Der Buchhandel hat im Handel eine besondere Stellung. Sein hauptsächliches Objekt, das Buch, ist zugleich Ware und Kulturgut. Der Gebundene Ladenpreis und der ermäßigte Mehrwertsteuersatz (sieben Prozent) unterstützen das traditionell. Er ist in zwei große Bereiche gegliedert: den verbreitenden und den herstellenden Buchhandel.
Der reine Onlinehandel legte 2005 um 13 Prozent zu, auf 508 Millionen Euro. Auch der traditionelle Versandhandel (ohne stationäre Umsätze gemischter Betriebe und ohne Buchclubs) ist nach einem Minus von vier Prozent im Jahr 2004 gewachsen: Mit 523 Millionen Euro Umsatz ergibt sich für 2005 ein Plus von 7,2 Prozent. Lediglich der Fachbuchhandel verzeichnete einen leichten Umsatzrückgang. Damit belief sich der Gesamtumsatz des Versandbuchhandels (ohne Buchclubs) im Jahr 2005 auf 1,03 Milliarden Euro. Der Bundesverband der Deutschen Versandbuchhändler rechnet vor allem im Onlinebereich mit einem weiteren Wachstum in den kommenden Jahren.(Börsenblatt Online, 16.5.2006) "Gewinner innerhalb der Absatzkanäle war 2005 der Versandbuchhandel. Er konnte seinen Umsatz um 13,7 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro steigern. Verantwortlich dafür war das Online-Geschäft, hier wurden 2005 geschätzte 633 Millionen Euro umgesetzt, rund 25 Prozent mehr als 2004. Mit 54,8 Prozent des Umsatzes ist der Sortimentsbuchhandel zwar immer noch der größte Absatzkanal von Büchern, allerdings wurden 2005 nur rund 5,02 Milliarden Euro umgesetzt, 0,9 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor". (ebenda, 22.5.)
Statistiken über die Branche sind rar (vgl. Antiquariat).
Da sind folgende Lieferwege zwischen herstellendem (Verlag) und verbreitendem Buchhandel:
Die beiden größten der vier allgemeinen Barsortimente (Libri, KNV, Umbreit, Könemann) in Deutschland führen mit über 400.000 Titel am Lager: einen Großteil der deutschsprachigen Verlagspublikationen ergänzt durch fremdsprachige Titel, Musik-CD´s , Hörbücher, Software, Spiele usw.. Aufnahmekriterium ist die tatsächliche oder mutmaßliche, von Computern errechnete Verkäuflichkeit der einzelnen Titel. Die Bestellmengen je Titel werden computergestützt aufgrund je Tag, Woche, Monat, Jahr und Vorjahren rückgespeicherter Absatzmengen ermittelt; bei neu erscheinenden Titeln werden individuell Trends, Verlagswerbekampagnen, Buchbesprechungen und vorliegende Vormerkungsmengen (bestellte, aber noch nicht lieferbare, zur (Nach-)Lieferung nach (Wieder-)Erscheinen notierte Mengen) etc. berücksichtigt. In groß dimensionierten Hallen werden sie überwiegend automatisiert im chaotischen (d.h. so genannten random-system) Lagersystem mit Hochregalen computergestützt und real-time (on-line) Verarbeitung verwaltet. Die beiden größten deutschen Grossisten (Libri, KNV) führen als Hilfsmittel für den Buchhändler vollständige, elektronische Lagerkataloge der über sie lieferbaren Bücher, mit Auskunft über evtl. Lieferhindernisse (Meldenummern). Bücherwagendienste mit eigenen Fahrzeugen oder beauftragten Fremdspediteuren bringen die bestellten Bücher im so genannten Nachtsprungverfahren in die Buchhandlungen in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Grobverteilung erfolgt mit großen LKW zu zentralen Umladestellen, von denen aus die Feinverteilung mittels kleinerer Fahrzeuge erfolgt. Buchbestellungen aus dem Ausland werden über in den Unternehmen integrierte Exportabteilungen abgewickelt. Der Versand erfolgt in der Regel per Post, Speditionen oder mittels Paket-Schnelldiensten.
