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Enguerrand III. erhob sogar 1226 Ansprüche auf den französischen Königsthron. Als Statussymbol und Machtzeichen ließ jener Enguerrand den aufwendigsten Donjon des französischen Mittelalters errichten. Dieser kolossale Rundturm übertraf die Dimensionen der Haupttürme der königlichen Festungen bei weitem. Auf der Baustelle sollen 800 Steinmetze gleichzeitig beschäftigt gewesen sein. Der Hochmut Enguerrands konnte allerdings durch die Umsicht der späteren Regentin Blanca von Kastilien vereitelt werden.
Die Burg wurde 1339 vergeblich von englischen Truppen belagert, wurde von Enguerrand VII., mütterlicherseits ein Habsburger, modernisiert und ausgebaut und fiel nach dem Aussterben der Barone im Jahre 1400 an die Krone zurück. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Veste mehrmals den Besitzer, wurde belagert, um- und ausgebaut. 1652 sprengten die Truppen des Kardinals Mazarin die Gewölbe des Donjons und verwüsteten die Burganlage. Der Burgherr hatte die Übergabe verweigert, er wollte seine ererbten Feudalrechte nicht an den König abtreten (Absolutismus).
Die Anlage teilte in der Folge das Schicksal so vieler Burgen, sie wurde als Steinbruch, Gefängnis und Altersheim missbraucht. Das 19. Jahrhundert erkannte schließlich den hohen baugeschichtlichen und historischen Wert dieses Hauptwerkes mittelalterlicher Wehrarchitektur. Der bekannte Architekt und Kunsthistoriker Eugène Viollet-le-Duc begann 1856 mit der Wiederherstellung und teilweisen Ergänzung des Donjons und der Aussenwerke.
1917, im Ersten Weltkrieg, wurde die Frontlinie fatalerweise in die Nähe verlegt. Das deutsche Heereskommando beschloss leider trotz zahlreicher Proteste deutscher und ausländischer Historiker und sogar des bayerischen Kronprinzen die Sprengung des Donjon. Am 27. März 1917 wurden 28 Tonnen Dynamit im Turm verteilt und gezündet. Vorher wurde allerdings eine genaue Bauaufnahme und Dokumentation durch namhafte Fachleute angefertigt. Die Sprengmeister arbeiteten so gründlich, das heute nur noch ein großer Schutthaufen den Standort des Monumentalbaues anzeigt. Natürlich wurden auch die anderen Teile der Hauptburg hierbei schwer beschädigt, vor allem die äußere Ringmauer mit ihren Flankierungstürmen. Jeder dieser Außentürme hatte ursprünglich die Dimensionen eines "normalen" Donjons.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Reste der Burganlage gesichert sowie teilweise ergänzt und können heute besichtigt werden. Einige Idealisten planen sogar die Rekonstruktion des riesigen Turmes, die aber angesichts der ungeheuren Kosten wohl ein Wunschtraum bleiben dürfte.
Der trapezformigen Hauptburg ist eine große, mit zahlreichen starken Flankierungstürmen bewehrte Vorburg vorgelagert. In der Art einer zweiten Vorburg schließen sich die Befestigungen der Altstadt von Coucy-le-Chateau an, Burg und Stadt bilden also ein zusammenhängendes, ca 60 m über dem Tal liegendes Festungssystem von etwa 14 Hektar umbauter Fläche. Die Länge der Ringmauer beträgt ca. 2400 m.
Die Hauptburg lässt ihre früheren unglaublichen Baumassen trotz der Sprengung noch erahnen. Die Untergeschosse der Burganlage sind noch vorhanden, vom gewaltigen Donjon leider nur noch der Trümmerhügel. Der Rundturm war (gemessen von der Grabensohle) etwa 60 Meter hoch, hatte eine Mauerstärke von 7 und einen Durchmesser von ca. 30 Metern. Bis zur ersten Sprengung durch die Truppen Mazarins lagen übereinander drei große, gewölbte Säle im Turm, die Treppenaufgänge befanden sich in den Aussenmauern.
Der große Donjon erlebte vor einigen Jahren wenigstens im Modell seine Wiederauferstehung. Die Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (Aachen) ließ die Hauptburg für eine vielbeachtete Wanderausstellung im Maßstab 1:25 nachbauen. Noch im Modell ist der Rundbau 2,4 Meter hoch. Diese Ausstellung wurde - besonders in Frankreich - als eine Geste der Wiedergutmachung sehr positiv aufgenommen.
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