Dr. Carl Peters (* 27. September 1856 in Neuhaus/Elbe (nach anderen Angaben in Kleefeld j. Hannover); † 10. September 1918 in Bad Harzburg) (nach anderen Angaben in Woltorf b.Peine) war ein deutscher Politiker, Publizist, Kolonialist und Afrikaforscher. Er gilt als der Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika.
Von 1882 bis 1883 beschäftigte Carl Peters sich in London intensiv mit der Politik Englands in Übersee und entwarf ähnliche Pläne für Deutschland. Dabei verband sich sein ausgesprochenes kolonialpolitisches Interesse mit einer geradezu schwärmerischen Anglophilie und einer grenzenlosen Bewunderung für den imperialen "Lehrmeister" eines künftigen deutschen Kolonialreiches. Seine Gedankenwelt war vom Sozialdarwinismus geprägt. Die so genannten "nicht-weißen Rassen" pflegte er in der von ihm herausgegebenen Kolonialpolitischen Correspondenz als minderwertig zu bezeichnen. Als einzige Existenzberechtigung billigte er ihnen ein Dasein als Arbeitskräfte unter der Herrschaft weißer Pflanzer zu. Unter den Rassenideologen des Wilhelminischen Zeitalters gehörte er zum radikalen Flügel.
Auf dem Festland gegenüber Sansibar begann er dann, Verträge abzuschließen. Die Vertragsabschlüsse bestanden darin, dass Peters örtliche Häuptlinge aufsuchte und ihnen –oft nach reichlichem Alkoholgenuß- deutschsprachige Schriftstücke vorlegte, auf die sie dann Kreuze als Unterschrift zeichneten. Darin wurde ihnen Schutz vor Feinden zugesagt, umgekehrt wurden die Rechte der Kolonisationsgesellschaft so beschrieben: das alleinige und uneingeschränkte Recht, Zölle und Steuern zu erheben, eine Justiz und Verwaltung einzurichten, bewaffnete Truppen ins Land zu bringen und Siedlern die "Berge, Flüsse, Seen und Forsten“ zur beliebigen Nutzung zu überlassen. Eine Prüfung daraufhin, ob die afrikanischen Vertragspartner verstanden, was sie vorgelegt bekamen, oder ob sie überhaupt eine Vollmacht hatten, über die angesprochenen Befugnisse zu verfügen, wurde nicht vorgenommen.
Peters wollte jetzt Schutzbriefe des Reiches für die „erworbenen“ Gebiete. Reichskanzler Bismarck äußerte sich abschätzig über das, was Peters nach Rückkehr der Reichsregierung vorlegte: „ein Stück Papier mit Neger-Kreuzen drunter“. Peters drohte damit, dass auch König Leopold von Belgien an Ostafrika Interesse hätte, der nach der Kongokonferenz gerade sein Reich in Zentralafrika ausbaute. Bismarck lenkte ein, auch aus innenpolitischer Rücksicht gegenüber seinen nationalliberalen Verbündeten im Reichstag, und ließ der neugegründete Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG) einen kaiserlichen Schutzbrief nach Vorbild britischer Charters über die Landschaften Usagara, Nguru, Useguha und Ukami ausstellen. Damit hatte Peters in „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ umbenannte Kolonialvereinigung den nötigen Rückhalt zur weiteren Ausdehnung.
1887 erreichte er ein Abkommen mit dem Sultan von Sansibar, das den sansibarischen Küstenstreifen von Umba bis zum Rovuma der Verwaltung der Gesellschaft unterstellte. 1889/90 machte sich Peters auf eine Expedition, die ihn bis nach Uganda führte . Sein Ziel was die Einbeziehung von Uganda sowie der ehemals ägyptischen Äquatoria-Provinz in sein Kolonialreich. Durch den Abschluß des Helgoland-Sansibar-Vertrags wurden seine diesbezüglichen Bestrebungen zunichte. Aus Protest gegen dies von ihm als Verzicht empfundene Abkommen engagierte sich Peters für den Alldeutschen Verband.
1899 führte er eine Forschungsreise an den Sambesi. Er wollte beweisen, dass das biblische Goldland Ophir in Südostafrika gelegen hatte. Rassistische Denker wie Peters konnten sich nicht vorstellen, dass die Ruinen von Great_Zimbabwe (sowie anderer alter Orte in Rhodesien, die er selber aufspürte) afrikanisch waren und suchten deshalb nach Baumeistern aus dem Nahen Osten. In erster Linie ging es Peters darum, mit Hilfe seiner Theorie Aktionäre für seine Kapitalgesellschaft zu gewinnen, die Land in Portugiesisch-Mocambique erwerben und dort nach Gold schürfen sollte. Seine Ophir-Theorie reicherte Peters mit heftigen Diffamierungen gegenüber den Schwarzafrikanern an und forderte die Einführung der allgemeinen Zwangsarbeit in den Kolonien.
Zu Beginn des 1. Weltkrieges kehrte Peters nach Deutschland zurück, wo er 1918 starb. Sein Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover.
Zeitgenössische Kritiker sahen ihn anders:
Sein zeitweiliger Mitarbeiter Oscar Baumann schrieb 1892: "Übrigens ist Peters halb verrückt. Alles um ihn herum geht krumm vor Hieben. 100 bis 150 sind an der Tagesordnung. Es ist kaum zu glauben, welche Angst die Leute vor Peters und seinen Leuten haben".
Die sozialdemokratische Zeitung 'Vorwärts' nannte Peters einen "grimmigen Arier, der alle Juden vertilgen will und in Ermangelung von Juden drüben in Afrika Neger totschießt wie Spatzen und zum Vergnügen Negermädchen aufhängt, nachdem sie seinen Lüsten gedient."
Unter Afrikanern war einer seiner Spitznamen „mkono wa damu“ –also „blutige Hand“. Die kolonialkritische Presse Deutschlands verlieh ihm den Beinamen „Hänge-Peters“.
Siehe auch: Deutsche Kolonien
Mann | Deutscher | Politiker (Deutsches Reich) | Afrikaforscher | Deutsche Kolonialgeschichte | Kolonialismus | Geboren 1856 | Gestorben 1918
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