Eine Burschenschaft ist eine Sonderform einer Studentenverbindung. Etwa 10-15 Prozent (ca. 150-200 von 1500-2200) aller studentischen Verbindungen sind Burschenschaften. Burschenschaften zeichnen sich durch ihr Bekenntnis zur Herkunft aus der sogenannten Urburschenschaft aus, egal in welche Richtung sie sich in heutiger Zeit entwickelt haben. Oftmals verfolgen sie politische Ziele, insbesondere die sogenannte "Burschenschaftliche Gemeinschaft" innerhalb des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft, die das Bild aller Studentenverbindungen in der Öffentlichkeit rechtsradikal mitgeprägt hat. Indes sind deutsche Burschenschaften die viertgrößte Gattung von Studentenverbindungen. Fälschlicherweise wird in der Öffentlichkeit oft der Begriff "Burschenschaft" als Überbegriff für alle Studentenverbindungen benutzt.
Die Burschenschaften, die in den Dachverbänden "Deutsche Burschenschaft" oder "Neue Deutsche Burschenschaft" zusammengefasst sind, nehmen alle nur männliche Mitglieder auf. Bei den freien Burschenschaften werden häufig auch weibliche und ausländische Studierende aufgenommen.
Die Burschenschafts-Bewegung entstand in Deutschland 1815, griff dann aber weit über den deutschen Sprachraum hinaus nach Mitteleuropa und zog Gründungen ähnlicher Studentengemeinschaften in Polen, Russland, Ungarn und im Baltikum nach sich. Alle heutigen deutschen Burschenschaftsverbände, besonders die Deutsche Burschenschaft, sehen sich in der Tradition der Urburschenschaft und fühlen sich dem Vaterlands-Prinzip verpflichtet.
Im Schriftverkehr wird „Burschenschaft“ oft mit "B!" abgekürzt.
Die Burschenschaften entstanden nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Dabei hatten viele Studenten u.a. im Lützowschen Freikorps mitgekämpft. Sie setzten sich danach in der Zeit des Vormärz die Abschaffung der deutschen Kleinstaaterei, die Durchsetzung einer demokratischen Verfassung im Rahmen der Monarchie und die Schaffung eines großdeutschen Reiches zum Ziel.
Die am 12. Juni 1815 in Jena gegründete Urburschenschaft bestand aus Gruppen mit nationalen, christlichen und freiheitlichen Ideen. Zu ihren geistigen Wegbereitern gehörten u.a. Ernst Moritz Arndt, „Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn und Philosophen wie Johann Gottlieb Fichte. Sie forderte mit den Werten „Ehre-Freiheit-Vaterland" staatsbürgerliche Verantwortung, ethnische Solidarität und individuelle Freiheitsrechte zugleich ein. Möglich war diese Synthese verschiedener Elemente durch den elitären Ansatz, der in erster Linie die Pflicht des Einzelnen, für das Ganze einzutreten, betonte.
In der Verfassungsurkunde der Jenaischen Burschenschaft vom 12. Juni 1815 heißt es:
Der vaterländische Gedanke war die wichtigste Idee, für die sich sehr viele Studenten begeistern konnten. Um diese Gesinnung der ganzen Welt mitzuteilen, wurde am 17. Oktober 1817 auf der Wartburg bei Eisenach ein Burschenfest gefeiert, an dem etwa 600 Burschen aus ganz Deutschland teilnahmen. Das Festdatum war bewusst gewählt, um mit der Reformation Martin Luthers zugleich an den Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig zu erinnern.
Nach emotionalisierenden Festreden forderte Professor Jakob Friedrich Fries (1773-1843) aus Jena eine Bücherverbrennung von Schriften, die als „undeutsch" galten. Verbrannt wurden u.a. Symbole der französischen und der Fürstenherrschaft, der Code Napoleon, und das Buch Germanomanie des jüdischen Autors Saul Ascher, dieser hatte sich in seinem Werk über das beginnende "Deutschlandgefühl" abfällig geäußert. Bei der Verbrennung wurde seitens der Burschenschafter dreifach „Wehe über die Juden!" gerufen. Wenig später beschloss die Burschenschaft, Juden nicht aufzunehmen, da diese ein eigenes Volk im Volk wären und kein Vaterland hätten. Später, nach Abkehr vom christlichen Glauben und Aufspaltung in germanische und arminische Linie, wurde der Beschluss um 1830 fallengelassen und bis etwa 1871 konnten Juden problemlos Mitglieder in Burschenschaften werden.
