durchaus siegreich, aber wiederum mit großer Grausamkeit, wozu das Füsilieren ihrer Kriegsgefangenen gehörte. Obwohl sie viele, auch kriegserfahrene Freiwillige für sich gewinnen konnten, mangelte es an Ausrüstung und an Kenntnissen über die Kunst der Belagerung von Städten. So scheiterten die Carlisten erneut vor der Festung Bilbao, welche von den republikanischen Truppen nach sechs Monaten der Belagerung entsetzt wurde. Mit diesem Erfolg der Republik begann das Blatt sich zu wenden, und die republikanischen Truppen konnten die Initiative an sich reißen. Auch Pamplona blieb 1875 den Carlisten trotz Belagerung verschlossen. Hinzu kam, dass sich in den Reihen der Carlisten eine Reihe autonom agierender Heerführer fanden, die sich den Anweisungen der Hauptmacht nicht fügten.
Bereits im Jahr 1875 aber fand die Republik, unter welcher die Anarchie in Spanien - der Dritte Carlistenkrieg war nur einer von mehreren zur gleichen Zeit stattfindenden Erhebungen in Spanien - stetig zugenommen hatte, nach Besetzung und Auflösung der Cortes ein Ende. Nach den Erfahrungen mit aus dem Ausland importierten Fürsten und der Republik wollte man es wieder mit einem einheimischen Fürsten versuchen. Da sich die progressiven Generäle begreiflicherweise nicht für Carlos (VII.) begeistern konnten, kam es zur Inthronisierung des ältesten Sohns Isabellas, Alfons XII.. Unter der Herrschaft Alfons' stellte die Armee im Februar 1876 unter den Kommandanten Jovellar und Martinez Campos durch ihre Siege gegen die Carlisten in Trevino (7. Juli 1875) und Montejurra (17. Februar 1876) die Einheit des Staates wieder her. Nach der verlorenen Schlacht von Montejurra und der Einnahme seines Hauptquartiers in Estella zwei Tage später flüchtete der unterlegene Carlos (VII.), der eine Entscheidungsschlacht vermied und stattdessen seine Anhänger von ihrem Eid entband, wiederum über Roncesvalles nach Frankreich. Der dritte Carlistenkrieg endete durch Kapitulation der carlistischen Regimenter am 25. Februar 1876.
Montejurra, wo die Carlisten die letzte Hoffnung fahren lassen mussten, wurde zu einer Art Wallfahrtsort der carlistischen Bewegung, wo traditionell bis heute ihre Treffen stattfinden.
Dem Baskenland wurden nach Ende des Dritten Carlistenkriegs die fueros endgültig genommen. Ihm blieben lediglich einige Steuervorteile nach den Bestimmungen des mit Madrid vereinbarten concierto económico („Wirtschaftskonzert“), welches den Basken die Erhebung regionaler Steuern und die Zahlung einer Pauschale an die spanische Staatskasse einräumte.
Wenngleich die carlistische Bewegung in allen militärischen Konflikten unterlag, konnte sie mit ihrer mächtigen Opposition (und alleine schon mit ihrer nie aufgegebenen Option militärischen Vorgehens) in mancher Beziehung doch das völlige Obsiegen liberaler Ideen verhindern. Auch obgleich das liberale Zentrum Spaniens 1836 die Orden und 1841 die Kirche enteignete, geschah das doch gegen das Zugeständnis, dass der Staat für den Unterhalt der Kirche und der Geistlichkeit aufkam und sie seinem besonderen Schutz unterstellte. Im Konkordat von 1851 entspannte sich die Lage weiter, als zwar die Kirche endgültig auf den enteigneten Besitz verzichtete und die Krone das Patronatsrecht der Bischofsernennung behielt, andererseits aber die katholische Konfession als "Religion der spanischen Nation" anerkannt wurde und der Staat für Religionsunterricht in den Schulen zu sorgen hatte. Waren die Carlisten auch im Zuge der Verhandlungen über die Verfassung von 1869 insoweit unterlegen, als sie einen darin enthaltenen Glaubensfreiheitsartikel nicht verhindern konnten, so wurde nach dem Dritten Carlistenkrieg in der Verfassung von 1876 der Katholizismus wie bereits 1812 wieder zur Staatsreligion erklärt und die Kirche sukzessive in ihre alten Rechte wieder eingesetzt. In einer sich - wie überall in Europa - wandelnden Gesellschaft führte dies jedoch auch dazu, dass die katholische Kirche in den Augen der Arbeiterbewegung als Verbündete der herrschenden Klassen und damit als Klassenfeind wahrgenommen wurde.
