Nuernberg Burg Panorama_PtGUI.jpg]] Raddusch, Slawenburg.jpg) - Rekonstruktion]] Burg Eltz 1.jpg]] Kriebstein.jpg (Sachsen)]] Cadolzburg-burg-wseite-gesamt-v-w.jpg Eine Burg ist ein verteidigungsfähiger Bau, der den technischen Verteidigungsmöglichkeiten des Mittelalters entspricht und auf einen einzelnen Burgplatz beschränkt ist. In Europa wird darunter überwiegend ein bewehrter Wohnsitz eines Adligen im Mittelalter verstanden. Neben der Adelsburg kommen noch Volksburgen, Kirchenburgen (Wehrkirchen), Klosterburgen und Stadtburgen vor.
Eine ältere Bezeichnung für Burg ist das Wort Veste.
Im Fränkischen Reich setzte der Burgenbau spätestens in der Karolingerzeit wieder ein. Große Gaugrafenburgen entstanden, teilweise durch den Ausbau vorgeschichtlicher Wallanlagen. Zur gleichen Zeit, das heißt im späten 8. Jahrhundert und im 9. Jahrhundert, begannen auch die Slawen mit dem Bau von Burgen. Im 10. Jhdt. wurden in Südwestdeutschland riesige Ungarnwälle aufgeworfen. Im Vorfeld wurden ausgeklügelte Reiterannäherungshindernisse angelegt, um das Reitervolk zum Fußkampf zu zwingen. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg (955), wurde der Ausbau mancher dieser Wallanlagen abrupt abgebrochen, da die Gefahr durch die Niederlage der Ungarn beseitigt war. Viele hochmittelalterliche Burgen stehen innerhalb älterer, wesentlich großflächigerer Wallanlagen, deren Zeitstellung nicht immer zweifelsfrei zu klären ist. Fortifikatorisch günstige Plätze wurden oft über Jahrtausende hinweg benützt. Bedingt durch klimatische Verbesserungen kam es am Ende des frühen Mittelalters im deutschen Sprachraum zu einem raschen Bevölkerungswachstum, das die Entstehung einer neuen Gesellschaftsschicht ermöglichte, der Ministerialen. Diese anfangs noch unfreien Dienstleute dokumentierten ihren neuen Status oft durch die Errichtung einer Turmhügelburg, der Motte. Dieser Bautypus war ursprünglich in Westeuropa beheimatet.
Waren die Könige der meisten europäischen Länder stark auf den Erhalt ihres Vorrechts zum Burgenbau bedacht, ging dieses Recht im Heiligen Römischen Reich während des Spätmittelalters auf die Territorialfürsten über. Antequera Alcazaba2004.jpg von Antequera (Andalusien)]] Über den Einfluss arabischer und muslimischer Wehrarchitektur auf die Entwicklung der europäischen Burglagen ist viel gestritten worden. Sicherlich ist jedoch die eine oder andere Anregung während der Kreuzzüge zu uns gelangt. Bei vielen spanischen Burgen ist dieser Einfluss, bedingt durch die Geschichte des Landes, natürlich offensichtlich. Aus diesem Grunde ist es im spanischen Burgenbau oft zu eigenständigen, ja phantastischen Ergebnissen gekommen. Bauten wie etwa die atemberaubende Burg Coca suchen im Rest Europas ihresgleichen.
Die Rheinstrecke von Mainz bis Bonn ist wohl das bekannteste Beispiel einer deutschen Burgenlandschaft. Klassische "Burgennester" sind weiterhin der Pfälzer Wald, die Schwäbische und die Fränkische Alb, die fränkischen Hassberge, u.a. Im deutschsprachigen Teil des ehemaligen Österreich ist hier vor allem Südtirol zu nennen.
Demjenigen, der sich einen raschen Überblick über nahezu tausend Jahre Entwicklung des mitteleuropäischen Wehrbaus verschaffen möchte, sei die Region um das Allgäuer Grenzstädtchen Füssen empfohlen (Burgenregion Ostallgäu-Außerfern). Von der Motte (Seeg) über die Höhlenburg (Loch bei Pinswang) über die spätgotische Schloßburg Füssen reicht das Angebot bis hin zur barocken Festungsanlage (Schloßkopf bei Reutte) und der romantischen Märchenburg Neuschwanstein. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde die Region als Standort für das Europäische Burgenmuseum ausgewählt, das zur Zeit in der Klause unterhalb des Burg- und Festungsensembles Ehrenberg (Reutte) eingerichtet wird.
In dem Umland einer Burg galt der so genannte Burgfriede, der Fehden streng untersagte. Durch den Burgbann war die im Einzugsbereich einer Burg lebende Bevölkerung dazu verpflichtet, zu baulichen Tätigkeiten und der Verteidigung der Burg beizutragen. Dafür durfte die Bevölkerung bei fremder Bedrohung in der Burg Schutz suchen. Im Spätmittelalter wurden viele Burgen aufgrund des Niedergangs des Rittertums zum Stützpunkt von so genannten Raubrittern.
Die meisten Burgen wurden von gutbezahlten Bauspezialisten und Handwerkern errichtet, selten durch die harte Fronarbeit der untertänigen Bevölkerung. Viele Bauherren mussten sich extrem verschulden, um sich eine Burg leisten zu können, die ihrem tatsächlichen oder eingebildeten Status entsprach. Die Bauzeiten bewegten sich zwischen wenigen Wochen für eine kleine Holz- und vielen Jahrzehnten für eine große Feudalburg. Eine kleinere Steinburg dürfte in drei bis fünf Jahren bezugsfertig gewesen sein und wurde später meist noch ausgebaut. Die Bautrupps zogen von einer Baustelle zur anderen. So erklären sich identische Baudetails und Steinmetzzeichen an oft weit voneinander entfernten Burgen. (Es wurde meist keine Bauzeichnungen erstellt, sondern lediglich einzelne Skizzen in den Sand gemalt.)
Im Idealfall verwendete man natürlich das am Ort anstehende Baumaterial. Die Werksteine wurden teilweise bereits beim Grabenaushub gewonnen, oft haben sich auch die alten Steinbrüche in unmittelbarer Nähe der Burg erhalten. Manchmal wurde das Baumaterial allerdings auch über weite Strecken zur Baustelle transportiert. In steinarmen Gebieten (etwa Norddeutschland) verwendete man meist Backsteine oder Feldsteine. Das verwendete Steinmaterial hatte natürlich großen Einfluss auf die Konzeption und Ausstattung der Burganlage. Auch die Baukosten und die Bauzeit hingen hiervon ab. In den Außenmauern finden sich oft in regelmäßigen Abständen kleine "Rüstlöcher". Beim Hochmauern wurden hölzerne Stangen in diese Löcher geschoben. Auf diese Stangen wurden dann Balken gelegt und rückwärtig ein Geländer angebracht. Von dieser Gerüstebene konnte dann in Mannshöhe nach oben gemauert werden. Dieses Prinzip wurde so lange fortgeführt, bis die endgültige Mauerhöhe erreicht war. Die oft in den Rüstlöchern verbliebenen Holzreste geben oft Aufschluss über das Alter des Bauabschnittes (Dendrochronologie). Selbstverständlich kamen auch kleinere Standgerüste vor, besonders in Innenräumen. Die Außenmauern vieler Burgen waren - im Gegensatz zu ihrem heutigen Erscheinungsbild - meistens verputzt. Es gab im Mittelalter wesentlich mehr Burgen, als heute gemeinhin angenommen. Auch heute auf den ersten Blick so burgenarme Gebiete wie etwa Oberbayern waren im Hochmittelalter übersät mit mehr oder weniger wehrhaften Adelssitzen. Besonders in den ersten Jahrzehnten des Territorialausbaues fand sich in oder bei nahezu jedem größeren Dorf eine kleine Burg oder zumindest eine befestigte Hofanlage. Diese Anlagen dienten als Wohnstätten und vor allem als Statussymbole der zahlreichen Ministerialen, dem neu entstandenen Dienstadel. Viele dieser manchmal winzigen Burgen sind noch als Burgställe erhalten, andere in Meierhöfen oder Schlössern aufgegangen. Die "Herren" dieser Miniaturburgen waren oft wirtschaftlich nicht stark genug, um sich dauerhaft im Niederadel zu etablieren. Oft findet man auch mehrere ehemalige Burgen in einer Gemeinde.
Besonders im Grenzbereich zwischen den Gebieten mächtiger Territorialherren wurden zahlreiche Burgen zur Sicherung des eigenen Einflusses errichtet. Ein gutes Beispiel ist die auffallende Burgendichte in den fränkischen Hassbergen, wo sich die beiden Hochstifte Bamberg und Würzburg rivalisierend gegenüberstanden. Hier schreckte man auch vor Falschanklagen nicht zurück, um die Burgen des Rivalen in den eigenen Besitz zu bringen.
Wegen der unterschiedlichen Entwicklung des Lehnswesens und anderer geographischer und politischer Faktoren unterscheiden sich die Burgen der verschiedenen Kulturkreise deutlich. In Deutschland werden die oft gigantischen Ausmaße der englischen und französischen Wehrbauten meist bei weitem nicht erreicht, die Anlagen fallen überwiegend vergleichsweise bescheiden aus. Auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel: Europas längste Burg ist in Bayern zu finden (Burg zu Burghausen). Die Anlage ist über 1200 m lang. Auch die gigantischen "Ritterkasernen" des Deutschen Ordens sind als Eroberungsburgen im feindlichen Umland nicht für die deutsche Burg repräsentativ.
Im (ehemaligen) deutschen Sprachraum dürften insgesamt etwa 20.000 mittelalterliche Burgen angelegt worden sein. Einfache Turmburgen und Motten stehen hier neben kleineren Stein- und großen Feudalburgen. Die meisten dieser Wehranlagen sind im Laufe ihrer langen Geschichte verschwunden oder nur noch als Burgställe erhalten. Die Zahl der ganz oder teilweise erhaltenen Burganlagen liegt hier bei über 4000 (Krahe verzeichnet in seinem Grundrisslexikon etwa 4500). Diese Zahlen lassen sich durch die Sonderentwicklung des Lehenswesens im "deutschen" Reichsgebiet erklären, der Entwicklung eines "Dienstadels", der den Großteil der Ritter und Edelknechte stellte. Hinzu kommt die territoriale Zersplitterung in kleine und kleinste Herrschaften. Das Land mit der im Verhältnis zu seiner Fläche größten Burgendichte ist allerdings Böhmen.
Die Evolution der Adelsburg verlief größtenteils parallel zu der Entwicklung der Stadtbefestigungen in Europa. Leider werden die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen beiden Bautypen von der Forschung noch zu wenig beachtet. Eigentlich sind die Städte des Mittelalters nichts anderes als riesige Burgen, die Einwohner nannte man folgerichtig auch Bürger. Typische Elemente der Burgenarchitektur finden sich in den Städten wieder, sogar die Bergfriede oder Donjons finden ihre städtische Entsprechung in den Wohn- und Geschlechtertürmen europäischer Städte. Viele Burgen wurden in einem Zuge mit den städtischen Befestigungen gebaut oder erweitert. Einige liegen inmitten der Städte oder an ihrem Rand, viele sind durch Schenkelmauern mit der Stadtbefestigung verbunden. Tore, Gräben, Wehrtürme und-gänge, Kurtinen und Vorwerke, alles bedingt sich gegenseitig und sollte auch als Einheit verstanden werden.
Als Reaktion darauf verstärkte man seit dem 14. Jahrhundert die Burgmauern oftmals mit einer Erdaufschüttung und versah die Burg mit relativ niedrigen, massiven Rondells. Diese Maßnahmen stellten keine ausreichende Antwort auf die Bedrohung durch Geschütze dar. Den Übergang in die Neuzeit mit ihren von Feuerwaffen getragenen Kriegen machten die Burgen nur in Ausnahmefällen mit. Sie mussten dafür komplett umgebaut und bastioniert werden, damit sie den mauerbrechenden Kanonen standhalten konnten.
Beispiele für eine derartige Modifikation sind die Bielefelder Sparrenburg, das Marburger Schloss oder der Munot in Schaffhausen.
In den meisten Fällen wurde auf die Umwandlung von Burgen zu Artilleriefestungen verzichtet, zumal viele Burgen mit ihren hohen Gebäuden ein leichtes Ziel für Mörser darstellten. In einigen Fällen blieben sie aber als Residenz adeliger Familien erhalten oder gelangten in bäuerlichen Besitz.
Die Wohnfunktion der Burgen wurde dann von den Schlössern und beim niedrigen Adel teilweise von Ansitzen übernommen. Zahlreiche Burgen, die nicht zu Schlössern umgebaut oder anderweitig, beispielsweise als Domäne, genutzt wurden, verfielen und wurden zur Ruine.
Zahlreiche Burgen wurden später absichtlich zu Ruinen gemacht. In manchen Gegenden bemaß sich die Grundsteuer nach der Dachfläche des Anwesens. Um diese Dachsteuer zu umgehen, deckte man die Dächer von leerstehenden Gebäudeteilen einfach ab. Unbewohnte Burgen wurden aus romantischen Motiven dem Verfall überlassen, um die Anlagen zu pittoresken Landschaftsstaffagen zu machen. In zahlreichen Schloss- und Landschaftsgärten errichtete man im 19. Jhdt. künstliche Burgruinen, deren Architekturteile gelegentlich alten Burgen entnommen wurden. Csókakő 01.jpg
Im 19. Jahrhundert (Romantik) entstand eine Mittelalter-Sehnsucht, die dazu führte, dass man Schlösser im Stil alter Burgen baute. Beispiele hierfür sind Schloss Neuschwanstein und die Burg Hohenzollern. Diese Märchenburgen haben allerdings mit der Realität wenig zu tun. Es handelt sich um reine Phantasiearchitekturen, die einzelne Elemente der Burgenarchitektur ins Groteske übersteigern. Neuschwanstein wurde gar von einem Bühnenbildner entworfen. Aber auch seriöse Forscher wie Bodo Ebhardt beteiligten sich mit Restaurierungen, wie etwa der Hochkönigsburg im Elsass, an der Romantisierung und Verfälschung des Bildes der mittelalterlichen Burg. Leider wurden in allen diesen Fällen bedeutende Reste originaler Wehranlagen beseitigt, das nachgemachte Mittelalter wurde also dem echten vorgezogen. Diese Bauten prägen leider bis heute die Vorstellung vieler Menschen von einer mittelalterlichen Burg. Populäre Bücher über Burgen sind oft aus dem englischen Sprachraum übersetzt, dessen Verhältnisse sich doch sehr von den hiesigen unterscheiden.
Auch im Nationalsozialismus wurde mit dem Bau von sogenannten Ordensburgen wie Sonthofen oder Vogelsang beziehungsweise dem Umbau von bestehenden Anlagen wie der Wewelsburg oder der Burg Trifels auf den Mythos der mittelalterlichen Burg Bezug genommen.
In den letzten Jahrzehnten hat die Burgenforschung in Europa große Fortschritte gemacht. Zahlreiche veraltete Vorstellungen konnten zurechtgerückt oder zumindest zur Diskussion gestellt werden. Bedingt durch den allgemeinen Mittelalterboom wurden zahlreiche Burgen und Ruinen untersucht und gesichert oder restauriert. Hier stehen vorbildliche Burgsanierungen, wie etwa die des Mittelalterarchäologen Joachim Zeune, der sicherlich gutgemeinten Arbeit zahlreicher Burg- und Heimatvereine gegenüber. Der Neubau von Burgruinen wie etwa der mittelfränkischen Burg Treuchtlingen löst bei Burgenfreunden nicht nur Begeisterung aus.
Bachritterburg.jpg Im Rahmen der experimentellen Archäologie werden seit einigen Jahren sogar komplette mittelalterliche Burgen mit den alten Bautechniken und Werkzeugen nachgebaut. In Deutschland wurde in Lütjenburg eine einfache Turmhügelburg (Motte) rekonstruiert und in Kanzach eine aufwendigere hölzerne Niederadelsburg. Absoluter Höhepunkt dieser neuen Burgenbaubewegung ist jedoch der vor einigen Jahren begonnene Nachbau einer kompletten Steinburg im französischen Guédelon. Dieses, mit EU-Mitteln geförderte Projekt dürfte sich noch die nächsten Jahrzehnte hinziehen.
Auf einer japanischen Insel wurde sogar die bekannte rheinische Marksburg in Originalgröße an den Strand gestellt. Auf die Außenwerke musste hier allerdings aus geographischen Gründen verzichtet werden.
Die Lage hatte zwangsläufig einen einscheindenden Einfluss auf die Größe und Ausstattung einer Burganlage. Kennzeichen der typischen deutschen Burg ist die manchmal spektakuläre Lage auf hohen Bergkuppen und Felsklötzen. Während die großen Burgen Englands und Nordfrankreichs in der Regel auf eher niedrigen Hügeln - oder im Flachland - liegen und die Grundrisse hier wesentlich regelmäßiger sind, folgen "deutsche" Burgen meist den vom Gelände vorgegebenen Bedingungen.
Wenn genügend natürlicher Schutz durch Steilhänge oder Felsbarrieren vorhanden war, konnte auf aufwändige Hochbauten meist verzichtet werden. Die Baumassen unserer Burgen fallen deshalb meist vergleichsweise bescheiden aus. Ähnliche geographische Bedingungen führten oft zu sehr ähnlichen Ergebnissen in weit entfernten Gebieten. So wirken zahlreiche Burgen etwa Südfrankreichs oder Osteuropas sehr vertraut auf den mitteleuropäischen Betrachter. Die ältere Forschung hat hier oft fälschlicherweise einen direkten "deutschen" Einfluss unterstellt. Nationalistische Burgenkundler sahen gar in allen großen Burgschöpfungen Europas germanischen Formwillen. Besonders unrühmlich hat sich hier Bodo Ebhardt hervorgetan.
Unterscheidung der Burgen nach ihrer Lage:
Höhen-Burgen
Tiefen-BurgenDas Gelände innerhalb der Burg wurde durch zahlreiche und verschiedenartige Gebäude genutzt und gegliedert, wobei sich weitere verteidigungsfähige Abschnitte ergeben konnten. Eine zentrale Rolle, die von der älteren Forschung jedoch häufig unterschätzt wurde, kommt der Wohnarchitektur zu. Das Hauptgebäude einer hochmittelalterlichen Burg (10. bis 12. Jahrhundert) wird in der Forschung als Festes Haus, Saalgeschosshaus beziehungsweise allgemein als Wohnbau bezeichnet (Marburger Schloss, Bauphase 1). Seine Funktion wurde in jüngerer Zeit häufig durch den Wohnturm übernommen (Marburger Schloss, Bauphase 2, Neuenburg (Freyburg)), der im 14. Jahrhundert eine zweite Blütezeit erlebte. Aus dem früh- und hochmittelalterlichen Saalbau entwickelte sich im 12. Jahrhundert die Spezialform des Palas, dessen genaue Definition jedoch in der Burgenforschung noch stark umstritten ist. In enger Verbindung mit den Wohnbauten, die vielfach als Kemenaten bezeichnet werden, standen sakral genutzte Räume oder Gebäude wie Burgkirchen und Burgkapellen.
Neben den zumeist sehr repräsentativen Wohnbauten gab es insbesondere in den Vorburgen noch weitere Wohn- und Wirtschaftbauten wie Werkstätten, Backhäuser oder Ställe sowie Lagerräume für Vorräte, Nahrungsmittel, Werkzeuge und Waffen. Eine besondere Herausforderung stellte bei den Höhenburgen die Wasserversorgung dar. Sie wurde zumeist über Zisternen gesichert, in die das von den Dächern der Gebäude herablaufende Regenwasser eingeleitet wurde. Zumeist erst im späten Mittelalter wurden Brunnen angelegt, die beträchtliche Tiefen erreichen konnten (Beispiel: der 176 m tief in den Fels getriebene Brunnen der Reichsburg Kyffhausen).
Den meisten Burgen war ein Wirtschaftshof zugeordnet, der die Versorgung der Burginsassen mit den notwendigen Gütern sicherstellte. Bei grösseren Burgen war der Wirtschaftshof manchmal in der Vorburg untergebracht. Bei Höhenburgen stand er meist im Tal unterhalb der Burg. Bei einigen Burgen haben sich diese Höfe bis heute erhalten und werden noch bewirtschaftet (Burg Niederhaus/Ries, Burg Vilsegg/Tirol u.a.). Allerdings wurden diese Höfe bislang von der Burgenforschung wenig beachtet.
Mittelalterliche Architektur hatte immer auch einen hohen Symbolgehalt, natürlich waren Burgen Statussymbole und Machtzeichen. Sie boten aber auch realen und psychologischen Schutz, zumindest vor kleineren marodierenden Banden, wilden Tieren und Kriegsknechten des feindlichen Nachbarn. Nicht zuletzt wollte man sich natürlich auch vor der abhängigen Bevölkerung distanzieren und konnte notfalls das Tor hinter sich zusperren. Jedoch war das Verhältnis zu den Untertanen meist ein eher patriarchalisches. Größere Bauernaufstände sind bis zum großen Bauernkrieg 1525 die seltene Ausnahme. Auch diese Revolution wurde von Seiten der Bauern weit weniger blutig ausgefochten, als meist behauptet. Oft wurde der Burgbesatung freier Abzug gewährt, manchmal durfte sogar der Hausrat mitgenommen werden.
Größeren Belagerungen konnten die meisten deutschen Burgen natürlich nicht auf längere Zeit widerstehen, einige Monate oder Jahre Widerstand sind jedoch häufig nachweisbar. Hier muss man natürlich berücksichtigen, dass eine solche Belagerung für den Angreifer äußerst kostspielig werden konnte. Wenn der Feind aus finanziellen Gründen von einer Belagerung oder einem Angriff absah, hatte der Burgbau seinen Zweck erfüllt. Aus diesem Grunde ist auf zahllose Burgen nie ein einziger Schuss abgefeuert worden. Manchmal war es preiswerter, eine kleine Belagerungsburg in der Nähe zu errichten und die Burg von dort aus mit Steinkugeln zu beschießen, bis die Insassen zermürbt aufgaben (Burg Trutzeltz gegen die Burg Eltz). Im Falle einer Fehde wurde die Burg meist einfach umgangen, man plünderte lieber die Dörfer und Höfe des Gegners aus, um ihm seine wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Aus diesem Grunde waren viele Dörfer mit einer leichten Befestigung versehen. Wall und Graben oder eine dichte Dornenhecke sind häufig nachweisbar, die Eingänge waren durch Torhäuser bewehrt. Bedeutendere Märkte hatten oft eine massive Steinmauer mit Wehrtürmen und Toren, waren also stadtähnlich ausgebaut. Manchmal wurden auch regelrechte Kirchenburgen zum Schutz der Bevölkerung angelegt. Natürlich benutzte die Landbevölkerung auch die zahlreichen vor- und frühmittelalterlichen Wallanlagen der umliegenden Wälder weiter, die oft noch bis in die Neuzeit hinein als Verstecke und Viehbergen dienten (Schwedenschanzen). Gelegentlich fand die gebeutelte Bevölkerung natürlich auch kurzfristig in der Burg ihres Herren Unterschlupf. Bei einzelstehenden Höfen wurden oft die Speicher bewehrt, manchmal auf kleine Inseln gestellt (Wehrspeicher). Das Tragen von Waffen war den Bauern allerdings meist verwehrt, allenfalls war ein langes Hiebmesser zur Verteidigung gegen Wölfe erlaubt, die "Bauernwehr".
Die Zahl der waffenfähigen Männer auf einer Burg war nicht selten äußerst gering, manchmal war nur der Burgherr mit seinen Söhnen und einigen Knechten zur Verteidigung bereit. Okkupationsburgen konnten hingegen hunderte oder gar tausende von Kriegern aufnehmen (Krak des Chevaliers, Marienburg).
Der Alltag auf einer kleinen mitteleuropäischen Dienstmannenburg unterschied sich doch sehr von dem auf einer der großen Hofburgen des Hochadels. Zwar versuchten auch die kleinen Ministerialen, der höfischen Kultur nachzueifern und lieferten oft bedeutende Beiträge zu dieser (Minnesang), ihr tägliches Leben verlief meist jedoch ziemlich "unritterlich". Oft sicherten nur wenige Höfe und Leibeigene des Auskommen der Burginsassen, die häufig selbst hinter dem Pflug gehen mussten. Die Lebensverhältnisse auf den kleinen Burganlagen müssen aus heutiger Sicht unzumutbar gewesen sein. Es herrschte meist drangvolle Enge auf der Burg, es stank nach menschlichen und tierischen Exkrementen und Ausdünstungen, im Winter war es bitterkalt in den überwiegend unbeheizbaren Räumen. Oft war das Frauengemach der einzige beheizte Raum einer Burg (Kemenate). Das tägliche Leben spielte sich überwiegend draußen ab, die Männer gingen zu Jagd oder auf das Feld, die Frauen waren mit den täglichen Haushaltspflichten beschäftigt und mussten die Dienstboten beaufsichtigen. Diese Alltagspflichten ließen nur wenig Gelegenheit zum Müssiggang. Beliebte Zeitvertreibe waren hier die bei den Damen die Handarbeit, Brettspiele waren äußerst beliebt. So wurde etwa auf dem "Teufelsstein" in den Hassbergen ein Mühlebrett in den Felsboden geritzt. Absolute Höhepunkte im Burgalltag waren die seltenen Besuche der fahrenden Sänger und Geschichtenerzähler (Minnesänger), die von Burg zu Burg zogen und oft den Kultstatus heutiger Popstars erreichten. Diese Sänger waren keineswegs immer ritterlicher Herkunft - es soll sogar einen jüdischen Minnesänger (Süßkind von Trimberg) gegeben haben.
Auch gelegentliche Feste wie Hochzeiten, Kindstaufen und natürlich die Ritterpromotionen (Schwertleite, später Ritterschlag) unterbrachen den meist eintönigen Alltag der Burgbewohner.
Als Kinderspielzeuge wurden geschnitzte Ritterfiguren und Puppen gefunden. Diese wertvollen Zeugnisse des Alltagslebens findet man heute bevorzugt in den alten Abfallgruben und unter den Aborterkern unserer Wehrbauten.
Diese Aborterker, die von Unkundigen häufig für Pechnasen gehalten werden, haben sich in zahllosen Beispielen an den Außenmauern erhalten. Oft führte von diesen Abtritten ein langer hölzerner Schacht senkrecht in den Burggraben, die Fäkalien fielen also nicht offen zu Boden.
Viele deutsche Burgen entwickelten sich im Laufe ihrer Geschichte zu regelrechten Mehrfamilienburgen. Durch Erbteilungen und Notverkäufe wurden den bestehenden Gebäuden immer neue Wohnbauten hinzugefügt, manchmal wurden eigenständige Kleinburgen in die ältere Ringmauer gestellt. Diese, für Deutschland typische Burgform nennt man Ganerbenburg.
Turniere gab es auf unseren Burgen nur selten. Diese mittelalterlichen Volks- und Sportfeste wurden meist in der Nähe größerer Städte abgehalten. Die Turnierwiesen, die sich innerhalb oder bei zahlreichen Burgen finden, wurden in der Regel erst später so benannt.
So beengt die Raumverhältnisse auch gewesen sein mögen, Platz für eine Stätte religiöser Andacht fand sich auf praktisch allen Burgen. Größere Anlagen hatte eine, manchmal reich ausgestattete Burgkapelle, kleinere begnügten sich mit einer Altarnische oder einem Kapellenerker. Oft finden sich Torkapellen über den Burgeingängen, das Tor als Schwachstelle der Burg wurde also unter besonderen "göttlichen" Schutz gestellt. Die Kapellen dienten häufig auch als Grablegen der Burgherren.
Zeitschriften:
Schriftenreihen:
Castell | Hrad | Castell | Borg | Castle | Burgo | Castillo | Linnus | Château | %D7%98%D7%99%D7%A8%D7%94_%28%D7%9E%D7%91%D7%A6%D7%A8%29 | Kastali | 城 | Burcht | Zamek (architektura) | Замок (строение) | Borg (befäst byggnad)