Das Volk oder Stamm der Burgunden (bzw. Burgunder) wird den Ostgermanen zugerechnet.
Herkunft - frühestes Auftreten
Die ältere Forschung ging auf Grund der viel späteren Herkunftssage von einem Ursprung der Burgunden in
Skandinavien aus. Aus heutiger Sicht muss dies aber als Topos antiker Historiographie zurückgewiesen werden. Eine eigene Herkunftssage haben die Burgunden ohnehin nicht hinterlassen.
Plinius d. Ältere nannte sie zuerst, als Teilvolk der
Vandilier (Plinius, Historiä).
Tacitus erwähnt sie nicht explizit. Die wichtigste historische Nachricht über die ursprünglichen Siedlungsgebiete der Burgunden überlieferte der Geograph
Ptolemäus (2,11) für die Mitte des
2. Jahrhunderts. Danach lebten sie östlich der
Semnonen und nördlich der
Lugier zwischen der
Vistula (
Weichsel) und dem die westliche Grenze bildenden Fluss
Suebus (
Oder-
Spree-
Havel-Oberlauf). Archäologisch gesehen sind die frühesten Siedlungsgebiete der Burgunden vermutlich in einer Kulturgruppe fassbar, die als
Lebus-Lausitz-Gruppe oder
Luboszyce-Kultur bezeichnet wird und die ihren Schwerpunkt an der mittleren Oder im heutigen
Brandenburg und der
Lausitz hatte. Östlich der Weichsel im Sarmatenland siedelten von Nord nach Süd die
Veneder (an der Küste), die Gythonen (
Goten), und noch weiter südlich die
Frugundionen, die möglicherweise ein Teilstamm der Burgunder waren, die sich vor den Vandalen schützend den Goten angeschlossen hatten.
Zosimos erwähnt solche Splittergruppen
Urugunden genannt, beim Einfall verschiedener Völker in das Römische Reich an der unteren Donau gegen 256/257. Diese östliche Gruppe von Burgunden scheint sich bis ins Gebiet des Asowschen Meeres ausgebreitet und vollkommen mit den Hunnen assimiliert zu haben, nachdem sie um 291 von den Goten fast vollständig geschlagen wurden.
Völkerwanderung
Im Zuge der
Südbewegung verschiedener germanischer Stämme haben auch Großteile der Burgunden ihre Siedlungsgebiete an der Oder verlassen. Die erste sichere Erwähnung von Burgunden im
Rhein-
Donau-Gebiet stammt aus dem Jahre
278, als sie mit
Vandalen verbündet unter dem Anführer
Igillos (Igilo) von den
Römern unter Kaiser
Probus am Fluss
Ligys (wohl der
Lech bei
Augsburg) geschlagen wurden. Diese Niederlage drängte die Burgunden in das
Neckargebiet und das alamannische
Dekumatland ab. Im Jahre
286 fallen Burgunden gemeinsam mit
Alemannen,
Herulern und
Chaibonen in
Gallien ein. Als sich im
vierten Jahrhundert die Feindseligkeiten zwischen Römern und
Alamannen verstärkten, traten die Burgunden zunehmend als Verbündete der Römer gegen die
Alamannen auf. Nach dem Abzug der römischen Truppen vom Rhein im Jahr
401 war der Weg über den Fluss frei. Der Übergang bei
Mainz im Jahre
406 setzte die Landnahme des nördlichen Alamannenlandes bis zum unteren Neckarbergland voraus.
Burgunderreich am Rhein
Die Burgunden unter ihrem Anführer
Gundahar (auch als Gundihar oder Guntiar überliefert) wurden, im Einvernehmen mit Kaiser
Honorius, vor allem in dem Gebiet um
Worms,
Mainz und
Alzey angesiedelt. Gundahars Bemühungen, sein Reich nach Westen (Belgica I) auszudehnen, brachte die Burgunden in Konflikt mit den Römern. Im Jahre
435 wurde ein burgundisches Heer vom römischen Heermeister
Aetius besiegt. Ein Jahr darauf wurde das Burgundenreich von
Hunnen und Herulern, die im Auftrag Roms handelten, endgültig besiegt. Dieses Ereignis stellt den historischen Kern des
Nibelungenepos dar.
Umsiedlung nach Savoyen, Ausdehnung ins Rhonetal, Solothurn und Frankreich
Die burgundische Niederlage gegen die Römer unter Aetius war der Anlass ihrer nach römischem Einquartierungsrecht vollzogenen Umsiedlung im Jahre
443 als Föderaten in die Westschweiz und nach
Sapaudia (das heutige
Savoyen). Unter dem König
Gundobad gelang den Burgunden eine Ausweitung des Herrschaftsgebietes entlang der Rhône. Das Reich umfasste außer der Westschweiz und dem heutigen Burgund auch die Deutschschweiz um
Basel und
Solothurn bis zur
Reuss, das
Wallis,
Aosta, Savoyen, die Dauphiné und das Rhônetal bis hinunter nach
Avignon. Gundobad ließ
516 das in seinem Land geltende Volksrecht aufschreiben, die
Lex Burgundium, eine Mischung aus überliefertem römischen Provinzrecht und germanischen Einflüssen. Die Burgunden assimilierten sich der romanischen Bevölkerung schnell. Ihre Einwanderung in die Schweiz und nach Burgund bewirkte keine langfristige Verschiebung der
Sprachgrenze, anders als die nachfolgende Einwanderung der
Alemannen. Unter den folgenden Königen
Sigismund und
Gundomar wurde das
Burgundenreich zunehmend in den Interessenkonflikt zwischen
Franken und
Ostgoten verwickelt. Im Jahre 523 und wieder 524 griff der fränkische König
Chlodwig I. Burgund an, das sich an das Ostgotenreich des
Theoderich I. in Italien anlehnte. Nach Theoderichs Tod 526 verloren die Burgunden
532 bei
Autun endgültig gegen die Franken und mussten die politische Selbstständigkeit aufgeben. Das Reich teilten die Frankenkönige
Chlothar I.,
Childebert I. und
Theudebert I. unter sich auf.
Zeittafel
- um 150 breiten sich die Burgunden möglicherweise unter dem Druck der Goten westlich der Oder aus
- 278 Vorstoß einiger Gruppen bis an die römische Grenze
- um 290 Verdrängung der Alemannen aus dem Neckar-Taunus-Raum
- 406/407 nach dem Rückzug der Römer überschreiten die Burgunden zusammen mit den Vandalen den Rhein und lassen sich als römische Bundesgenossen in Mainz, Alzey und Worms nieder. Das Gebiet wird ihnen vertraglich zugesichert.
- 435 Einfall der Burgunden in die römische Provinz Belgica
- 436 Zerstörung des Burgundenreiches durch den weströmischen Heermeister Aetius, der dafür hunnische Hilfstruppen einsetzte. Das Nibelungenlied hat diesen Untergang sagenhaft verarbeitet.
- die verbliebenen Burgunden werden durch Rom ins Gebiet des Rhône-Tals umgesiedelt und gründen dort später ein neues Reich, das
- 532 im Frankenreich aufgeht und dort neben Austrien und Neustrien einen eigenen Reichsteil bildet.
- Das Königreich Burgund geht ab 737 für Jahrhunderte in Neustrien auf.
Siehe auch
Literatur
- Reinhold Kaiser: Die Burgunder. Kohlhammer, Stuttgart 2003, 2004. ISBN 3170162055.
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