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Das Burgtheater ist ein Bundestheater Österreichs in Wien und eine der bedeutendsten Sprechbühnen Europas. Das Theater wurde ursprünglich k.k. Theater nächst der Burg, dann bis 1918 k.k. Hof-Burgtheater bezeichnet. Häufig wird es kurz „Die Burg“ und die Ensemblemitglieder „Burgschauspieler“ genannt. Es befindet sich am Dr.-Karl-Lueger-Ring im 1. Wiener Gemeindebezirk.

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Geschichte


Das „alte“ Burgtheater am Michaelerplatz

Das ursprüngliche Burgtheater wurde in einem Ballhaus eingerichtet, das Kaiser Ferdinand I. 1540 im unteren Lustgarten der Hofburg erbauen ließ, nachdem das alte Ballhaus 1525 einem Brand zum Opfer gefallen war. Bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde dort das Jeu de Paume gespielt, ein Vorläufer des Tennis. Am 14. März 1741 erteilte schließlich Kaiserin Maria Theresia, die nach dem Tod ihres Vater eine allgemeine Theatersperre anordnete, dem „Entrepreneur der königlichen Hofopern“ und Pächter des 1708 errichteten Theaters am Kärntnertor, Joseph Karl Selliers, die Erlaubnis, das Ballhaus in ein Theater umzuwandeln. Gleichzeitig wurde ein neues Ballhaus in unmittelbarer Nähe errichtet, das dem heutigen Ballhausplatz seinen Namen gab.

Im Jahre 1748 wurde das neu gestaltete „Theater nächst der Burg“ eröffnet. 1756 erfolgten größere Umbauarbeiten, wobei unter anderem eine neue Rückwand errichtet wurde. Der Zuschauerraum des alten Burgtheaters war noch eine reine Holzkonstruktion und fasste etwa 1200 Gäste. Die kaiserliche Familie konnte ihre Hofloge direkt von den kaiserlichen Gemächern aus erreichen, mit denen das Burgtheater baulich verbunden war. An der alten Spielstätte am Michaelerplatz wurden unter anderem mehrere Werke von Christoph Willibald Gluck, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart sowie Franz Grillparzer uraufgeführt. Am 17. Februar 1776 erklärte Kaiser Joseph II. das Theater zum „Teutschen Nationaltheater“. Er war es auch, der per Dekret anordnete, dass die Stücke traurige Ereignisse behandeln. Viele Stücke mussten deswegen geändert und mit einem "Wiener Schluss" (Happy End) versehen werden, z.B. Romeo und Julia oder Hamlet. Ab 1794 trug das Theater den Namen „k.k. Hoftheater nächst der Burg“. 1798 wurde der Dichter August von Kotzebue zum Leiter des Burgtheater ernannt, aber nach Auseinandersetzungen mit den Schauspielern verließ er 1799 Wien. Unter Direktor Josef Schreyvogel wurde Deutsch statt Französisch und Italienisch als neue Bühnensprache eingeführt.

Am 12. Oktober 1888 fand die letzte Vorstellung am Michaelerplatz statt. Das Burgtheaterensemble übersiedelte in die neue Spielstätte am Ring. Das alte Burgtheater musste dem Michaelertrakt der Hofburg weichen. Die Pläne hierfür fertigte Joseph Emanuel Fischer von Erlach bereits knapp 200 Jahre vor dem Abriss des alten Burgtheaters an.

Das neue Gebäude am Ring

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Das „neue“ Burgtheater am Ring gegenüber dem Rathaus wurde im neubarocken Stil von Gottfried Semper (Grundriss) und Karl Freiherr von Hasenauer (Fassade) entworfen, die bereits das Kaiserforum in Wien gemeinsam geplant hatten. Die Bauarbeiten begannen am 16. Dezember 1874 und zogen sich 14 Jahre hin, in denen sich das Architektenduo zerstritt. Bereits 1876 zog sich Semper auf Grund gesundheitlicher Probleme nach Rom zurück und ließ Hasenauer seine Ideen alleine realisieren, der sich im Streit der Architekten vor allem für ein prachtvoll ausgestaltetes Bauwerk eingesetzt hatte.

