Butzbach ist eine
deutsche Stadt im
Wetteraukreis,
Hessen am nordöstlichen Übergang des
Taunus zur
Wetterau.
Geografie
Nachbargemeinden und -kreise
Butzbach grenzt im Norden an die Gemeinde
Langgöns (
Landkreis Gießen), im Osten an die Stadt
Münzenberg und die Gemeinde
Rockenberg, im Süden an die Gemeinde
Ober-Mörlen und die Stadt
Usingen (
Hochtaunuskreis),sowie im Westen an die Gemeinden
Grävenwiesbach (
Hochtaunuskreis) und
Waldsolms (
Lahn-Dill-Kreis).
Stadtgliederung
Butzbach besteht aus den Stadtteilen Bodenrod, Butzbach (Kernstadt),
Ebersgöns, Fauerbach v.d.H., Griedel, Hausen-Oes, Hoch-Weisel,
Kirch-Göns, Maibach, Münster,
Wappen Nieder-Weisel (Butzbach).png Nieder-Weisel,
Ostheim,
Pohl-Göns und Wiesental.
Einwohner
(jeweils zum 31. Dezember)
Aktuell
- Seit 2005 erfährt der Ort verstärkte überregionale Aufmerksamkeit durch die Errichtung eines „Nationalen Zentrums“ der militanten Neonazi-Gruppe „Freie Nationalisten Rhein-Main“ um Marcel Wöll.
- Im Jahr 2007 findet der Hessentag in Butzbach statt.
Geschichte
In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums von Butzbach lag im 1. Jahrhundert eines der wichtigsten
Limeskastelle der Wetterau, das Kohortenkastell
Hunneburg, von dem heute leider nichts mehr zu sehen ist. Im Museum der Stadt befindet sich ein anschauliches Modell der
Hunneburg, die größer war als die restaurierte
Saalburg im Taunus.
Die erste urkundliche Erwähnung (als Dorf) entstammt dem Jahre 773; im Jahre 1321 wurde das Stadtrecht verliehen. Ein paar hundert Jahre lang erbten und vererbten Butzbach Falkensteiner, Eppsteiner, Solms-Braunfelser, Solms-Licher, Katzenelnbogener und schließlich Hessen-Darmstädter.
Von 1609 bis 1643 wurde Butzbach von einer Seitenlinie Hessen-Darmstadts, dem Landgrafen Philipp III. von Hessen-Darmstadt-Butzbach regiert. Anschließend fiel Butzbach wieder an Hessen-Darmstadt.
Landgraf Philipp war ein vielfach interessierter und hoch gebildeter Mann, er sprach sieben Sprachen, lernte während einer Italienreise Galilei kennen, war interessiert an Astronomie und Astrologie, verfügte folgerichtig über eine eigene Sternwarte und hatte mehrfach Johannes Kepler zu Besuch. In seinem weithin berühmten Lustgarten ließ er einen Planetenbrunnen mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten von Sternzeichen, Sternbildern, Jahreszeiten usw. anlegen. Leider ist von all dem nichts mehr zu sehen, der Lustgarten wurde zum Kasernenhof, vom Planetenbrunnen gibt es nur noch ein Gemälde, das seit 1999 mühevoll restauriert werden musste. Seit geraumer Zeit besteht im Bereich des restaurierten Landgrafenschlosses ein detailgetreuer Nachbau des Lustgartens.
Religionen und Konfessionen
Die jüdische Gemeinde
Im Mittelalter werden 1332 erstmals jüdische Bewohner genannt. Nach der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 hört man 1371/72 wieder von Juden in der Stadt. 1384 wird eine Synagoge (Betsaal) in Butzbach erwähnt. Die jüdischen Familien lebten insbesondere in der Judengasse (später Hirschgasse). Ihre Haupteinnahmequelle war die Pfandleihe. Doch hört man auch von einem jüdischen Arzt und von jüdischen Gelehrten. Von einer Vertreibung der Juden am Ende des Mittelalters ist nichts bekannt, doch zogen die meisten Juden Mitte des 15. Jahrhunderts aus der Stadt fort. Im 16. und 17. Jahrhundert lebten wiederum Juden in der Stadt, die hauptsächlich vom Kleinhandel, aber auch von Handwerken lebten. 1622 wurden fünf bis acht Familien gezählt, 1656 zehn Familien mit einem
Rabbi. Aus nicht bekannten Gründen verzogen die Familien nach einiger Zeit wieder aus Butzbach oder wurden ausgewiesen. Zu einem stärkeren Zuzug kam es erst wieder im 19. Jahrhundert. Um 1848 wurden 27 jüdische Einwohner (fünf Familien) gezählt. Da abzusehen war, dass weitere Familien folgten, erhielten sie wenig später die Genehmigung zur Gründung einer selbständigen Religionsgemeinde. Ein Betsaal konnte noch im August 1848 im Rathaus der Stadt eingerichtet werden. 1868 waren es 14 Familien. Durch Zuzug aus den Nachbardörfern - verstärkt nach der Zeit des Ersten Weltkrieges - und Zuzug einiger sogenannter
„Ostjuden“ wurden es etwa 40 Familien. Hauptsächlich verdienten die jüdischen Familienväter ihren Lebensunterhalt als Kaufleute (auch Schuhwarenhändler, Textilkaufleute), als Viehhändler, Landesproduktenhändler, Metzger, Tabakwarenhändler, als Uhrmacher oder Schuhmacher. Eine Synagoge konnte am 20. August 1926 in der Wetzlarer Straße erbaut werden. Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 148 Personen, d.h. 2,6 % der Gesamtbevölkerung) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert, ein größerer Teil von ihnen in die USA (80 Personen). Beim Novemberpogrom 1938 wurde nicht nur die Synagoge niedergebrannt, sondern auch jüdische Geschäfte und Wohnungen völlig verwüstet sowie jüdische Einwohner misshandelt. 1941–1942 wurden die letzten 18 jüdischen Personen aus Butzbach in Vernichtungslager deportiert und ermordet, weitere ehemalige Butzbacher Juden wurden von anderen Orten aus deportiert. Nach 1945 entstand keine jüdische Gemeinde mehr in der Stadt.
