| Karte | |
|---|---|
| Bay_of_Kotor_maps.jpg | |
| Daten | |
| Name: | Bucht von Kotor, Boka kotorska (serb.) |
| Lage: | Montenegro |
| Zuflüsse: | Karstquellen, Sopot, Skurda Wasserfall Orjenski vodopad untermeerischer Zufluss |
| Abflüsse: | kein eigentlicher Abfluss (Teil des Meeres) |
| Größere Orte am Ufer: | Kotor, Herceg Novi, Risan, Tivat, Dobrota, Perast |
| Besonderheiten: | Größte Bucht der Adria Religioeses Wallfahrtszentrum Einzigartiges Natur und Kulturensemble |
| Zahlen | |
| Oberfläche: | 87 km² |
| Maximale Tiefe: | 60 m |
| Mittlere Tiefe: | 27,3 m |
| Rauminhalt: | 2412,306 km³ (2,4 mrd m³) |
| Höhe über NN: | 0 m |
| Längste Stelle: | 28,13 km |
| Breiteste Stelle: | 7 km |
| Engste Stelle: | 0,3 km |
| Einzugsgebiet: | ca. 4.000 km² |
| Uferlängen: | Insgesamt: 107,3 km |
An den Ufern der Bucht entwickelten sich seit der Antike zahlreiche Orte. Risan als illyrisch-griechische Gründung ist älteste Siedlung der Bucht. Hier finden sich auch noch Reste des Forums und spätantiker Villen. Kotor und Rose sind als römische Gründungen seit der Antike besiedelte Städte. Eine mittelalterliche Gründung ist Herceg Novi. Neben den Seestädten sind zahlreiche religiöse Gründungen in Form von Klöstern an den Ufern der Bucht entstanden. Damit ist die Bucht eine der am dichtesten mit religiösen Kultstätten ausgestattteten Regionen am Mittelmeer. Wallfahrtsorte sind das Benediktiner-Kloster Sveti Djordje, das orthodoxe Kloster Savina sowie die Nemanjiden-Gründung des Klosters des Heiligen Michaels auf der Insel Otok Cvijeća. Bedeutende Stadtkirchen finden sich in Kotor, Perast, Herceg Novi, Risan. Daneben gibt es zahlreiche in Naturstein erbaute Dorfkirchen in den Gebirgsdörfern der umgebenden Gebirge, insbesondere in der Krivošije.
Die Einfahrt in die Bucht liegt zwischen den Bergen Ostro und Arza einerseits sowie Kobila und Kabala anderseits.
Geologisch wird die hauptsächliche Struktur durch eine Deckenüberschiebung nach Süden bestimmt. Über klastischen Flyschfazien liegt hier die Decke der mächtig gehobenen Hochkarstzone. Morphologisch ausgeprägt ist der Kontrast der tief in die Hochkarstzone hineinreichenden Bucht. An der Grenze der Antiklinale des Hochkarstes in der faziell vielfältigen synklinalen Flyschzone ist diese durch errosive und tektonische Prozesse entstanden, an denen sichtbar eine ehemalige Flussanlage in den Buchten von Kotor und Risan sowie tektonische Vorgänge beteiligt waren.
Bei Risan findet sich Quercus ilex nicht mehr, dafür dominiert hier das laurophylle Andropogoni Nerietum in einer breiten Stufe (0-300 m). Einige in Dalmatien sonst häufige Arten wie Viburnum tinus und Rhamnus alternus fehlen in der Bucht ganz. Die naheliegendste Ursache sind die kalten Winde (Bora genannt), die im Winter von den Bergen ins „tiefe Tal“ der Bucht hinunterwehen. Von der Bora beeinflusste Standorte sind somit in der Vegetation zu erkennen, da die empfindlicheren Arten fehlen.
Die Grenze der mediterranen Zone liegt bei 500 m. Supramediterran ist oberhalb der Orientalischen Hainbuchen-Eichenstufe (Carpinus orientalis, Quercus pubescens, Q. cerris) der Hopfenbuchenwald gebildet (700-950/1100 m), oberhalb 950 m (950/1050-1350 m) der Herbstblaugras-Buchenwald gebildet. Dieser leitet die oromediterrane Stufe ein. Ostrya carpinifolia, Acer opalus, Fagus sylvatica, Corylus colurna und Acer pseudoplatanus sind supra- und oromediterran, Pinus heldreichii, Abies alba, Acer heldreichii und Betula pendula oro- und altomediterran verbreitet.
| Station | Höhe * | Typ | Character | Niederschlag * | Schnee |
|---|---|---|---|---|---|
| Risan | 0 | Cs’’a | (s’’= doppelte winterliche Regenzeit), perhumides mediterranes Küstenklima | 3500 | 2 Tage |
| Crkvice | 940 | Cfsb | (fs= ohne sommerliche Trockenheit), perhumides mediterranes Bergklima | 4926 | 70 Tage |
| Zubački kabao | 1894 | D | perhumides mediterranes Schneeklima | ca. 6250 | ca. 140 Tage |
Das Orjen-Gebirge über der Bucht unterscheidet sich davon vor allem thermisch, da im Winter Frost und Schneereichtum einen starken Kontrast zum Küstensaum bilden. Periodische Kaltlufteinbrüche, die auf dem Ablassen polarer Kaltluft über die Gebirge in die Bucht durch heftige Bora-Fallwinde im Winter auftreten, bedingen eine Strukturänderung der Vegetation, die vom Aussehen an eine Garigue erinnert, floristisch aber durch frostharte Elemente charakterisiert wird. Mit der verstärkten zyklonalen Tätigkeit im Mittelmeer wird insbesondere von März bis Mai sowie im Herbst tropische Luft aus Afrika und Teilen Asiens ins Mittelmeer transportiert. Der warme Südwind wird allgemein als Schirokko bezeichnet und ist in Dalmatien als Jugo bekannt. Tritt dieser in den Sommermonaten auf, kommt es zu den höchsten Temperaturen im Adriagebiet.