Indes schuf der bekannte Wiener Maler Gustav Klimt gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt und mit Franz Matsch zwischen 1886 und 1888 die Deckengemälde in den beiden Stiegenhäusern des neuen Theaters. Die drei übernahmen diese Aufgabe nach ähnlichen Auftragsarbeiten in den Stadttheatern von Fiume und Karlsbad sowie im Bukarester Nationaltheater. In der Feststiege auf der dem Café Landtmann zugewandten Seite des Burgtheaters bildete Gustav Klimt die Künstler des antiken Theaters in Taormina auf Sizilien, im Stiegenhaus auf der „Volksgarten“-Seite das Londoner Globe Theatre und die Schluss-Szene aus William Shakespeares „Romeo und Julia“ nach. Über dem Eingang zum Zuschauerraum ist Der Eingebildete Kranke Molières zu entdecken. Im Hintergrund verewigte sich der Maler in Gesellschaft seiner beiden Kollegen. Kaiser Franz Joseph I. gefielen die Deckengemälde so sehr, dass er den Mitgliedern der Künstlerkompanie von Klimt das Goldene Verdienstkreuz verlieh.

Das neue Gebäude wurde nach dem Vorbild der Dresdener Semperoper gebaut. Über dem Mitteltrakt befindet sich eine Loggia, die von zwei Seitenflügeln eingerahmt wird, und aus einem Bühnenhaus mit Giebeldach und einem Zuschauerhaus mit Zeltdach geteilt wird. Über dem Mittelhaus schmückt eine Statue von Apollon die Fassade, der zwischen den Musen für Drama und Tragödie thront. Über den Haupteingängen befinden sich Friese mit Bacchus und Ariadne. An der Außenfassade rundherum sind Portraitbüsten der Dichter Calderon, Shakespeare, Molière, Schiller, Goethe, Lessing, Halm, Grillparzer, und Hebbel zu bewundern. Die Masken, die ebenfalls hier zu sehen sind, weisen auf das antike Theater hin, außerdem schmücken allegorische Darstellungen die Seitentrakte: Liebe, Hass, Demut, Herrschsucht, Egoismus und Heroismus. Obwohl das Theater seit 1919 den Nahmen Burgtheater trägt, ist die alte Aufschrift K.K. Hofburgtheater über dem Haupteingang immer noch vorhanden.

Nachdem am 12. Oktober 1888 die Abschiedsvorstellung am Michaelerplatz stattgefunden hatte, wurde bereits tags darauf das neue Theaterhaus mit Grillparzers Esther und Schillers Wallensteins Lager eröffnet. Das Burgtheater wurde zunächst auf Grund seines prachtvollen Aussehens und der technischen Neuerungen wie elektrischer Beleuchtung von den Wienern gut aufgenommen, doch bald wurde Kritik an der schlechten Akustik laut. 1897 erfolgte schließlich ein Umbau des Zuschauerraums, um die Akustikprobleme zu mindern. Das neue Theater wurde zu einem wichtigen Treffpunkt des Gesellschaftslebens und zählte schon bald zu den „Heiligtümern“ der Wiener. 1922/1923 wurde das Akademietheater als Kammerspielbühne an das Burgtheater angeschlossen.

Das Burgtheater in der Zeit des Nationalsozialismus

Die nationalsozialistischen Ideen hinterließen auch Spuren in der Geschichte des Burgtheaters. 1937 und 1938 erschienen im Adolf Luser Verlag zwei stark antisemitisch geprägte Bücher des Theaterwissenschaftlers Heinz Kindermann über das Burgtheater, in denen er unter anderem den „jüdischen Einfluss“ auf das Burgtheater analysierte. Am 14. Oktober 1938 wurde zum 50-jährigen Eröffnungsjubiläum des Burgtheaters eine Don-Carlos-Inszenierung von Karl-Heinz Stroux gezeigt, die die Ideologie Hitlers bediente. Die Rolle des Marquis Posa spielte derselbe Ewald Balser, der ein Jahr zuvor in einer anderen Don-Carlos-Inszenierung (von Heinz Hilpert) am Deutschen Theater in derselben Rolle mit dem Satz Richtung Joseph Goebbels’ Loge wetterte: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“. Der Schauspieler und Regisseur Lothar Müthel, der zwischen 1939 und 1945 Direktor des Burgtheaters war, inszenierte 1943 den Kaufmann von Venedig, in dem Werner Krauß den Juden Shylock in einem sehr ungünstigen Licht darstellte. Derselbe Regisseur inszenierte nach dem Krieg Lessings Parabel Nathan der Weise. Adolf Hitler selbst besuchte während des NS-Regimes nur einmal, im Jahr 1938, das Burgtheater, später weigerte er sich aus panischer Angst vor einem Attentat.

