Vryburg Bild 2.jpg in Essen]]
Als Wallburg oder Schanze werden Burganlagen, Ringwälle und Viereckschanzen aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit und dem frühen Mittelalter bezeichnet, die heute meist als Bodendenkmal unter Schutz gestellt sind. Etliche dieser Anlagen werden vom Volksmund irreführend auch als Hunnenburgen, Hünenburg o.ä. bezeichnet.
In ihrer einfachsten Ausführung besteht die Wallburg lediglich aus einer natürlichen Anhebung, deren Krone ggf. eingeebnet und eventuell mit einem meist kreisrunden Erdwall markiert (ergänzt) wurde. Solche Beispiele sind die Torsburg und das Herregårdsklint auf Gotland. Innerhalb der Wallringe lag eine Freifläche, die groß genug war, ein kleines Dorf samt der Tiere aufzunehmen (1/2 bis 4 Hektar), obgleich Spuren von Gebäuden selten sind. Im allgemeinen wurde die Lage des Haupttores den jeweiligen topographischen Bedingungen angepasst, den (weitverbreiteten) pauschalierenden Theorien sollte man daher mit Vorsicht begegnen.
Die Größe und unauffällige Konstruktion der Wallanlagen lassen darauf schließen, dass sie allenfalls als Fluchtburgen dienten. Noch relativ gut erhaltene sogenannte Schanzen findet man in der Oberlausitz, z.B. die Ostroer Schanze nahe Panschwitz-Kuckau, aber auch in den meisten anderen Altsiedellandschaften Europas. Wallanlagen können Dörfer umschließen und viele Hektar groß sein. Fast immer wurde das für den Wall verwendete Material direkt davor entnommen, so dass zusätzlich ein Graben vor (bzw. hinter) dem Wall entstand, welcher oft durch archäologischen Ausgrabungen belegt ist. Ein auf der Wallkrone angebrachter, auf der Innenseite begehbarer Palisadenzaun zeigt bei jüngeren Anlagen den fließenden Übergang zur Stadtmauer und Burg. Reste von Wallanlagen dieses Typs findet man zum Beispiel im heutigen Russland und in der Ukraine.
Ipf.jpg Ortsrand aus gesehen]] Ipf Wall.jpg
Die ehemalige Funktion von Burgwallanlagen ist heute nur noch schwer zu bestimmen. Die in Bayern von Archäologen entdeckten so genannten Viereckschanzen der späten Eisenzeit (La-Tene-Kultur), dienten vermutlich kultischen Zwecken oder waren einfache Siedlungen und dienten nicht der Verteidigung. Hinweise hierauf sind die geringen Wallhöhen und Grabentiefen sowie die wehrtechnisch ungünstige topographische Situation einiger Anlagen.
Bei größeren eisenzeitlichen Anlagen kann es sich jedoch um dauerhafte Ansiedlungen gehandelt haben, die gewisse Zentralfunktionen wie Verwaltung übernahm und in der sich Handwerk und Handel konzentrierten. Eine besondere Entwicklung stellen dabei die späteisenzeitlichen Oppida dar, deren Befestigungen vielleicht mittelmeerischen Einfluss erkennen lassen. Ein herausragendes, eindrucksvoll erhaltenes Beispiel einer großen keltischen Befestigung ist der weitgehend unbewaldete Ipf bei Bopfingen (Ries). Eine etwas spätere Anlage ist das berühmte englische Maiden Castle.
Seit dem 19. Jahrhundert wurden die Anlagen aufgrund ihres Charakters zumeist als Schanze (von verschanzen) eingestuft, jedoch häufig verschiedenen jüngeren Kriegsereignissen zugeschrieben (Hunnenschanze, Römerschanze, Schwedenschanze usw.). Auch im germanischen Kulturraum war der Befestigungstyp gängig (vgl. Haithabu). Wallburgen waren von sehr unterschiedlicher Größe. Im Laufe der Geschichte kommen Funktionen sowohl als Fluchtburgen, als auch als Herrschersitze und heidnische Tempel infrage. Im weiteren Sinne wird der Begriff Wallburg gebraucht, um rätische Höhenburgen zu bezeichnen, die zuweilen gar keinen Erdwall oder nur einen kurzen Erdwallabschnitt aufwiesen.
