= Buchproduktion =
In Europa mussten in der Antike und im Mittelalter Bücher von Hand geschrieben werden. Bis ins 4. Jahrhundert verwendete man Buchrollen, danach setzte sich die heute geläufige gebundene Form als Kodex durch. Etwa gleichzeitig wurde auch der Papyrus als wichtigster Beschreibstoff durch das Pergament ersetzt.
Im Mittelalter konzentrierte sich die Buchproduktion auf die Klöster. In ihren Skriptorien schrieben die Mönche Bücher ab und erstellten damit neue Kopien für den eigenen Gebrauch und für Auftraggeber. Erst im späten Mittelalter ging die Buchproduktion in nennenswertem Maße auch auf kommerzielle Berufsschreiber über. In den Universitätsstädten entstand das Pecia-System, bei dem beim Stationarius der Universität eine zentrale Kopie wichtiger Lehrtexte verwaltete, der sie in einzelnen Lagen an unterschiedliche Berufsschreiber zum Kopieren ausgab.
Papier als Beschreibstoff für Bücher setzt sich seit dem 14. Jahrhundert durch, wobei Pergament lange insbesondere für höherwertige Bücher in Gebrauch blieb.
Dieses System der Buchproduktion konnte den Bedarf an Büchern im 15. Jahrhundert nicht mehr decken, so dass die Einführung des Drucks mit mechanischen Lettern auch als Reaktion auf einen erhöhten Buchbedarf gesehen werden kann.
Das bemerkenswerteste Beispiel für einen Holzdruck in der Goryeo-Dynastie in Korea ist die mehrbändige Tripitaka aus der Regierungszeit des Königs Hyeonjong (Regierungszeit: 1010 - 1031). Das Werk war die zweite Tripitaka, die jemals gedruckt wurde. Danach folgte der Druck eines Kommentars über die Tripitaka. Dieser Kommentar einer Tripitaka war der erste, der jemals veröffentlicht wurde. Bereits zum Beginn der Goryeo-Dynastie war der Holzdruck so weit fortgeschritten, dass nicht nur aufwändige Publikationen wie die Tripitaka, sondern auch gewöhnliche Bücher mit Holzdruck hergestellt wurden. Siehe auch: Tripitaka Koreana
Nach Vorläufern in den so genannten Blockbüchern Erfindung des klassischen Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Drucke aus dem 15. Jahrhundert heißen Inkunabeln (Frühdrucke, Wiegendrucke).
Während im 15. Jahrhundert rund drei Viertel der gedruckten Texte noch in Lateinisch gedruckt wurden, war es im 16. Jahrhundert umgekehrt. Im Zuge des Humanismus wurde das Latein auch als alleinige Wissenschaftssprache immer mehr abgelöst.
Die Menge der gedruckten Werke insgesamt stieg von etwa 30.000 Titeln im 15. Jahrhundert. Das Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts (VD 16) verzeichnet rund 90.000 verschiedene Titel. Schätzungen gehen von insgesamt 130.000 bis 150.000 aus.
Neben wissenschaftlichen Werken wurden nach wie vor operative Schriften (beispielsweise Flugschriften der Reformation), volkstümliche Bücher (z. B. aus der Werkstatt des Sigmund Feyerabend, Ständebücher, Frauentrachtenbücher, Hans Sachs mit über 6.000 Titeln, 1525 Adam Riese) und aufwändig gestaltete bibliophile Bücher (z. B. im Auftrag von Kaiser Maximilian I.) hergestellt.
Die Flugblätter (einzelne Blätter) und Flugschriften wurden unter anderem von so genannten Kolporteuren verbreitet und enthielten Nachrichten, Gerüchte, Haushaltstipps, Horoskope etc. Da nur ein geringer Teil der Bevölkerung lesen konnte, wurden die Schriften oft vorgelesen.
Ein Zentrum der wissenschaftlichen Buchproduktion war Basel, da viele alte Schriften aus Norditalien über Basel nach Deutschland kamen und dort gedruckt wurden. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts gründeten die Basler Drucker eine Vereinigung.
Im 16. Jahrhundert setzten sich auch immer mehr Buchillustrationen mit Holzschnitten durch. Erst gegen Ende des Jahrhunderts wurden auch vermehrt Kupferstiche verwendet.
Siehe auch: Georg Agricola (1556: de re metallica), Erasmus von Rotterdam, Andreas Vesalius (der eine der ersten „Anatomien“ herausgab)
Aufgrund des dreißigjährigen Krieges stagnierte die Entwicklung des Buchdrucks (zumindest in Deutschland) für einige Zeit. Geringere Qualität in Papier, Druckfarben und Einband machen sich bemerkbar. Die ersten Paperbacks erscheinen auf dem Markt.
Mit Zeitungen und Zeitschriften entwickelten sich neue Publikationsformen. Erste wissenschaftliche Zeitschriften kamen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf (Le Journal des Savants Paris und Philosophical Transactions *, beide 1665) und wurden von wissenschaftlichen Akademien herausgegeben. Wissenschaftliche Zeitschriften lösten den vorrangigen Austausch durch Briefverkehr ab. Als Wissenschaftssprache wurde neben Latein (das in Deutschland länger Standard blieb) auch Landessprachen benutzt. Ende des 17. Jahrhunderts entstanden auch die ersten populärwissenschaftlichen Zeitschriften.
Zur Erfindung des Buchdrucks siehe das Standardwerk von
Zum soziologisch-wirtschaftlichen Hintergrund der Erfindung des Buchdrucks siehe das noch immer moderne Werk von
Zur historischen Bestimmung der Buchdruck-Erfindung siehe das Werk von
Jod sulfad brombeeri
Siehe auch: Sammlung Deutscher Drucke
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