Henneburg_Bergfried.jpg Die Ruine der südthüringischen Burg Henneberg liegt östlich des gleichnamigen Ortes auf dem so genannten Schlossberg, einem freistehenden Bergkegel, zur Wasserscheide zwischen Werra und Main gehörig, der nur im Süden flach ausläuft, ansonsten steil abfällt.
Von der Burganlage sind ein Großteil der Ringmauer mit einbezogener Außenwand des Palas sowie Resten einer Abortanlage, der Bergfried, die Mauerschale einer Kemenate, ein Teil eines Wohn- und Wirtschaftsgebäudes mit Kellerportal, ein um 1880 ergänzter Turm, ein Brunnen bzw. eine Zisterne, ein kleiner Teil der Zwingermauer, der Trockengraben mit teilweise umlaufendem Wall sowie die die flach abfallende Bergzunge im Süden sichernden Wälle erhalten. Der Weg zur Burg steigt an der Westseite des Berges hangparallel an, durchquert das um 1935 ergrabene erste Tor, mündet in den Zwinger, umrundet die Nordseite und trifft in der Nordostecke auf das Tor 2. Historische Quellen lassen hierbei auf ein Kammertor schließen.
Auf die Grafen von Henneberg geht die Stiftung ihres Hausklosters Vessra im Jahre 1131 zurück, das mehrere Generationen als Grablege diente. Lange Zeit hatten sie auch das Burggrafenamt von Würzburg inne. 1190 teilte sich das Geschlecht in die Linien Henneberg, Botenlauben und Burgruine Straufhain. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg fällt ins Jahr 1221, in den ungefähren Beginn der kurzen Blütezeit der Anlage (um 1220 - 1274). In diesem Zeitraum wurde die Burg großzügig umgebaut und befestigt, um repräsentativen Ansprüchen gerecht zu werden.
1274 erfolgte eine erneute Teilung des Grafenhauses in die Linien Hartenberg, Aschach (später Römhild) und Schleusingen, so dass die Henneburg nicht mehr als Residenz genutzt wurde. Gegen einen völligen Bedeutungsverlust sprechen jedoch die enormen Um- und Ausbaumaßnahmen der späteren Epochen, die teils urkundlich belegt, teils archäologisch erfasst oder als Rest des aufgehenden Mauerwerkes überliefert sind.
Im Jahre 1310 wurde Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen, der 1274 die Henneburg erhalten hatte, in den Fürstenstand erhoben. Zeitweise war er Bevollmächtigter Kurbrandenburgs und Kursachsens, Verwalter Böhmens und Vormund des Kronprinzen Ludwig.
1393 wurde ein Teil der Burg als Mitgift an die Linie Henneberg-Römhild verpfändet, jedoch bis zum Erlöschen dieser (1549) nicht ausgelöst, eine Teilung, die oft zu erheblichen Streitigkeiten führen sollte. Aus dem Jahre 1432 existiert ein Vertrag zur beiderseitigen Benutzung der geteilten Burg, der mit seinem Inventarverzeichnis der Gebäude und Räume von höchstem Interesse ist. Für den Zeitraum von 1453 bis 1516 sind verschiedene Baumaßnahmen überliefert.
Im Mai 1525 soll die Burg Henneberg vom Bildhäuser Bauernhaufen im Rahmen der fränkischen Bauernerhebungen kampflos eingenommen, geplündert und gebrandschatzt worden sein. Der genaue Umfang der Zerstörungen ist nicht bekannt und konnte auch durch archäologische Ausgrabungen weder verifiziert noch widerlegt werden. Aufgrund der untergeordneten Bedeutung, die der Anlage zu diesem Zeitpunkt nur noch zukam, wurde die Burg nur teilweise wieder aufgebaut, es sind sogar seit 1576 systematische Abbrucharbeiten am Bergfried überliefert.
1583 starb mit dem Tode des letzten Grafen von Henneberg-Schleusingen, Georg Ernst, das Grafengeschlecht in männlicher Linie aus. Die Burg jedoch wurde noch bis in das beginnende 17. Jahrhundert bewohnt. Nach dem Wüstwerden setzten weitreichende Abbrucharbeiten ein.
Um das Jahr 1832 führte der herzoglich-sächsisch-meiningensche Kammerrat und Hofbuchdrucker Johann Philipp Heinrich Hartmann erste Grabungen auf der Henneburg durch.
Seit 1845 wurden auf herzogliche Weisung verschiedene Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen getätigt, darunter z.B. die teilweise Neuerrichtung ausgebrochener Felder der Ringmauer sowie der Einbau von Stabilisierungselelmenten an deren Fundament.
Zwischen 1879 und 1883 ließ der Landbaumeister E. Abesser auf der Burg Ausgrabungen vornehmen, um aufgrund ergrabener und teilweise noch offenliegender Fundamente einen Grundrißplan erstellen zu können. Um 1935 grub der damalige Vorsitzende des Hennebergisch-Fränkischen-Geschichtsvereins, Dr. Friedrich Tenner, auf und erstmals auch in der Umgebung der Burg und stieß dabei auf die Fundamente des ersten Tores und die einer weiteren Kemenate.
1992-1995 sowie 2000-2001 wurden durch das Thüringische Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Weimar Ausgrabungen durchgeführt.
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