Für die von den anderen Barsortiment geführten Titel ist das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) ein bibliographisches Hilfsmittel. Es weist alle zur Zeit in Deutschland lieferbaren Bücher nach. Die von den Barsortimenten geführten Titel werden entsprechend gekennzeichnet (gesigelt). Der Datenbestand stützt sich allerdings auf die (kostenpflichtige) Titelmeldung der Verlage - ist also nicht immer "up to date". Besonders kleine Verlage und sog. "Selbstverlage" wissen nicht um das VLB oder scheuen die Kosten.
Neben den allgemeinen Barsortimenten gibt es spezielle - so für Reise, Esoterik, Gesundheits- und christliche Literatur. Auch hier gibt es z. Tl. spezielle Kataloge wie beispielsweise den Geo-Katalog.
Die Nutzung des Barsortiments lohnt sich für den Einzelhändler besonders für die Bestellung von Einzelexemplaren vieler verschiedener Verlage, insbesondere aber auch für das Besorgungsgeschäft, sprich die gezielte Bestellung von Titeln für den Endkunden. Für alle Sortimente stellt das Barsortiment aber durch den effizienten und schnellen Bücherwagendienst auch eine Art verlängertes Außenlager dar. Kleine Sortimente nutzen das Barsortiment naturgemäß in wesentlich größerem Umfang als große, für die sich direkte Bestellungen direkt beim Verlag eher lohnen. Durch ein Angebot zahlreicher Serviceleistungen versuchen die Barsortimente, auch Großkunden zu häufigeren Bestellungen zu bewegen. Zu diesen Serviceleistungen gehört z.B. die regalfertige Lieferung mit individuellen Angaben (z.B. Abteilung, Warengruppe, Lieferscheinnummer u -Datum) etikettierten Büchern.
Das Verhältnis der Verlage zu den Barsortimenten wird häufig als gespannt bezeichnet, da der Verlag Bestellungen über das Barsortiment als eine finanzielle Einbuße betrachtet, obwohl eine eigene Abwicklung kostenintensiv zu Buche schlägt, während die Bestellbündelung der Barsortimente kostengünstiger ist. Bisher war die Tatsache, daß durch den Verkauf über die Barsortimente der individuelle Absatz (z.B. bei Exportverkäufen) nicht nachvollziehbar war und somit nicht in die verlagsinterne Diskussion über die Auflagenhöhe und das (Zielgruppen-)Marketing einfließen konnte, problematisch. Die Barsortimente öffnen sich den Verlagen gegenüber aber für solche Auswertungen. Die Höhe des Funktionsrabatts, aus dem die Barsortimente u.a. ihre Dienstleistungen finanzieren, wird darüberhinaus in der Branche auch immer wieder diskutiert. Für viele kleinere Verlage sind die Barsortimente mit ihren Katalogen und Online-Informationen verkaufsfördernd, wenn sie eine Chance für ihre Titel bieten, in den verbreitenden Buchhandel zu gelangen. Andererseits finden auch die (jungen) Independents, die konzernunabhängigen, kleinen Verlage die Rabattpolitik der Barsortimenter "direkt existenzgefährdend". Die Barsortimente erhöhen ihre Titelzahlen weiter, nehmen so auch eher Titel kleinerer Verlage ans Lager (und listen sie in den Katalogen) (KNV führt nun 440.000 Artikel ständig am Lager). (Bbl.Online, 20. Februar 2006)
Gespenst Optimierung: Sorglospakete (s.u.), je gängiger, umso einförmiger; "Barsortimente (..) gute und pflegeleichte Kunden von Verlagen und Auslieferungen. Offenbar benötigen sie keineswegs den von ihnen stets geforderten Funktionsrabatt von 15 Prozent. Wie könnten sie sonst mit ihren Sonderangeboten dem Sortiment dermaßen attraktive Rabatte gewähren? Der angeblich von den Banken gewünschte Verzicht auf eine Vielzahl von Lieferanten (...)/ Buchhändler Abrechnungs-Gesellschaft (BAG) entlastet herkömmlich von Bürokratie. (Hat das Sortiment nun sein Herz an die Einkaufsentscheidung des Computers vergeben? Die Privilegien – ermäßigter Steuersatz, Preisbindung – solle man nicht durch eine einseitige Ökonomisierung gefährden). (Bbl. 5/2006) BoD, s.u.