Daher war der Dritte Carlistenkrieg bereits eine weniger machtvolle Erhebung gewesen als der Erste Carlistenkrieg. Die Enteignungen während des Ersten Carlistenkriegs und die Regelungen des Konkordats führte dazu, dass die Kirche ihre eigene wirtschaftliche Basis entweder verlor oder vom Staat entgegenzunehmen hatte. So nahm sie - anders als früher, als sie daran mitgewirkt hatte, Spanien zu einem der egalitärsten Staaten Europas zu machen, in welchem Besucher sich darüber entsetzten, wie selbst arme Schlucker Adelige auf der Straße ohne jeden Respekt begegneten - erstmals Rücksicht auf die Oberschicht, um sich gut mit ihr zu stellen, während es sich in vergangenen Jahrhunderten eher umgekehrt verhalten hatte. In den Augen der unteren Schichten aber hatte die Kirche sich von ihnen abgewandt und war habgierig geworden.
Diese neue Sicht setzte sich weniger im Baskenland durch, das eine Landschaft unabhängiger Klein- und Großbauern war, als vor allem in der Tagelöhnerwirtschaft des Südens, welche sich von einem Leibeigenensystem nicht wesentlich unterschied. Denn die langfristigen Folgen der Kirchenenteignung von 1835 waren noch in anderer Hinsicht weitreichend. Der Kirchenbesitz wurde zu so verlockenden Preisen angeboten, dass die obere Mittelschicht ihre Kirchentreue vergaß und sich die ausgedehnten Besitztümer sicherte. Fortan standen die besitzenden Gesellschaftsschichten auf liberaler Seite, da sie nun eine Rückkehr der Kirche in ihre alten Rechte und vor allem ihren alten Besitz zu fürchten hatten. So entstand eine neue Klasse, welche vor allem in Andalusien ihre Latifundien errichtete und vor allem in der alfonsinischen Ära in den Jahren nach 1874 durch ihr Patronatswesen, den caciquismo, einen politischen und sozialen Druck auf die auf ihren Feldern arbeitenden, verelendeten Tagelöhner ausübte, dass diese für die radikalen Ideen des Anarcho-Syndikalismus empfänglich wurden.
Keiner der Carlistenkriege konnte also den Konflikt, der die spanische Gesellschaft in zwei Teile zerriss, endgültig beilegen - im Gegenteil taten die beteiligten Parteien alles dafür, ihn weiter zu verschärfen. Der Konflikt wurde weniger intensiv, aber - nicht zuletzt infolge der nachlassenden Bindungen an die katholische Kirche - auf einer breiteren Ebene unter Einbeziehung neuerer politischer Ideen wie dem Sozialismus, Anarchismus und Faschismus in Form von pronunciamientos und Erhebungen wie der Semana trágica von 1909 weitergeführt. Spanien blieb bis zum Ende des Spanischen Bürgerkrieges eines der politisch instabilsten Länder in Europa. Nirgendwo wurde der Konflikt zwischen den althergebrachten und den neuen politischen Ideen so unerbittlich und erbarmungslos, mit solchem Hass und solcher Grausamkeit ausgefochten wie hier. Der Begriff der "beiden Spanien" (las dos Españas) für diese Scheidung in zwei unversöhnliche Lager wurde in dieser Zeit geprägt. Der spanische Lyriker Antonio Machado fasste dies in die folgenden Verse:
| Españolito que vienes | Kleiner Spanier, der du auf die |
Bisher hatte der Carlismus sich vornehmlich als eine Art von den Frauen und Priestern am Leben gehaltene romantische Tradition innerhalb bestimmter Familien des nördlichen Spaniens halten können. Nun formte der Marquis von Cerralba die bis dahin weitgehend aus lose organisierten Freiwilligen bestehende carlistische Bewegung in eine moderne Partei um, welche den Namen Comunión Tradicionalista (CT), auf Deutsch "Traditionalistische Glaubensgemeinschaft", trug. Die CT wurde zum Sammelbecken der carlistischen Bewegung. Der Marquis gestaltete nach 1888 - als das „Manifest von Burgos“ als programmatische Grundlage des Carlismus herausgegeben wurde - auch das Vereinsleben und soziale Engagement der Carlisten neu. 1936 gab es in ganz Spanien hunderte Versammlungshäuser der Carlisten, die so genannten "círculos" - Ortsgruppen, "an Spitze... meist ein erlesen höflicher Aristokrat mit der Pistole in der Tasche [stand" (Hugh Thomas). Die carlistische Bewegung entwickelte in dieser Zeit ein umfangreiches Pressewesen. Ihr Zentralorgan war die bereits 1841 gegründete Zeitung „La Esperanza“ (Die Hoffnung).
Nicht zuletzt infolge ihrer Uneinigkeit, von welcher zahlreiche Spaltungen der Bewegung zeugen, blieb die carlistische Bewegung nach dem Dritten Carlistenkrieg jedoch parlamentarisch ohne besondere Bedeutung (1891: 4 Sitze in den Cortes, 1896: 10 Sitze; 1901: 7 Sitze; 1907: 4 Sitze).