Für die Schauspieler und Theatermitarbeiter, die nach dem Reichsbürgergesetz von 1935 als „jüdisch“ eingestuft wurden, wurde rasch Auftrittsverbot verhängt, sie wurden innerhalb weniger Tage beurlaubt, entlassen oder verhaftet. Das Burgtheater-Ensemble leistete zwischen 1938 und 1945 keinen nennenswerten Widerstand gegen die NS-Ideologie, der Spielplan wurde stark zensiert, nur wenige schlossen sich aktiv dem Widerstand an, z. B. Judith Holzmeister (damals auch am Volkstheater engagiert) oder der Schauspieler Fritz Lehmann. Den jüdischen Ensemblemitgliedern wurde zwar zur Emigration verholfen, dennoch wurde ein Schauspieler, Fritz Strassny, in ein Konzentrationslager gebracht und dort ermordet.

Das Burgtheater zu Kriegsende und nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Sommer 1944 musste auch das Burgtheater wegen der angeordneten allgemeinen Theatersperre geschlossen werden. Am 1. April 1945, als sich die Rote Armee Wien näherte, lagerte sich eine militärische Einheit ins Haus ein, und ein Teil wurde als Waffenlager benutzt. Nachdem das Haus am Ring infolge eines Bombenangriffs am 12. April 1945 völlig ausgebrannt war (der Zuschauerraum und die Bühnen wurden unbrauchbar, aber zum Glück blieben wie durch ein Wunder die Deckengemälde und Teile des Foyers beinahe unbeschädigt), zog das Burgtheater in das Asylquartier Ronacher um, das von vielen Burgschauspielern als „Exil“ verstanden wurde. Diesen Spielort wählte der neu ernannte Direktor Raoul Aslan aus, der sich besonders engagiert einsetzte. Die erste Vorstellung nach dem Zweiten Weltkrieg war am 30. April 1945 Sappho von Franz Grillparzer, in der Inszenierung von Adolf Rott aus dem Jahre 1943. Auch andere Produktionen aus der NS-Zeit wurden wieder aufgenommen. Das Akademietheater konnte bespielt werden (die erste Aufführung war am 19. April 1945 Hedda Gabler, eine Inszenierung von Rott aus dem Jahre 1941) und auch im Redoutensaal fanden Vorstellungen statt. Aslan ließ das Ronacher im Sommer umbauen, weil die Bühne für klassische Aufführungen zu klein war. Am 25. September 1945 konnte auf der vergrößerten Bühne Schillers Jungfrau von Orleans gespielt werden. Die ersten Neuinszenierungen sind mit dem Namen von Lothar Müthel verbunden: Jedermann und Nathan der Weise, in beiden spielte Raoul Aslan die Hauptrolle. Die Inszenierung des Kaufmanns von Venedig von Müthel zu NS-Zeiten schien in Vergessenheit geraten zu sein.