Die Bedeutung des Berufs ist in der Sparte längst rückläufig. Das Börsenblatt meldet, das Vertreterpersönlichkeiten im Buchhandel aussterben. Am Beispiel des/eines Norddeutschen (Jochen Kabelström) im Nachruf: "Die Kunst, mit minimalen Worten das je Optimale mit untrüglichem Gefühl für das je Verkaufbare" rüber zu bringen, war längst "zur Sage" geworden, in dem Fall norddeutsch und auch auf Inseln. (Bbl. Online, 24.3.) Übernommen wird die Rolle der Verlagsvertreter häufig von den (Schlüssel-)Kundenbetreuern der Verlage, dem Key Account Management.
Der Verlag besitzt die Rechte zur Produktion und zum Vertrieb der von ihm verlegten Buchtitel. Entweder der Verlag gibt bestimmte Werke in Auftrag oder Autoren senden unverlangte Manuskripte ein (oft "ungedruckte Meisterwerke", die jedoch nur etwa 1 % der Verlagsproduktion ausmachen). Lektoren prüfen die vielen Stapel oder weil die Personalkosten die höchsten sind und die Lektorate weit überlastet, unterlassen sie es. Bei der Annahme eines Manuskriptes kommt es zum Vertrag mit dem Autor, bei dem er als Urheber das Recht zur Vervielfältigung, Verbreitung und Nutzung gegen ein vereinbartes Honorar an den Verlag überträgt. Im Gegenzug verpflichtet der sich zu drucken, zu verbreiten und zu werben. (Nur eine verschwindend kleine Anzahl kann als Autor von Buchhonoraren leben). Bei der Herstellung des Buches legt der Verlag nicht nur den Buchtitel fest, sondern er bestimmt auch die äußere Gestaltung wie Typografie, Einband und Schutzumschlag und setzt darüberhinaus den gebundenen Ladenpreis im Rahmen der gesetzlichen Buchpreisbindung fest, zu dessen Einhaltung in Deutschland alle Buchhändler und sonstigen Widerverkäufer verpflichtet sind. Kleine Teile des Verlagsbuchhandels sind auch
Statistisch gesehen haben wenige große Verlage den mit Abstand meisten Umsatz. Die zahlenmäßig meisten Verlage sind Kleinverlage, definiert oft auch nach der Zahl der Neuerscheinungen pro Jahr.
Überwiegend von Autoren (für deren unlektorierte Manuskripte) verwandt, nutzen auch einige Verlage dieses neue Herstellverfahren zur Publikation von Druckerzeugnissen für kleinere (Nach-)Auflagen, da die Herstell- und Nebenkosten niedriger ausfallen (z.B. Lagerkosten, Vorfinanzierung einer großen Druckauflage) oder unterhalb der üblichen Kosten liegen. Lediglich die sogenannte Druckvorstufe-Kosten (Satz, Illustration, Bildbearbeitung, Gestaltung und Datenaufbereitung) fallen in gleicher Höhe an wie beim klassischen Offsetdruck, aber auch die Vertriebs- und Werbekosten sind ebenso teuer. An die Firmen, die über die technischen Möglichkeiten der Herstellung im on-Demand-Verfahren verfügen, werden die vom Autor oder Verlag in vorgebenenem Format erstellten Manuskripte übermittelt, dort gespeichert und parallel dazu in den Katalogen und/oder on-line-Katalogmedien angezeigt. Druckkosten entstehen erst dann, wenn eine Bestellung vorliegt.
Der Versand einer gewünschten Publikation, der in einem Arbeitsschritt - z. B. bei einen normalformatigen Taschenbuch in weniger mehr als 1 Minute erfolgt, geht innerhalb weniger Stunden über die Bühne. Ein in diesem teuren Verfahren hergestelles Druckobjekt unterscheidet sich nicht von einem nach traditioneller Methode hergestellen Buch. Längst ist die Utopie da, dass Endgeräte in der Buchhandlung stehen und man (von verschiedenen) POD-Verlagen direkt an Kunden ausdruckt. Entwickelt wurde das Verfahren ursprünglich für oder von Großfirmen (z.B. IMB) für den Druck ihrer internen bzw. Kundenschriften, die zumeist schnell zu erstellen und zu verbreiten waren.