Häufig waren im frühen Mittelalter auch Mischtypen aus fester Burg und Wallburg. Oft ließen die lokalen Herrscher auf einem aufgeworfenen Erdhügel einen hölzernen oder steinernen Wohnturm (Burgtyp Motte) errichten und umgaben den Haupthügel wiederum mit einer aus Erdwällen und Palisadenzäunen bestehenden Vorburg.
Im 9. und 10. Jahrhundert bedrohten die Ungarn Süd- und Südwestdeutschland. Als Schutzburgen wurden zahlreiche ältere Wallanlagen verstärkt oder neue, teilweise gewaltige Wallburgen aufgeworfen. Die größten dieser Ungarnwälle haben eine Innenfläche von mehreren Hektar, konnten also hunderten und tausenden von Menschen als Zuflucht dienen. Bisweilen bestehen die Schutzburgen aus doppelten oder dreifachen Wallgrabensystemen, 10 bis 15 Meter hohen Wällen mit entsprechenden vorgelegten Gräben und ausgeklügelten Reiterannäherungshindernissen im Vorfeld. Im Jahre 955 wurden die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend geschlagen, die Gefahr war beseitigt. Mehrere der großen Anlagen wurden als Gaugrafenburgen weiterbenützt, andere teilweise unvollendet aufgelassen. Einige der beeindruckensten Burgen dieses Typs lassen sich im Umkreis des Schlachtfeldes finden. Interessierten seien besonders die Burg bei Wagesenberg (Pöttmes), die Haldenburg bei Schwabmünchen und der Büschelberg bei Fischach empfohlen. Auch unzählige kleinere Wallanlagen tragen eindeutige Merkmale ihrer Funktion als ungarnzeitliche Schutzburgen. Oft war dieser letzte Ausbau das Ende einer jahrtausendelangen Entwicklung. Sinn aller dieser Anlagen war es, die Angreifer zum ungewohnten Fußkampf zu zwingen.
Wallburgen im klassischen Sinne wurden - wenn auch selten - noch im Spätmittelalter erbaut oder ausgebaut. Die Höhlenburg Stein an der Traun in Bayern etwa ist durch einen mehreren hunderte Meter langen begehbaren Tunnel mit der oberen Burg verbunden, deren Erdwall noch im 14. Jahrhundert verstärkt wurde. Benutzt wurden die alten Wallburgen aber noch bis in die Neuzeit als Viehbergen und Verstecke in Notzeiten (Schwedenschanzen). Viele hoch- und spätmittelalterliche Burgen sind in ältere, wesentlich großflächigere Wallanlagen eingebaut. Die alten Wälle wurden hierbei gerne als zusätzliche Annäherungshindernisse verwendet.
Anders als eine Steinmauer fällt ein Erdwall auch beim Beschuss durch Kanonenkugeln nicht in sich zusammen sondern wird nur vergleichsweise leicht beschädigt. Deshalb errichtete man von den Niederlanden seit dem späten 16. Jahrhundert Forts, deren Hauptbefestigung ein Erdwall war oder schüttete zusätzlich zu vorhandenen Befestigungsanlagen Erdwälle auf. Ein gutes Beispiel für eine neuzeitliche Erdwallfestung ist das Kastellet in Kopenhagen.
Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden in einigen Städten Mitteleuropas parkähnliche Wallanlagen auf den Überresten der barocken Befestigungsanlagen, die als Grünflächen den historischen Stadtkern ringförmig umschließen. In der Regel sind diese Reste durch planmäßige Verschleifung der alten Stadtmauer entstanden.
Städte mit Wallanlagen:
Insbesondere im Nordosten Deutschlands gibt es mehrere tausend Burgwälle.
Die archäologischen Landesämter in mehreren deutschen Bundesländern und anderen europäischen Ländern geben Corpuswerke zu den Geländedenkmälern heraus, so zum Beispiel:
Siehe auch:
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