Während des Ersten Weltkrieges stand der Prätendent Don Jaime ohne Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit der Comunión Tradicionalista, dem politischen Arm der carlistischen Bewegung, in seinem Gastland Österreich unter Hausarrest. Als die Kommunikation nach Kriegsende wieder möglich war, kam es alsbald zum Bruch: war Don Jaime profranzösisch (eben deshalb hatte man ihn in Österreich festgesetzt), so war die politische Leitung der Carlisten während des Kriegs wegen der liberalen Zielsetzungen Frankreichs und Englands strikt prodeutsch gewesen. Darüber kam es zum Konflikt, in welchem die Bewegung sich auf eine neutrale Linie einigte, während die prodeutschen - gleichzeitig auch in Hinblick auf das carlistische Programm reformgeneigten - Anhänger der Bewegung (die so genannten Mellisten, nach ihrem Anführer Juan Vazquez de Mella) aus der Partei ausgeschlossen wurden.
Nach dem Dritten Carlistenkrieg beschränkte sich das Stammgebiet der Carlisten zunehmend auf Navarra. Im Baskenland und in Katalonien brachte der wirtschaftliche Aufschwung ein Unternehmertum hervor, welches einen westlichen, marktwirtschaftlichen Lebensstil und die dazugehörigen wirtschaftlichen und politischen Freiheiten anstrebte. Die Carlisten spielten jedoch während des Semana Trágica genannten katalonischen Aufstands von 1909 noch eine Rolle, als sie in Barcelona in die Straßenkämpfe eingriffen.
In Katalonien kam hinzu, dass die traditionelle Klientel der Carlisten, die Arbeiter und Bauern, sich zunehmend weniger konfessionell gebunden fühlte. Sie machten sich zumeist auch die Abneigung der Liberalen gegen den Klerus und die kirchlichen Institutionen zu eigen und wandten sich dem Kommunismus und Anarcho-Syndikalismus zu.
Die Einwohner des ländlichen Baskenlands (mit Ausnahme allenfalls der Provinz Álava, die länger carlistisch geprägt blieb als die beiden Küstenprovinzen) dagegen schlossen sich überwiegend der durch Sabino Arana Goiri begründeten nationalbaskischen Bewegung an. Diese wünschte, vereinfacht ausgedrückt, den auf das gesamte Spanien bezogenen carlistischen Gedanken, die Autorität des Königs und der Kirche zu bewahren, zwar weitgehend beizubehalten, aber auf das Baskenland alleine zu beschränken.
Nur in Navarra herrschte weiterhin eine freie Bauernschaft vor, die streng katholisch war, den Liberalen in Madrid grundsätzlich und in allen Belangen misstraute und aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen die moderne Welt weitgehend ablehnte. Bezeichnenderweise verwarf diese Provinz später auch das ihr angebotene Autonomiestatut der Zweiten Republik, welches im Baskenland und in Katalonien mit großer Mehrheit angenommen wurde. Für Navarra waren eine von einer Republik gewährte Autonomie und die ihnen von alters her zustehenden fueros nicht dasselbe. Es bleibt zu vermerken, dass selbst noch heute der navarresischen Regionalhymne auszugsweise die folgenden Zeilen entnommen werden können:
| Por Navarra... | Für Navarra... |
Es-car36.gifDie Zweite Republik (1931-1936) kam zwar den Randprovinzen mit der Einräumung weitgehender Autonomien weit entgegen. Gleichwohl standen die Carlisten dem Chaos und den Ausbrüchen allseitiger politischer Gewalt in Madrid sowie den nach ihrer Auffassung einseitig kirchenfeindlichen und ideologisch diktierten Maßnahmen, die die Zweite Republik aufgrund ihres laizistischen Selbstverständnisses von 1931 bis 1936 in reicher Zahl traf, mit größtem Ressentiment gegenüber. Aber auch abgesehen von diesen Handlungen (wie der Einführung der Zivilehe und der Ehescheidung, der Aufhebung der Ordensschulen und des erneuten Verbots der Gesellschaft Jesu) sahen die Carlisten getreu ihren hergebrachten staatsrechtlichen Vorstellungen die Republik an sich, die sich dazu mit dem Himno de Riego das Kampflied der konstitutionellen Aufständischen des Jahres 1820 als Nationalhymne zu eigen gemacht hatte, ohnedies als illegitim an und waren alleine schon deswegen nicht bereit, sich mit ihr abzufinden.