Eine große Freude für das Publikum bereitete die Rückkehr der 1938 aus dem Ensemble vertriebenen Else Wohlgemuth auf die Bühne. Sie trat nach sieben Jahren Exil im Dezember 1945 in Klara Biharys Die andere Mutter im Akademietheater auf. 1951 öffnete das Burgtheater das erste Mal seine Pforten, allerdings nur der linke Seitenflügel, wo die Feierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen des alten Burgtheaters stattfanden. 1948 wurde für den Wiederaufbau ein Wettbewerb ausgeschrieben: Josef Gielen, der damals Direktor war, tendierte zuerst dazu, einen modernen Entwurf zu unterstützen, nach dem das Theater in ein modernes Rangtheater hätte umgebaut werden sollen. Schließlich stimmte er dann aber doch für das Projekt von Michael Engelhardt, dessen Plan konservativer, aber auch kostengünstiger war. Der Charakter des Logentheaters wurde weitgehend berücksichtigt und beibehalten, die zentrale Hof-Loge wurde allerdings durch zwei Ränge ersetzt, und durch eine neue, schiefe Deckenkonstruktion im Zuschauerraum wurde die Akustik, die Schwäche des Hause, deutlich verbessert. Am 14. Oktober 1955 kam es unter Adolf Rott zur Wiedereröffnung des restaurierten Hauses am Ring, aus diesem Anlass wurde Mozarts Eine kleine Nachtmusik gespielt. Am 15. und am 16. Oktober folgte die erste Aufführung (aus Platzgründen als Doppelpremiere) im neu renovierten Theater: König Ottokars Glück und Ende von Franz Grillparzer, inszeniert von Adolf Rott. Wenige Monate nach Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags war die Wahl gerade dieses Stückes äußerst symbolträchtig. Unter Rott und seinem Nachfolgern – Ernst Haeussermann bzw. Gerhard Klingenberg – wurde der klassische Burgtheaterstil und das Burgtheaterdeutsch für die deutschen Bühnen endgültig richtungweisend.

Das heutige Burgtheater

folyoso.JPG | nezoter.JPG Gerhard Klingenberg internationalisierte das Burgtheater, er lud bedeutende Regisseure wie Peter Hall, Luca Ronconi, Giorgio Strehler, Roberto Guicciardini und Otomar Krejca ein. Klingenberg ermöglichte auch die Burg-Debüts von Claus Peymann und Thomas Bernhard (1974 Uraufführung von Die Jagdgesellschaft). Bernhard war als Nachfolger Klingenbergs im Gespräch, schließlich wurde aber Achim Benning ernannt, worauf der Schriftsteller mit dem Text „Die theatralische Bruchbude auf dem Ring (Wie ich Burgtheaterdirektor werden sollte)“ antwortete. Benning, der erste Ensemblevertreter des Burgtheaters, der zum Direktor ernannt wurde, setzte Klingenbergs Weg der Europäisierung mit anderen Mitteln fort, brachte Regisseure wie Adolf Dresen, Dieter Dorn oder Thomas Langhoff nach Wien, blickte mit Aufführungen von Stücken Václav Havels in den damals politisch abgetrennten Osten und nahm stärker Rücksicht auf den Publikumsgeschmack. Unter Claus Peymann, der von 1986 bis 1999 Direktor war, kam es wieder zu einer Modernisierung des Spielplans und der Inszenierungsstile, was jedoch bei Teilen des Publikums zunächst auf Ablehnung stieß. Diskussionen entfachte vor allem die Uraufführung von Thomas Bernhards Heldenplatz, das sich mit der Vergangenheitsbewältigung Österreichs auseinandersetzte, aber auch kritisch die Gegenwart – mit Attacken auf die damals regierende SPÖ – beleuchtete. Bernhard verbot sogar testamentarisch die Aufführung seiner Stücke in Österreich, wogegen sich Peymann aussprach und einen Schaden für das Werk des Autors befürchtete, sollten dessen Stücke ausgerechnet in dessen Heimat nicht gezeigt werden. Zunächst war es durch eine Erlaubnis des Testamentsvollstreckers Peter Fabjan – Bernhards Halbbruder – immerhin möglich, die bereits im Spielplan des Burgtheaters befindlichen Produktionen weiterzuspielen. Kurz vor seinem zehnten Todestag kam es schließlich zur Neuinszenierung seines Stückes Vor dem Ruhestand durch den Uraufführungsregisseur Peymann. Die Stücke von Bernhard stehen weiter auf dem Spielplan des Burgtheaters und werden regelmäßig neu herausgebracht.

1993 wurde die Probebühne des Burgtheaters im Arsenal eröffnet (Architekt: Gustav Peichl). Seit 1999 hat das Burgtheater die Betriebsform einer GesmbH. Direktor ist seit 1999 Klaus Bachler.

