Die Bezeichnung Burgenland-Kroaten (kroat. Gradišćanski Hrvati) bezieht sich auf eine kroatische Minderheit, die seit dem 16. Jahrhundert im Grenzgebiet zwischen Österreich und Ungarn lebt. Nach der Volkszählung 2001 leben im Burgenland 16.283 Burgenlandkroaten, dies entspricht einen Anteil von 5,8% der Gesamtbevölkerung. Die Burgenlandkroaten sind ursprünglich Flüchtlinge, die während der Türkenkriege aus Kroatien, insbesondere aus der damaligen Militärgrenze, flohen und im Westen des damaligen Ungarns angesiedelt wurden. Das österreichische Bundesland Burgenland, das aber erst zu Ende des Ersten Weltkrieges entstand, umfasst heute einen Großteil des kroatischen Siedlungsgebietes, das von den Kroaten Gradišće * genannt wird. Ein kleiner Teil der kroatischen Volksgruppe lebt im heute ungarischen Teil des Gradišće.
Im Heimatland Kroatien werden die Kroaten, die im Burgenland leben, als Gradišćanski Hrvati (Kroaten aus dem Gradišće/Burgenland) bezeichnet.
Die Burgenlandkroaten verwenden eine ganz eigene Form der kroatischen Sprache. Mehr dazu siehe: Burgenlandkroatisch.
Die kleineren kroatischen Minderheiten in West-Ungarn, der südwestlichen Slowakei und dem südlichen Tschechien werden oft ebenfalls als Burgenlandkroaten bezeichnet. Auch sie verwenden die burgendlandkroatische Schriftsprache und sind historisch und kulturell eng mit den Kroaten in Österreich verbunden. Die Gesamtzahl der Sprecher in allen drei Ländern sowie in der Migration wird von Vertretern der Burgenlandkroaten auf ca. 70.000 Personen geschätzt.
Zwischen den angesiedelten Kroaten in Westungarn und ihrem Muttervolk in der alten Heimat zerfielen nach und nach die Bindungen. Erst um die Jahrhundertwende entwickelte sich - durch die Mobilität gefördert - ein großes Interesse an kulturellen Kontakten. Vor allem kroatische Geistliche bemühten sich um die Erhaltung des völkischen Bewußtseins. In der ungarischen Öffentlichkeit galt jedoch jede zu enge Verbindung zwischen den westungarischen Kroaten und ihrem Heimatland als Landesverrat und sie wurden als „Panslawisten“ beschimpft.
Nach dem 1. Weltkrieg änderte sich jedoch die Situation für die westungarischen Kroaten grundlegend. Waren sie bisher gemeinsam mit der deutschen Bevölkerung eine Minderheit in Ungarn gewesen, so drehte sich der Spieß für die Kroaten um. Vor der Volksabstimmung 1921 im Burgenland gab es bei den Kroaten zwei Stimmungslagen. Die ortsgebundenen Bauern waren strikt gegen einen Anschluss an Österreich. Doch die Händler und Nebenerwerbslandwirte waren schon längst mit dem österreichischen Absatzmarkt verflochten und sahen daher ihre Interessen durch einen Anschluss an Österreich besser gewahrt.
Für die kroatischsprachigen oder gemischtsprachigen Schulen hatten die Gemeinden zur Gänze aufzukommen. Dies konnten sich die größtenteils kleinen und ebenso armen Gemeinden nicht mehr leisten, weshalb mehr und mehr dieser kirchlichen Gemeindeschulen von der Landesschulbehörde übernommen wurden. So wurden weniger kroatischsprachige Lehrer gewählt, und nachdem Deutsch als Pflichtfach zu 5 Wochenstunden in jeder Klasse vorgeschrieben wurde, trat der Kroatischunterricht zusätzlich in den Hintergrund. Ein weiteres Hindernis für den Kroatischunterricht waren die kroatischen Assimilanten, die die Verwendung der Mehrheitssprache als Mittel zu besserem beruflichen Fortkommen sahen. Sozialdemokratisch regierte Gemeinden übertrugen ihre konfessionellen Schulen immer mehr der staatlichen Verwaltung. Der Kampf um die Sprache wurde nun auf der Ebene der Lehrerposten ausgetragen.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bemühte sich die kroatische Minderheit zu einer betont österreichischen Haltung, ihre Volksgruppe politisch und kulturell wieder zu beleben. Denn der politische, wirtschaftliche und sprachliche Assimilierungsdruck lebte auch nach der Naziherrschaft weiter. Einen Beitrag zu einem neuen Volksgruppenbewußtsein leistete Lorenz Karall, ein Kroate aus Großwarasdorf, der 1946 zum ersten Landeshauptmann des Burgenlandes nach dem 2. Weltkrieg gewählt wurde. Es entstanden damals zahlreiche Kontroversen zwischen dem Kroatischen Kulturverein und dem Präsidium der Bürgermeister und Vizebürgermeister der Gemeinden im Burgenland, weil es oft aus rein parteipolitischen Gründen zu kroatischfeindlichen Beschlüssen in der Schulfrage kam. So sahen die meisten Kroaten ihre Interessen in der ÖVP mit Karall an der Spitze am besten gewahrt.
Die heutigen Probleme der kroatischen Volksgruppe sind: kroatischsprachige Kindergärten, Mittelschulen, Verwaltungssprache, Gericht, Ortsbezeichnungen.
Außerdem kritisieren die Minderheiten, dass die Volkszählungen der vergangenen Jahrzehnte untaugliche Mittel zur Feststellung der Größe einer Minderheit seien. Sie seien jeweils eine Methode zur statistischen „Entnationalisierung gewesen“. Es entstehe bereits eine Irreführung bei der Erhebung, die sich in der Auswertung dann noch verstärke. Laut diesen Volkszählungen ist jedenfalls die kroatische Volksgruppe im Verschwinden begriffen. Indessen erfreuen sich die Kroatischsendungen des ORF einer wesentlich höheren Hörerquote, als Kroaten statistisch vorhanden sind, und Zählungen der katholischen Kirche ergeben ein anderes Bild.
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