Hinzu kamen bereits im Vorfeld des Spanischen Bürgerkrieges zahlreiche gewalttätige Angriffe gegen den Klerus und Brandanschläge gegen spanische Kirchen meist von anarchistischer Seite, welche von der politischen Leitung der Republik oft nur mit einem Achselzucken quittiert wurden. Eine am 10. Mai 1931 in Madrid stattgehabte monarchistische Ohrfeige für einen republikanischen Taxifahrer etwa schaukelte sich im selben Monat zu einer sich durch Spanien ziehenden Brandstiftungswelle an Kirchen und Klöstern auf. Hierauf ließ sich der Kriegsminister Manuel Azaña mit dem Spruch vernehmen, lieber sollten alle Kirchen brennen, als dass einem Republikaner ein Haar gekrümmt werde. Diese und andere Zwischenfälle polarisierten die spanische Gesellschaft weiter und trugen dazu bei, auch die nichtcarlistischen kirchentreuen Spanier zum Widerstand zu reizen, was den Carlisten zwischen 1931 und 1936 großen Zulauf bescherte. Ferner fanden die Mellisten zu den Carlisten zurück.
Mehrere hochrangige Anführer der Comunión Tradicionalista unterstützten bereits 1932 das gegen "die kirchenfeindliche Diktatur Azañas" gerichtete pronunciamiento des Generals José Sanjurjo Sacanell, und auch bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs sahen die Carlisten nicht nur keinen Anlass, die Hand zur Verteidigung der Republik zu erheben, sondern wirkten im Gegenteil bei der Planung des pronunciamiento vom Juli 1936 tatkräftig mit.
Auf der Seite Nationalspaniens kämpften die Carlisten zur "Wiederherstellung der alten (Welt) mit Maschinengewehr und Meßbuch" (Hugh Thomas) mit etwa 50 banderas (Kompanien) gegen die Volksfront, viele von ihnen mit der detente bala (Stopp-die-Kugel) über dem Herzen, einem für die Carlisten typischen Amulett mit einer Abbildung des "Herz Jesu". Mit 40.000 Freiwilligen diente nicht weniger als ein Zehntel der navarresischen Bevölkerung als brigada de Navarra unter den carlistischen Fahnen. Die Verlustlisten der Carlisten erwähnten unter anderem schwer verletzte Fünfzehnjährige. Brenan vertritt die Ansicht, dass die Carlisten - anders als nach seiner Auffassung selbst die Falange - die einzigen wirklich motivierten und für eine cruzada zu begeisternden Kämpfer auf der Seite Francos waren.
Bald aber gerieten sie in Streit mit der militärischen Führung der nationalspanischen Koalition, wobei Manuel Fal Conde nach einer Auseinandersetzung mit Francisco Franco nach Portugal verbannt wurde. Die Carlisten waren über diese Behandlung ihres Anführers erbost und stellten Kontakte mit einigen Anführern der faschistischen Falange her, die mit Franco ebenfalls nicht einverstanden waren. Mit der Falange konnte trotz der erheblichen Unterschiede zwischen beiden Bewegungen immerhin im Hinblick auf die Ablehnung des Liberalismus, der Demokratie und des "neunzehnten Jahrhunderts" eine gemeinsame Basis gefunden werden. So wurde Fal Conde in Portugal der Vorschlag unterbreitet, die carlistische und die falangistische Bewegung zu vereinen. Verhandlungen wurden geführt, allerdings gelangten die Carlisten zur Ansicht, dass die Falange im wesentlichen nur darauf aus war, die carlistisch-traditionalistische Bewegung zu schlucken, weshalb sie schließlich eine Verschmelzung ablehnten.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich allerdings bereits Franco mit dem Gedanken einer Verschmelzung der Comunión Tradicionalista mit der Falange angefreundet. Dies geschah infolge der Bemühungen des politischen Beraters Francos, Ramón Serrano Súñer, den Staat der nationalspanischen Koalition unter Franco auf eine theoretische oder sogar ideologische Basis zu stellen. Nach seiner Ansicht konnte keine der Parteien der nationalspanischen Koalition für sich genommen eine solche Basis bieten, und zwar weder die Falange noch die Carlisten - vielleicht aber beide zusammen. Hinzu kam, dass die Ziele der einzelnen Organisationen unterschiedlicher nicht hätten sein können: wollten die Carlisten letztlich auf einen spanischen Staat des 16. Jahrhunderts zurück, so hielt die Falange, der ein "nationaler Syndikalismus" im Sinne eines faschistisch-korporativen Systems vorschwebte, nichts von alldem.
Franco beschloss, Nationalspanien endgültig eine einzige Richtung, und zwar seine eigene, zu geben. 1937 wurde die Comunión Tradicionalista mit der faschistischen Falange Española de las JONS zu der Organisation "Falange Española Tradicionalista y de las JONS", der späteren Staatspartei des Franquismus, zwangsvereinigt. Parteiuniform der "F. E. T. y de las JONS" wurde das falangistische Blauhemd zusammen mit der carlistischen roten Baskenmütze. Haupt dieser Organisation wurde Franco, obwohl er weder Falangist noch Carlist war, womit er beide Organisationen unter seine Kontrolle brachte und so seine Stellung im nationalspanischen Lager ungemein stärkte. Um die interne Opposition weiter zu verwässern, ordnete Franco außerdem an, dass alle Berufs- und Reserveoffiziere automatisch Mitglied dieser Organisation seien. Die "F.E.T. y de las JONS" führte bald darauf den unverbindlicheren Namen Movimiento Nacional, ab 1970 war dies auch der offizielle Name der Staatpartei. Traditionell stand im franquistischen System der Posten des Justizministers einem loyalen Carlisten zu.