Diese Bücherverbrennung auf dem Wartburgfest wurde später unter anderen Vorzeichen von antisemitischen Gruppen und Parteien, vor allem durch die NSDAP kopiert. Vertreter aus der Deutschen Burschenschaft waren 1933 daran führend beteiligt, jedoch ist nicht nachweisbar, ob sie freiwillig oder unter Zwang daran teilnahmen. Propagandaminister Goebbels organisierte die Bücherverbrennung bewusst als Zeichen, dass sich die alten studentischen Korporationen (Corps, Burschenschaften, Verbindungen) den neuen Machthabern bereitwillig unterwarfen.
Hoffmann_von_Fallersleben_by_Schumacher_1819.jpg in altdeutscher Tracht, Gemälde von 1819]]
Die Versammlung formulierte und beschloss dann gemeinsame Grundsätze und Ziele, um allen deutschen Burschenschaften ein gemeinsames politisches Programm zu geben:
Das Programm griff also wesentliche liberale Ideen der französischen Revolution auf, obwohl die Burschenschafter diese ablehnten. Sie betteten sie in eine "vaterländische" und "wehrhafte" Monarchie ein.
Die bürgerlichen Rechte finden sich heute in allen europäischen Verfassungen, auch dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, während die Monarchien fast überall abgeschafft wurden.
Im folgenden Jahr kam es an vielen Universitäten zur Gründung von Burschenschaften, die diese Grundsätze vertraten. Diese verstanden sich anfangs nicht als Vielzahl unabhängiger Burschenschaften, sondern als Teil einer einzigen großen Burschenschaft, die die gesamte Studentenschaft umfassen und alle bisher bestehenden Studentenverbindungen ablösen sollte: der "Allgemeinen deutschen Burschenschaft".
Die Vereinigung wurde letztlich nicht erreicht, da die Bewegung mittlerweile stark zersplittert war und die Corps weiterhin an ihren alten Traditionen festhielten. So gab es - zumindest an den großen Universitäten - weiterhin mehrere Corps und jetzt auch mehrere Burschenschaften.
1819 ermordete der Burschenschafter Karl Ludwig Sand den Schriftsteller und angeblichen russischen Agenten August von Kotzebue, dessen Werk "Geschichte des deutschen Reichs" beim Wartburgfest auch verbrannt worden war. Daraufhin erließen die im Deutschen Bund versammelten Regierungen strenge Verbote jeder studentischen Organisierung an Hochschulen und anderswo. Diese - nach dem Tagungsort des Bundestages benannten - Karlsbader Beschlüsse gingen maßgeblich auf den Einfluss des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich zurück. Ihretwegen waren viele Burschenschafter in den nächsten Jahren staatlicher Beobachtung und Verfolgung ausgesetzt. Es wurde festgelegt, dass für jede Universität ein "landesherrlicher Bevollmächtigter" zu ernennen sei, der vor Ort genau kontrollierte, ob die Professoren den Studenten politisch unliebsame Ideen vermittelten. Wichtigstes Gremium wurde die Mainzer Zentraluntersuchungskommission, der jede Auffälligkeit zu melden war. Missliebige Professoren konnten von der Universität verwiesen werden und erhielten im ganzen Deutschen Bund Berufsverbot ("Demagogenverfolgungen").
In weiterer Folge kehrte die Burschenschaft dem christlichen Glauben den Rücken und lehnte sich im Geheimen, um Anerkennung zu gewinnen, den alten Corps an und übernahm deren Mensurstandpunkt (die Urburschenschaft war noch nicht-schlagend und mensur-ablehnend gewesen). Gleichzeitig zersplitterte sie in eine radikal-republikanisch-nationale Linie ("Germania") und eine hochschulpolitisch-freidenkerisch-liberale Linie ("Arminia"). Noch heute sind in vielen Städten Burschenschaften namens Arminia und Germania zu finden, auch wenn diese Namen heute keine Bedeutung mehr für die Ausrichtung haben.
Nach der Julirevolution in Paris 1830 nahm die deutsche Demokratiebewegung wieder zu. Nach und nach wurden die Verbote wieder gelockert. Auf dem Hambacher Fest 1832 wurden erstmals die Burschenschaftsfarben Schwarz-Rot-Gold (Couleur) auch von Nicht-Studenten verwendet. Sie wurden zum Symbol der Demokratiebewegung in Deutschland und darum später zur Staatsflagge der Weimarer Republik, der Bundesrepublik Deutschland und auch der DDR.
