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Carl Gustav Jochmann (* 10. Februar 1789 in Pernau; † 24. Juli 1830 in Naumburg (Saale)) war ein deutscher Publizist.

Carl Gustav Jochmann ist eine Verschollenheit der deutschen Geistesgeschichte. Nach dem Studium und der sich anschließenden Rechtsanwaltstätigkeit in Riga war er im deutschen Sprachraum des Vormärz publizistisch tätig. Seine Schriften (Essays, Glossen, Aphorismen, Briefe) beschäftigen sich überwiegend mit der unzulänglichen politischen und sozialen Situation in den deutschen Staaten, deren Mängel er im Vergleich mit dem revolutionären Frankreich und dem evolutionären England scharf kritisiert. Beide sind auf dem Weg zu demokratischen Verhältnissen wesentlich weiter fortgeschritten als die im Spätabsolutismus verharrenden deutschen Staaten. In seinem anonym erscheinenden Hauptwerk – die Schriften Jochmanns sind zu Lebzeiten überwiegend anonym erschienen, um den Autor zu schützen – "Über die Sprache" (1828) bindet er die Analyse der politischen Zustände an den Zustand der Sprache, genauer an das Fehlen einer politischen Debattenkultur wie er sie in den publizistisch (und eben deshalb politisch) fortgeschrittenen Staaten Frankreich und vor allem England verwirklicht sieht. Demgegenüber sieht er in Deutschland eine Dominanz der poetischen Sprache, die er als ursächlich für die Rückständigkeit der deutschen Verhältnisse ansieht. Mit diesem Werk hat Jochmann zur Zeit des Nationalsozialismus bei Werner Kraft und Walter Benjamin Aufmerksamkeit gefunden.

Im Jahr 1830 erschien in Carl von Rottecks Zeitschrift Allgemeine politische Annalen unter der Verfasserangabe "X" der Aufsatz "Über die Öffentlichkeit". Darin setzt sich Jochmann für die Öffentlichkeit der Verwaltung ein (Verwaltungstransparenz), d. h. die Überwindung des Amtsgeheimnisses. Der Essay wurde 1833 von Zschokke im dritten Teil der Zeitschrift "Prometheus" veröffentlicht.

Werke


  • Briefe eines homöopathisch Geheilten an die zukünftigen Widersacher der Homöopathie. Heidelberg 1829 (Nachdruck Heidelberg 1994, herausgegeben von Uwe Pörksen, mit einem Nachwort)
  • Carl Gustav Jochmann's, von Pernau, Reliquien. Aus seinen nachgelassenen Papieren / gesammelt von Heinrich Zschokke. Ribler, Hechingen 1836-1838 (3 Bände)
  • Gesammelte Schriften. Heidelberg 1998 (herausgegeben von Peter König, bislang nur Band 1 erschienen).
  • Über die Sprache. Heidelberg 1828 (Faksimile nach der Originalausgabe mit Schlabrendorfs Bemerkungen über Sprache und der Jochmann-Biographie von Julius Eckardt, herausgegenen von Christian Johannes Wagenknecht, Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1968)

Literatur


  • Markus Fauser: Rede, dass ich Dich sehe. Carl Gustav Jochmann und die Rhetorik im Vormärz. Olms, Hildesheim, Zürich, New York 1986
  • Werner Kraft: Carl Gustav Jochmann und sein Kreis. Zur deutschen Geistesgeschichte zwischen Aufklärung und Vormärz. Beck, München 1972
  • Markus Malo: Sprachkritik und (k)ein Ende (?). Zur Ausgabe von Jochmanns "Gesammelten Schriften". in Scientia Poetica 5/2001, S. 122-142
  • Jürgen Schiewe: Sprache und Öffentlichkeit. Carl Gustav Jochmann und die politische Sprachkritik der Spätaufklärung. Erich Schmidt, Berlin 1989.
  • Gerhard Wagner: Jenseits von Klassik und Romantik. Die geschichtsphilosophischen, sozialen und ästhetischen Anschauungen von Carl Gustav Jochmann und ihre Stellung in der Geschichte der progressiv-bürgerlichen deutschen Ideologie von 1789 bis 1830. Dissertation, Berlin 1978

Weblinks


Publizist

Autor | Deutscher | Deutsch-Balte | Literatur (19. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Sprachkritik | Aufklärung (Literatur)

Mann

Йохманн, Карл Густав

 

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