Börsenblatt-Newsletter 26. Januar 2006 "zum geplanten Regierungsentwurf eines Zweiten Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft ("Zweiter Korb") "an einigen Stellen dringenden Korrekturbedarf" angemeldet: Manche geplante Regelung hätte für Urheber und Rechteinhaber zum Teil fatale Folgen (..) vor allem die vorgesehene Fassung von Paragraf 52 b. So sei aus dem Regierungsentwurf der Satz herausgefallen, dass an den elektronischen Leseplätzen nicht mehr Exemplare eines Werkes gleichzeitig zugänglich gemacht werden dürften, als die Bibliothek in ihrem Bestand hat. Die Institutionen könnten ihren Nutzern beliebig viele Kopien eines digitalisierten oder elektronischen Werks zur Verfügung stellen. Würde diese Praxis Gesetz, müssten gerade Wissenschaftsverlage einen Zusammenbruch des Markts befürchten. Die damit verbundene Enteignung wäre nach Ansicht des Börsenvereins ein klarer Verstoß gegen die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes, die auch die Urheberrechte einschließt.
Kritik auch an der Ausdehnung der Urheberrechtsschranke bei der Nutzung von Schulbüchern: Paragraf 53 III Nr. 1 UrhGE sieht vor, Kopien nicht nur im Unterricht, sondern auch für den häuslichen Gebrauch zu gestatten. Diese Regelung, so der Börsenverein, würde in das "Primärgeschäft der Schulbuchverlage" eingreifen.
"Katastrophale Auswirkungen" für Urheber und Rechteinhaber könnte nach Ansicht des Verbands die vorgesehene Neuregelung von Geräte- und Betreiberabgaben (Paragrafen 54 ff.) haben. Sie stehe in einem "offenen Widerspruch" zu den beiden Vergütungsberichten der Bundesregierung und sei von einem "fairen Kompromiss" weit entfernt. Und schließlich gehe von der vorgesehenen Bagatellklausel bei Urheberrechtsverletzungen (Paragraf 106) "das fatale Signal einer Degradierung des Urheberrechts gegenüber dem Sacheigentum aus". Gegen die Bagatellklausel hat sich bereits Kulturstaatsminister Bernd Neumann ausgesprochen."
Börsenblatt Online, 11.4.: Fachtagung etikettiert Druck zu freiem Informationszwang als "Content Communism", der über Jahrhunderte gewachsene Standards wissenschaftlichen Publizierens und kleine und mittlere spezialisierte Verlage gefährdet. Eine Emnid-Umfrage der Deutschen Fachpresse, Dachverband der ganz überwiegend PR/Anzeigenträchtigen Zeitschriften, zeigt: nur 2 Prozent des Umsatzes kommen insgesamt aus Internetaktivitäten. (Studie etc. Fachpresse, homepage).
Druckerzeugnisse und vieles andere vom Hörbuch bis zu Software... präsentieren sich: meist auch einem breiten Publikum, das auf manchen Messen einkaufen kann. Während der Handel mit Rechten, Buch-Lizenzen etc. immer wichtig ist, sind auch Buchmessen weniger als früher Ordermessen für das Bestellwesen zwischen Verlagen und verbreitendem Buchhandel. Stärker dienen sie als Informationsmessen für PR der Verlage, Vorstellung von Dienstleistern für den Buchhandel (Verpackungsfirmen, Versandorganisationen, DV-Service-Firmen etc.), wie am Beispiel der Frankfurter Buchmesse (Oktober), der weltweit größten und bedeutendsten deutlich ist (am Wochenende offen für das Publikum). Neben der traditionellen Leipziger Buchmesse im Frühjahr (meist März) gibt es noch eine Vielzahl kleinerer und regionaler Messen wie etwa die jeweils in ungeraden Jahren ab Christi Himmelfahrt stattfindende Mainzer Mini Pressen Messe oder die BuchLUST in Hannover, die jährlich Mitte November 20 kleinen Verlagen und Handpressen aus Niedersachsen und einem wechselndem Gast(bundes)land die Chance gibt, ihr Programm zu präsentieren.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist die Standesorganisation der Verleger und Buchhändler in Deutschland, der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) nimmt dieselben Interessen in der Schweiz wahr, in Österreich der Hauptverband des österreichischen Buchhandels.