Es waren vor allem Burschenschafter hauptsächlich aus Heidelberg und Würzburg, die im Jahre 1833 den Frankfurter Wachensturm organisierten, mit dem Waffen und die Kasse des Deutschen Bundes erobert werden sollten, was zur Auslösung eines bewaffneten Volksaufstandes hätte führen sollen. Das Scheitern dieser Aktion, bei der es neun Tote und 24 Verletzte unter den Aufständischen gab, stellte einen schweren Rückschlag für die burschenschaftliche Bewegung dar. Die meisten Gründungsdaten heute noch existierender Burschenschaften liegen nach diesem Datum.
Der Bundestag setzte eine Untersuchungskommission ein, die jahrelange, ausgedehnte Nachforschungen nach den Verschwörern und ihren Hintermännern anstellte. Bis 1838 schrieb diese mehr als 1.800 Personen zur Fahndung aus. Wegen Hochverrats wurden schließlich 39 Personen zum Tode verurteilt, später jedoch zu - zum Teil lebenslänglichen - Haftstrafen begnadigt.
Am 10. Januar 1837 gelang es sechs der zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilten Burschenschafter mit Hilfe von außen, dem Gefängnis zu entfliehen. Die Sympathie der Bevölkerung war auf ihrer Seite. Gegen die Suchmaßnahmen der Behörden wurde Spottverse gedichtet, die noch heute in studentischen Liederbüchern stehen und regelmäßig gesungen werden.
Das Lied Die freie Republik wurde unter anderem auch von Hannes Wader interpretiert und auf Tonträgern veröffentlicht.
Viele Burschenschafter waren eine treibende Kraft der Revolution von 1848. Infolge der Einrichtung einer Nationalversammlung in der Frankfurter_Paulskirche wurden die Karlsbader Verbote endlich aufgehoben.
Die katholische Kirche hingegen sah in den Burschenschaften zunehmend eine Gefahr für die Sittlichkeit und den Glauben und ahndete die Mensur mit der Tatstrafe der Exkommunikation. Daraufhin kam es - vor allem im preußisch-protestantisch dominierten Deutschland - zur Unterdrückung katholischer Studierenden durch andere Korporationen, weswegen auf Initiative der Kirche und einzelner Pfarrer nach und nach katholische Studentenverbindungen gegründet wurden, die sich - um die Burschenschaften zu provozieren - fast genau deren Aussehen und Brauchtum gaben, ohne deren Ideologie zu teilen. CV und KV entstanden, teilweise wird das bis heute von Teilen der Burschenschaft (insbesondere in Österreich) als Afront verstanden.
1859 kam es beim 100. Geburtstag von Friedrich Schiller zu ersten offiziellen Gründungen von Burschenschaften auf dem Gebiet von Österreich-Ungarn. Zuvor hatte Metternich dort ein Koalitionsverbot mit effizienten Unterdrückungsmethoden durchsetzen können. Erst nach der verlorenen Schlacht von Solferino musste Kaiser Franz Joseph 2. Zugeständnisse an die Bürger in Form von liberaleren Vereinsgesetzen machen. Bis 1849 hatten die mittelalterlichen Nationes in Österreich-Ungarn existiert, nach der Revolution hatte von 49-59 nach deren Verbot ein Vakuum geherrscht. Dies wurde nun durch eine Gründungswelle studentischer Korporationen kompensiert. In Österreich entstanden also Corps, Burschenschaft, neue Landsmannschaften, CV-Verbindungen nicht nacheinander aus verschiedenen Bewegeggründen, sondern gleichzeitig und parallel 1959-64, die Burschenschaft hatte im Vielvölkerstaat mit nationalen Identitätsproblemen zu kämpfen und begann sich in Österreich-Ungarn verstärkt in Richtung Deutschnationalismus zu entwickeln.
Nach der Einigung des Reiches 1871 sahen die Burschenschaften im deutschen - anders als im österreichisch-ungarischen Kaiserreich - ihr wichtigstes Ziel, den Zusammenschluss der deutschen Länder und Staaten, als erreicht an. Aus der revolutionären Bewegung wurde eine staatstragende Organisation, das politische Spektrum blieb aber sehr breit und reichte von radikal-demokratischen bis zu national-konservativen-antisemitsch eingestellten Gruppen.