Jubiläumsjahr 2005

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Im Oktober 2005 feierte das Burgtheater den 50. Jahrestag seiner Wiedereröffnung mit einem Galaabend und mit der Aufführung von Grillparzers König Ottokars Glück und Ende in der Inszenierung von Martin Kušej, die im August 2005 bei den Salzburger Festspielen mit großem Erfolg aufgeführt wurde und für den Nestroy-Theaterpreis für die beste Regie nominiert war, den sie allerdings nicht bekam. Dafür bekam den Preis Michael Maertens (in der Rolle von Rudolf von Habsburg) als bester Schauspieler in diesem Stück. Der Hauptdarsteller Tobias Moretti wurde 2006 für diese Rolle mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet.

Am Jubiläumstag, dem 16. Oktober 2005, standen die Räumlichkeiten des Burgtheaters den ganzen Tag für die Besucher offen. Am Tag der offenen Tür wurden Technikführungen angeboten, und man konnte alte Theaterrequisiten auf dem Flohmarkt erwerben. Der 82-minütige Film „burg / privat. 82 miniaturen“ von Sepp Dreissinger wurde auch an diesem Tag zum ersten Mal gezeigt. Der Film enthält einminütige filmische „Standportraits“ von Burgschauspielern und Gastschauspielern, die, ohne ein Wort zu sagen, versuchen, sich mit einem möglichst natürlichen Gesichtsausdruck zu präsentieren. Die erweiterte Variante des „Portraitalbums“ mit 100 Portraits wurde der Saisonvorschau 2006/2007 auf DVD beigelegt.

Des Jubiläumsjahres wurde unter anderem auch mit einem Buch über die Geschichte des Burgtheaters des Theaterwissenschafters Klaus Dermutz gedacht, der seit Jahren Bücher der Reihe edition Burgtheater (vor allem Bücher, die das Œuvre der wichtigsten Regisseure am Burgtheater behandeln) schreibt.

Als Motto dieser Spielzeit diente ein Zitat aus Lessings Minna von Barnhelm: „Es ist so traurig, sich allein zu freuen.“

Der Beitrag des Burgtheaters zum Mozartjahr 2006

Auch des Mozart-Jahres 2006 wurde im Burgtheater gedacht. Da Mozarts Singspiel Die Entführung aus dem Serail 1782 im Hof-Burgtheater uraufgeführt wurde, kam in Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsoper eine Neuinszenierung (Regie: Karin Beier) dieser Oper im Mai 2006 zu den Wiener Festwochen auf die Bühne. Die Premiere fand am 1. Mai statt. In den insgesamt 10 Aufführungen singen Diana Damrau, Julia Rempe, Franz Hawlata, Cosmin Ifrim und Daniel Kirch die Hauptrollen, die Sprechrolle von Bassa Selim wird von Nicholas Ofczarek dargestellt. Die Produktion wird von Philippe Jordan dirigiert.

Aktionskunst am Burgtheater

Mittlerweile hat auch Aktions- und Performancekunst ins Burgtheater Einzug gehalten. Zwei Ereignisse erregten in der Spielzeit 2005/2006 besonders großes Aufsehen:

Am 19. November 2005 fand am Burgtheater im Rahmen des Orgien-Mysterien-Theaters die Performance 122. Aktion von Hermann Nitsch statt. Die Karten waren bereits am ersten Vorverkaufstag innerhalb von Minuten ausverkauft.

Vom 17. bis 22. Jänner 2006 fand Die 431. animatographische Expedition von Christoph Schlingensief bzw. eine große Veranstaltung von ihm unter dem Titel Area 7 – Sadochrist Matthäus – Eine Expedition von Christoph Schlingensief mit zu besichtigenden Bühneninstallationen statt. Die Aufführung ist seit März auf Grund des großen Interesses ein regelmäßiger Bestandteil des Spielplans. Allerdings verlaufen die Vorstellungen jedes Mal anders.

Sonstige Ereignisse

  • Anfang September 2005 wurde im Burgtheater ein MTV-Unplugged-Konzert mit den Toten Hosen aufgezeichnet, das im November sowohl auf dem Musiksender MTV zu sehen war, als auch seither käuflich auf CD und DVD zu erwerben ist.

  • In der Nacht auf den 1. Dezember 2005 beschädigte ein Kabelbrand die Kantine des Burgtheaters. Die Flammen konnten aber schnell gelöscht werden, so dass sich der Sachschaden auf 150.000 Euro belief. Die rundum erneuerte Kantine wurde im März 2006 wieder eröffnet.

