Burg_Fürsteneck_Vorderseite.jpgBurghof_Burg_Fürsteneck.jpgBurg_Fürsteneck_Rückseite_im_Winter.jpgBurg Fürsteneck liegt zentral in Deutschland in Osthessen, an der hessisch/thüringischen Grenze, zwischen Fulda und Bad Hersfeld und gehört zur Marktgemeinde Eiterfeld. Die Burg liegt 406 Meter hoch auf einer kleinen Hochebene (Wittfeld), 2 Kilometer nördlich von Eiterfeld inmitten des Hessischen Kegelspiels (Vorderrhön).
Burg Fürsteneck wurde als Grenzbefestigung des Klosters Fulda gegründet und ist seit der Säkularisierung Eigentum des Landes Hessen.
Seit 1952 ist Burg Fürsteneck hessische Heimvolkshochschule und Akademie für berufliche und musisch-kulturelle Weiterbildung.
Luftaufnahme_von_Burg_Fürsteneck.jpgRundgang_Burg_Fürsteneck.jpg
Wie bereits erwähnt, wurde die Burg 1290 / 1309 erstmals urkundlich genannt. Es gibt aber Indizien dafür, dass sie um einiges älter ist:
Doppelfenster_Burg_Fürsteneck.jpgIn der Mauer über dem Haupteingang auf der Südseite befindet sich ein romanisches Einstein-Zwillingsfenster (1), das Fachleute dem 12. Jahrhundert zurechnen. (Ein ähnliches Fenster findet sich an der Südseite des Fuldaer Domes.) Ein weiteres Einstein-Fenster (2) ist in der Westmauer der Burg zu finden.
Weiteres Indiz für ein höheres Alter der Burganlage könnte sein, dass nur Burgen aus der Zeit vor den Kreuzzügen Türme haben, die den Außenmauern eingegliedert sind, statt eigenständig stehende Ringmauertürme: Der Nordturm steht in einer Linie mit den beiden Außenmauern. Das gleiche gilt für den alten Bergfried rechts des Eingangstores.
Das jetzige Außentor (3) ist nachträglich, zu Zeiten, als die Burg schon längst nicht mehr als Wehrburg diente, verbreitert worden.
Der eigentliche Durchgang dürfte ein ziemlich enges Tor gewesen sein, das sich im Zweifelsfall leicht verteidigen ließ.
Dasselbe gilt auch für das eigentliche Burgtor (4). Das ursprüngliche Tor dürfte auch da wesentlich niedriger und schmaler gewesen sein. Die Schießscharten im Zwinger (5) links liegen so tief, dass man davon ausgehen kann, auf einer Schuttschicht zu stehen.
Oben auf der Mauer ist ein alter Wehrgang (6), der ursprünglich über das niedrigere Außentor hinweg ging. An der Westseite des Wehrgangs befindet sich ein Eckrondell (7) mit dem kleinen Wappen des Fuldaer Fürstabts Johann Bernhard Schenk von Schweinsberg.
Über dem Burgtor ist eine Mauer mit zugemauerten Fenstern, vermutlich für Wohnräume, die darauf hinweisen, wie oft und umfassend die Burg durch die Jahrhunderte hinweg umgebaut wurde.
Der dem Herrenhaus vorgelagerte kleinere Bau ist der alte Bergfried (8) mit dicken Buckelquadern an allen vier Kanten (siehe auch dieselben Buckelquader am nördlichen Befestigungsturm) und dicken Mauern. Man nimmt an, dass er ursprünglich höher gewesen ist als das Herrenhaus und mit dem Nordturm das Verteidigungszentrum der Burg bildete.
In den Burgmauern sind verschiedenfarbene Steine verbaut: dunkler Basalt-Bruchstein und hellere Sandsteinquader. Anhand der helleren „Ausbesserungen“ lassen sich die Wunden des alten Gemäuers gut erkennen und geben uns einen Eindruck von den Renovierungsarbeiten, die Adalbert von Schleifras im 18. Jahrhundert hat ausführen lassen.
Über dem Türrahmen des Herrenhauses (9) hat Adalbert von Schleifras sein Wappen angebracht:
anno quo
DoMVs haeCCe resta Vrata MDCCVII
DICtVs soysberg per prInCIpeM MDCCVIV
Abbatem Adalbertum ex stirpe
de Schleifras
pleno jure venandi acquisitus est
(In dem Jahre, in dem dieses Haus, Soisberg genannt,
erneuert wurde,
war es durch den Fürstabt Adalbert aus dem Geschlecht von Schleifras
mit allen Rechten durch Kauf erworben worden.)