Anders im Kaiserreich Österreich-Ungarns: Massive ethnische, antisemitische und chauvinistische Propaganda drohte immer wieder zur Sprenung des Vielvölkerstaates zu führen. Alldeutsch-cisleithanische Politiker wie der Burschenschafter Georg von Schönerer polemisierten gegen das supranationalistisch-christlich eingestellte Kaiserhaus der Habsburger für einen alldeutschen Zusammenschluss. Antisemitische und antislawische Positionen übten einen großen Einfluss auch auf christlich-soziale Politiker wie Karl Lueger aber auch Sozialdemokraten wie Karl Renner aus.
In der Zeit der Weimarer Republik befand sich der größte und wichtigste Dachverband von Burschenschaften - die Deutsche Burschenschaft - überwiegend im Lager der Republikgegner. Auch der Antisemitismus nahm bei der Deutschen Burschenschaft zu und führte vermehrt zu Beschlüssen, die jüdischen Mitglieder auszuschließen. Auf der anderen Seite waren Burschenschafter in vielen wichtigen Positionen tätig. Der bekannteste Burschschafter war der Reichskanzler und Außenminister Gustav Stresemann (B! Suevia Leipzig), einer der Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft. (siehe auch: Deutsche Burschenschaft)
Die Geschichte anderer Burschenschaften, insbesondere die der konfessionellen Burschenschaften, muss noch nachgetragen werden.
Adolf Hitlers Machtergreifung wurde von einigen Burschenschaften begeistert begrüßt. Bald darauf initiierten einige seiner Führer zusammen mit der Hitler-Jugend und SA eine öffentliche Bücherverbrennung.
Seit 1934 setzten sie sie im Rahmen der Gleichschaltung immer stärker unter Druck, um sie wie alle übrigen Studentenverbände dem NS-Studentenbund (NSDStB) einzugliedern. Viele Burschenschaften entzogen sich dem, indem sie sich vorher selbst auflösten. Andere führten ihre Traditionen verdeckt innerhalb der NS-Kameradschaften fort.
Nach 1945 kam es zu Wiedergründungen. Der größte Teil der Burschenschaften ist heute in den Korporationsverbänden Deutsche Burschenschaft (DB, gegründet 1881/wiedergegründet 1948) und Neue Deutsche Burschenschaft (Neue DB, gegründet 1996) organisiert. Viele Burschenschschaften in Österreich gehören den Dachverbänden (zusätzlich zur DB oder nur) Verband der Akademischen Burschenschaften in Österreich (DBÖ, 1907/1952) oder Conservativer Delegierten Convent der fachstudentischen Burschenschaften in Österreich (CDC, 1909/1952) an. Diese sind im Gegensatz zur DB allerdings pflichtschlagend.
Die Deutsche Burschenschaft sieht sich in der patriotischen Traditionslinie und vereint Verbindungen aus der Bundesrepublik Deutschland, der Republik Österreich und der Schweiz; Burschenschaften aus Chile und Belgien haben ein Assoziationsverhältnis mit ihr.
Nach wie vor wird über ein (überstaatliches) "Vaterland", das den deutschen Sprach- und Kulturraum (deutsche Kulturnation) umfasst, in diesem Sinne ein "deutsches Volkstum" und andere Positionen, diskutiert. Dem wollen sich zwar einigen Mitgliedsburschenschaften der DB widersetzen, dem widerspricht aber die Gesamtlinie des Verbandes.
Der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) gehören heute 46 Burschenschaften aus der DB, aus der DBÖ und aus dem CDC an. Sie wurde 1961 auf dem Haus der Münchener Burschenschaft Cimbria gegründet - am gleichen Abend fand auf dem Hause der nahegelegenen Burschenschaft Danubia München die Festveranstaltung statt - um auch österreichische Bünde aufnehmen zu können, nachdem die DB zuvor eine Aufnahme österreichischer Burschenschaften bis dahin abgelehnt hatte. Diese hatten bisweilen auch mehrmals den Vorsitz in der DB inne.