Der amtierende Regent, Don Javier, protestierte gegen diese Zwangsvereinigung, zu welcher man ihn gar nicht erst konsultiert hatte, und wurde ebenfalls nach Portugal vertrieben. Obwohl bald darauf die Beteiligung an der Macht nach dem Sieg im Bürgerkrieg über vieles hinweghalf, hielt eine Missgestimmtheit sowohl seitens der Comunión Tradicionalista als auch seitens der Falange gegen diese Zusammenlegung noch durch Jahrzehnte an: da die Parteiuniform der "F.E.T. y de las JONS" sich aus dem blauen Hemd der Falange und der roten Baskenmütze der Carlisten zusammensetzte, pflegten die Falangisten die Mütze bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Tasche zu stecken, und viele Carlisten zogen es vor, zu offiziellen Anlässen der Bewegung lieber in Zivil als im blauen Hemd zu erscheinen.
Alfonso Carlos, der letzte Prätendent des carlistischen Zweiges der Bourbonen, hatte kurz vor seinem Tod noch selbst Prinz Francisco Javier de Borbón-Parma als Regenten bestimmt, da dieser der am nächsten verwandte Bourbone war, der die carlistischen Ideale hochhielt. Francisco Javier - ein Bruder Zitas, der letzten österreichischen Kaiserin - kehrte während des Zweiten Weltkriegs nach Belgien zurück, in dessen Armee er während des Ersten Weltkriegs gedient hatte. Dort wurde er demobilisiert, woraufhin er sich dem französischen Widerstand anschloss. Von den Nationalsozialisten gefangen genommen, wurde er in Natzweiler und Dachau interniert, wo die amerikanischen Truppen ihn 1945 befreiten. Nach der Wiedereinführung der Monarchie im Jahr 1947 verkündete Francisco Javier im Jahr 1952 als Javier (I.) öffentlich seinen Anspruch auf den spanischen Thron und begründete somit die zweite carlistische Dynastie der Borbón-Parma.
Dieser Rang wurde ihm und seinem Sohn Carlos-Hugo de Borbón-Parma von Juan, Graf von Barcelona und Vater des derzeitigen Königs von Spanien, Juan Carlos I. (Spanien), streitig gemacht, weil Francisco Javier unstandesgemäß geheiratet hatte und außerdem - ebenso wie Carlos-Hugo - nicht die spanische Staatsbürgerschaft besaß. Franco selbst äußerte sich nicht zu den Ansprüchen Francisco Javiers und Carlos-Hugos, weil dies seinen Bestrebungen entgegen kam, Uneinigkeit unter den spanischen Monarchisten zu stiften. Insbesondere war Franco daran gelegen, dass sich die spanischen Monarchisten nicht hinter dem Grafen von Barcelona vereinten, welcher sich ausdrücklich für die Schaffung einer parlamentarischen Demokratie ausgesprochen hatte, während Franco von einem künftigen König die volle Identifizierung mit dem "Movimiento Nacional" erwartete.
Obwohl der Umstand, dass ihnen keine spanische Staatsbürgerschaft zukam, keineswegs unumstritten war (der nie aufgelöste Vertrag von Aranjuez von 1801 sicherte allen Prinzen von Borbón die spanische Staatsbürgerschaft zu), stellten Francisco Javier und Carlos-Hugo einen Antrag auf Einbürgerung. Franco tat das Seine, eine Entscheidung über diesen Antrag immer weiter hinauszuzögern (zu einer Einbürgerung kam es im Falle Carlos-Hugos darum erst am 5. Januar 1979). Davon abgesehen ließ er keine Gelegenheit verstreichen, die verschiedenen Thronanwärter gegeneinander auszuspielen. Als etwa Juan Carlos sich 1962 zu seiner Heirat nach Athen begab, lud Franco den inzwischen in Madrid lebenden Carlos-Hugo zu einem Treffen ein, wonach er den Grafen von Barcelona wissen ließ, dass er sich nun einen anderen Kandidaten überlegt habe. Allerdings begann Carlos-Hugo in diesen Jahren von Franco abzurücken und griff Juan Carlos als dessen angebliche Marionette an. Juan, den Grafen von Barcelona, bezeichnete er als Liberalen, Zentralisten sowie als Günstling des Kapitalismus und des Establishments. Carlos-Hugos Anhänger sahen sich deshalb dazu veranlasst, Juan Carlos bei öffentlichen Auftritten mit faulem Gemüse zu bewerfen.
