LukácsVotivtafel.JPG | Budapest ist nicht nur das einzige Kurbad, das zugleich Hauptstadt ist, sondern auch die größte Kurstadt Europas. Aus über 120 heißen Quellen stehen täglich über 30.000 Kubikmeter mineralstoffreiches Wasser in 21 Bädern zur Verfügung, von denen 10 Heilbäder sind. Viele dieser Bäder sind zugleich Bauten von beträchtlichem historischen wie architektonischen Rang.
Zum einen sind sie bis in die Gegenwart, ganz der durch die türkische Besatzung vermittelten orientalischen Badekultur entsprechend, wichtige soziale Treffpunkte für die Bewohner der Stadt. Das regelmäßige Bad entspricht dabei ungefähr dem Kneipen- oder Café-Besuch anderer europäischer Länder (wobei Budapest auch eine hochstehende Café-Kultur besitzt), es treffen sich Nachbarn oder Freunde dabei meist im gleichen Bad.
Zum anderen zählten Budapests Thermalbäder in der Blütezeit des Bade- und Kurtourismus, vor allem im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, zu den wichtigsten und beliebtesten Kurbädern Europas. Die Kombination aus metropolitanem Lebensstil und Kurbetrieb konnte keine andere Stadt Europas bieten, zumal zu dieser Zeit auch der Charakter der Budapester Bäder sich stilistisch von Funktions- zu Repräsentativbauten wandelte.
In Schwimmbereichen ist das Tragen von Badekappen ebenso verpflichtend wie das Schwimmen in die vorgegebene Richtung (geschwommen wird quasi im Kreisverkehr). In den Thermalbädern ist nicht nur das „Plantschen“, sondern sogar das Schwimmen unerwünscht. Das Tragen von Badekleidung ist in geschlechtsgetrennten reinen Thermalbädern unüblich, oft wird nur ein leichter Lendenschurz getragen, der den Schambereich verdeckt.
Der Kern des Komplexes, das Thermalbad, ist 1566 von Pascha Szokoli Musztafa umgebaut, seither jedoch kaum verändert worden. Es befindet sich somit heute noch annähernd im fast 450 Jahre alten Originalzustand: damit ist es das älteste und gilt als das schönste der noch von den Türken erbauten Bäder Budapests.
Die von neun roten Marmorsäulen getragene Kuppel des Thermalbades, mit einem Durchmesser von 10 Metern, überdeckt ein achteckiges, von drei Quellen gespeistes Mittelbecken (96 m², 36° C), umgeben von einem spitzbogigen Umgang. In den Ecken des Raumes befinden sich vier weitere kleine Becken (9 m²) mit unterschiedlichen Temperaturen (42 °C, 33 °C, 30 °C, 28 °C). Die ursprünglich einzige Lichtquelle des Raumes sind in die Kuppel eingelassene Tessellae aus farbigem Glas, durch die getöntes Tageslicht einfällt.
Im April 2004 wurde das Rudas-Bad zu Renovierungszwecken geschlossen, die Arbeiten wurden Ende 2005 abgeschlossen. Der Zutritt zum Thermalbad war traditionell Männern vorbehalten, es galt als Treffpunkt für Journalisten und Politiker. Nach der Wiedereröffnung gab es Proteste von Frauen, denen die Stadtleitung schließlich nachgab, und im Bad wurden 2006 versuchsweise auch "Damentage" eingeführt. Es gibt außerdem noch nachts die Möglichkeit für beide Geschlechter, das Bad gemeinsam zu nutzen, allerdings nur in Badebekleidung. An den Wochenenden steht das Bad einige Stunden auch Familien zur Verfügung.
Das Király-Bad hat über die Jahrhunderte etwas mehr Veränderung erfahren, neben einer Umgestaltung durch die Királys musste es nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg renoviert werden, 1950 wurde es wiedereröffnet. Trotz dieser Eingriffe ist der ursprüngliche Charakter des Baus noch immer klar erkennbar. Damit ist das Király neben dem Rudas-Bad das einzige Bad, das den Besucher die original türkische Badekultur spüren lässt. Es ist täglich wechselnd für Männer oder Frauen geöffnet. Mit der Schließung des Rác-Bades zu Renovierungszwecken 2002 ist das Király an dessen Stelle auch als schwuler Treffpunkt getreten.
Das von verspielt geformten und mosaikgeschmückten Mauern umrahmte Außenbecken war das erste Wellenbad weltweit. Das Dach des inneren Hauptbeckens kann bei gutem Wetter geöffnet werden. Zusätzlich zu den gemischten Schwimmbecken gibt es noch getrennte Thermal- und Dampfbäder für Männer und Frauen, Massagen und zahlreiche weitere kosmetische wie medizinische Therapien, bis hin zur Zahnfleischdusche. Neben der opulenten Ausstattung mit drei Außen- und zehn Innenbecken (26°–38 °C) macht das große Angebot an therapeutischen Maßnahmen das Gellért, trotz des touristischen Publikums, zu einem der wichtigsten Bäder der Stadt.
Die weitläufige und spektakulär palastartige Anlage des Széchenyi verfügt über drei Außen- und zwölf Innenbecken mit Temperaturen zwischen 20 °C und 38 °C sowie zwei Saunen, ein Dampfbad und einen Heißraum. Darüber hinaus werden Wannenbäder, Massagen und physiotherapeutische Behandlungen angeboten.
Insgesamt acht Becken (22°–40 °C), darunter ein Schlammbassin, Dampfbad, Heißraum und Sauna sowie ein umfangreiches Programm an Massagen und physiotherapeutischen Behandlungen ergänzen das Angebot. Die inneren Anlagen haben dabei architektonisch wenig zu bieten (und sind derzeit auch nicht in allerbestem Zustand), die Außenbecken sind jedoch sehenswert.
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