Quelle: PW Daily 14.6.2006
Neben dem Zeitbudget kann es sein, dass beispielsweise ein Kinofilm dazu verleitet, auch das verfilmte Buch zu kaufen. (Das Beispiel Jubiläumsautor und die entsprechende Werbung bringt den jeweiligen Verlagen ein Plus, im Theater kaum.) Ein Buch Markt-Forum mit Trendtag will die Lücke Marktforschung schließen: 360°-Radar zu Marktveränderungen, Konsumentenverhalten, Überblick neue Anforderungen Produktqualität, Kundenkommunikation: * * Literaturliste Börsenverein und Buchmarkt, siehe: **
Wie in anderen Branchen gibt es beispielsweise Fach-, eher Werbeblätter und auch Tüten, die der Einzelhandel mit Firmeneindruck beziehen bzw. stempeln kann. Ein großer Schulbuchverlag, Beispiel Cornelsen bringt schon einmal 2,9 Millionen Streuprospekte in Tages- und Publikumspresse für seine Lernhilfen und Lernsoftware-Titel unter: so etwas überlässt die kleine Buchindustrie sonst denen für Klamotten usw.
Auf Verlagsseite spielen für Werbematerialien Persönlichkeits- und Bildnisschutzrecht, sowie die Nutzung von Zitaten aus Presserezensionen eine Rolle. Das Urheberrecht setzt - wie in den vervielfältigten Verlagsprodukten - auch hier Grenzen. Vertreter, Messen, Positionierung der Produkte im Handel usw., eye-catcher sind auch hier übliche Schlagworte.
Ein Zusammenschluss von Marketing- und Werbeleitern aus zunächst 32 Verlagen hat im Januar 2006 begonnen. Man hofft auf weiter unabhängige, verlagsübergreifende Erfahrungsaustausche, Seminare und eine Kooperation mit dem Börsenverein. Börsenblatt Newsletter, 24.1. Auch zunehmend in Verlagen angestellte Juristen haben sich zusammengeschlossen, ohne Nennung von Zahlen (Börsenblatt).
Spezialisierung, in wohl allen Branchen überlebenswichtig, ohne an den Bedürfnissen vorbei Ramsch zu produzieren: Die berühmte Nase, der Instinkt des Verlegers entscheidet im langfristigen Trend oft besser als Marktforschung. Beispiel heutzutage bei (Karl) Blessing: Seiner Verlegerpersönlichkeit "lässt sich nicht in die Fußstapfen zielen", die Verlagsprogramm-Nachfolge will eine Einheit fortsetzen, ohne Trennendes zwischen U (Unterhaltung) und E (Ernst) -Literatur, nichtmals das hilft in der Praxis wirklich, eher kann so eine unwissenschaftliche Schublade wie in dem Fall "niveauvolle Unterhaltung" gezogen werden. "Einer Verlegerpersönlichkeit kann man schwerlich nacheifern", es geht um Abgrenzen von anderen Programmen. Trotz verschiedener Geschmäcker hatten Handel und Medien (...) Qualität und verlegerischen Instinkt nicht angezweifelt. (..) Hier wie sonst ist Outsourcing in Verlagen wohl wieder rückläufig, wenn man beispielsweise Manuskripte selten außer Haus bearbeiten lässt(bbl. Online 1. März 2006).
Die fällige Marktorientierung, z.B.: Die Fußball-WM hat auch die Verlage fest im Griff: Die "Zeit": Über 500 weitere Titel zum Fußball prasseln im Frühjahr 2006 auf die Buchhändler hernieder, überdies Theken-Aufsteller und Plakate, CD-ROMs und Notizbücher mit Kunstraseneinband. Und dann die hohe Literatur - niemand wollte im Abseits landen… Und das 3sat-Magazin „Kulturzeit“ nominiert in Zusammenarbeit mit dem „Buchjournal“ eine Kultur-Elf – mit Klassikern der Fußballliteratur und WM-tauglichen Neuerscheinungen: die beste Buch-Elf und Fußball - auch in der neuen Ausgabe des 3sat-Fernsehmagazins „anders fernsehen“ und auf der Leipziger Buchmesse am 3sat-Stand etc... und wo bleibt Yoga, im Jahr des Gastlandauftritts Indien auf der Buchmesse?
