Carl Zeiss ist eines der weltweit bekanntesten Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie. Sitz der Konzernleitung ist heute Oberkochen. Weitere Standorte befinden sich in Jena (Carl Zeiss Jena GmbH), Göttingen, Aalen, Wetzlar (Hensoldt AG) und Calmbach (Prontor Werk), sowie in den USA, Ungarn, der Schweiz, Mexiko, Weißrussland und China (Suzhou).
Neben Mikroskopen und Ferngläsern (bei Hensoldt) werden auch andere Geräte für Wissenschaft, Forschung und Industrie produziert.
Große Bekanntheit erlangte die Firma Carl Zeiss durch ihre astronomischen Instrumente. Hierzu gehören Linsenfernrohre, Spiegelteleskope und Ausrüstungen für Observatorien aber auch Planetarien. Diese wurden jedoch in den letzten Jahren durch ein Universarium bezeichnetes Gerät verdrängt. Die bekannte Bauform, wegen seiner Form oft Knochen genannt, ist einer weit schlichteren Konstruktion gewichen.
Der Produktkatalog umfasst aber auch andere Bereiche, zum Beispiel chemische Analysentechnik auf optischer Basis, Anlagen zum Umweltschutz (Ermittlung atmosphärischer Verschmutzungen mittels reflektierten Laserlichtes) und vieles mehr.
Heute gehören Geräte für die Halbleiterindustrie (Produktions- wie Kontrolltechnik), für die Medizintechnik (Operationsmikroskope, Augenoptiker-Arbeitsplätze) ebenso zum Produktprogramm wie die "klassischen" optischen Erzeugnisse - Brillengläser (Gleitsichtgläser und Spezialschliffe) und Mikroskope.
Carl Zeiss fertigt exklusive Kameraobjektive für Hasselblad, Rollei, Contax und neuerdings Sony (Digitalkameras/ Camcorder). Bekannt ist die hochwertige T*-Mehrschichtvergütung der Zeiss-Objektive. Teilweise sind die Objektive dieser Firmen aber auch Lizenzfertigungen.
Der aus Weimar stammende Mechaniker-Meister Carl Zeiss eröffnete 1846 eine feinmechanisch-optische Werkstatt in der Neugasse 7 in Jena. Hierfür erhielt er eine "Großherzogliche Konzession zur Fertigung und zum Verkauf mechanischer und optischer Instrumente". 1847 stellte er August Löber als seinen ersten Lehrling ein, der später Werksmeister bei Zeiss wurde. Ende des Jahres wurden bereits die ersten einfachen Mikroskope in der Werkstatt gefertigt. 1852 beschäftigte Zeiss 10 Mitarbeiter.
Der 1860 zum Universitätsmechanikus ernannte Carl Zeiss war mit der Qualität seiner Mikroskope nicht zufrieden. Jedes Mikroskop war ein Unikat. Man hatte zwar große Übung darin, Linsen durch Probieren (Pröbeln) zu einem vollständigen Mikroskop zusammen zu stellen. Es gab aber keine Möglichkeit, die Eigenschaften eines Mikroskops voraus zu berechnen und gezielt zu optimieren.
Zwar versuchte der Mathematiker Friedrich Wilhelm Barfuß zwischen 1850 und 1854 Mikroskop-Optiken zu berechnen, um so die Grundlagen für einen wissenschaftlichen Mikroskopbau zu schaffen - aber leider ohne Erfolg.
Zeiss arbeitete deshalb ab 1866 mit Ernst Abbe, einem Physikprofessor der Jenaer Universität, zusammen. Diesem gelang es nach jahrelanger Arbeit und Rückschlägen eine Theorie der Mikroskop-Optik aufzustellen. Hervorzuheben ist dabei neben den genialen Leistungen Ernst Abbes, die Geduld und das Durchhaltevermögen des Unternehmers Carl Zeiss. Als weltweit einzige Firma war Carl Zeiss nun in der Lage, Mikroskope nach Katalog und mit definierten Eigenschaften zu produzieren. Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Bereits 1875 beschäftigte Carl Zeiss 60 Mitarbeiter. Im Jahr seines Todes, 1888, waren es bereits 327.
Ein wichtiges Problem, die gleich bleibende Qualität des Glases, konnte aber von Zeiss und Abbe nicht gelöst werden. Sie holten deshalb den Chemiker Otto Schott nach Jena. Nach erfolgreichen Glasschmelzversuchen für die Firma Carl Zeiss baute dieser ein Werk für optische Gläser in Jena auf.
1875 entschloss sich Carl Zeiss, seinem Freund Ernst Abbe die Teilhaberschaft an der Firma anzubieten. Als Kommanditist setzte Ernst Abbe nun einen großen Teil seiner Arbeitskraft für die Firma ein. Roderich Zeiss, der älteste Sohn von Carl Zeiss, trat ein Jahr später ebenfalls in die Firma ein. Carl Zeiss starb 1888 und hinterließ ein bedeutendes Unternehmen mit glänzenden Perspektiven.