Die BG kann über die drei wesentlichen führenden Organe der DB Einfluss auf die gesamte Organisation nehmen. Da zum Teil Zwei-Drittel-Mehrheiten benötigt werden (z.B. bei Neuaufnahmen) hat sie eine Art Vetofunktion und somit großen Einfluss. Die BG tritt dafür ein, dass alle Bünde pflichtschlagend sein sollten. Da sie sich auch der Historie verschrieben haben, beziehen sich viele kritische politische Diskussionen auch auf vergangene Ereignisse, wie die Vertreibungen aus den ehemaligen Ostgebieten des vormaligen Deutschen Reiches und auf die Anerkennung/ Nichtanerkennung von Gebietsabtretungen, zumal die Heimatvertriebenen darüber nicht abstimmen durften. Etwa 40% der DB Burschenschaften lehnen in diesem Zusammenhang allerdings eine Verschärfung der Mensurverpflichtungen und politisch des Volkstumsbegriffes ab.
Im selben Kontext sind die „weißen” Burschenschaften zu nennen, die politisch als bürgerlich-konservativ gelten. Sie bilden, ähnlich der BG, eine kartellähnliche Interessengemeinschaft innerhalb der DB, den "Ring weißer Burschenschaften", und sind alle pflichtschlagend.
Die BG-Burschenschaften erhalten von politischer Seite viel Kritik. Bayerns Innenminister Günther Beckstein, selbst Alter Herr einer musischen Studentenverbindung, kritisierte 2001: "Rechtsextremisten versuchten in akademischen Burschenschaften und über diese an den Hochschulen Einfluss zu gewinnen. Bayern sehe daher nicht weg, wenn Rechtsextremisten Kontakte mit Burschenschaften pflegten oder gar versuchten, akademische Verbindungen zu unterwandern."
Burschenschaften werden im "Jahreslagebericht Rechtsextremismus" des österreichischen Innenministeriums für die Jahre 1994, 1999 und 2000 erwähntNeues von ganz rechts - Burschenschafter versuchen Imagekorrektur DöW - Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Mai 2002 sowie in dessen Verfassungsschutzbericht 1998, 2001 und 2002.Verfassungsschutzbericht 1998 des österreichischen Innenministeriums (PDF)Verfassungsschutzbericht 2001 des österreichischen Innenministeriums (PDF)Verfassungsschutzbericht 2002 des österreichischen Innenministeriums (PDF) Die Verfassungsschutzinformationen des Bayerisches Staatsministerium des Innern erwähnt sie 2001 und 2002.Verfassungsschutzinformationen Bayern, Bayerisches Staatsministerium des Innern, München, 1. Halbjahr 2001 (PDF-Datei)Verfassungsschutzinformationen Bayern, Bayerisches Staatsministerium des Innern, München, 1. Halbjahr 2002 (PDF-Datei)
Burschenschaften, die anderen Dachverbänden angehören oder dachverbandsfrei sind, vertreten oftmals liberalere politische Programme: Die Neue Deutsche Burschenschaft hat sich nach internen Meinungsverschiedenheiten von der Deutschen Burschenschaft abgespalten. Auch das Süddeutsche Kartell ein Zusammenschluss von mehreren pflichtschlagenden ehemaligen DB-Burschenschaften, die sich als ein Bund verstehen haben eine andere Ausrichtung, als die meisten Burschenschaften in der Deutschen Burschenschaft.
Außerhalb der bisher genannten Dachverbände existieren weitere Studentenverbindungen, die sich Burschenschaft nennen: z.B. im Schwarzburgbund, der nur nicht-schlagende, christliche Verbindungen aufnimmt, sowie im Ring katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB). Der Bund Deutscher Ingenieur-Corporationen (BDIC) ging vor einigen Jahren fast komplett in der Deutschen Burschenschaft auf. Daneben gibt es auch dachverbandsfreie Burschenschaften, die z.B. aus einem Dachverband ausgetreten sind. Sie sind oft weltanschaulich unabhängig und daher mit den Mitgliedsbünden der DB oder NDB nicht zu vergleichen.
Es gibt heute de facto 5 Richtungen:
Bei Veranstaltungen und Demonstrationen werden die Traditionen der Burschenschaften und Verbindungen oftmals als faschistisch angeprangert. Die Verteidiger der Burschenschaften halten dem meist entgegen, dass die Burschenschaften in ihrer Geschichte auf eine demokratische Kontinuität zurückblicken könnten, die sie auch heute noch weiterführen würden. Die Demonstrationen gegen Burschenschaften haben eine lange Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert erfolgten Demonstrationen und öffentliche Kritik.
Allgemein wird den Burschenschaften ein starker Bezug zum deutschnationalen Lager vorgeworfen. Im Allgemeinen ist zu bemerken, dass Burschenschaften einen, im Bezug auf die Gesellschaftsrelevanz, geringer werdenden Bedeutungsgrad erreichen.