Die 10 größten Buchhandels-Unternehmen im deutschsprachigen Raum nach ihrem Umsatz 2005:
| Rang | Unternehmen | Sitz | Umsatz 2005 |
|---|---|---|---|
| 1. | Thalia Holding GmbH | Hagen | 515 Millionen Euro |
| 2. | Weltbildplus | München | 266 Millionen Euro |
| 3. | Hugendubel | München | 250 Millionen Euro |
| 4. | Schweitzer Sortiment | München | 135 Millionen Euro |
| 5. | Mayersche Buchhandlung | Aachen | 115 Millionen Euro |
| 6. | Karstadt Warenhaus | Essen | 106 Millionen Euro |
| 7. | Kaufhof | Köln | 83 Millionen Euro |
| 8. | Libro | Guntramsdorf (Österreich) | 77 Millionen Euro |
| 9. | Orell Füssli¹ | Zürich (Schweiz) | 76 Millionen Euro |
| 10. | Gondrom² | Kaiserslautern | 70 Millionen Euro |
Verglichen mit dem angelsächsischen Raum schreitet die Monopolisierung im deutschsprachigen Sortiments- und Verlagsbuchhandel langsamer voran. In England, wo die Buchpreisbindung schon gefallen und der Kampf um die Rabatte verstärkt ist, muss z. B. die Wettbewerbskommission gerade über die Übernahme der Waterstones-Kette durch Ottokar's entscheiden - das dramatischste Kapitel des bisherigen Konzentrationsprozesses (Bbl. 30. Januar 2006).
Buchhandelsketten wie Hugendubel, Weltbild Plus oder Thalia; und Verlagskonzerne wie Bertelsmann mit Random House und seinen zahlreichen Imprints, prägen jedoch auch hier zunehmend die Branche. Aktuelles Beispiel: die Diskussion um finanzielle Forderungen der Buchhandelskette Thalia an Verlage (Unterstützungen bei Ladenmiete etc.). Die Thalia-Muttergesellschaft Douglas (Parfümeriekette) hat (Börsenblatt-Newsletter, 19. Januar 2006) Fehler eingeräumt, nachdem der Vorstand des Börsenvereins beschloss, "künftig aggressives Marktverhalten im Lichte der eigenen Regeln der Buchbranche zu bewerten und bis zu den Grenzen der Buchpreisbindung zu prüfen, wie weit Marktteilnehmer in ihrer Politik gegenüber Branchenkollegen gehen dürfen". Die Kette hatte von rund 100 Verlagen eine Kostenbeteiligung für Umbauten und Neueröffnungen von Filialen gefordert, "war sicherlich etwas zu scharf formuliert” (Vorstandschef Kreke gegenüber dpa).
Bestseller, im Fachjargon "Spitzentitel", werden immer mehr gefördert. Neben Welt-Bestsellern, die sich global gut verkaufen, haben viele nur in einigen Ländern Erfolg: Marketing spielt entscheidend mit (bis hin zu dem nationalen Geschmack angepasstem Cover, dazu passenden Spielen, Kleidung, Merchandising) etc.). Ein Großteil der Verlagseinnahmen kommt aus Lizenzen auch für andere Medien, besonders das Kino, besonders deutliches Beispiel: der Diogenes-Verlag, wo eigentlich nur Bücher bekannter Autoren erscheinen, aus denen dann Filme werden können.