Die Bevölkerung ist überwiegend serbisch-orthodox, doch in den Orten in der Bucht leben auch viele Katholiken.
Bei der Volkszählung von 1981 hatten sich von 53.000 Einwohnern der Bucht 60 % als Orthodoxe (Montenegriner und Serben), 20 % als Jugoslawen und 20 % als Kroaten bezeichnet.
Historisch ist die Besiedlung der Bucht von Kotor mit dem mediterranen Kulturkreis Dalmatiens sowie allgemein der Geschichte des Balkans verbunden.
Menschliche Siedlungstätigkeit lässt sich bis ins Neolithikum zurückverfolgen, prähistorische Felsbilder mit Darstellung von Jägern und Hirschen finden sich bei Risan, eine bedeutende neolithische Fundstelle befindet sich außerdem auf herzegowinischer Seite. Die Illyrer gründeten in Dalmatien im 3. Jahrhundert v. Chr. ein Königreich und Risan wurde unter Königin Teuta Hauptstadt des Ardiäer-Reiches. Seit dem Ersten Illyrischen Krieg (229-228 v. Chr.) in Abhängigkeit Roms, kam für den Verwaltungsbezirk 59 v. Chr. die Bezeichnung Illyricum auf, der auf das Gebiet bis zur Donau ausgeweitet wurde. Der antike Name der Bucht - Sinus Rhizonicus - verweist auf Risan als zentrale Siedlung. Hier ausgegrabene Bodenmosaike sind die wichtigsten römischen Funde in Montenegro. Bei der Reichsteilung 395 kam Illyrien zur italischen Präfektur und teilte das Schicksal des Weströmischen Reiches.
Nach der Wiedereingliederung in das Oströmische Reich im Jahre 535 unter Justinian I. verblieb die byzantinische Administration bis 1077. Südslawische Stämme verdrängten im 7. Jahrhundert die romanisierte Bevölkerung, und erst die Makedonische Dynastie erreichte im Thema Dalmatia (869) wieder eine Kontrolle der Küste. Die konkurrierende Missionsarbeit dieser Zeit wirkt mit der Unterscheidung in Katholiken und Orthodoxe bis heute nach. Die erste historische Erwähnung Kotors fällt in die Periode Basileios I. (867-886). Nach Basileios II. (976-1025) erstarken lokale Fürstentümer und die Region zwischen Dubrovnik und Cattaro wird Keimzelle des serbischen Nationalstaates.
Von 1185 bis 1371 Teil des Staates der Nemanjiden-Dynastie, erlangt Kotor unter Zar Dušan (1332-1355) ein überragendes Ansehen als wichtiger Handelsort (der Bergbau erlebt eine große Blüte) und Kunstzentrum (Gold-, Silberschmiede, Ikonen-, Freskomalerei, Architektur) des Reiches. Das hohe Ansehen der kotoraner Künstler im Mittelalter zeigt eines der architektonischen Hauptwerke des Spätmittelalters der Balkanhalbinsel, das in apulisch-dalmatinischer Gotik erbaute gößte mittelalterliche Kirchenbauwerk Serbiens, Dečani, dass der Franziskanermönch Fra Vita aus Kotor als Mausoleum für König Stefan Uroš III. Dečanski 1327-1335 errichtete.
Mit der osmanischen Invasion verlieren alle christlichen Staaten des Balkans die Eigenstaatlichkeit. Das unzugängliche Fürstentum Montenegro, nominell 1499 dem Osmanischen Reich eingegliedert, sowie Dubrovnik bewahren ihre Autonomie. Die Republik Venedig übernimmt 1420 die Kontrolle der dalmatinischen Hafenstädte außer Dubrovnik, während die Türken im Inneren des Balkans ihre Herrschaft ausbauen. Als Herceg Novi und Risan in türkische Hand fallen, ist die Bucht von Kotor in einen osmanischen und venezianischen Teil geteilt.
1688 verdrängt Venedig die Türken endgültig aus ihren dalmatinischen Besitzungen und hält sich bis 1797. Während der napoleonischen Kriege wechseln sich Österreich-Ungarn, Russland, Frankreich und wieder Österreich-Ungarn in rascher Folge als Herren der Bucht ab.
Mit der Neuordnung im Wiener Kongress wird Dalmatien einschließlich der Bucht von Kotor als Königreich Bestandteil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1814-1918) und Kotor zu einem stark befestigten Kriegshafen ausgebaut. Bis 1878 verläuft die Militärgrenze über den Orjen. Das spätere Königreich Jugoslawien sichert sich 1920 die Region, die 1945 aus der kroatischen Region Dalmatien ausgegliedert und in die Republik Montenegro eingegliedert wird.
Die Bucht von Kotor ist ein beliebtes Urlaubsgebiet in Montenegro, für den Ferntourismus jedoch bis auf den Flughafen Tivat noch kaum erschlossen. In der Region findet man eine große Auswahl an Stränden.
Bucht | Geographie (Montenegro) | Weltnaturerbe (Europa)
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