Die Wiener und „ihre“ Burg


Burgtheater Wien 2005.jpg | Wien Burgtheater side view.jpg Das Burgtheater stand für die Wiener schon immer im Rampenlicht. Es galt stets als besonders vornehm, „in die Burg“ zu gehen. Bereits im 19. Jahrhundert gehörten die Gerüchte und die Skandale um die Burgschauspieler zu den beliebtesten Themen der Wiener. In der Burg konnten sich die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten (Kleinbürger und Adel) treffen, obwohl ihre Plätze strikt voneinander getrennt waren. Die Burgschauspieler „verbanden“ die zwei Stände und genossen dadurch in Wien früh hohen sozialen Status.

Die Schauspielerin Charlotte Wolter beispielsweise wurde geradezu hysterisch gefeiert, ihre Stimme – der kräftige „Wolter-Schrei“ – war legendär. Später, in den 1940er Jahren, war natürlich das Ehepaar Paula Wessely und Attila Hörbiger Publikumsliebling Nummer 1. „Die Wessely“ wurde von den Damen gern nachgeahmt, ihre Frisur, der „Wessely-Scheitel“, machte Mode. Die Popularität der beiden wurde aber auch zu Propagandazwecken missbraucht, als sie sich für den Vollzug des Anschlusses einsetzten. Die Töchter des Ehepaares, die später alle Schauspieler geworden sind, litten oft unter dem Ruhm ihrer Eltern.

„Die Burg“ geriet manchmal allerdings auch in negative Schlagzeilen. Im Vorfeld der Uraufführung von Thomas Bernhards Heldenplatz 1988 fühlten sich viele Österreicher in ihrer Ehre gekränkt, weshalb die als Protest dagegen gedachte Großaktion von Martin Humer, der Kuhmist vor dem Burgtheater ablud, bei vielen Gefallen fand. Ebenfalls wenig beeindruckt waren viele Wiener von der Performance von Hermann Nitsch im Jahr 2005.

Beerdigungen berühmter Burgschauspieler sind nach wie vor ein gern besuchtes Ereignis, die Wiener lieben „die schöne Leich“. Diese Eigenschaft der Wiener wurde allerdings im musikalischen Stück Pompes Funèbres von Franz Wittenbrink auf der Bühne karikiert. Ein besonders großes Ereignis war im Jahre 1996 die Verabschiedung von Josef Meinrad, zu dem Tausende aus ganz Österreich angereist sind. Meinrad war so beliebt, dass der Platz zwischen dem Burgtheater und dem Volksgarten nach ihm benannt wurde.

Während andere Theater nicht selten ums Überleben kämpfen müssen, scheint die Lust der Wiener, in die Burg zu gehen, ungebrochen zu sein. Die Auslastung des Hauses betrug in der Saison 2005/06 bei 313.000 Besuchern 84 Prozent. Das Einnahmen-Soll wurde um 380.000 € übertroffen, insgesamt wurden sechs Millionen Euro eingespielt. Mittlerweile stammt ein großer Anteil der Schauspieler und der Theatermitarbeiter aus Deutschland oder aus anderen Ländern; dennoch werden viele Burgschauspieler von den Wienern als Wiener akzeptiert und als „ihre Schauspieler“ verehrt. Der Deutsche Michael Heltau ist einer der größten Wienerlied-Interpreten, und Robert Meyer, der aus dem Grenzgebiet von Deutschland zu Österreich stammt, ist einer der beliebtesten Nestroy-Darsteller. Die Schweizerin Annemarie Düringer gehört ebenso zu den Lieblingen des Publikums wie der Deutsche Ignaz Kirchner, und die gebürtige Deutsche Susi Nicoletti galt als die österreichische Schauspielerin schlechthin. Auch die von Claus Peymann nach Wien geholten und anfangs angefeindeten Schauspieler wie Gert Voss und Kirsten Dene sind längst Publikumslieblinge. Eine gute Besetzung (manchmal mit Gastschauspielern) kann bewirken, dass es so gut wie unmöglich ist, für eine Produktion Karten zu bekommen. Die Ottokar-Inszenierung mit „der Orth“, „dem Maertens“, „dem Merkatz“ und „dem Moretti“ oder der Nathan mit „dem Brandauer“ waren monatelang ausverkauft. Die Beiträge im Gästebuch der Burgtheater-Homepage zeugen davon, dass manche Inszenierungen eine richtige Fan-Gemeinde haben. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass die konservativeren Burgbesucher bei einer modernen Inszenierung ihren Unmut während der Vorstellung lautstark ausdrücken.