Die privatwirtschaftlich organisierten Verlage achten immer mehr auf Wirtschaftlichkeit/Zahlen; ein kulturelles Engagement, das die Bedürfnisse vieler Leser verfehlt, geht längst zurück. Die profilierten Verlagsprogramme sind eher vorbei. Heute erscheinen im ehemals Groschenroman-Verlag auch Übersetzungen, die in den USA in wissenschaftlichen Verlagen heraus kamen. Bei Suhrkamp wäre eine Biografie eines Bergsteigers früher undenkbar gewesen. Großes Lob im Januar 2006, Börsenblatt-Newsletter am 19.: "Es sagt viel über die fortgeschrittene Kommerzialisierung der Branche, wenn sich Teile der Literaturkritik heute mehr um die Vermarktungskünste der Verlage sorgen als um deren zunehmenden Bestsellerwahn und den damit verbundenen Substanzverlust". Dazu die "FAZ" über Kommentare zur Trennung des Verlags von Geschäftsführer Georg Rieppel: "Als kritischer Beobachter der Branche kann man doch heilfroh sein, wenn man einmal nicht von greller Spitzentitelwerbung mit beigelegten CDs und Gimmicks behelligt, mit aus der Luft gegriffenen Startauflagezahlen veralbert und mit der Nase auf die Relevanz irgendeines Popkultjungstars gestoßen wird. Sondern wenn man selbst ganz genau hinschauen muß, um die Perlen im Programm zu entdecken..." In der "Zeit" analysiert Ulrich Greiner zum selben Thema: Die Diskussion "verstellt den Blick dafür, dass Suhrkamp mit dem Fundus seiner Autoren, die ein ganzes Jahrhundert des Geistes verkörpern, sorgsam umgeht. Das ist beispielhaft. Auch riskiert der Verlag immer wieder literarisch Neues, wenngleich er es oft nicht hinreichend sichtbar macht. Seit Unselds Tod hat er seinen Rhythmus nicht wiedergefunden. Daher kommt es, dass die Ab- und Zugänge seiner Geschäftsführer mehr debattiert werden als seine Bücher. Dass sich dies bald umkehre, ist dringend zu hoffen."
Börsenblatt-Newsletter, 26. Januar 2006: Die Konzentration in der Verlags- und Buchhandelsbranche hat sich im vergangenen Jahr deutlich beschleunigt: 138 Übernahmen und Beteiligungen – 47 Prozent mehr als im Vorjahr – zählt der aktuelle “Transaktionsmonitor Verlagswesen 2005” der Unternehmensberatungsfirma CrossMediaConsulting.
Dabei verzeichneten alle Marktsegmente mit Ausnahme der Buchverlage mehr Transaktionen als im Vorjahr. Die meisten Bewegungen gab es im Bereich Fachinformationen (42), gefolgt vom Buchhandel (22) und den Special/General Interest-Verlagen (15).
Im Buchhandel hat sich die Zahl der Transaktionen 2005 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. “Dies ist auch ein klares Anzeichen für die rasche Zunahme der Konzentration in dem noch immer recht fragmentierten Markt”, so die Analyse der Studie. Die größten Deals waren der Kauf von Gondrom durch Thalia, die Übernahme der Wohlthat-Filialen durch Weltbild sowie der Kauf der Buchhandlung Schmorl & von Seefeld durch Hugendubel.
Die 84 Seiten umfassende Studie “Transaktionsmonitor Verlagswesen 2005” ist am 19. Januar erschienen und enthält eine detaillierte Dokumentation aller 138 registrierter Transaktionen. Die Studie ist bei CrossMediaConsulting zu beziehen und kostet 289 Euro (PDF-Datei) bzw. 310 Euro (Print-Dokument).
Börsenblatt-Newsletter, 15. Februar 2006: Das spiegelt sich auch bei der Vermietung von Einzelhandelsflächen in 1a-Lage, wo bonitätsstarke Filialunternehmen neun Prozent bezogen. Nun sind die Buchhändler hinter Young Fashion (35 Prozent) und Textilien (19 Prozent) die drittstärkste Mietergruppe. Etwa die Hälfte der gesamten untersuchten Vermietungen entfällt auf die Größenklasse bis 250 Quadratmeter. Immer häufiger müssen Traditionsbuchhandlungen aufgeben, im wohl unvermeidlichen Konzentrationsprozess, wie die des - weil er mit seinem Team zu Thalia wechselte - zurückgetretenen Vorstehers des Börsenvereins. Begründet hatte er das mit Familiennachfolgeproblemen in der eigenen Buchhandlung. Hätte er anders handeln können?