1964 heiratete Carlos Hugo Prinzessin Irene von Oranien-Nassau. In den Flitterwochen ließ sich Irene in einem Bikini ablichten, einem Kleidungsstück, welches in Spanien damals als obszön betrachtet wurde. Franco nutzte die öffentliche Empörung, um Carlos-Hugo dadurch herabzusetzen, dass er die Einladung zu einer Audienz mit "Prinzessin Irene der Niederlande und ihr Mann" übertiteln ließ. Daraufhin brach Carlos-Hugo sowohl mit Franco als auch mit seinem traditionalistischen Vater und begann, einen linken Kurs zu verfolgen. In der Volksabstimmung von 1966, welche einer Verfassungsreform (Ley Orgánica del Estado) galt, rief Francisco Javier seine Anhänger dazu auf, mit "Ja" zu stimmen. Carlos-Hugo stellte daraufhin seinen Vater dadurch bloß, dass er ihm öffentlich die "Legitimität durch Taten" absprach. Damit war der Bruch innerhalb der carlistischen Bewegung besiegelt. Francisco Javier tat ein Weiteres und bekundete seine Unterstützung für den baskischen und katalanischen Separatismus. Franco, dem das zuviel war, ließ daraufhin alle Prinzen von Borbón-Parma aus Spanien ausweisen. Carlos-Hugo und mit ihm seine Anhänger verfolgten nach seinem Bruch mit Franco 1967 die Idee eines partikularistischen Sozialismus.
Letztlich zerschlugen sich die Hoffnungen der Carlisten erneut, als Franco sich unter den vielen in Frage kommenden Prätendenten für den Enkel Alfons' XIII., Juan Carlos, entschied.
Alles dies führte zu einer irreparablen Spaltung der seit ihren Ursprüngen konservativ-katholischen Carlistenbewegung. Die Anführer der carlistischen Bewegung forderten Carlos-Hugo dazu auf, sich für ihre traditionalistische Linie auszusprechen. Als Carlos-Hugo darauf nicht reagierte, erklärten sie ihn seines Rechts auf Führerschaft für verlustig. Carlos-Hugo verwahrte sich allerdings dagegen, auf irgendein Recht verzichtet zu haben. Die Bewegung teilte sich nunmehr offiziell in den "Partido Carlista" Carlos-Hugos und verschiedene - von seinem Bruders Sixto angeführte - traditionalistische Gruppen, die sich 1986 unter Sixto zur weit rechtsgerichteten "Comunión Tradicionalista Carlista" (CTC) vereinigten.
Jedenfalls unmittelbar nach Francos Tod standen sich beide carlistischen Gruppierungen derart feindselig gegenüber, dass traditionalistische Carlisten unter Don Sixto, die angeblich von ihnen nahe stehenden Kreisen - die Rede ist von einer Beteiligung von Gladio - unterstützt wurden, mit einem Bombenanschlag auf eine Versammlung der PC auf dem Montejurra im Jahr 1976, der zwei Todesopfer forderte, in Verbindung gebracht wurden.
Sixto Enrique de Borbón-Parma beanspruchte die Anführerschaft der carlistischen Bewegung und nahm für sich in Anspruch, der legitime Prätendent zu sein. Beide beriefen sich auf ihren am 7. Mai 1977 verstorbenen Vater. Die Hintergründe sind unklar. In einem Manifest vom 4. März 1977 verurteilte Francisco Javier (angeblich auf nachdrückliches Betreiben Sixtos) die immer linkere Politik Carlos-Hugos, während - nachdem Carlos-Hugo seinen Vater aus dem Hospital geholt hatte - ein drei Tage später verfasstes Papier Carlos-Hugo als Erben auch in Hinblick auf den Thronanspruch bezeichnete. Die Mutter beider Prätendenten hielt jedenfalls zu Sixto und ging so weit, Carlos-Hugo von ihrem eigenen Begräbnis 1984 auszuschließen.
Eine anhängerstarke Bewegung blieben die Carlisten noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Bereits bei den ersten freien Wahlen 1977 zeigte sich allerdings, dass die Carlisten infolge ihrer Selbstlähmung durch Uneinigkeit im Zuge nur eines Jahrzehnts politisch in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht waren. Der PC blieb eine Splitterorganisation, welche 1977 etwa 8.500 Mitglieder zählte, und brachte es sogar im navarresischen Regionalparlament 1979 lediglich auf 4,79% der Stimmen und einen einzigen Sitz, war ab 1983 dort nicht mehr vertreten und fährt inzwischen als Splitterpartei weit unter 1% der Stimmen ein - 2003 waren es 0,34% der Stimmen.
