Cēsis (deutsch: Wenden) ist eine Stadt im nördlichen Lettland, in der Region Livland (lettisch: Vidzeme) mit 18.598 Einwohnern (Januar 2005). Sie liegt auf Hügeln und Terrassen oberhalb der Gauja am nördlichen Ausgang des Gauja-Nationalparks. Cēsis ist ehemalige Hansestadt und Hauptstadt des nach ihr benannten Landkreises (lettisch: Cēsu rajons).
Deutsche Kreuzritter des Livländischen Ordens begannen 1209 mit dem Bau der Burg 'Wenden' nahe der Bergfestung. Nachdem die Ordensburg vergrössert und befestigt worden war, diente sie mit verschiedenen Unterbrechungen von 1237 bis 1561 als Wohnsitz des Ordensmeisters und somit als Hauptsitz des Ordens. 1577 zerstörte die Besatzung die Burg um zu verhindern, dass sie in die Hände Ivans des Schrecklichen fiel. Sie wurde danach wieder aufgebaut, 1703 jedoch im großen nordischen Krieg von den russischen Truppen abermals zerstört und in diesem Zustand belassen.
Bereits vom Ende des 16. Jahrhunderts an waren die Burggebäude den Erfordernissen des Gutes angepasst worden. Als das Anwesen 1777 durch den Grafen Sievers übernommen wurde, baute dieser sein neues Wohngebäude an die Ostseite der Burg, mit der rückwärtigen Wand an deren Befestigungsturm. Seit 1949, befindet sich das Geschichtsmuseum von Cēsis in diesem neuen Schloss auf dem Gelände. Der Vorhof des neuen Schlosses ist von einem Kornspeicher und einem Kutschstall umschlossen, letzterer beherbergt heute die Ausstellungshalle des Museums. Neben dem Speicher steht die älteste Brauerei Lettlands, Cēsu alus darītava, die 1878 während der Zeit des späteren Grafen Sievers gebaut wurde, deren Ursprünge jedoch bis in die Ordenszeit zurückreichen. In der Nähe liegt der Schlosspark von Cēsis, der, 1812 angelegt, die üblichen romantischen Merkmale eines Gartens dieser Zeit zeigt: Gewundene Fusswege, fremdartige Pflanzen und einen Teich, in dem sich die Burgruine widerspiegelt.
Zu den Bauwerken aus dem Mittelalter gehören die Kirche St. Johann (1281-1284 erbaut), die Ruinen der Ordensburg und Überreste der Befestigungsmauern an den Straßen Vaļņu and Palasta. Darüber hinaus ist das Netz der alten Straßen und Baugrundstücke aus dieser Zeit erhalten geblieben. Viele der Gebäude hingegen sind Kriegen und Feuern (das letzte 1748) zum Opfer gefallen. Gebäude aus dem 18. Jahrhundert kann man noch an der Rigaer Straße 16 und 25 sehen, Häuser aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an deren Nummern 15 und 47, der Gaujastrasse 6 und andernorts.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der Bau der Fernstraße zwischen Rīga und Pleskau (lett.: Pleskava) 1868 sowie der Eisenbahnlinie Rīga-Valka 1889 die Entwicklung der Stadt gefördert. Die Ronneburger (lett.: Raunas) Straße zwischen Bahnhof und Altstadt wurde als breite Prachtstraße angelegt mit dem Haus der lettischen Gesellschaft (Architekt: A. Malvess) an ihrer Nummer 10, dem Gebäude des örtlichen Gerichts (Architekt: P. Mengelis) an Nummer 14 und anderen wichtigen Gebäuden.
Cēsis entwickelte sich auch zum Kurort. Vornehme Sommerhäuser und Gesundheitseinrichtungen wurden nahe der Gauja gebaut. 'Cīrulīši' ist die bekannteste und befindet sich nahe der Svētavotshöhle (Heilige Quelle), deren Quelle Heilkräfte zugeschrieben werden. Cēsis wirbt mit seiner erhaltenen Altstadt und der ländlichen Ruhe. Daneben ist es Ausgangspunkt für Fahrten in den umgebenden Nationalpark und somit eine der Hauptattraktionen des Tourismus in Lettland.
Es besteht seit 1992 eine Städtepartnerschaft zwischen Cēsis und Achim (Weser) in Deutschland. Weitere Städtepartnerschaften werden seit 1991 mit Tyresö (Schweden) und Venafro (Italien), seit 2000 mit Rokischkis (Litauen) unterhalten.