Als CO2-Sequestrierung oder CO2-Speicherung (im Englischen: carbon capture (CC) oder auch carbon capture and storage (CCS)) werden chemische, physikalische und biologische Verfahren bezeichnet, mit denen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) aus den Emissionen bei der Verbrennung fossiler Energieträger abgetrennt und danach eingelagert werden soll, um nicht in die Atmosphäre zu gelangen. Grund für diese Bemühungen sind der Treibhauseffekt und die daraus resultierende globale Erwärmung.
Als Sequestrierung im eigentlichen Sinne bezeichnet man die dauerhafte Einlagerung des CO2. Die Abtrennung im Kraftwerksprozess kann mit unterschiedlichen Verfahren erfolgen, z. B. nach einer Kohlevergasung (CO2-freies IGCC Kraftwerk), Verbrennung in Sauerstoffatmosphäre, oder CO2-Wäsche aus dem Rauchgas. Als mögliche CO2-Speicher gelten zum einen geologische Formationen wie Erdöllagerstätten, Erdgaslagerstätten, salzhaltige Grundwasserleiter oder Kohleflöze. Aber auch eine Lagerung in der Tiefsee wird untersucht.
In der Bundesrepublik Deutschland wird in Forschungsprojekten im Rahmen der Programme Geotechnologien und Cooretec untersucht, wie der notwendige Kraftwerksneubau in Deutschland von 40 GW (etwa 1/3 der Engpassleistung aller deutschen Kraftwerke) so gestaltet werden sollte, dass die notwendige Reduzierung der CO2-Emissionen erreicht werden kann. So müssen insbesondere die Wirkungsgrade der Kraftwerke maximiert werden, weil so der CO2-Anfall an der Quelle minimiert wird. Weiterhin erprobt man die Realisierung von Kraftwerkstechnologien mit CO2-Abtrennung (Prognose: Ersteinsatz bis 2030) sowie Möglichkeiten, das Gas aus den Rauchgasen konventioneller Kraftwerke abzuscheiden. Zuletzt wird nach Möglichkeiten gesucht, das abgetrennte CO2 dauerhaft und sicher zu speichern.
Die möglichen Lagerungskapazitäten für CO2 werden für die Bundesrepublik Deutschland mit etwa 22 Gt (Gigatonnen) angenommen, diese Annahmen sind aber noch nicht abschließend geklärt. Umfangreiche Untersuchungen dazu finden sich bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). *
Auf EU-Ebene wurde die Technologieplattform für CO2-freie Kraftwerke (TP ZEFFPP) eingerichtet, die in internationaler Kooperation von Experten aus Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaft und Industrie den Stand der Forschung untersucht und den Handlungsbedarf ermittelt, um die Vision CO2-freier Kraftwerke umzusetzen. Dieses Gremium erarbeitet auch Vorschläge für die Ausrichtung des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU.
Am 10. und 11. März 2005 fand auf der internationalen Energiemesse ENERTEC ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit veranstalteter Workshop zu CO2-minderungs Technologien statt. Die Folien zu den Vorträgen können von heruntergeladen werden. Dort wird vor allem der Stand zur CO2-Sequestrierung dargestellt [http://www.fz-juelich.de/ptj/projekte/datapool/page/2102/13_Borm.pdf.
In die Kostenbetrachtung muss aber die zukünftige Entwicklung mit einbezogen werden. Da zu erwarten ist, dass die zulässigen Grenzwerte für Schadstoffemissionen weiterhin fallen werden, kann sich für ein neues Kraftwerk mit einer Lebensdauer von 60 Jahren die CO2-Sequestrierung durchaus lohnen.
Durch die steigende Nachfrage nach Erdöl und die dadurch verbundene Preissteigerung gibt es Forschungsprogramme, die die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen (Kohleverflüssigung) zum Ziel haben. Der Nachteil ist, dass dabei große Mengen an CO2 anfallen. Eine Sequestrierung kann also helfen, synthetische Kraftstoffe auch aus ökologischer Sicht verwertbar zu machen.
Auch die Stromerzeugung aus Biomasse kann mit der CO2-Sequestrierung kombiniert werden. Dadurch wäre die CO2-Bilanz nicht nur ausgeglichen, sondern sogar positiv.