Politik
Stadtverordnetenversammlung
Bei der Kommunalwahl am 26. März 2006 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Wirtschaft
Verkehr
Die Stadt liegt an der
Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Friedberg im Bereich des
Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Der Bahnhof Butzbach Ost ist Verwaltungssitz der
Butzbach-Licher Eisenbahn AG, die in der Wetterau eine große Rolle im ÖPNV spielt.
Direkte Autobahnanschlüsse an die Bundesautobahn 5 (Hattenbacher Dreieck - Weil am Rhein) und die Bundesautobahn 45 (Sauerlandlinie von Dortmund nach Aschaffenburg), die sich ganz in der Nähe bei Gambach kreuzen. Weiter ist Langgöns in der Nähe von Butzbach Ausgangspunkt der Bundesautobahn 485 zum Gießener Nordkreuz und Richtung Marburg und Kassel. Butzbach liegt außerdem an der Bundesstraße 3 zwischen Friedberg und Gießen
Ansässige Unternehmen
Eine Abteilung des Butzbacher Museums hat die Überschrift
„Was Krupp in Essen, ist Butzbach in Hessen!“ Butzbach ist ein bedeutender Industrie- und Gewerbestandort, der hauptsächlich auf
Maschinenbau und
Metallverarbeitung ausgerichtet ist, z. B.
Weichenbau,
Verfahrenstechnik, Produktion von Maschinen für die
Landwirtschaft,
Schleifmitteltechnik,
Anlagenbau auf dem Gebiet Wasser- und Abwasseraufbereitung,
Verpackungsmaschinen,
Messtechnik und
Regelungstechnik. Seit 1987 nimmt die Beschäftigtenzahl im produzierenden Gewerbe ab, dafür steigt die Zahl der Beschäftigten bei
Dienstleistung und
Handel.
Städtepartnerschaften
Patenschaft
- 1954 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt Tepl im Egerland übernommen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Butzbach liegt an der Deutschen Fachwerkstraße und an der Limes-Straße.
Bauwerke
StadtmauerButzbach.JPG
- Der Marktplatz mit dem Marktbrunnen, dem Fachwerkrathaus aus dem 16. Jahrhundert und mit einigen Fachwerkhäusern; oft zu den schönsten Plätzen Hessens gezählt
- Weitere Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert
- Gotische Markuskirche aus dem 15. Jahrhundert
- Kleine Reste der Stadtmauer mit typischen Schwippbogenhäusern.
- Das Landgrafenschloss - Bereits um 1200 gab es in Butzbach eine Burg, die im Laufe der Zeit zum Schloss ausgebaut wurde. Hier residierten für kurze Zeit die Landgrafen von Hessen-Butzbach. Später wurde das Schloss zur Kaserne, die u.a. die US-Armee genutzt hat.
Das Landgrafenschloss wurde bis 2004 renoviert und wird inzwischen von Magistrat und Stadtverwaltung genutzt.
- Die Butzbacher Wendelinskapelle ist die älteste Fachwerkkirche Hessens aus der Zeit um 1438
- Komturkirche des Johanniter-Ordens im Stadtteil Nieder-Weisel südlich von Butzbach
Regelmäßige Veranstaltungen
- Märkte (März : Faselmarkt / Oktober : Katharinenmarkt)
- Sommer(ferien) : OpenAir Kino im Schlosshof
- 1. Wochenende im September : Altstadtfest
- dienstags 8.00 bis 13.00 Uhr Wochenmarkt und samstags 8.00 bis 13.00 Uhr Selbsterzeugermarkt
Museen
Museum der Stadt Butzbach im Solms-Braunfelser Hof.
Das Museum gibt u.a. äußerst sehenswerte Einblicke in die Butzbacher Industriegeschichte (Gerberei, Schuhmacherhandwerk, Nahrungsmittelproduktion).
Butzbach-Marktplatz.jpg
Söhne und Töchter der Stadt
Der in
Oberkleen geborene
Friedrich Ludwig Weidig wirkte 22 Jahre als Lehrer und Rektor der Schule in Butzbach. Weidig hat gemeinsam mit
Georg Büchner die Flugschrift
Der Hessische Landbote verfasst, war
Turner und
Pädagoge. Nach ihm wurde die Weidigschule (Gymnasium) benannt.
Gabriel Biel war ein spätmittelalterlicher Theologe und langjähriger Propst der Brüder vom gemeinsamen Leben (auch Fraterherren oder Kugelherren genannt) in Butzbach. Die Bibliothek im Butzbacher Kugelhaus entstand vor allem während der Zeit Gabriel Biels in Butzbach. Die Handschriften befinden sich heute zu großen Teilen in der Universitätsbibliothek Gießen, wohin sie auf Befehl des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt 1771 verbracht wurden.
Mehrere Mitglieder des bei der WM 2005 erfolgreichen deutschen Sport Stacking Teams, die auch bei SternTV und TV Total auftraten, kommen aus Butzbach, unter anderem Miriam Christ.
Weblinks
Ort in Hessen
Butzbach