Es gibt Ansichten, dass dieser Niedergang der carlistischen Bewegung nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen ist, dass dem amtierenden König Juan Carlos I. nach der Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Spanier in weit höherem Maße als jedem Prätendenten Legitimität zukommt. Diese Legitimität habe Juan Carlos spätestens durch seinen Einsatz für die Transition Spaniens, die Einführung der parlamentarischen Demokratie, ihre Verteidigung gegen den Putschversuch von 1981 sowie durch seine Mitwirkung an der föderativen Verfassung erworben, während die Prätendenten hauptsächlich durch nicht mehrheitsfähige politische Ansichten und nicht enden wollenden Familienzwist von sich reden machten.
1980 zog sich Carlos-Hugo aus der Politik zurück und trat aus dem Partido Carlista aus, ohne jedoch seine Ansprüche auf den Thron aufzugeben. 1981 erfolgte die Scheidung von Prinzessin Irene, mit welcher Carlos-Hugo vier Kinder hatte.
Im Jahr 2000 setzte eine gewisse Wiederbelebung des PC ein, welcher in den Kommunalwahlen im Jahr 2003 in zehn Navarreser Gemeinderäte einziehen konnte. Im Jahr 2005 bekannte sich der PC auf dem Bundeskongress zu Tolosa erneut zur regionalen Selbstbestimmung und sprach sich gegen eine europäische Verfassung aus.
Die Carlisten galten jedenfalls in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend als Partei des niederen Adels, waren aber bei ihrem zahlenmäßig beachtlichen Anhang bei den Bauern und Arbeitern auf diese Gruppe keineswegs beschränkt. Sie waren streng katholisch und tief konservativ - Teile von ihnen so sehr, dass sie im Zuge des Dritten Carlistenkriegs Bahnhöfe als neumodische Abscheulichkeiten angriffen. Ihr von den reformerischen Mellisten geprägtes Programm von 1897 nahm zwar Abstand von einem absolutistischen Staat, forderte jedoch auch weiterhin regionale Selbstbestimmung bei Einheit Spaniens unter dem Zeichen des Katholizismus, eine monarchische Staatsform, Wiedereinführung der Aristokratie in ihre traditionellen Funktionen und soziales Engagement im Sinne der katholischen Soziallehre in Übereinstimmung mit den betreffenden päpstlichen Enzykliken. Der Carlismus fasste sich als bestimmende Kraft des so genannten Conservadurismo (spanischer Konservativismus) auf und neigte je länger, desto mehr zu einer autoritären Staatsführung und zum Korporativismus. Als Monarchisten lehnten die Carlisten die Idee der Volkssouveränität ab, propagierten aber keine diktatorische, sondern eine durch Glaube, Sitte und Gesetz eingehegte Königsherrschaft. Sie wandten sich vielmehr explizit gegen Despotismus: Sobre el Rey está el Ley, „über dem König steht das Gesetz“, womit in erster Linie das unabänderliche Naturrecht und die ungeschriebenen Grundsätze guten und gerechten Regierens gemeint waren. Die politischen Vorstellungen der Carlisten brachten sie selbst am besten in ihrem eigenen Text auf den Punkt, welchen sie zur Marcha Real sangen:Vollständiger Text der carlistischen Fassung der Marcha Real (span.)
| ''Viva España, gloria de tradiciones, con la sola ley que puede prosperar. | ''
Es lebe Spanien, der Ruhm des Althergebrachten, mit dem einzigen Gesetz, das Gedeihen verheißt. |
Die Carlisten galten als (auf ihre jeweilige Heimatprovinz bezogen) betont patriotisch, ohne Nationalisten zu sein.
Der Einfluss dieser die spanische Geschichte durch mehr als ein Jahrhundert nachhaltig prägenden Bewegung auf das heutige Spanien war vielfältig. Der baskische Nationalismus hat carlistische Wurzeln. Carlisten gründeten ferner mit den "Sindicatos libres" die ersten christlichen Gewerkschaften Spaniens.
Die mächtigste gesamtspanische Institution des alten Spaniens, die Inquisition, war von der Kirche kontrolliert worden und eine wesentliche Stütze ihrer Macht. Auch obgleich sie in den letzten vierzig Jahres ihres Bestehens keine Todesstrafe mehr verhängt hatte (die letzte Hexenverbrennung fand 1781 statt), war ihre politische Macht bis in die Zeiten der Regierung Ferdinands VII., der sie auf Druck Frankreichs abschaffte, noch immer enorm und reichte bis in den Hofstaat des Königs hinein. Ferner wurde alleine der Inquisition zugetraut, mit der Freimaurerei fertig zu werden und den Liberalismus aus Spanien zu verbannen, und es verwundert nicht, dass noch bis in das 20. Jahrhundert eine der Hauptforderung der Carlisten lange Zeit die Wiedereinrichtung der Inquisition war, von der sie als von dem ehrwürdigsten, von Engeln vom Himmel auf die Erde gebrachten Tribunal sprachen.