Das Haus, in das die Türe führt, ist der alte Wohnbau, der Palas. Eine Spindeltreppe führt zwischen dem Bergfried und dem Palas hinauf und verbindet beide.
Vor dem Wirtschaftsgebäude (10) findet sich ein weiteres Wappen Adalbert von Schleifras’. Hier waren wohl ursprünglich keine Gebäude, sondern nur Mauern und Wehrgang. Allerdings muss schon in früher Zeit eine Erweiterung stattgefunden haben, denn man kann an der Außenmauer des Wirtschaftstraktes zugemauerte Schießscharten entdecken.
Im 19. Jahrhundert, als Fürsteneck landwirtschaftliches Gut war, befanden sich hier die Schmiede und der Schweinestall.
Der Nordturm (11) schließt sich an. Im 19. Jahrhundert war er halb zerfallen und ohne Dach. Zu Zeiten, als er noch als Verteidigungsbau diente, war er zwar nicht zerfallen, aber ebenfalls ohne Dach gewesen, dafür aber mit vielen Schießscharten. Die Außentreppe zum Turm dürfte auch ziemlich spät errichtet worden sein, genauso die Eingangstür zum Turm, während das Fensterchen oberhalb der Tür älter sein dürfte.
Das Nordtor (12) ist wohl auch erst neueren Datums und wird zu der Zeit entstanden sein, als die Domänenbesitzer, bzw. Arbeiter mit Wagen und Pferd auf ihre nördlichen Äcker mussten.
Ein drittes Wappen von Schleifras findet sich über dem Eingang zum Tagungsgebäude (13) mit der Halle, einer ehemaligen Scheune, sowie weiteren Seminarräumen und Zimmern für die Teilnehmenden: Spitzbogen_Burg_Fürsteneck.JPG
Adalbertus D.G. Abbas Fuldensis S.R.
Imperii Princeps D Augustae Archicancellarius
Per Germaniam et Galliam Primas MDCCIX
(Adalbert, von Gottes Gnade Abt zu Fulda, des Hl. Römischen Reiches Fürst,
der erhabenen Kaiserin Erzkanzler, Primas in Germanien und Gallien 1709)
Einige Schritte weiter links vom Eingang zum Tagungsgebäude befindet sich der frühere, jetzt vermauerte, Eingang zur Halle in Form eines spitzbögigen Türgewölbes (14).
Im Gewölbekeller (15) wurde 1957 eine Kapelle für Andachten und Besinnungen eingerichtet.
Grundstein_Burg_Fürsteneck.jpgEinst Sitz von Adelsfamilien und Trutzburg fürstlicher Macht, ist BURG FÜRSTENECK heute freie Bildungseinrichtung mit überregionaler, überparteilicher und überkonfessioneller Ausrichtung. In dem historischen Ambiente finden zeitgemäße Seminare mit einer modernen Ausstattung statt. Der grundlegende Umbau zur Bildungsstätte wurde 1952/53 von dem Architekten Otto Bartning vorgenommen.
Jährlich besuchen knapp 4000 Teilnehmer/innen 175 Kurse mit 15000 Belegungstagen.
Das Programm beinhaltet Veranstaltungen im Rahmen des Bildungsurlaubs, Kurse zu beruflichen Schlüsselqualifikationen wie Kommunikation, Kreativität oder Management sowie berufliche oder kulturelle Fortbildungsreihen.
Wesentlicher Schwerpunkt ist die musisch-kulturelle Bildung mit Angeboten zu Tanz, Musik (Folk-, Bordun- und Alte Musik, Rock, Pop, Jazz), Theater, Rhythmus, Keramik, Malen, Zeichnen, Film und Fotografie.
Es finden auch Kurse zu Natur und Ökologie, Freizeit und Gesundheit, zu Fragen der Lebensgestaltung und Orientierung und Wochen für Familien statt.
Spezielle Fortbildungen für soziale, pädagogische, pflegerische und psychologische Berufe vervollständigen das Gesamtangebot.
Seit 2003 wird BURG FÜRSTENECK mit Unterstützung des Landes Hessen grundlegend renoviert. Insbesondere werden für den Bildungsbetrieb moderne Unterkunftszimmen mit Nasszellen hergestellt. Diese Modernisierung ist inzwischen weitgehend fertig gestellt.
Der Verein wurde im Jahre 1952 als "runder Tisch" unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen gegründet.
Satzungszweck: Der Verein führt Jugend- und Erwachsenenbildungsmaßnahmen durch, denen ein ganzheitliches Bildungsverständnis zugrunde liegt. Ziel ist die Integration politisch-sozialer, musisch-kultureller und beruflicher Bildung, wobei die musisch-kulturelle Bildung einen besonderen Schwerpunkt darstellt.
Mitglieder des Vereins
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