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Carl Wilhelm Severing (* 1. Juni 1875 in Herford, † 23. Juli 1952 in Bielefeld) war ein sozialdemokratischer Politiker und Minister.

Leben und Beruf


Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Severing, der dem Arbeitermilieu entstammte und evangelischen Glaubens war, eine Schlosserlehre in Herford, die er 1892 abschloss. Nachdem er zunächst in Bielefeld tätig war, arbeitete er von 1895 bis 1899 in Zürich, wo er sich im Schweizerischen Metallarbeiterverband engagiert. 1901 wurde er Geschäftsführer des Ortsverbandes des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Bielefeld. Von 1912 bis 1919 war er Redakteur der sozialdemokratischen "Volkswacht" in Bielefeld. In der Novemberrevolution 1918 war er Mitbegründer des Bielefelder Volks- und Soldatenrates. Er vertritt diesen auf dem I. Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin.

Nach 1933 saß er kurz in Haft, war dann Pensionär. 1946 bis 1948 war er Redakteur der "Neuen Presse" in Bielefeld.

Partei


Severing trat 1893 in Herford der SPD bei. Er war ab 1899 erster Geschäftsführer des SPD-Vereins in Bielefeld. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er verschiedene Funktionen bei der SPD, so wurde er 1946 Vorsitzender des Bezirksverbandes östliches Westfalen.

Abgeordneter


Severing war von 1905 bis 1924 Stadtverordneter in Bielefeld. Bei der Reichstagswahl 1907 wurde er im Wahlkreis Minden 3 erstmals in den Reichstag des Kaiserreiches gewählt. Er verlor das Mandat allerdings bei der Reichstagswahl 1912 bereits wieder an Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Er gehörte 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung an. Anschließend war er bis 1933 erneut Reichstagsabgeordneter. Daneben gehörte er von 1919 bis 1933 auch dem preußischen Landtag an.

Von 1947 bis 1950 war Severing Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen.

Öffentliche Ämter


Die Reichsregierung ernennt Severing im April 1919 zum Reichs- und Staatskommissar für das rheinisch-westfälische Ruhrgebiet. In dieser Funktion führt er den Polizeieinsatz gegen die aufständischen Bergarbeiter an der Ruhr.

Severing war mehrfach preußischer Innenminister unter Otto Braun und Wilhelm Marx: Vom 29. März 1920 bis zum 21. April 1921, vom 7. November 1921 bis zum 6. Oktober 1926 und erneut vom 22. Oktober 1930 bis zum 20. Juli 1932. 1928 bis 1930 war er Reichsinnenminister im Kabinett von Hermann Müller.

Nach 1920 war er verantwortlich für die Niederwerfung von kommunistischen Aufständen in Preußen. Im April 1920 handelte er mit Vertretern der Roten Ruhrarmee einen Waffenstillstand aus, das sog. Bielefelder Abkommen, als dieses von den Aufständischen nur teilweise eingehalten wurde (viele Gruppen behielten ihre Waffen) marschierte die Reichswehr in das Ruhrgebiet ein. 1921 leitet er die Niederschlagung der kommunistischen Aufstände im sächsischen Industriegebiet und sorgt so für die Wiederherstellung der demokratischen Ordnung. Am 22. März 1923 verbietet er die Deutschvölkische Freiheitspartei, weil diese einen Putsch plane.

Im Ruhreisenstreik 1928 fungierte er als Schlichter und setzte mit seinem Schlichterspruch vom 21. Dezember 1928 Arbeitszeitverkürzungen in der nordwestdeutschen Stahlindustrie durch.

Unter Severing wurde die preußische Schutzpolizei mit Hilfe seines Polizeireferenten und späteren Staatssekretärs Wilhelm Abegg durch geschickte Personalpolitik zu einem Hort der republikanischen Gesinnung. Sein Versuch, die NSDAP als hochverräterisch verbieten zu lassen, wurde von offenen und versteckten NSDAP-Mitgliedern im Reichsinnenministerium unterlaufen. Das Kabinett Papen drängte ihn beim so genannten Preußenschlag im Juli 1932 aus dem Amt. Danach gab es in SPD und KPD heftige Debatten um die Frage, warum Severing es unterlassen hatte, die preußische Polizei gemeinsam mit dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zum Widerstand aufzurufen.

Ehrungen


Nach Severing sind das Carl-Severing-Berufskolleg in Bielefeld, das Bildungszentrum Carl Severing (Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei Nordrhein-Westfalen) in Münster und verschiedene Straßen in ganz Deutschland benannt.

Werke


  • 1919/20 im Wetter- und Watterwinkel, Berlin 1927.
  • Mein Lebensweg, Greven, Köln 1950 (2 Bände)

Literatur


  • Hans Menzel; Carl Severing, Historisch-Politischer Verlag, Berlin 1932
  • Klaus Neumann; Carl Severing. von der Armenschule ins Ministeramt, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1991
  • Thomas Alexander; Carl Severing. Sozialdemokrat aus Westfalen mit preussischen Tugenden, Westfalen-Verlag, Bielefeld 1992

Biografie


Online-Biografie von Horst Lademacher

Weblinks


Mann | Deutscher | Landesminister (Preußen) | Politiker (Nordrhein-Westfalen) | Reichsminister (Deutschland) | Reichstagsabgeordneter | SPD-Mitglied | Geboren 1875 | Gestorben 1952

Карл Северинг

 

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