Im wesentlichen machten vier Elemente die gesellschaftspolitischen Vorstellungen aus, auf welche die Carlisten hinaus- oder besser zurückwollten: religiöse Einheit des Volks, ein auf religiösen Glaubenssätzen aufgebautes staatliches und gesellschaftliches System, Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat und Freiheit der Kirche. Bezeichnenderweise verbanden die Carlisten bei ihren Zusammenkünften stets politische mit religiösen Elementen. Einer politischen Ansprache pflegte das Lesen einer Messe voranzugehen.
Die carlistischen Vorstellungen vom Staatswesen waren dem Mittelalter entlehnt. Eine Trennung von Kirche und Staat war dort nicht vorgesehen. Zudem konnte die Religion keine Privatsache sein, denn die katholische Konfession und die christlichen Werte waren nach carlistischer Auffassung das Fundament der Gesellschaft. Hierzu wurde im Rückgriff auf das spanische Mittelalter die völlige konfessionelle Einigkeit des spanischen Volkes als erforderlich angesehen, und die Inquisition sollte die religiöse Einheit des Volkes verbürgen. Aus diesem Grund lehnte der Carlismus Religionsfreiheit strikt ab. Dass im Zuge des Entwurfs der Verfassung von 1869 die Carlisten in den Cortes im Streit um die Gewährung der Religionsfreiheit unterlagen, wird deswegen als einer der Gründe für den erneuten Griff zu den Waffen wenige Jahre später angesehen.
Die Carlisten sahen die politische Entwicklung Europas im 19. Jahrhundert als die in eine europäische Revolution übergegangene Französische Revolution an, welche ihrer Ansicht nach in allen europäischen Ländern, einschließlich Spaniens, fortwährend im Sinne ihrer politischen Gegner, der Liberalen, am Werk war. In diesem Sinne äußerte sich der Prätendent Carlos (VII.) wie folgt: "Die spanische Revolution ist nur eines der Bataillone der großen kosmopolitischen Revolution. Wesentliches Merkmal der letzteren ist die vollständige Verneinung der Herrschaft Gottes über die Welt; ihr Ziel besteht in der völligen Zerstörung der Grundlagen, welche durch das Christentum hervorgebracht worden sind und auf welchen die menschliche Gesellschaft begründet ist." Die Carlistenkriege sowie der Spanische Bürgerkrieg waren nicht nur politisch motiviert, sondern waren auch religiöse Kreuzzüge. So bezeichneten die Carlisten den Spanischen Bürgerkrieg offen als cruzada (Kreuzzug).
Die carlistische Tracht besteht in roten Baskenmützen (auf baskisch txapelgorri genannt).
Ihre Hymne ist die "Marcha de Oriamendi", benannt nach einer Schlacht des Ersten Carlistenkriegs 1837.
Der Wahlspruch der Carlistenbewegung lautet Dios, Patria, Fueros, Rey („Gott, Vaterland, alte Vorrechte, König“. Man vergleiche das Motto der christkonservativen baskischen Partei EAJ/PNV: Jainkoa eta Lege Zaharrak - „Gott und das alte Recht“). Der Wahlspruch des Partido Carlista allerdings lautet Libertad, Socialismo, Autogestión, Federalismo („Freiheit, Sozialismus, Selbstverwaltung, Föderalismus“).
Die Borbón-Parma sind ein Zweig der Familie, der sich vom Stammhaus bereits im 18. Jahrhundert unter Philipp V. getrennt hat. Letzter gemeinsamer Vorfahr der Stammlinie, der ersten carlistischen Dynastie und der Borbón-Parma war Philipp I. Herzog von Parma, dessen Tochter María Luisa als Ehefrau Carlos' IV. Mutter sowohl Ferdinands VII. als auch des Prätendenten Carlos (V.) war. Abgesehen davon war die Ehefrau Carlos (VII.) eine Borbón-Parma und somit Mutter Jaimes (III.).
Am 30. Mai 1952 erhob Francisco Javier selbst Anspruch auf den Thron und begründete so die zweite carlistische Dynastie:
Als Gegenprätendent der traditionalistischen Richtung der carlistischen Bewegung ist aufgestellt
Daneben gab es eine Anzahl Carlisten, die weder die letztgenannten Prätendenten noch auch Francisco Javier oder Carlos-Hugo als Oberhaupt anerkannten.
Sgiusto.jpgDie Grablege der carlistischen Prätendenten ist die Kathedrale San Giusto zu Triest, die deshalb auch der "carlistische Escorial" genannt wird. Hier sind die Prätendenten Carlos (V.), (VI.) und (VII.) und Juan (III.) beigesetzt, sowie
In Parzelle Nr. 111 des Friedhofs von Santa Anna zu Triest liegen darüber hinaus 24 Mitglieder des carlistischen Hofgefolges. Diese Parzelle wurde 1868 von der Prinzessin von Beira angekauft; dem Grabstein sind die folgenden Worte zu entnehmen: Seguito dell'Augusta Signora Maria Teresa di Borbone, Contessa de Molina.
Die anderen Prätendenten wurden an anderen Orten bestattet:
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