Bbl. newsletter 6/2006: "Die Branchenkonzentration im verbreitenden Buchhandel ist neu justiert im LD-Konzentrations-Index (LKI) aufgrund der Firmendaten und der neuen Schätzung des Branchenumsatzes durch den Börsenverein. /Der LKI misst fortlaufend den Anteil der zehn größten Buchhandelsunternehmen am Umsatz des deutschen Sortimentsbuchhandels, der liegt aktuell bei 28,1 Prozent. Nach den vorherigen Zahlen war der LKI von einem Wert um 30 Prozent ausgegangen.
Um den Umsatzanteil der großen Player fortlaufend und zeitnah zu bestimmen, wird einerseits der Umsatz der zehn Größten aufgrund deren Neueröffnungen und Übernahmen (und gelegentlich Schließungen), andererseits der Branchenumsatz aufgrund des kumulierten LD-Umsatztests fortgeschrieben. In den letzten zwölf Monaten habe sich bei der Fortschreibung der Umsätze der Großen eine leichte Überhöhung ergeben, die jetzt korrigiert sei, heißt es in Langendorfs Dienst."
Der niederländische Medienkonzern VNU, mit einem Gesamtumsatz 2005 von 3,46 Milliarden Euro der sechstgrößte Fachverlagskonzern der Welt, wird voraussichtlich von einem Private Equity-Konsortium geschluckt. (Übernahmeangebot: 7,5 Milliarden Euro mit dem Wertverlust des Dollars attraktiver geworden, da der größte Teil des Konzernumsatzes in Dollar erwirtschaftet.) (Wall Street Journal/Bbl.Online, 4.5.2006).
Hin und Her? Tim Waterstones Versuch, die von ihm gegründete und nach ihm benannte Buchhandelskette Waterstone’s (siehe Wiki engl.) zurückzukaufen, ist im dritten Anlauf erneut gescheitert (Angebot von zweihundertachtzig Millionen Pfund, der Gründer hatte sich unter anderem gegen die kartellrechtlich umstrittene Fusionierung mit Ottakar’s ausgesprochen, jetzt wohl zu wenig offeriert, laut Wikipedia Englisch wurde die Kette vor paar Jahren für dreihundert zwischendurch nochmals verkauft...). (Bbl. Online, 4.5.2006). Tim Waterstone war zwischendurch Chairman und wurde wie ein anderer hoher Manager wegen Unstimmigkeiten mit der Unternehmensphilosophie suspendiert.
Zwei Präsentationen für Buchhändler über Kundengewinnung sind online. (Domnitz, CEO der American Booksellers Association (ABA), "You and Them: Measuring Yourself Against the Competition". / Henk Kraima, Foundation for the Collective Promotion of the Dutch Book, "10 Ways to attract customers to your bookshop”): www.ibf-booksellers.org
Hier und im Verlag: ein Beruf mit Lehre, auch Verlagskaufmann. Viele ergänzende Seminare sind in den Buchhändlerschulen in Frankfurt am Main-Seckbach / Fachschule des Deutschen Buchhandels. Ein möglicher Studiengang: Buchhandelsfachwirt (IHK), (das veränderte Konzept für "engagierte Sortimenter" präsentiert Schulleiter Wolfgang Schmelzle auch auf der Leipziger Buchmesse 2006).
Im sehr langfristigen Trend unterscheiden sich Buchhändler als Kulturberuf in Deutschland von anderen Einzelhändlern: viele haben Abitur, einige bis hin zu promoviert.
So ist der über 40-jährige Buchhändlerkeller (ehrenamtlich von Jungbuchhändler e.V.) eine feste Institution im Literaturleben der Hauptstadt: wöchentliche Lesungen aus literarischen Neuerscheinungen in Berlin-Charlottenburg. Jubiläum 9. März 2006, 40 Autorenlesungen im Jahr, die durch Mitgliedsbeiträge und Verlagszuwendungen sowie durch Fördergelder des Berliner Senats und des Landesverbandes des Börsenvereins finanziert werden. Seit kurzem ist eine weitere Veranstaltungsreihe am Dienstagabend hinzugekommen, in der neue Sachbuch-Themen vorgestellt und diskutiert werden.
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