Spannungen um die Unternehmernachfolge löste Abbe durch die Umwandlung des Unternehmens in ein Stiftungsunternehmen. Ab 1891/96 gehörte das Unternehmen der neu gegründeten Carl Zeiss-Stiftung. Es war über Stiftungsorgane an staatliche Kontrollinstitutionen des Landes Sachsen-Weimar-Eisenach gebunden. Das operative Geschäft lag in den Händen einer vierköpfigen Geschäftsleitung, der bis 1903 Abbe als Stiftungsbevollmächtigter vorstand.
Vor dem Ersten Weltkrieg erlebte das Unternehmen einen rasanten Aufstieg, der auch mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht nachließ. In beiden Weltkriegen gehörte das Unternehmen zu den führenden deutschen Produzenten von rüstungs- und kriegsrelevanten Gütern.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Jena für kurze Zeit durch US-amerikanische Truppen besetzt. Mit dem Abzug der US-Streitkräfte aus Thüringen im Juni 1945 wurden auch zahlreiche Spezialisten sowie die amtierende Geschäftsführung gezwungen, Jena in Richtung Westzonen zu verlassen. Dort bauten sie nach und nach in Aalen/Oberkochen einen neuen Produktionsstandort wieder auf.
In Jena übernahmen die sowjetischen Besatzer die Kontrolle über das Unternehmen und begannen mit der Entnahme von Reparationsleistungen. 1946 wurde die Teildemontage des Werkes beschlossen und bis 1947 durchgeführt. 1948 wurde das Unternehmen enteignet und als VEB Carl Zeiss Jena in die neue DDR-Staatsindustrie integriert. In dieser Zeit (1945-1966) stand es unter der Führung des ersten Werkleiters Hugo Schrade.
1965 wurde der VEB Carl Zeiss Jena zum Stammbetrieb des gleichnahmigen Kombinates weiterentwickelt, dem nach und nach andere VEB der optisch-feinmechanischen und Elektronik-Industrie zugeordnet wurden. In den 1980er Jahren umfasste das Zeiss-Kombinat 25 Betriebe mit bis zu 70.000 Beschäftigten. Langjähriger Generaldirektor war von 1975-1989 Prof. Wolfgang Biermann, Mitglied des ZK der SED.
In Oberkochen sammelten sich währenddessen die nach Westen gewechselten Mitarbeiter und bauten ein neues Unternehmen Carl Zeiss und eine neue Carl-Zeiss-Stiftung auf.
Die Carl Zeiss Jena GmbH enstand aus dem VEB Carl Zeiss Jena. Bedingt durch die Unternehmenskrise des Gesamtkonzerns und den Folgen der Wiedervereinigung kam es in den 1990er Jahren zu mehreren Entlassungswellen, wobei die Anzahl der Mitarbeiter am Standort Jena von 27000 auf knapp über 1000 sank. Derzeit werden die einzelnen Unternehmensbreiche in eigenständige und zum Teil an Börsen gehandelte Tochterunternehmen ausgegründet. Während der Standort Oberkochen derzeit intensiv erweitert wird, schrumpft faktisch der zweitgrößte Standort in Jena weiter. Vermutlich wird unter den Namen Carl Zeiss Jena GmbH in Zukunft keine optischen Geräte mehr produziert, sondern nur noch von Tochterunternehmen die jederzeit verlagert werden können.
Mit Apollo 11 kamen am 21. Juli 1969 nicht nur Armstrong und Aldrin auf die Mondoberfläche. Die verwendete Video- und Fotoausrüstung (Hasselblad-Kameras) mit der die weltbekannten Bilder entstanden, war mit Objektiven aus dem Hause Zeiss ausgestattet.
Im VEB Carl Zeiss Jena wurde die Multispektralkamera MKF 6 zur Fernerkundung vom Weltraum und aus Flugzeugen entwickelt und gebaut. Der erste Einsatz erfolgte im September 1976 an Bord des Raumschiffs Sojus 22. Die weiterentwickelte Version MKF 6M kam u.a. auf der Raumstation MIR zum Einsatz. Dort wurde sie unter anderen von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All, bedient.
In Jena wurden weiterhin Planetariumsprojektoren entwickelt, gebaut und weltweit exportiert.
1955 wurde bei Zeiss Jena mit dem OPREMA der erste in der DDR gebaute Computer fertiggestellt, von dem nur zwei Exemplare gebaut wurden. 1961 wurde mit dem Zeiss Rechen Automat (ZRA 1) ein weiterer Computer vorgestellt, der bis 1964 gefertigt wurde.
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