Bühnentechnik und andere technische Besonderheiten


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Der Zuschauerraum bietet ca. 1.340 Zuschauern Platz (1.175 Sitzplätze) und ist damit einer der größten unter Europas Schauspielhäusern. Das Bühnen-Portal ist 12 m breit und am höchsten Punkt 9 m hoch. Die Schnürböden und Beleuchtungsbrücken befinden sich in 12 m Höhe. Die Bühnenfläche beträgt ca. 1.000 m²

Die Bühne wurde 1954 von der österreichischen Firma Waagner Biro, die auch bei anderen Bühnen- und Opernhäusern Erfahrung besitzt, neu errichtet. Die Hauptbühne ist ausgestattet mit einer Drehzylinderbühne mit einem Durchmesser von 21 m mit vier Versenkungen, die bis 8,8 m abgefahren werden können. Diese Bühne wurde nach den Plänen von Sepp Nordegg errichtet, und ist insgesamt 5 Stockwerke tief. So können die Bilder im Paternoster-Prinzip getauscht werden. Die im Jahr 1994 begonnene Bühnenrenovierung wurde 2004 beendet. Dabei wurde beispielsweise die alte Steuerung durch eine Computersteuerung ersetzt.

Der Eiserne Vorhang des Burgtheaters wiegt 16 Tonnen und kann im Notfall – zum Beispiel bei einem Brand – den Bühnenraum vom Zuschauerraum innerhalb von 20 Sekunden trennen.

Architektonisch einzigartig und patentiert ist die riesige Luftschleuse, das Belüftungssystem des Theaters, das sich unter dem runden Dach der Luftansaughütte, von den Wienern einfach Schwammerl genannt, auf der Seite des Volksgartens verbirgt und nach den Plänen des Architektenbüros von Ignaz Gridl konstruiert wurde. Die Luft wird durch Filter geblasen, gereinigt und temperiert. Die verbrauchte Luft wird aus dem Zuschauerraum durch das Messinggitter des Kristalllusterkranzes im Zentrum der Saaldecke aus dem Raum ins Freie abgezogen. Den Sog dafür erzeugt der „Blasengel“, eine grüne Engelsfigur mit einem Blasinstrument, die als Wetterfahne auf der Kuppel steht. Diesen Teil des Belüftungssystems kann man am besten im Dachboden (Lusterboden) und auf dem Kuppeldach des Theaters bewundern. Früher standen auf dem steilen Dach des Burgtheaters sogar Duschen und Toiletten (sie wurden gleich beim Wiederaufbau des Theaters nach dem Krieg errichtet), damit die Schauspieler in den Pausen zwischen den Proben ein Sonnenbad nehmen können. Seit 1977 ist es allerdings verboten, und die Anlagen mussten abgetragen werden. Am Dach ist eine Wetterkamera installiert, die bei der Sendung Wetterpanorama Österreich im Fernsehen einen Blick auf die Ringstraße ermöglicht.

Die Souffleure am Burgtheater arbeiten mit Funktechnik, es gibt keinen Souffleurkasten mehr.

Außer den regulären Führungen durchs Haus, die jeden Tag um 15 Uhr auf Deutsch und auf Englisch stattfinden, wird einmal im Monat für Interessenten eine Bühnentechnik-Spezialführung angeboten. Bei Schönwetter ist es möglich, auf das grüne Dach des Theaters hinaufzusteigen und das Panorama zu bewundern.

Die Kostüm-, Requisiten und Bühnenbildwerkstätten des Burgtheaters befinden sich im Arsenal. Sie versorgen nicht nur Burgproduktionen, sondern sie arbeiten auch auf Bestellung für andere österreichische und internationale Bühnen. Außerdem ist es Privatpersonen möglich, Kostüme aus dem Fundus auszuleihen.

Weitere Spielstätten des Burgtheaters


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