Als Eckzähne (lat. Dens caninus, plural: Dentes canini, oft auch nur kurz: Canini) bezeichnet man die Zähne von Säugetieren (einschließlich des Menschen), die hinter den Schneidezähnen und vor den Prämolaren liegen. Da der Zahnbogen an den Eckzähnen einen deutlichen Knick macht werden sie als "Eckzähne" bezeichnet.
Es gibt sowohl einen Milchzahn als Eckzahn, als auch einen beibenden Zahn.
Der Zahndurchbruch der bleibenden Eckzähne erfolgt mit ca. 11 Jahren ( +/- 1 Jahr). Gewöhnlich brechen die unteren Eckzähne vor den oberen Eckzähnen durch. Die genauen Durchbruchszeiten variieren je nach Veröffentlichung:
Meist brechen nach den Schneidezähnen erst die vorderen Prämolaren durch, bevor die Eckzähne durchbrechen.
Die Wurzelspitze des oberen Eckzahnes reicht fast bis zur Orbita (knöcherne Augenhöhle). Bei Entzündungen eines oberen Eckzahnes kann sich die Entzündung im Gesicht manifestieren - dicht unter dem Auge (Schwellung, Rötung, Druckschmerzen). Daher stammt der veraltete umgangssprachliche Name Augenzahn.
In einigen anderen Sprachen wird der Zahn auch als Augenzahn übersetzt (Isländisch: Augntönn). Der lateinische Name „Dens caninus“ bedeutet Hundezahn. Auch diese Übersetzung gibt es noch in einigen Sprachen.
Die oberen Eckzähne haben ein deutliches Wurzelmerkmal mit einer apikalen Krümmung nach distal. Bei den unteren Eckzähnen fehlt beides.
Die Wurzeln der unteren Eckzähne sind kürzer als die der oberen. Die Längenrelation zwischen Kronenlänge und Wurzellänge ist bei den unteren Eckzähnen zugunsten der Kronenlänge verschoben.
Während bei den Schneidezähnen die äußeren (vestibulären) Flächen bis auf eine leichte Rundung relativ eben sind, sind die vestibulären Flächen der Eckzähne zweigeteilt, in eine mesiale (vordere) und distale (hintere) Hälfte. Beide Hälften bilden einen Winkel von ca. 20° zueinander. Sie sind durch einen vertikal verlaufenden Mittelgrad getrennt. An dieser Stelle knickt der Zahnbogen ab.
Zusätzlich hat der Eckzahn, wie alle Zähne, eine leicht kugelige Form. Er hat eine leichte Konvexität (Krümmung) von der Schneidekante zum Zahnhals.
Die scharfe Spitze auf der Schneidekante (Eckzahnspitze) liegt nicht genau mittig auf der Schneidekante, sondern ist etwas nach mesial verschoben. Die mesiale Schneidekante ist steiler und kürzer, als die flachere und längere distale Schneidekante.
Auf der Rückseite hat die Eckzahnkrone zwei kräftig ausgebildete Randleisten, sowie eine Mittelleiste, die sich zum Zahnhals hin in einem ausgeprägten Höcker (Tuberculum) treffen.
Die Approximalflächen sind dreieckig.
Die unteren Eckzähne sind kleiner als die oberen Eckzähne. Bei den unteren Eckzähnen ist die Kronenachse etwas gegenüber der Wurzelachse nach lingual "abgeknickt". Die vestibuläre Fläche weist gegenüber der Wurzelfläche eine Neigung von 25° auf. Die mesialen Kontaktflächen verlaufen steiler, wobei die Schmelz-Zement-Grenze mesial 3 mm höher liegt als distal.
Ursache dafür ist die relative späte Durchbruchszeit mit 11 Jahren. In diesem Alter ist der Knochen bei manchen Kindern schon recht fest. Außerdem sind die bleibenden Nachbarzähne (zweiter Schneidezahn und erster Prämolar) schon vor dem Eckzahn da und können bei ausgepägtem Platzmangel den gesamten Platz für den verspätet durchbrechenden Eckzahn einnehmen. Eventuell bricht der Eckzahn wegen Platzmangel auch weiter vestibulär durch - außerhalb der Zahnreihe. Er ragt dann unästhetisch wie ein Tigerzahn aus der vestibulären Wand des Alveolarfortsatzes.
Relativ häufig liegt der retinierte Eckzahn quer im Oberkieferknochen impaktiert.
Eine weitere Ursache für die Retention ist, dass der Eckzahn während seiner Bildungphase relativ weit oben im Kieferknochen liegt und einen sehr weiten Weg bis zum Zahndurchbruch zurücklegen muss.
Nach den Weisheitszähnen sind die Eckzähne die am zweithäufigsten betroffenen Zähne, die retiniert und verlagert sind.
Eine Nichtanlage der Eckzähne ist nicht bekannt bzw. extrem selten. Im Gegensatz dazu ist bei den Weisheitzähnen eine Nichtanlage häufig (ca. 50%) und bei den benachbarten zweiten Schneidezähnen des Oberkiefers gelegentlich (ca. 1%, familiär gehäuft) anzutreffen.
Ein persistierender Milch-Eckzahn im Oberkiefer deutet auf einen retinierten Eckzahn hin.
Die retinierten und verlagerten oberen Eckzähne werden meist aus kieferorthopädischer Indikation operativ entfernt (meist mit palatinalem OP-Zugang) bzw. wird bei günstiger vestibulärer Retentionslage die Krone operativ freigelegt und nach Wundheilung mit Hilfe eines aufgeklebten Brackets und festsitzendem KFO-Gerät eingestellt. Dazu muss natürlich durch Oberkieferdehnung (KFO) genügend Platz geschaffen werden. Der Zahn wird am Bracket angeschlungen und im Verlaufe einiger Monate meist mit Erfolg voll in die Zahnreihe integriert.
Untere Eckzähne sind nur sehr selten retiniert und verlagert.
Auch bei Milchzähnen sind gelegentlich Verwachsungen zwischen dem 2. und 3. Zahn zu beobachten. Bei Milchzähnen treten diese Verwachsungen auch im Unterkiefer auf, was den vermuteten Zusammenhang mit Lippenspalten in Frage stellt.
Bei der Herstellung von festsitzendem Zahnersatz (Kronen, Brücken) muss auch auf die Wiederherstellung der Eckzahnführung geachtet werden.
Bei der Herstellung von Totalprothesen darf keine Eckzahnführung erzeugt werden, da der punktförmige Kontakt zwischen oberen und unteren Prothesen-Eckzähnen die Totalptothese nur kippen lassen würde.
Bei der Herstellung von Totalprothesen muss die Eckzahnführung beseitigt werden. Im Gegensatz zur vorher vorhandenen anatomischen Situation muss zugunsten einer stabilen Kaufunktion die Führung gleichzeitig durch alle Zähne einer Seite gegeben sein - Eckzahn plus Prämolaren plus Molaren.
Das umgekehrte Problem ergibt sich, wenn die oberen Zweier nicht angelegt sind und nach den ersten Schneidezähnen gleich die Eckzähne kommen. Das zerstört die ganze ästhetische Ballance. Dann muss der Eckzahn etwas als kleiner Schneidzahn abgetarnt werden, indem die Höckerspitze des Dreiers eingeschliffen wird bzw. die Schneidekante des Dreiers so aufgebaut wird, dass der Eckzahnhöcker unauffälliger wird.
Die unteren Eckzähne haben Kontakt zu den oberen zweiten Schneidezähnen und zu den oberen Eckzähnen.
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