Der Begriff Carapax (gr. charax - Befestigungsanlage, Palisade, pagios - fest, Plural: Carapaces) bezeichnet eine bei verschiedenen Tiergruppen (Taxa) unabhängig voneinander (analog) entstandene harte Bedeckung der Körperoberseite.
Der Carapax bedeckt den Kopf (Caput, Cephalon), setzt sich über dessen Hinterrand hinaus fort und erstreckt sich mehr oder weniger weit über den Rumpf des Krebses. Der Carapax ist eine Hautduplikatur, denn er bildet eine zusätzliche Schicht über dem kutikulären Außenskelett. Bei den Zehnfußkrebsen (Decapoda), beispielsweise Krabben, Garnelen und Hummerartigen, wird der Rückenteil des Carapax' als Notum bezeichnet, die seitlichen Teile heißen Pleuren. Der Carapax ist grundsätzlich ohne Bezug zu den Strukturen der ursprünglichen Körpersegmentierung, doch zumeist ist er mit einer unterschiedlichen Zahl von Segmentoberseiten (Tergiten) verschmolzen und bildet mit diesen eine starre Einheit. Der Grad der Rumpfüberdeckung ist bei den verschiedenen Krebsgruppen unterschiedlich ausgeprägt. Bei den Ostrakoden und Krallenschwänzen (Wasserflöhe inklusive der Muschelschaler) geht die Entwicklung am weitesten, hier hüllt der Carapax den gesamten Körper ein. Diese Extremform besteht aus zwei Schalen, eine an jeder Körperseite, die bei den Muschelkrebsen zweiklappig genannt wird, weil entlang der Mittelinie auf dem Rücken (dorsal) eine vollständige Spaltung der Schalen erfolgt ist. Bei den Krallenschwänzen gehen die Schalen ineinander über, darum wird diese Ausgestaltung als zweilappig bezeichnet. Es existieren auch Krebsgruppen, bei denen der Carapax an keiner Stelle mit den überdeckten Segmenten verwachsen ist, so beispielsweise bei dem "Urzeitkrebs" Triops. Der Panzer ist hier mit dem Körper nur am Kopfhinterrand verbunden und liegt dem Rumpf lose auf. Der Carapax kann sich nach vorne zu einem unpaaren, mittig gelegenen (medianen) Vorsprung oder Fortsatz, dem Rostrum, verlängern.
Der Panzer einer Schildkröte besteht aus dem mehr oder weniger stark gewölbten, dorsalen Carapax (Rückenpanzer) und dem flachen, ventralen Plastron (Bauchpanzer), die an den Seiten über eine Knochenbrücke verbunden sind. Große Öffnungen am Vorder- und Hinterende lassen den Kopf und die Vorderbeine bzw. den Schwanz und die Hintergliedmaßen hervortreten. Rücken- und Bauchpanzer zeigen den gleichen Grundaufbau: Zuunterst liegt eine Lage aus fest miteinander verbundenen Platten aus Hautknochen (Dermalknochen, Osteodermen). Diese massiven Knochen bilden einen starren Verband und geben dem Panzer seine Form und Stabilität. Darüber spannt sich eine Hautschicht, die außer bei den Weichschildkröten mit dünnen Schilden aus Hornsubstanz (Keratin), den Scuta (lat.: Scutum - rechteckiger gewölbter Holzschild der Legionäre), bedeckt ist. Der Carapax ist bei ausgewachsenen Exemplaren vollständig verknöchert und vor allem mit dem Schultergürtel und den ungewöhnlich hoch angeordneten, verbreiterten Rippen, sowie mit Teilen des Beckengürtels, und den Dornfortsätzen der Wirbelsäule fest verwachsen. Die darüber liegenden Hornschilde oder -schuppen sind etwas größer als die Knochenelemente und leicht versetzt angeordnet, die dadurch erreichte Überdeckung der Zwischenräume steigert die Stabilität des Panzers.
Die im Wasser lebenden Weichschildkröten haben keine Hornschilde, sondern eine flexible, ledrige Haut über einem flachen, runden Rückenschild, da sie die ursprünglich vorhandenen Schilde im Laufe ihrer Stammesgeschichte wieder verloren haben. Die marginalen Knochen fehlen zumeist ebenfalls. Eine Sonderentwicklung haben auch die Gelenkschildkröten genommen. Eine scharnierartige gelenkige Verbindung im hinteren Drittel des Carapax erlaubt es ihnen den Panzer vollständig zu schließen.
Ausbildungen des Rückenschildes
Vereinfacht lassen sich jeweils die Knochenplatten und Schilde nach ihrer Lage auf dem Carapax von innen nach außen in Gruppen einteilen, die Zählung der Einzelelemente erfolgt von vorne (kranial) nach hinten (kaudal). Die Bezeichnungen der Knochenplatten stimmen vielfach mit denen der Hornschilde überein und sind daher nicht eindeutig, zudem gibt es viele Synonyme:
Die häufig auffällig gezeichneten und geformten, nur wenige Millimeter dicken Scuta zeigen bei einer frisch geschlüpften Schildkröte einen einzigen Wachstumsstreifen um das jeweilige Schildzentrum (Areole). Während des Heranwachsens treten weitere Streifen hinzu, dies geschieht aber in unregelmäßigen Abständen und wird bei älteren Exemplaren fast ganz eingestellt, daher erlaubt die Anzahl der Wachstumsringe keinen Rückschluss auf das Alter.
Die Form der Hornschilde, ihre Anzahl und relative Lage zueinander, beispielsweise die Anzahl der Rippenschilde, die das Nackenschild berühren, variieren bei den einzelnen Arten. Mit Hilfe dieser Merkmale lässt sich die Artzugehörigkeit am lebenden Tier eindeutig bestimmen. Aber auch das Schildrelief kann sehr verschiedenartig sein. So bilden die Scuta bei einige Arten einen, bei anderen insgesamt drei Längskiele aus. Bei den Höckerschildkröten beispielsweise tritt der Mittelkiel (Dorsalkiel) auf den Wirbelschilden sehr deutlich hervor, andere Arten zeigen zwei zusätzliche Lateralkiele entlang der Seitenschilde. Häufig kommen auch individuelle Abweichungen, speziell in der Anzahl der Schilde vor. Derartige Schildanomalien sind meist nicht genetisch bedingt, sondern auf unterschiedliche Inkubation
Der Schildkrötenpanzer ist ein stabiles aber dennoch keineswegs unempfindliches Gebilde. Unmittelbar unterhalb der Hornschilde befindet sich die von zahlreichen Blutgefäßen und Nerven durchzogene und darum äußerst schmerzempfindliche Knochenhaut der Dermalknochen.
Der Schildkrötenpanzer ist eine einzigartige Entwicklung, die seit mehr als 200 Millionen Jahren nahezu unverändert ist und wesentlich zum evolutionären Erfolg dieser sehr alten Reptiliengruppe beigetragen hat. Nur wenige Feinde sind in der Lage, den Panzer einer ausgewachsenen Schildkröte zu überwinden. Greifvögel lassen Schildkröten aus großer Höhe auf Felsen fallen, auch werden sie von Krokodilen (Crocodilia) erbeutet. Als größte Bedrohung erweist sich aber der Mensch. Aus der Hornsubstanz verschiedener Meeresschildkröten lässt sich das besonders im 19. Jahrhundert begehrte Schildpatt gewinnen. Zwar ist die Nachfrage stark gesunken, aber um den Jagddruck auf die aus anderen Gründen größtenteils am Rande der Ausrottung stehenden Tiere zu minimieren, haben sich seit 1994 mehr als 148 Staaten (Stand 2000) im Artenschutzübereinkommen CITES verpflichtet, darunter auch der Großabnehmer Japan, den Handel mit Schildpatt zu verbieten.
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