Weitere zukunftsgerichtete Programme erforschen Möglichkeiten, das Kohlenstoffdioxid mittels chemischer Absorber direkt aus der Luft zu filtern.
Kohlenstoffdioxid kann auch in Mineralen gespeichert werden, mit denen es Karbonate bildet. Diese könnten an der Erdoberfläche gelagert werden, was deutlich preiswerter als eine unterirdische Lagerung ist. Jedoch ist die Reaktionsgeschwindigkeit unter herkömmlichen Bedingungen zu gering, sodass diese Verfahren nicht praktikabel sind.
Das sequestrierte CO2 könnte auch in Kohleflöze gepumpt werden. Es würde das dort eingelagerte Methan verdrängen, was Grubenunglücke verhindern könnte. Darüber hinaus könnte das Methan als Treibstoff verkauft werden.
Man kann Kohlenstoffdioxid auch in unter dem Meer gelegenen Kohleflözen einlagern. Diese Methode stößt jedoch größtenteils auf Ablehnung, weil dadurch unvorhersehbare Schäden an Ökosystemen eintreten können. Außerdem ist durch internationales Recht die Einlagerung von Abfällen in den Ozeanen verboten. Zuletzt ließe sich in den Ozeanen eingelagertes CO2 nur schwer verfolgen, sodass ein unkontrolliertes Freisetzen leichter möglich wäre.
In Sedimentschichten eingelagertes Kohlenstoffdioxid hätte auch seine Vorteile: In fast erschöpften Erdöllagerstätten könnte man dadurch den Förderdruck erhöhen. Entsprechende Programme laufen bereits in Großbritannien (Nordsee) und den USA.
Weit gefährlicher als das allmählichen Ausgasen des gespeicherten Kohlenstoffdioxids wäre ein plötzliches zutage treten. Dadurch würden hohe CO2-Konzentrationen erreicht werden, die erstickend wirken (siehe hierzu Nyos-Unglück).
Die Einleitung großer Mengen CO2 ins Meer kann massive ökologische Folgen haben, etwa durch Senkung des pH-Wertes oder die Bildung von „CO2-Seen“ auf dem Meeresgrund, die das dortige Leben abtöten (siehe dazu auch Kohlenstoffzyklus, hier vor allem Kohlenstoffzyklus (Probleme technischer Lösungen)).
Die Verfahren zur CO2-Sequestrierung verursachen zusätzliche Kosten in der Stromerzeugung. Die wirtschaftliche Machbarkeit hängt daher wesentlich von den im CO2-Handel festgelegten Preisen der Emissionsrechte ab. Ziel des europäischen Emissionsrechtehandels ist die Förderung CO2-mindernder Technologien, zu denen die CO2-Sequestrierung gehört.
Durch den Aufwand, der zur CO2-Abtrennung nötig ist, sinkt der Wirkungsgrad der Kraftwerke, wodurch mit Strompreiserhöhungen zu rechnen sein wird. Man kann diesen Nachteil jedoch umgehen, wenn man die ebenfalls bei der Verbrennung fossiler Energieträger anfallenden Schwefeloxide mit dem CO2 zusammen speichern würde.
Wollte man das gesamte Kohlenstoffdioxid, das während der Lebensdauer von 60 Jahren eines konventionellen Kraftwerks auftritt, in Sedimentschichten lagern, bräuchte man dafür so große Reservoirs, dass das Kraftwerk nur an wenigen Stellen der Erde errichtet werden könnte (vornehmlich an Erdöllagerstätten). Forscher sind jedoch zuversichtlich, mittels besserer Erkundungsmethoden genügend Speicherstätten finden zu können.
Die bisherigen Forschungen oder Vorhaben beschäftigen sich in der Regel nur mit der Speicherung von flüssigem oder gasförmigen CO2 oder in Form von Trockeneis. Daneben gibt es aber auch die Möglichkeit das CO2 als Kohlenstoff (Aromate) zu speichern, also z.B. als Pyrogener Kohlenstoff in Form von Biokoks oder Schwarzerde (s.a.Terra preta: Schwarzerde in Amazonien). Auf diese Aggregatform sind die meisten der oben genannten Kritikpunkte dann nicht mehr zutreffend.
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