article

Dr. Carl Josef Bayer (* 4. März 1847 in Bielitz, Österreichisch-Schlesien; † 22. Oktober 1904 in Rietzdorf/ehemalige Untersteiermark) war ein österreichischer Chemiker. Seine bekannteste Entwicklung ist das nach ihm benannte Bayer-Verfahren zur Herstellung von Aluminium.

Leben


1847 in Bielitz geboren, war er zunächst im väterlichen Baumeisterbetrieb tätig und studierte 4 Semest Architektur. Seinem größten Wunsch entsprechend, wechselte er 1864 zu den Naturwissenschaften und studierte 4 Semester beim berühmten analytischen Chemiker Remigius Fresenius in Wiesbaden, um anschließend als Chemiker bei der Eisenwerken der Brüder Dorlodot in Aeroz bei Charleroi in Belgien tätig zu sein.

Am 7. Dezember 1869 immatrikulierte er sich 22-jährig an der Universität in Heidelberg im Fach Chemie, wo er schon nach 2 Semestern von Robert Wilhelm Bunsen das Amt eines Assistenten übertragen bekam.

Am 18. Juli 1871 richtete er das Ansuchen um Zulassung zur Doktorprüfung an die "Hochlöbliche Philosophische Facultät" der Universität in Heidelberg. Die Doktorprüfung legte er am 31. Juli 1871 im Beisein von 17 Professoren und 9 prüfenden Professoren ab. Unter den Prüfenden sind berühmte Namen wie Bunsen, Gustav Robert Kirchhoff, Blum, Kopp, Neubauer, Braun, Hermann von Helmholtz, Köchly, zu finden. Am 1. August 1871 wurde ihm die Promotionsurkunde mit der Note "insigni cum laude" überreicht.

Bayer-Verfahren

siehe Artikel Bayer-Verfahren

Nicht allgemein bekannt ist, dass das Wort Bauxit von der südfranzösischen Ortschaft Les Baux de Provence stammt, wo Dr. Bayer bei Gardanne auch eine Fabrik erbaute, die das bei Les Baux gewonnene Bauxit verarbeitete.

Sein erstes Patent reichte er am 17. Juli 1887 aus Tentelwa bei St. Petersburg/Russland am Kaiserlichen Patentamt ein. Es wurde unter der Nummer 43977 am 3. August 1888 veröffentlicht. Sein zweites Patent reichte er am 31. Januar 1892 aus Elabuga/Russland ein. Es wurde am 3. November 1892 veröffentlicht.

Gleichzeitig reichte er seine Patente in mehreren Staaten wie Frankreich, USA, England ein und baute in England, USA, Belgien, Irland, Italien, Deutschland Fabriken nach seinem Verfahren, dem "Bayer-Verfahren". So auch in Tentelewa und Elabuga in Russland. Weltweit war er gefragt und tätig. Dr. Carl Josef Bayer arbeitete wissenschaftlich an vielen Projekten, wie z.B. über "Die Anwendung von Salicilsäure und deren Wirkung",über " Ein Beitrag zur Chemie von Indium", "Verfahren zur Herstellung von künstlichem Kryolith", u.a.m.

Dr. Carl Josef Bayer heiratete am 21.September 1892 Alma geb. von Witte, eine Nichte des russischen Ministerpräsidenten in der St. Katharinenkirche in St. Petersburg. In den Jahren 1893 bis 1901 kamen 6 Kinder auf die Welt. Der erste Sohn Erich erblickte in Elabuga, Russland das Licht der Welt, der zweite Sohn Walter in Washington, USA, der dritte Sohn Guido in Cilli, Untersteiermark, heute Slowenien, der vierte Herbert, der fünfte Fritz und das sechste Kind Elsa kamen in Rietzdorf an der Pack bei Cilli (heute Recica ob Paki)zur Welt, wo er im Jahr 1896 Grundstücke erwarb, eine Fabrik, ein Laboratorium und eine Villa für die achtköpfige Familie erbaute. Berühmte Wissenschafter der ganzen Welt verkehrten bei Bayer in Rietzdorf, so auch Heroult aus Frankreich und Hall aus den USA. Die "Bayer-Villa" ist heute noch 1:1 zu besichtigen.

Er sprach sieben Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, Russisch, Italienisch, Slowakisch und Polnisch. Als musischer Mensch liebte er Musik und die Künste

Es war sein größter Wunsch, in seiner Heimat eine Tonerde- und dann eine Aluminiumfabrik zu errichten, um die in der Steiermark, Krain und Dalmatien vorkommenden Bauxite zu verwerten. Er glaubte an den Siegeszug des Aluminiums auf der ganzen Welt. Lizenzvereinbarungen, verbunden mit Tantienmenzahlungen wurden weltweit abgeschlossen.

Am 22. Oktober 1904 starb Dr. Carl Bayer 57-jährig und hinterließ seine Gattin mit 6 unversorgten Kindern. Die Witwe Alma, eine außergewöhnliche und starke Frau ermöglichte allen Kindern ein Gymnasialstudium, größtenteils in Graz, und allen Söhnen ein Hochschulstudium. Zwei Söhne traten in die Fußstapfen des Vaters und wurden Chemiker. Die Zahlungen trafen nach seinem Tode zunehmend schleppend ein und wurden zum Teil ganz eingestellt. Teure internationale Prozesse konnte sich die Witwe Alma Bayer nicht leisten, viele Verträge, die nur beangabt waren, wurden nie mehr ausbezahlt.

Ehrungen


Er erhielt die Goldmedaille der Academie Parisienne für seine wissenschaftlichen und technischen Leistungen.

1956 stiftete die Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft die "Bayer Medaille", die für besondere wissenschaftliche oder technische Leistungen auf dem Gebiet der Leichtmetalle, insbesondere des Aluminiums verliehen wurde.

1987 wurde anlässlich der 8. Internationalen Leichtmetalltagung in Leoben/Wien eine Sonderpostmarke mit einer Auflage von über 3 Mio Stück herausgegeben.

1962 wurde in der Stadt Braunau eine "Dr. Bayer-Straße" benannt, und zwar in einem Siedlungsgebiet, das hauptsächlich von Beschäftigten des Aluminiumwerkes Ranshofen bewohnt war. Die Rhein-Wasserfälle wurden zu Ehren von Dr. Carl Josef Bayer einmal mit bengalischem Licht beleuchtet.

Zahlreiche Zeitungen, wie die Österreichische Chemiker Zeitung, die Wiener Zeitung und die Zeitung der Industriellen brachten Nachrufe und Ehrungen. Nachruf: "Leidensweg eines österreichischen Erfinders: Dr. Bayer hat den Marterweg des österr. Erfinders mit all seinen Leidensstationen und Hemmnissen, durch den Brotneid unwissender und böswilliger Konkurrenten, durch Unorientiertheit und Mißtrauen der Behörden, durch eine schlecht beratete Bevölkerung und durch parteiisch und oberflächlich informierte Banken und Geldinstitute bis zur physischen Erschöpfung durchlebt."

Mann | Österreicher | Chemiker (19. Jh.)

Karl Josef Bayer

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Carl Josef Bayer".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld