Die Burggrafschaft Nürnberg war ein mittelalterliches Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Um das Jahr 1105 wurden die aus einem niederösterreichischen Geschlecht stammenden Grafen von Raabs mit der Burg belehnt und als Burggrafen von Nürnberg eingesetzt. In der Folgezeit schufen sie die Grundlage für ein umfangreiches Reichsterritorium, das mit der Zeit um die Burg entstand und dann als die Burggrafschaft Nürnberg bezeichnet wurde.
Als mit Konrad II. um 1190 der letzte Graf von Raabs ohne männliche Nachkommen starb, trat sein Schwiegersohn Friedrich I. von Zollern seine Erbschaft an. Vermutlich noch im Jahr 1191 wurde er von König Heinrich IV. mit dem Burggrafenamt belehnt. Mit ihm traten die Grafen von Zollern die Herrschaft in der Burggrafschaft Nürnberg an. Sie (bzw. zeitweilig einige ihrer Seitenlinien) regierten in diesem Territorium (bzw. in den später daraus entstandenen Fürstentümern) bis zum Ende des alten Reiches. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts bezeichneten sich die Zollern dann als Hohenzollern.
Durch eine geschickte Erwerbungspolitik bauten die Hohenzollern ihr Herrschaftsgebiet vor allem im Gebiet des heutigen Mittel- und Oberfranken zielstrebig aus. Durch die Beerbung der Grafen von Abenburg gelangten sie in den Besitz von deren Stammburg Abenberg, von Cadolzburg, des alten Königsguts Riedfeld (der Keimzelle von Neustadt a. d. Aisch) und vor allem auch zur Schirmherrschaft über das Kloster Heilsbronn. Ebenfalls durch Erbschaft kamen sie 1248 mit Bayreuth in den Besitz des nordöstlichen Teils der oberfränkischen Besitzungen der Grafen von Andechs-Meranien. Eine vorbildliche Finanzpolitik ermöglichte den Hohenzollern weitere umfangreiche Neuerwerbungen. 1285 gelangte Wunsiedel in ihren Besitz, 1292 Arzberg, 1338 Schauenstein-Helmbrechts, 1373 Münchberg, 1377 Hof und schließlich 1412 Selb. Damit erweiterten sie das sogenannte obergebirgische Land rasch zu einem relativ kompakten Territorium.
Auch im untergebirgischen Land gelang es den Hohenzollern in wenigen Jahrzehnten einen umfangreichen Gebietszuwachs zu erzielen. 1331 erlangten sie die Vogtei über die spätere Residenzstadt Ansbach. Weitere Erwerbungen waren die Städte und Märkte Uffenheim, Crailsheim, Creglingen, Kitzingen, Marktsteft, sowie Schwabach, Leutershausen und Gunzenhausen.
Bereits 1273 war den Hohenzollern von Rudolf I. von Habsburg das kaiserliche Landgericht in Nürnberg verliehen worden. Für die Hohenzollern entwickelte es sich zu einem der wichtigsten Instrumente ihres politischen Einflusses. Im 15. Jahrhundert wurde es in den neuen Regierungssitz Ansbach verlegt.
Die immer ausgedehnteren Machtansprüche der Hohenzollern brachten sie zunehmend aber auch in Konflikt mit anderen Reichsständen, wie den bayerischen Wittelsbachern, dem Bischof von Würzburg und der Freien Reichsstadt Nürnberg. 1420 eskalierten diese Auseinandersetzungen in der Zerstörung der Nürnberger Burggrafenburg durch Truppen des Herzogs Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt. Die Burggrafenburg wurde danach von den Hohenzollern nicht mehr wiederaufgebaut, sondern 1427 an die Reichsstadt Nürnberg verkauft. Obwohl die fränkischen Hohenzollern auch danach noch den Namenszusatz Burggraf zu Nürnberg in ihrem Titel führten, bedeutete dieser Verkauf letztendlich doch das Ende der staatsrechtlichen Existenz der Burggrafschaft Nürnberg. Aus ihrem Territorium gingen in der Folgezeit die beiden hohenzollernschen Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach hervor.
(Hinweis: Die Regierungszeit der Burggrafen wird jeweils vor ihrem Namen angegeben, ihr Geburts- und Sterbejahr danach. Literaturangaben zu den Burggrafen sind teilweise uneinheitlich, bei den Grafen von Raabs gelegentlich auch widersprüchlich. Ergänzende biografische Informationen sind nur dann beigefügt, wenn noch kein eigener Artikel existiert.)
Aus dem niederösterreichischen Geschlecht von Raabs:
Nürnberger Geschichte | Hohenzollern | Bayerische Geschichte (Gebiet) | Reichsgrafschaft
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