Der Begriff Buchreligion bezeichnet Religionen, die eine Heilige Schrift besitzen und diese in schriftlicher Form festgehalten haben. Verwandte Begriffe sind Offenbarungsreligion, Hochreligion, Weltreligion und Schriftreligion. Der Begriff ist in wesentlichen Teilen vom Islam und dessen Religionsverständnis geprägt und wurde nur von wenigen westlichen Wissenschaftlern übernommen.
Die Baha'i werden im Iran als vom Islam abgefallene (Murtaddun) angesehen. Trotz internationaler Proteste sind die Baha'i im Iran noch immer entrechtet und schutzlos, werden verfolgt und teilweise hingerichtet. Nach ihrem Selbstverständnis ist auch ihre nach dem Islam entstandene Religion als eigenständige „Buchreligion“ zu betrachten.
Der Begriff "Buchreligion" ist als Versuch einer klaren Abgrenzung zu Religionen schriftloser Völker (Naturreligionen) auch insofern fragwürdig, als sich die schriftliche Überlieferung oftmals an eine längere Periode mündlicher Überlieferung anschließt. Der Begriff enthält zudem eine problematische Wertung bzw. Abwertung schriftloser Religionen, die in Müllers Zitat deutlich wird. Die Entscheidung, welche Religionen zu den Buchreligionen gezählt werden, ist einer gewissen Wilkür unterworden, da die Abgrenzung nicht treffsicher ist. Aus diesem Grunde wird der Begriff in der modernen Religionswissenschaft kritisch gesehen und wenig verwendet.
Im Allgemeinen werden auch der Sikhismus und die Baha'i zu den Buchreligionen gerechnet.
Für Christen (und Muslime) ist Jesus Christus das "Wort Gottes" in diese Welt hinein, wovon die Schrift nur Zeugnis gibt - und auf diese Weise an seiner Geltung partizipiert. Für den Islam jedoch ist das heilige Buch, der Koran, die Wortgestalt der göttlichen Offenbarung, und Mohammed ist "nur" der Vermittler dieses Wortes, der aber selbst, als Person, keine soteriologische Bedeutung hat. Der Wortlaut der koranischen Sätze gilt als Offenbarung Gottes. So ist lediglich der Islam eine "Schriftreligion" im eigentlichen Sinn, das Christentum gilt als sekundäre Buchreligion.
Noch größer ist der Unterschied zum Hinduismus, wo der Veda (der als von Sehern "gehörtes" Wissen gilt) sehr lange mündlich überliefert wurde und erst Jahrhunderte später schriftlich aufgezeichnet wurde.
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