Die Sozialdemokraten arbeiten im Moment an einem Unvereinbarkeitsbeschluss, in welchem Parteimitgliedern die Mitgliedschaft aufgekündigt wird, wenn sie Mitglied einer Verbindung sind, welche der Dachorganisationen Deutsche Burschenschaften, Coburger Convent, Neue Deutsche Burschenschaft oder Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen zugeordnet sind. Ausschluß droht auch Mitgliedern aus Verbindungen, welche sich nicht "klar von geschichtsrevisionistischen Meinungen abgrenzen", "Ungleichbehandlung von Mann und Frau" betreiben oder Randgruppen diskriminieren (Ausländer, Homosexuelle, Wehrdienstverweigerer usw.).
Nach Protesten verschiedener studentischer Verbände und dem Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) gegen diesen Antrag stellte die Projektgruppe "Rechtsextremismus", die vom SPD-Parteivorstand mit der Vorbereitung des Beschlusses "Burschenschaften und SPD" beauftragt worden war, im November 2005 klar, dass sich der zu fassende Beschluss ausschließlich auf Burschenschaften beziehen soll, die Mitglied des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB) seien. Der Parteivorstand der SPD fällte schließlich am 16. Januar 2006 seine Entscheidung. Er distanzierte sich, schloss aber eine generelle Unvereinbarkeit aus.
Der Parteivorstand der SPD hatte sehr ernsthaft erwogen, die Mitgliedschaft in Mitgliedsverbänden der Deutschen Burschenschaft generell für unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der SPD zu erklären. Auf einen förmlichen Unvereinbarkeitsbeschluss wurde allerdings verzichtet, weil dies keine Prüfung des jeweiligen Einzelfalls ermöglicht hätte, zudem einige der genannten Dachverbände sich gegen die aus ihrer Sicht erfolgte Verleumdung juristisch gewehrt hätten. Der Abgrenzungsbeschluss des Vorstandes stellt klar, dass gegen die Grundsätze der Partei und gegen die Beschlüsse der Parteiorganisation handelt, wer sich in einer Mitgliedsburschenschaft des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB) engagiert und sich nicht ausdrücklich persönlich von rechten Umtrieben distanziert. Soweit der Partei durch dieses Parteimitglied und dessen Mitgliedschaft schwerer politischer Schaden entsteht, sollen die Schiedskommissionen als Ergebnis eines rechtsstaatlichen Parteiordnungsverfahrens auch Ausschlüsse aus der SPD verhängen können. Andere Studentenverbindungen bzw. ihre Dachverbände sind von diesem Beschluss nicht betroffen.
Am 27. März 2006 konkretisierten Präsidium und Vorstand der SPD ihre Haltung gegenüber der Deutschen Burschenschaft und beschloss, dass die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (fraktionsähnliche Interessengemeinschaft innerhalb der DB) nicht mit einer Mitgliedschaft in der SPD vereinbar ist. Der Parteirat hat diesen Beschluss am 24. April bestätigt.
In früheren Jahrzehnten hatte es bei der SPD bereits einen ähnlichen Unvereinbarkeitsbeschluss gegeben, der aber nach Gesprächen mit den studentischen Verbänden in den 1960er Jahren aufgegeben wurde, da sich sich SPD im Rahmen ihres Godesberger Programms mehr der politischen Mitte hin öffnen wollte. Ein Ausschluss der Korporierten hätte damals beispielsweise für die Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf und Georg Diederichs gegolten, ebenso für den späteren Minister Dieter Haack. In NRW wäre von einem neuen Beschluss der frühere Landesminister und SPD - Fraktionsvorsitzende Friedhelm Farthmann betroffen gewesen. Erstaunlich ist, daß es vor der SPD die NSDAP war, die gegen Burschenschaften kämpfte und diese schließlich verbot.
Allerdings waren Heines Betrachtungen und Reflexionen, wie bei jedem politischen Menschen, durch seine eigenen, dem frühen deutschen Nationalbewusstsein abgeneigten Ansichten geprägt. Zudem handelt es sich nur um eine Einzelmeinung, der zahlreiche positive Erfahrungsberichte aus dem 19. Jahrhundert gegenüberstehen. Interessant ist jedoch, dass die Corpsstudenten jener Zeit - wie Heine - der Burschenschaft offenbar äußerst kritisch gegenüberstanden.
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